Aktivkohle in der Medizin – So wirkt medizinische Kohle

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Carbo medicinalis -Einnahmezwecke, Nebenwirkungen und Gefahren

Die Fähigkeiten von Kohle sind bemerkenswert. Innerhalb weniger Augenblicke absorbiert das schwarze Pulver eine enorme Kapazität von Giften und ist die letzte Rettung. Gerade nach oralen Vergiftungen gilt der Aktivkohletrunk als eine der wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Aktivkohle
Aktivkohle in der Medizin, Copyright: Quils bigstockphoto.com

Das ist ein Grund, warum eine möglichst schnelle Verabreichung in Rücksprache mit dem Giftinformationszentrum wertvolle Zeit spart. Der Wirkstoff der Aktivkohle in der Medizin lässt sich der Gruppe der Absorbenzien zuordnen. 

Insbesondere bei Vergiftungen und starkem Durchfall sowie Magen-Darminfekten kommt Aktivkohle zum Einsatz. Die schnelle Wirkung ist nicht zu überschätzen und steht in direkter Verbindung zu dem eingenommenen Gift und der Menge.

Woraus besteht Aktivkohle?

Seit Jahrhunderten verwenden wir Menschen Aktivkohle in der Medizin und nutzen heute die praktische Dosierung über Tabletten oder Kapseln. Die Ansätze und Anfänge lassen sich bis in das alte Ägypten und Griechenland zurückverfolgen.

Aktivkohle gibt es als Tabletten, als Pulver, als Suspension und als Kapsel. Die meisten kennen die heilsame Wirkung bei starken Durchfallerkrankungen und Vergiftungserscheinungen. Dabei kann Aktivkohle auch nicht zaubern. Das Mittel wirkt sehr breit, schließt jedoch einige Gifte aus. Das Geheimnis liegt in den Inhaltsstoffen, die in der Basis auf Kohlenstoff zurückgehen. In Form von einem tiefschwarzen, geschmacklosen und geruchslosen Pulver können die kernigen Teile vom Organismus gut aufgenommen werden.

Zu Recht gehört die Aktivkohle zu einem der Nummer 1 der Dekontaminationsverfahren, wenn es um orale Vergiftungen geht. Da ist es verwunderlich, dass der Aktivkohletrunk im klinisch stationären Bereich noch nicht fest in der Vergiftungsbehandlung verankert ist. Dabei macht man sich die enorm große Oberfläche von Kohle zu Nutze, der es möglich ist, jede Menge gelöste Teilchen an sich zu binden und für den Körper ungefährlich zu machen.

Achtung: Aktivkohle ist unlöslich und wird von daher als Suspension verabreicht.

Wann kann ich Aktivkohle einnehmen?

Nach einem Aktivierungsverfahren lässt sich die heilsame Substanz aus den pflanzlichen Materialien gewinnen. Wir nehmen Aktivkohle aufgrund ihrer hervorragenden absorbierenden Eigenschaften ein. So ist dieses Mittel in der Lage, organische und anorganische Bakterien, Giftstoffe und andere Texturen an sich zu binden.

Dabei landet Aktivkohle nur in unserem Magen und wird nicht auf den Organismus abgegeben. Zunächst verabreicht der Arzt Aktivkohle und danach ein Abführungsmittel. Dann scheiden wir die gebundenen Giftstoffe aus und vermeiden eine unangenehme Verstopfung.

Die häufigsten Einsatzzwecke

Die geläufigen Einsatzzwecke von Aktivkohle in der Medizin sind

  • Blähungen,
  • Vergiftungen und

Die Ärzte sprechen von der medizinischen Kohle, die keinesfalls mit dem Rohstoff zu verwechseln ist. Mediziner versuchen damit Giftstoffe schnellstmöglich aus dem Körper herauszubringen und zu eliminieren. Dafür ist eine schnellstmögliche Einnahme der Aktivkohle notwendig. Ist eine Vergiftung schon zu weit fortgeschritten, kann die Aktivkohle keine merkliche Verbesserung erzielen.

Dosierung für Kinder und Erwachsene

Am besten nehmen Sie

  • die Aktivkohlekapseln,
  • das Pulver oder
  • die Tabletten mit einem Glas Wasser ein.

Dabei bleibt es Ihnen überlassen, das Pulver im Wasser aufzulösen oder einfach herunter zu schlucken. Im Prinzip lässt sich die Suspension einfach in das Wasser einrühren und danach trinken.

Erwachsene nehmen diese natürlichen Mittel bei Durchfallerkrankungen ein. Hier ist eine Einnahme bzw. Dosierung von dreimal am Tag üblich. Diese Dosierung gilt nicht für Vergiftungen. Hier ist die Menge der Präparate von dem Grad der Vergiftung abhängig.

  • Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt für Erwachsene 50-100 g bzw.
  • 25-50 g Aktivkohle gelten für einen Rhythmus von 2-4 Stunden.
  • Kinder nehmen ein bis 2 g Aktivkohle pro Kilogramm Körpergewicht zu sich.
  • Bei mehrmaliger Einnahme in einem Rhythmus von 2-4 Stunden kommt die Dosierung auf maximal 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht.

Bei eher harmlosen Beschwerden, wie zum Beispiel leichtem Durchfall, Erbrechen, Völlegefühl oder Blähungen können Sie durch die Einnahme von Aktivkohle schnell Linderung erfahren. Wenn Fieber als Begleiterscheinung auftritt, ist von der Einnahme abzuraten.

Nebenwirkungen und Risiken von Aktivkohle

Was viele nicht wissen, durch die Aktivkohle werden nicht nur die Schadstoffe und Bakterien sowie die Giftstoffe gebunden. Auch wertvolle Nährstoffe und Vitamine spült der Körper heraus.

Darüber hinaus warnen Frauenärzte vor der Verwendung von Aktivkohle in Verbindung mit der Pille. Sie sollten in diesem Fall besonders vorsichtig sein, da eine Neutralisierung der Wirkung oraler Verhütungsmittel nicht auszuschließen ist. Hier ist es wie mit vielen anderen Medikamenten: Gehen Sie auf Nummer sicher und sprechen Sie mit dem Arzt über die Einnahme.

Bei welchen Giften und Krankheiten wirkt Aktivkohle nicht?

Wer nun denkt, Kohle würde gegen alle Gifte seine Wirkung entfalten, irrt gewaltig. Bei verschiedenen Alkoholen, wie zum Beispiel Methanol, bei Eisen, Lithium oder Elektrolyten sowie bei Lösungsmitteln verfehlt Kohle ihre Wirkung. Leiden Sie unter einer Überempfindlichkeit des Magens in Verbindung mit sehr starken Bauchschmerzen oder einem Darmverschluss, sollten Sie keinesfalls auf die Einnahme von Aktivkohletabletten zurückgreifen. Das gilt auch für Durchfallerkrankungen, die mit Fieber einhergehen ebenso wie für ulzerative Kollitis.

Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen beachten

Die leidigen Begleiterscheinungen der Verfärbung des Stuhls lassen sich nicht vermeiden. Dabei ist diese Form der Nebenwirkung vollkommen ungefährlich. Bei einer Überdosierung kann es zu Erbrechen und zu einer Verstopfung kommen. Hier sollten sich Patienten an den Hausarzt wenden und unbedingt auf die Packungsbeilage und die Arzneimittel Informationen zurückgreifen.

Aktivkohle in der Schönheitsbranche im Einsatz

Aktivkohle findet auch außerhalb der Medizin Anwendung, zum Beispiel in Verbindung mit den Zähnen. Gerbstoffe, Bakterien und unschöne Ablagerungen von Wein, Tee oder Kaffee auf dem Zahnschmelz lassen sich mithilfe der pulverförmigen, schwarzen Teilchen beseitigen. Eigentlich müssen Sie nichts weiter tun, als etwas der Aktivkohle auf die Zahnbürste zu geben und los zu putzen. Doch achten Sie dabei darauf – die Aktivkohle spritzt.

Positive Wirkungen zeigen die Inhaltsstoffe bei Mundgeruch oder bei einem Kater nach einer langen Nacht. Die Schönheitsindustrie und die Wellnessbranche haben Aktivkohle schon lange für sich entdeckt. Ob gegen unreine Haut, verfärbte Zähne oder in Verbindung mit Massagen: Die dunkle Paste kommt immer häufiger zum Einsatz.

Mittlerweile setzen einige auf Smoothies mit Aktivekohle-Extrakten. Diese Getränke sollen beim Abnehmen und Entschlacken helfen. Bisher gibt es für diese Annahme keinen wissenschaftlichen Beleg. Jeder sollte bedenken, dass die Kohle Mineralstoffe und Vitamine an sich bindet und der Aufnahme der gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe eigentlich entgegenwirkt.

Eine pflegende Gesichtsmaske setzt sich aus einer Tablette Aktivkohle, 120 ml Wasser und ca. 15-20 g Weizenmehl zusammen. Im Anschluss wird die Paste gleichmäßig auf die gereinigte Haut gegeben, bis sie vollständig eingetrocknet ist. ANschließend lässt sich das Ganze einfach abziehen und bindet ganz nebenbei unschöne Mitesser oder Verunreinigungen in den Poren an sich.

Die rauen Stoffe verbinden sich zuverlässig mit anderen Stoffe und befreien den Körper von Verschmutzungen und Schadstoffen. Vielleicht können wir uns die einzelnen Partikel und ihre Struktur wie Schleifpapier vorstellen. Ein Grund mehr, warum die Detox- Kuren auf dieses natürliche Aktivkohle Arzneimittel zurückgreifen.

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Quellen

https://www.aerzteblatt.de/archiv/19718/Aktivkohle-Sofortmassnahme-bei-oralen-Vergiftungen