Körperliche Regeneration des Körpers nach Alkoholsucht

Mit dem Trinken aufhören ist immer eine gute Idee. Denn fortwährender Alkoholgenuss schädigt nicht nur die Leber, sondern auch viele andere Organe und führt auf Dauer zu irreversiblen Schäden, die nicht mehr gutzumachen sind. Ebenso sind die psychischen Beeinträchtigungen erheblich.

Daher ist es wichtig, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, bevor es zu spät ist. Gelingt das, verfügt der Körper und vor allem die Leber über eine bemerkenswerte Regenerationsfähigkeit, die sich bereits nach wenigen Tagen mit einer erheblichen Besserung der Gesundheit äußert.

Regeneration nach Alkohol
Nach der Entgiftung vom Alkohol regeniert sich der Körper, Copyright: sudok1 bigstockphoto

Regeneration nach Alkoholsucht – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Alkoholmissbrauch führt vor allem zu einer Schädigung der Leber. Verantwortlich ist dafür in erster Linie das primäre Abbauprodukt Acetaldehyd.
  2. Eine vollständige Regeneration ist nach Alkoholmissbrauch nur möglich, wenn dieser rechtzeitig beendet wird. Mindestens die Hälfte der Leber muss noch funktionsfähig sein.
  3. Regenerieren die Leberzellen, kann die Leber ihre zahlreichen Stoffwechselfunktionen wieder in vollem Umfang wahrnehmen. Das äußert sich in vielen Aspekten der zuvor durch den Alkoholmissbrauch beeinträchtigten physischen und psychischen Gesundheit.
  4. Die Erholungsphase zeigt sich in einer Verbesserung der Blutwerte. Sie sind ein Zeichen dafür, dass sich der Körper regeneriert.
  5. Als Folgen dieser Regeneration bemerkt der Patient vor allem eine verbesserte Immunabwehr, Gewichtsabnahme und eine gesteigerte körperliche, psychische und sexuelle Leistungsfähigkeit.

Wie schädigt der Alkohol den Körper?

Zentraler Punkt bei Alkoholsucht ist die Gesundheit der Leber. Unsere größte Drüse darf jedes Glas Alkohol ausbaden, denn ihre Zellen, die Hepatozyten, sind für die Entgiftung des Alkohols zuständig. Geringe Mengen Alkohol, genauer Ethanol, sind nichts Ungewöhnliches – allein die Darmbakterien produzieren bei ihren Stoffwechselvorgängen Alkohol, das von der Darmschleimhaut aufgenommen ins Blut gelangt. 0,0000 Promille wären daher unphysiologisch.

Noch schädlicher als Ethanol ist sein primäres Abbauprodukt, das Acetaldeyhd, das Magenschleimhaut und vor allem Leber mithilfe des Enzyms Alkoholdehydrogenase (ADH) daraus herstellen. Dieses starke Zellgift ist der Grund für den morgendlichen Kater und die Tatsache, dass Asiaten, die nur wenig ADH besitzen, schneller einen Rausch bekommen als Europäer.

Acetaldehyd bauen die Leberzellen in einem zweiten Schritt mittels Acetaldehyddehydrogenase (ALDH) in die weniger schädlichen Essigsäure um, die der Stoffwechsel weiterverwendet oder in Kohlendioxid und Wasser umwandelt.

Das Schlimme an Alkoholschäden der Leber: Man bemerkt sie selbst erst, wenn es zu spät ist. Denn die Leber hat keinerlei Schmerzempfinden und meldet sich nicht, wenn man sie quält. Erst wenn die Leber anschwillt und die umgebende Organkapsel dehnt, führt das zu Schmerzen.

Die Folgen von fortgesetztem Alkoholmissbrauch

Vor allem Acetaldehyd führt zu Entzündungen des Leberparenchyms, einer fortwährenden subakuten Hepatitis. Solche Entzündungen fördern die Einlagerung von Fettzellen (Ito-Zellen), die die Leber verfetten lassen (Fettleber).

Nimmt die Schädigung so überhand, dass die Leber die zugrunde gehenden Hepatozyten nicht schnell genug ersetzen kann, treten Bindegewebszellen an ihre Stelle – die Leber vernarbt (Narbenleber). Im Endeffekt schrumpft die Leber (Schrumpfleber) und kann ihre wichtigen Stoffwechselfunktionen nicht mehr ausreichend erfüllen. Das Ergebnis ist eine Leberzirrhose, die zudem als Risikofaktor für Leberkrebs gilt.

Das Narbengewebe behindert den Blutfluss durch die Leber, sodass sich das Blut davor im Pfortadersystem staut. Durch diese portale Hypertension sucht sich das Blut Umgehungsstrecken, die zum Anschwellen der oberflächlichen Gefäße an der Bauchdecke und in der Speiseröhre führen. Vor allem Ösophagusvarizen sind gefährlich, da sie bereits bei Nahrungsaufnahme aufreissen und zum Tod durch innerliches Verbluten führen können.

Der Blutstau verursacht zudem Wassereinlagerungen (Ödeme) und Stauungen der Gallenflüssigkeit, die zur Gelbsucht (Ikterus) führen.

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Die reduzierten Leberzellen schaffen letztlich nicht mehr den Abbau des Ammoniaks, dem Endprodukt des Eiweißstoffwechsels. Das starke Zellgift sammelt sich im Blut an und schädigt das empfindliche Gehirn (Hirnödem). Letztlich kapituliert die Leber in Form eines Leberausfallkomas, das tödlich verläuft.

Daher ist es wichtig, rechtzeitig den Alkoholmissbrauch zu beenden, bevor die eingetretenen Schäden nicht mehr ausgleichbar sind.

