Bauchfellentzündung
Bauchfellentzündung

Eine Bauchfellentzündung ist eine ernste Angelegenheit und verläuft oft sogar tödlich. Blutwerte geben zusammen mit Röntgen und Ultraschall oft den ersten Hinweis darauf, dass im Bauchraum eine Entzündungsreaktion vorliegt. Wie bei allen Entzündungen sind CRP, Leukozyten und BSG erhöht, im fortgeschrittenen Stadien kommen weitere Veränderungen der Blutwerte hinzu.

Was ist eine Bauchfellentzündung?

Das Bauchfell oder Peritoneum ist eine seröse Hülle aus einer einzelnen Schicht flacher Mesothelzellen, die den Bauchraum auskleidet. Solche Strukturen finden sich in allen Körperhöhlen, denn sie gewährleisten die Beweglichkeit der darin befindlichen Organ.

Man muss sich eine seröse Hülle so vorstellen, als würde man eine Faust in einen gefüllten Luftballon drücken: Die Faust entspräche den Organen, darüber liegt ein inneres (viszerales = den Eingeweiden zugewandtes) Blatt und ein äußeres (parietales) Blatt, gefolgt von der Bauchhöhle. Etwas ganz Ähnliches findet man auch beim Herzen mit Epikard und Perikard.

Zwischen viszeralem und parietalem Blatt befindet sich die sogenannte Peritonealhöhle. In dieser befindet sich eine kleine Flüssigkeitsmenge, die gerade so groß ist, dass sich die umkleideten Organe in der Körperhöhle bewegen können. Im Falle des Bauchfelles ist das vor allem für die Beweglichkeit des Darmes notwendig, der sich mit seiner Peristaltik um die Durchmischung und den Weitertransport der Nahrung kümmert.

Dort, wo viszerales und parietales Blatt des Peritoneums ineinander übergehen, bildet die Serosa intermedia so etwas wie ein langgezogener Stiel, das Aufhängeband oder Gekröse des Darms (Mesenterium) und anderer Bauchorgane (Mesogastrium des Magens, Mesocolon des Dickdarms). Durch diesen verlaufen die versorgenden Nerven und Blutgefäße. Sensibel innerviert und damit höchst schmerzempfindlich ist nur das parietale Blatt des Peritoneums – der Grund, warum eine Bauchfellentzündung extrem schmerzhaft ist.

Blutwerte bei Bauchfellentzündung – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Als Bauchfellentzündung bezeichnet man eine Entzündung des Peritoneums, das die Bauchhöhle auskleidet. Sie ist die Folge einer Infektion mit Bakterien, die aus dem Blut, häufiger aus dem Darm stammen.
  2. Die Bestimmung der Laborwerte ist neben anderen diagnostischen Maßnahmen wichtig für die Differentialdiagnose.
  3. Bei den Blutwerten sind vor allem die Entzündungsparameter CRP, Leukozyten und Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht.
  4. Außerdem verändert der Verbrauch von Gerinnungsfaktoren die Blutgerinnungswerte.
  5. Im Endstadium beeinträchtigt die Bauchfellentzündung Leber und Nieren, sodass die Leberwerte und Nierenwerte ansteigen.

 

Wieso verändern sich die Blutwerte bei einer Bauchfellentzündung?

Ursache einer Bauchfellentzündung ist eine Infektion mit Bakterien, die entweder über das Blut in das Peritoneum gelangen oder durch eine Verletzung des benachbarten Darmes freigesetzt werden.

Je nachdem, ob diese Infektion nur an einer bestimmten Stelle (lokal) auftritt oder im gesamten Bauchfell, spricht man von einer lokalen oder einer generalisierten Peritonitis. Häufigste Ursache einer solchen Bauchfellentzündung ist ein Blinddarmdurchbruch, genauer ein Durchbruch des Wurmfortsatzes (akute perforierte Appendizitis).

Bakterien im eigentlich sterilen Bauchraum sind für das Immunsystem ein akutes Warnsignal. Es wirft sich mit aller Macht den Angreifern entgegen, um ein Ausbreiten der Infektion zu verhindern. Dieser Maximalangriff zeigt sich binnen kurzer Zeit in den Blutwerten, allen voran den Entzündungswerten.

Warum sind die Blutwerte bei einer Bauchfellentzündung so wichtig?

