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Worauf deuten erhöhte oder niedrige Harnstoff-N-Blutwerte hin?

Die Abkürzung Harnstoff-N steht für den Harnstoff-Stickstoff, wobei Harnstoff in hoher Konzentration im Urin existiert. Seine Messung erfolgt hauptsächlich im Blut, woraus sich die fachliche Bezeichnung BUN Wert – Blood Urea Nitrogen – ableitet.

Medizinisch bekommen niedrige Harnstoff-N-Blutwerte kaum Relevanz. Beispielsweise führt eine proteinarme Ernährung zu einer geringen Menge Harn-Stickstoff im Blut. Gestiegene Werte deuten auf eine Funktionsstörung der Niere oder einen Schock hin.

Urintest Labor Harn © sonne_fleckl – Fotolia.com

Was sagt der Harn-Stickstoff aus?

Zwischen Harnstoff und BUN existiert aus medizinischer Sicht kein Unterschied. Den BUN-Wert messen Mediziner nicht direkt mithilfe des Ureas. Vielmehr kontrollieren sie den darin enthaltenen Stickstoff. Ein erhöhter Harnstoff-N-Blutwert deutet auf eine gesundheitliche Komplikation, beispielsweise eine Nierenfehlfunktion, hin. Die Harnstoff-Stickstoff-Werte fallen geringer als der reine Harnstoffwert aus. Die Bedeutung beider Faktoren ist identisch.

Harnstoff Normalwerte

Harnstoff im Urin (i.U.)
g/24 h
20-35
20-35

 

Harnstoff und damit auch Harnstoff-N entstehen in der Leber durch den Abbau von Eiweißstoffen. Diese heißen in der Fachsprache Proteine. Die Ausscheidung des Harnstoff-Stickstoffs erfolgt über die Niere in Form von Urin. Der Blutwert stellt einen relevanten Laborparameter, den Ärzte im Blutserum bestimmen, dar. Häufig geschieht das im Rahmen eines Screenings, um die Leistungsfähigkeit der Nieren zu überprüfen.

Alternativ misst Ihr Hausarzt den Wert, um Funktionsstörungen des Urogenitaltraktes zu diagnostizieren. In Verbindung mit dem Harnstoff-N kontrolliert er Ihren Kreatininwert.

Warum bestimmen Ärzte das BUN im Blut?

Um einen hohen oder niedrigen Harnstoff-N-Blutwert festzustellen, entnehmen Ihnen die Mediziner eine Blutprobe. Der Harnstoff entsteht als Endprodukt des Protein- und Aminosäurestoffwechsels. In der Leber verbinden sich dafür Ammoniak und Kohlenstoffdioxid. Seine Höhe hängt von unterschiedlichen Faktoren, beispielsweise der Harnstoffbildungsrate, ab. Diese variiert abhängig von der täglichen Eiweißzufuhr. Verspeisen Sie wenig proteinhaltige Produkte, weisen Sie einen niedrigen Harnstoff-N-Blutwert auf.

Die Nierendurchblutung nimmt auf den Harnstoff-Stickstoff Einfluss. Bei einer guten Durchblutung scheidet das Organ viel Harnstoff aus. Bei einer verminderten Nierenleistung steigt der Harnstoff-N im Blut. Das geschieht beispielsweise, wenn Sie unter starkem Durst leiden. Ebenfalls kommt es zu erhöhten Harnstoff-N-Blutwerten, wenn eine gestörte Nierenfunktion, eine Niereninsuffizienz, besteht.

Harnstoff zu hoch?

Was bedeuten erhöhte Harnstoff-N-Blutwerte

Der Referenzwert des Harnstoff-Stickstoffs beträgt bei erwachsenen Menschen sechs bis 25 Milligramm in einem Deziliter Blut. Übersteigt der Blutwert die Normgrenze, bildet der Organismus übermäßig viel Harnstoff. Das geschieht beispielsweise bei Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder bei vermehrter Eiweißzufuhr. Betreiben Sie Krafttraining und nehmen Proteinshakes zu sich, erhöht sich Ihr Harnstoff-N-Wert.

Alternativ steigt dieser an, da der Körper wenig Harnstoff ausscheidet. Gründe bilden eine gestörte Durchblutung der Niere oder das Nierenversagen. Zu den Nierenerkrankungen, die eine hohe Konzentration Harnstoff-N nach sich ziehen, gehören ebenfalls die Glomerulonephritis sowie die Pyelonephritis. Weitere Ursachen des erhöhten Laborwerts sind:
• Hypovolämie,
• eine Herzinsuffizienz,
• ein Schock,
• der Herzinfarkt sowie
• ein erhöhter Proteinabbau (bei einem Hungerzustand).

Zu den Folgekrankheiten eines erhöhten Harnstoff-N-Blutwerts zählt der verschlechterte Gesundheitszustand von Patienten mit einer Funktionsstörung am Herzen. Bei ihnen bildet der Harnstoff-Stickstoff einen Risikoprädiktor für eine steigende Mortalität [Quelle: Wernly, B., et al.: Blut-Harnstoff-Stickstoff (BUN): ein unabhängiger Risikoparameter für kritisch kranke Patienten an der Intensivstation? (Oktober 2018); URL: http://dgk.org/kongress_programme/ht2018/aP233.html (letzter Zugriff: 09.02.2018)].

 

Harnstoff zu niedrig?

Wann entsteht ein niedriger Harnstoff-N-Blutwert?

Sinkt die Konzentration des Harnstoff-Stickstoffs im Blut, weisen Ärzte dem Phänomen eine geringe diagnostische Bedeutung zu. Beispielsweise senkt sich der Blutwert, wenn Sie unter einer niedrigen Eiweißzufuhr leiden. Folglich baut die Leber weniger Protein ab, sodass als Endprodukt im geringen Maß Harnstoff entsteht. Vorrangig Menschen, die sich für eine vegane Lebensweise entscheiden, weisen einen niedrigen Harnstoff-N-Spiegel auf.

Eine weitere Ursache der geringen Harnstoff-Stickstoff-Konzentration im Blut stellt chronischer Alkoholismus dar. Ebenso wie bei einer schweren Lebererkrankung schwindet die Funktionsfähigkeit des Organs. Daraus folgt ein verringerter Proteinabbau. Die Malnutrition – im Deutschen Fehlernährung genannt – bedingt ebenfalls einen niedrigen Harnstoff-N-Blutwert.

Tipp: So verbessern Sie Ihre Nierenfunktion

Resultiert ein erhöhter Harnstoff-N-Blutwert aus einer eingeschränkten Funktion der Niere, stärken Sie das Organ durch eine gesunde Ernährung. Rüben und Blaubeeren besitzen entwässernde und entgiftende Eigenschaften. Zusätzlich trinken Sie grünen Tee, um den Stoffwechsel anzuregen und die Nieren „durchzuspülen“.

Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.