Amphetamin Überdosis, was tun?

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Für Amphetamine gibt es eine ganze Palette von Bezeichnungen. In der Szene ist von Speed die Rede. Das Pulver ist zumeist weiß bis beigefarben und enthält neben Amphetaminen auch andere Stoffe, wie zum Beispiel Koffein oder Paracetamol. Die verkauften Mittel auf dem Schwarzmarkt schwanken enorm in ihrem Wirkstoffgehalt. Das setzt die Gefahr eine Amphetaminüberdosis drastisch herauf.

Amphetamine
Amphetamine, Methamphetamine, crystal meth – Copyright: kaarsten – bigstockphoto.com

Der Volksmund spricht von Speed, Pep, Benzedrin oder Amfe – gemeint sind die Amphetamine.

Wie wirken Amphetamine?

Pauschal lässt sich dies so einfach nicht sagen, da die eigentliche Wirkung zum einen von dem Wirkstoffgehalt und zum anderen von der Dosis ebenso wie von den Gewöhnungseffekten abhängig ist.

In den meisten Fällen setzt eine erste Wirkung bis zu 20 Minuten nach der nasalen Einnahme ein und bis zu 60 Minuten nach der oralen Einnahme. Die Amphetamine wirken bis zu 12 Stunden. Die folgenden physischen und psychischen Reaktionen können die Folge sein:

  • konzentriert und angespannt
  • gelöst und euphorisch
  • kontaktfreudig
  • aggressiv und verwirrt
  • höheres Selbstwertgefühl
  • Zunahme von Verfolgungsängsten und Angst: Paranoia
  • Herabsetzung von Hunger und Durst sowie Schlafbedürfnis
  • minimiertes Schmerzempfinden
  • höhere Leistungsfähigkeit
  • Anstieg von Blutdruck, Puls und Herzschlag
  • erweiterte Pupillen
  • höhere Körpertemperatur

Nach dem euphorischen Hoch folgt der Absturz

In Abhängigkeit von dem Wirkungsgrad und von dem Konsumenten können Zittern, Übelkeit und Unruhe ebenso wie Magenschmerzen und Kopfschmerzen sowie weitere physische Begleiterscheinungen auftreten. Nach der euphorisierenden Wirkung der Amphetamine folgt unweigerlich der Absturz, der mit einer starken Erschöpfung einhergeht.

Die Betroffenen haben das Gefühl, sie müssten sehr viel schlafen und können bis hin zu einer depressiven Stimmung verfallen. Damit einher gehen Heißhunger und die Unfähigkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Der Absturz nach der Euphorie der Amphetamine kann über Tage hinweg andauern.

Die Gefahr einer Amphetaminüberdosis

Es ist schier unmöglich, den jeweiligen Wirkstoffgehalt, Beimischungen und andere Zusatzstoffe unter Kontrolle zu behalten. Der Schwarzmarkt hat seine eigenen Gesetze und bildet ein unheimlich hohes Risiko einer Amphetaminüberdosis. Konsumenten, die ihrem Körper über längere Zeit die Wirkstoffe zuführen, schwächen den ganzen Organismus, der damit vollkommen überfordert ist.

So treten bei einem anhaltenden Konsum weitere Schädigungen und Nebenwirkungen auf, die mit Gewichtsverlust, hormonellen Störungen, wie zum Beispiel dem Ausbleiben der Regelblutung und Entzündung und Schädigungen der Nasenschleimhäute einhergehen. Neben einer zunehmenden Unruhe und Rastlosigkeit nehmen Entzündungen auf der Haut zu ebenso wie Magenprobleme und Kreislaufstörungen.

So berichten Abhängige von den Amphetaminpsychosen und anhaltenden Depressionen sowie einem Kreislauf, aus den sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen.

Der Teufelskreis führt mit der zunehmenden Einnahme von Amphetaminen fort. Möchte der Konsument dieselbe Wirkung wie am Anfang erzielen, muss er die Dosis anpassen. Das maximiert das Risiko einer Amphetaminüberdosis, die den gesamten Organismus zum Erliegen bringt. Darüber hinaus verfallen viele in den Mischkonsum und nehmen verschiedene Amphetamine und Wirkstoffe miteinander ein.

Anwendung von Aktivkohle und Kohletabletten

Ist es zu einer Amphetaminüberdosis gekommen, muss alles schnell gehen. Die Betroffenen brauchen jede Menge Ruhe und Lebensmittel mit Vitaminen. Dafür begibt sich der Konsument in einen Raum, der keinerlei Reizen ausgesetzt ist. Bei zunehmender Paranoia sollten Angehörige den Betroffenen beruhigen und nicht aus den Augen lassen. Der Körper befindet sich in einer Art Schwebezustand, der sehr gefährlich ist. Von daher sollten Sie schnellstmöglich, einen Arzt oder eine Notfallambulanz aufsuchen. An dieser Stelle verweisen wir auf die ärztliche Schweigepflicht der Sanitäter und der Ärzte.