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Eine Bauchfellentzündung ist äußerst schmerzhaft, aber von ihrer Symptomatik nicht unbedingt typisch. Akute, lokal auftretende Bauchschmerzen treten auch bei Magen-Darm-Infektionen (Gastroenteritis) auf, und starke akute Schmerzen am gesamten Bauch mit Abwehrspannung der bretthart angespannten Muskulatur als Zeichen des „akuten Abdomens“ kann auch auf andere, oft ebenfalls lebensgefährliche Erkrankungen zurückzuführen sein. Ähnliches gilt für nicht besonders spezifischen Symptome Übelkeit, Erbrechen und Fieber bis hin zum Kreislaufschock. Daher sind die Laborwerte wichtig für die Differentialdiagnose.

Achtung! Ein akutes Abdomen mit bretthart gespanntem, berührungsempfindlichem Bauch und starken bewegungsabhängigen Schmerzen, womöglich mit starkem Krankheitsgefühl, Herzrasen und Schweißausbrüchen ist ein medizinisches Notsignal und bedarf sofortiger intensivmedizinischer Behandlung!

Blutwerte im Frühstadium der akuten Bauchfellentzündung

Die ersten Blutwerte, die sich zu Beginn einer Bauchfellentzündung verändern, sind die typischen Entzündungswerte Leukozyten, C-reaktives Protein (CRP) und Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG). Alle sind deutlich erhöht beziehungsweise beschleunigt.

Leukozyten, die weißen Blutkörperchen, sind die Abwehrzellen des Immunsystems, die zudem mit Antikörpern eingedrungene Bakterien bekämpfen. Sie werden bei den ersten Anzeichen einer Infektion in großen Mengen aktiviert und versuchen der Eindringlinge Herr zu werden. Tote Bakterien, Leukozyten und Lymphe sind die Hauptbestandteile des Eiters.

  • Leukozyten Blutwert (LEUK, WBC):
    • Referenzbereich: 3.800 – 10.500/µl.

C-reaktives Protein ist derjenige Blutwert, der zu Beginn einer Infektion und Entzündung am schnellsten ansteigt.

  • C-reaktives Protein Blutwert (CRP):
    • Referenzbereich: ≤ 0,5 mg/dl.

Blutsenkungsgeschwindigkeit ist der Laborparameter, der sich zuletzt verändert. Eine Beschleunigung findet erst lange nach Leukozytenerhöhung und steigenden CRP-Werten statt.

  • Blutsenkungsgeschwindigkeit Blutwert (BSG):
    • < 20 mm (in der ersten Stunde).

Veränderungen der Blutgerinnung bei fortschreitender Bauchfellentzündung

Bakterien und ihre Exotoxine sorgen dafür, dass das Immunsystem große Mengen Histamin freisetzt. Dieser Botenstoff vermittelt Entzündungsreaktionen – Allergikern ist er bestens bekannt, da sich seine bei Allergien unerwünschte Wirkung mit Antihistaminika aufheben lässt. Ein anderer Effekt von Histamin ist die Beeinflussung der Blutgerinnung. Die Gerinnungskaskade, die normalerweise für Hämostase und Wundverschluss zuständig ist, wird aktiviert, sodass es in den kleinen Blutgefäßen wie den Kapillaren zur Ausbildung kleiner Blutgerinnsel (Mikrothromben) kommt.

Diese Mikrothromben bilden sich vor allem in den Kapillarsystemen von Herz, Nieren, Lungen und Leber – einer der Gründe, warum eine Bauchfellentzündung langfristig diese Organe in ihrer Funktion beeinträchtigt.

Durch diese unkontrollierte Gerinnung werden dem Blut Gerinnungsfaktoren in großen Mengen entzogen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Verbrauchskoagulopathie. Dadurch ändern sich die Blutwerte der Gerinnungsfaktoren:

Thrombozyten sind die Blutplättchen, die sich bei Aktivierung der Blutgerinnung von einer normalerweise kissenförmigen Gestalt in kleine Kletten umwandeln, die sich miteinander verhaken und einen Blutpfropf bilden. Der Entzug durch die Verbrauchkoagulopathie führt zu einer Verminderung der Thrombozytenzahl, einer Thrombozytopenie.

  • Thrombozyten Blutwert (THRO, PLT):
    • Referenzbereich: 150 – 400/nl (Nanoliter).

Fibrinogen (Gerinnungsfaktor I) bildet, wie der Name bereits besagt, bei Aktivierung durch Thrombin Fibrin. Dieses Eiweiß besteht aus langen Ketten, die zusammen mit den Thrombozyten den Thrombus bilden und damit verletzte Blutgefäße schließen. Durch die Verbrauchskoagulopathie kommt es zu einem Fibrinogenmangel.