Regeneration der Leber nach der Alkoholsucht:

Sind die Vernarbungen noch nicht zu umfangreich, kann die Leber fehlende Hepatozyten ersetzen – sofern man ihr die Zeit und Gelegenheit dazu gibt. Dazu muss noch mindestens die Hälfte des funktionellen Leberparenchyms vorhanden sein. Die Regeneration nach Alkoholsucht äußert sich vor allem durch die zunehmende Rückgewinnung der Funktionsfähigkeit der Leber.

Regeneration der Blutwerte

Mit dem Trinken aufhören zeigt seine ersten positiven Anzeichen in den Blutwerten. Waren zuvor die Leberwerte Aspartat-Aminotransferase (ASAT, AST, GOT), Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT, ALT, ALAT), Gamma-Glutamyltranspeptidase (Gamma-GT, GGT) und alkalische Phosphatase (AP) jenseits von Gut und Böse, bewegen sich diese Blutwerte langsam wieder in den Referenzbereich.

Ebenso normalisieren sich weitere Laborparameter, die mit Produktion, Abbau und Entgiftung der Leber zu tun haben, wie Bilirubin, Kupfer, Eisen (Eisen im Serum und Transferrin) und die Blutgerinnungswerte (Fibrinogen, Antithrombin-III, Quick-Wert TPZ und Plasmathrombinzeit PTZ).

Abnehmen durch weniger trinken

Was man gerne unterschätzt: Alkohol ist eine hervorragende Energiequelle und für die Figur ähnlich förderlich wie Süßigkeiten. Daher führt reduzierter Alkoholkonsum zu einer oft erheblichen Gewichtsabnahme. Allein das hat eine Vielzahl positiver Effekte wie ein geringeres Arterioskleroserisiko.

Vermindertes Arterioskleroserisiko

Alkohol schädigt die Gefäße, wie auch hohes Körpergewicht das Arterioskleroserisiko steigert. Arterienverkalkung ist ein hoher Riskofaktor für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganfälle, Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen und Thrombosen in den Beinen. Solche Erkrankungen lassen sich durch Alkoholkarenz vermeiden.

Bessere Verdauung ohne Alkohol

Der Magen ist das erste Organ, das sich mit dem Alkohol herumplagen muss. Alkohol regt die Produktion von Magensäure an. Das begünstigt Beeinträchtigungen der Magenschleimhaut, vor allem wenn nicht gleichzeitig Nahrung im Magen ist, wie es im Alkoholexzess häufig der Fall ist. Dadurch kommt es zu Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis), die sich auch in den benachbarten Zwölffingerdarm fortsetzt (Duodenitis). Gegebenenfalls kommt es zu einer Refluxkrankheit mit in die Speiseröhre aufsteigender Magensäure.

Verzichtet man auf Alkohol, gehen solche Entzündungserscheinungen schnell zurück. Wenn nicht, können daraus Magengeschwüren und Magenkrebs werden.

Verbessertes Hautbild bei Alkoholverzicht

Was Alkohol zuvor mit einem angerichtet hat, bemerken Patienten im Entzug vor allem im Spiegel. Alkohol entzieht dem Körper jede Menge Wasser – das zeigt sich vor allem im Trockenwerden der Haut und des Unterhautgewebes. Das verheerende Hautbild von Alkoholikern bessert sich innerhalb weniger Wochen dramatisch; die Haut wird wieder feucht und elastisch und viele Falten verschwinden.

Alkoholkarenz ist besser fürs Gehirn

Alkohol selbst wie auch Acetaldehyd, Ammoniak und andere Stoffwechselprodukte, mit denen die Leber nicht mehr umgehen kann, sammeln sich zwangsläufig im Blut an. Als erstes macht sich das im höchst empfindlichen Gehirn bemerkbar. Unmittelbares Zeichen ist die Trunkenheit mit Gleichgewichtsstörungen, Ausfall der Kommunikationsfähigkeit und Stimmungswandel. Auf Dauer gehen Hirnzellen verloren und können im Gegensatz zu Leberzellen nicht mehr regeneriert werden.

Verzicht auf Alkohol macht sich daher in allen Hirnfunktionen bemerkbar. Man schläft wieder besser, Konzentrationsvermögen, körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nehmen zu, das Stressempfinden hingegen ab. Insgesamt steigert das Motivation, Selbstbewusstsein, Lebensenergie und Wohlbefinden.

Nach dem Alkohol verbessert das Sexualleben

Alkohol beeinträchtigt Sexualität und Fruchtbarkeit. Bei Frauen führt ein erhöhter Östrogenspiegel zu Fertilitätsstörungen, bei Männern geht die Testosteronproduktion zurück und Spermamenge und Spermaqualität sinken dramatisch. Zudem beeinträchtigt Alkohol Libido und sexuelles Leistungsvermögen. Mit Alkoholverzicht lassen sich Erektionsfähigkeit, Ausdauer und Stehvermögen wieder herstellen.

Wichtig! Akuten Alkoholmissbrauch nur unter ärztlicher Aufsicht beenden!

Wer regelmäßig erhebliche Mengen an Alkohol zu sich genommen hat, sollte den Entzug am besten unter ärztlicher und pflegerischer Aufsicht in einer dafür geeigneten Einrichtung vornehmen. Die psychische und vor allem körperliche Abhängigkeit und die damit verbundenen Folgen eines kalten Entzuges sind nicht zu unterschätzen. Im Extremfall können die Entzugserscheinungen so heftig sein, dass der Patient ins Koma fällt und stirbt!

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Klaus Dörner: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. 8. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131297182.
  • Nicolas Alexander Graf,‎ Robert Gürkov: BASICS Klinische Chemie: Laborwerte in der klinischen Praxis. 3. Auflage. München 2013: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437422588.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
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