In jedem Fall hilft Aktivkohle so schnell wie möglich. Sie sollte unmittelbar nach der Einnahme oder Überreaktion in Verbindung mit einer Magenspülung eingenommen werden. Dank ihrer enorm großen inneren Oberfläche ist Aktivkohle in der Lage, Giftstoffe zu resorbieren und aus dem Körper zu spülen. Dennoch ist die jeweilige Wirkung und Dosierung

  • vom Zeitpunkt,
  • der Person und
  • deren Zustand abhängig.

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Amphetaminüberdosis um einen Vergiftungszustand, bei dem eine zügige Verbesserung nur durch das Entfernen der Giftstoffe erzielt wird.

Wichtige Tipps bei einem Drogennotfall:

  • Sofort den Notarzt rufen.
  • Betroffene und Angehörige auf jeden Fall Ruhe bewahren.
  • Stellt der Konsument eine Amphetaminüberdosis fest, sollte er sich unbedingt Hilfe von einer Person suchen.
  • Unbedingt versuchen, wach zu bleiben und sich in eine geschützte Umgebung bewegen.
  • Vorerkrankungen für den Drogennotfall ausschließen.
  • Alle eingenommen Substanzen in der notärztlichen Behandlung nennen und kein Detail auslassen.

Unter der Notfallnummer 112 erreichen Betroffene die richtigen Ansprechpartner. Gerade wenn Bewusstlosigkeit oder Atemstillstand im Spiel sind, trifft in ein paar Augenblicken der Rettungswagen ein. Direkt am Telefon ist es empfehlenswert, den möglichen Drogenkonsum nicht zu erwähnen. Andernfalls verständigt der ärztliche Notdienst die Polizei. Vor Ort in der Behandlung sollte jeder offen kommunizieren. Hier gilt die ärztliche Schweigepflicht.

 

Erste-Hilfe-Versorgung mit der ABC-Regel

  • A – steht für das Freimachen der Atemwege,
  • B für die Beatmung und
  • C für die cirulation, Englisch für Kreislauf.

Der Patient sollte unbedingt in die stabile Seitenlage gebracht werden. Die Zunge sollte sich im vorderen Bereich des Mundes befinden, um nicht verschluckt zu werden. Das oberste Ziel ist es, das Herz und den Kreislauf am Arbeiten zu halten.

Ergänzend kann die Einnahme von Vitamin C über Brausetabletten, Säfte und Obst das allgemeine Körpergefühl verbessern. Oftmals kommt es zu einem Unwohlsein über einen drastischen Vitaminentzug. Eine schnelle Erste-Hilfe-Maßnahme kann auch die Einnahme von Traubenzucker und Cola bewirken.

Wie erkenne ich die Amphetaminüberdosis?

Die ersten Anzeichen einer Amphetaminüberdosis sind

  • eine flache Atmung,
  • ein niedriger Puls,
  • blaue Ohrläppchen, Zunge und Lippen ebenso wie
  • ein blaues Nagelbett und
  • eine fahle Hautfarbe.

Die Personen scheinen nur noch physisch anwesend zu sein. Sie reagieren aber kaum noch auf die Ansprache eines anderen. Das wirkt sich auf die gesamte Motorik aus. In den schlimmsten Fällen kommt es zu epileptischen Anfällen.

Wie kann man den Amphetamintrip beenden

Häufig verschreiben Ärzte als Gegenmittel bis zu 20 mg Diazepam. Das ist ein Valium, um Betroffene zu beruhigen. Wir raten dringlich davon ab, selbst die Medikamente einzunehmen. Jeder Betroffene, der unter einer Überdosis leidet oder Angehörige sollten unbedingt einen Notarzt kontaktieren. Kohletabletten gegen Amphetamin können eine erste Hilfsaktion sein. Sie absorbieren Giftstoffe im Körper und spülen diese wenig später heraus.

Die folgerichtige Reaktion auf eine Überdosis ist die Sicherung des Betroffenen in der stabilen Seitenlage und die Kontrolle von Atmung, Puls und Herzschlag. Reden Sie beruhigend auf den Betroffenen ein und kontaktieren Sie unter 112 den Notarzt. Vitamine, Kohletabletten und Flüssigkeit helfen im ersten Moment. Auf schnellstem Wege lässt sich ein Amphetamintrip nicht beenden. Die Folgen und die Wirkungen können über Stunden oder über Tage anhalten. Oftmals verabreichen Ärzte spezifische Medikamente, die Krampfanfälle, Depression und Unruhe nach unten fahren, um zu einer Besserung des Zustands zu kommen.

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