  • Fibrinogen Blutwert – Fibrinogen im Plasma (i. P.):
    • Referenzbereich: 200 – 450 mg/dl (5,88 – 11,76 μmol/l).

Quick-Wert (Thromboplastinzeit) ist die Gerinnungszeit des Blutplasmas im Vergleich zur durchschnittlichen Blutgerinnungszeit in der Normalbevölkerung. Der Quick-Wert ist ein Maß für die Aktivität verschiedener Gerinnungsfaktoren wie Prothrombin (Gerinnungsfaktor II), die Vorstufe des Thrombin (Gerinnungsfaktor IIa), das Fibrinogen in Fibrin umwandelt, Prothrombinogen (Gerinnungsfaktor VII), Fibrinogen und Faktor X. Da die Verbrauchskoagulopathie Gerinnungsfaktoren entzieht, steigt die Zeit bis zur Blutgerinnung und damit der Quickwert.

  • Quick-Wert (Thromboplastinzeit, TPZ):
    • Referenzbereich: > 70 ( – 120) %.

Veränderungen des Hämatokrit-Blutwertes bei Peritonitis

Bei einer Bauchfellentzündung gelangt verstärkt Flüssigkeit aus dem Blut in die infizierte Umgebung. Durch diesen Flüssigkeitsverlust verschiebt sich der Anteil fester Blutbestandteile zum Volumen des Blutplasmas. Daher steigt der Hämatokrit, der das Volumen der vorherrschenden roten Blutkörperchen am Gesamtblutvolumen wiedergibt.

  • Hämatokrit Blutwert (HKT, HCT, HK):
    • Referenzbereich Frauen: 37 – 47 %
    • Referenzbereich Männer: 40 – 54 %.

Blutwerte bei drohendem Organversagen durch Bauchfellentzündung

Wie bereits beschrieben beeinflusst eine Bauchfellentzündung nachhaltig die Funktion innerer Organe, vor allem Leber und Nieren. Das äußert sich in den Blutwerten in veränderten Nierenwerten und Leberwerten. Im weiteren Verlauf kommt es zum Multiorganversagen und Tod.

Kreatinin und Harnstoff werden normalerweise von den Nieren ausgeschieden. Funktionieren sie nicht mehr hinreichend, steigen beide Nierenwerte an.

  • Kreatinin Blutwert im Serum (Kreatinin i. S.):
    • Referenzbereich Frauen: 0,66 – 1,09 mg/dl (58 – 96 µmol/l)
    • Referenzbereich Männer: 0,81 1,44 mg/dl (72 – 127 µmol/l)
  • Harnstoff Blutwert im Serum (Harnstoff i. S.):
    • Referenzbereich 10 – 50 mg/dl (1,64 – 8,18 mmol/l)

Bei den Leberwerten äußert sich ein Organversagen in einem dramatischen Anstieg der Transaminasen GOT, GPT und GGT und der Cholinesterase, die aus den absterbenden Zellen freigesetzt werden.

  • Glutamat-Oxalacetat-Transaminase Blutwert (GOT, AST, ASAT):
    • Referenzbereich Frauen: ≤ 15 U/l
    • Referenzbereich Männer: ≤ 17 U/l.
  • Glutamat-Pyruvat-Transaminase Blutwert (GPT, ALT, ALAT):
    • Referenzbereich Frauen: ≤ 19 U/l
    • Referenzbereich Männer: ≤ 23 U/l.
  • Gamma-Glutamyltranspeptidase Blutwert (GGT, γGT):
    • Referenzbereich Frauen: ≤ 39 U/l
    • Referenzbereich Männer: ≤ 66 U/l.
  • Cholinesterase Blutwert (CHE):
    • Referenzbereich Frauen: 3,9 – 11,5 kU/l
    • Referenzbereich Männer: 4,6 – 11,5 kU/l

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Matthias Krams, Sven Olaf Frahm, Udo Keller, Christian Mawrin: Kurzlehrbuch Pathologie. 2. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 9783131432520.
  • Alfred Benninghoff, Detlev Drenckhahn: Anatomie, Makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen. Band 1: Zelle, Gewebe, Entwicklung, Skelett- und Muskelsystem, Atemsystem, Verdauungssystem, Harn- und Genitalsystem. 17. Auflage. München 2008: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 9783437423420.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
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