Magenkrebs Symptome und Verlauf der Tumorerkrankung

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Wie erkennt man Magenkrebs

Die Symptome bei Magenkrebs kommen meistens schleichend: Irgendwie schmeckt das Essen nicht mehr richtig, ein komisches Druckgefühl im Oberbauch und Brechreiz treten auf, allein der Geruch von Fleisch und Wurst ekelt einen bereits.

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Nicht selten werden die Beschwerden als „nervöser Magen“ abgetan.

Vielleicht ist auch dies einer der Gründe, warum Magenkrebs häufig relativ spät erkannt wird und deshalb eine schlechte Prognose aufweist.

Magenkrebs Symptome Anzeichen
Tumor Zelle im Magen – 3D illustration, Copyright: Tyrannosaurus bigstockphoto

Magenkrebs – Das Wichtigste im Überblick:

  1. Der wichtigste Risikofaktor für Magenkrebs ist eine Helicobacter-pylori-Gastritis
  2. Magenkrebs bildet früh Metastasen, vor allem in Lymphknoten, Leber, Lunge, Knochen, Gehirn und anderen Teilen des Magen-Darm-Trakts
  3. Die Beschwerden sind meist diskret oder fehlend
  4. Mehr als die Hälfte der Magenkarzinome wird erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt
  5. Die therapeutischen Optionen sind Operation und Chemotherapie

 

Magen: Ein erster Überblick

Der Magen liegt im linken Oberbauch unter dem Zwerchfell. Er ist ein Hohlorgan, das innen aus einer Schleimhaut-Schicht und außen aus Muskulatur besteht. Der Gastrointestinaltrakt beginnt mit der Speiseröhre, nach dem Magen wird die Nahrung in den Zwölffingerdarm weitergeleitet. Die Aufgabe des Magens ist es, die aufgenommene Nahrung zwischenzuspeichern und bereits mit der Verdauung zu beginnen. Wenn der Magen voll ist, kann er beim Erwachsenen bis zu zwei Liter Inhalt speichern.

Duodenalulkus Symptome und Ursachen
Anatomie Illustration des Magens mit dem Zwölffingerdarm. 3D render Copyright: Nerthuz, Bigstockphoto

Der Bereich, von dem Magenkrebs in der Regel ausgeht, ist die Magenschleimhaut. Die Hauptaufgabe der Magenschleimhaut ist es, den Magensaft zu produzieren. Dieser besteht aus Salzsäure, Enzymen, Hormonen und anderen Stoffen. Zusätzlich wird oberhalb der Schleimhaut eine Schleimschicht gebildet, die die Schleimhaut selbst vor dem aggressiven Magensaft schützt und verhindert, dass der Magen „sich selbst verdaut“.

Welche Arten von Magenkrebs gibt es?

Wie entsteht Magenkrebs?

Der wichtigste Risikofaktor für Magenkrebs ist ein Befall der Schleimhaut mit Helicobacter pylori. Dieses Bakterium ist ein Karzinogen und sollte daher immer eradiziert werden. Weiterhin gelten stattgehabte Magenteilresektionen als Risikofaktor, ebenso wie Ernährung mit vielen stark geräucherten und gesalzenen Speisen. Auch genetische Faktoren wie eine familiäre Belastung und Mutationen spielen eine Rolle.

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Die häufigste Form von Magenkrebs ist das Magenkarzinom und dort wiederum das Adenokarzinom. Es entsteht aus entarteten Zellen des Drüsengewebes in der Magenschleimhaut. Selten gibt es auch andere Formen von Magenkrebs, die nicht von der Magenschleimhaut ausgehen. Dazu gehört zum Beispiel der Gastrointestinale Stromatumor (GIST), der zu den Weichteilsarkomen gerechnet wird. Er geht von den Zellen des Stütz- und Bindegewebes aus.

Eine weitere Form von Magenkrebs aus der Gruppe der Sarkome ist das Leiomyosarkom, das von der Muskulatur des Magens ausgeht.

Auch Lymphome können den Magen-Darm-Trakt befallen, zum Beispiel das MALT-Lymphom, das zu den Non-Hodgkin-Lymphomen zählt. Zusätzlich können neuroendokrine Tumore entstehen, die sich aus entarteten hormonproduzierenden Zellen entwickeln. Metastasen anderer Tumore im Magen sind sehr selten.

„Bei etwa 16.000 Menschen stellen Gastroenterologen jedes Jahr in Deutschland Magenkrebs neu fest.“ ( https://tumorzentrum-berlin-mitte.de/magenkrebs-magenkarzinom/)

Magenkrebs Symptome

Die Anamnese der Patienten im Vorfeld der Diagnose ist meistens kurz oder fehlend. Symptome sind in der Regel sehr diskret und unspezifisch. Die Beschwerden, die vorkommen können, sind:

  •  Gewichtsabnahme und Leistungsknick
  •  Brechreiz, Abneigung gegen Fleisch
  •  Druckgefühl im Oberbauch, Schluckbeschwerden
  •  subfebrile Temperaturen
  •  Magenblutung
  •  Passagestörungen des Magens, zum Beispiel bei Magenausgangsstenose
  •  Tumorkachexie
  •  im fortgeschrittenen Stadium ein tastbarer Tumor im Oberbauch
  •  Beschwerden durch die Metastasierung: Hepatomegalie, Aszites, Knochenschmerzen, Schwindel und Übelkeit

Laborchemisch ergeben sich meistens keine wegweisenden Befunde. Bei chronischer Blutung des Tumors kann eine Anämie auffallen. Als Tumormarker werden vor allem CA 72-4 und CA 19-9 sowie CEA Wert verwendet.

Wie verläuft die Feststellung von Magenkrebs?

Wie schnell wächst Magenkrebs?

Wenn ein Patient mit Symptomen wie Gewichtsabnahme, Bauchschmerzen und Brechreiz zum Arzt geht, wird häufig eine Magenspiegelung durchgeführt. Dabei kann man auffällige Bereiche in der Speiseröhre oder im Magen direkt erkennen und Proben daraus entnehmen. Die Proben werden dann histologisch untersucht und können so einem bestimmten Typ von Magenkarzinom zugeordnet werden.

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Wenn noch kein Magenkrebs vorliegt, kann im Rahmen der histologischen Untersuchungen aber auch ein Befall der Magenschleimhaut mit Helicobacter-pylori-Bakerien erkannt werden. Diese sollten mit einer Triple-Therapie eradiziert werden, weil sie zu Magenschleimhautentzündungen sowie im Verlauf zu einem Ulcus oder einem Magenkrebs führen können.

„Bei Männern ist [Magenkrebs] die fünfthäufigste, bei Frauen die siebthäufigste Krebserkrankung.“ (www.tumorzentrum-berlin-mitte.de/magenkrebs-magenkarzinom/)

Wie verläuft das Wachstum von einem Tumor im Magen?

Zu Beginn der Tumorentstehung liegt meistens ein Carcinoma in situ vor. Das ist ein Tumor, der sich nur im Epithel der Schleimhaut befindet und nicht infiltrierend wächst. Wenn der Tumor größer wird, wächst er in die tieferen Schichten der Magenwand ein.

Das sind die Lamina propria, die Muskularis mucosae und dann die Submukosa. Wächst der Tumor noch weiter, infiltriert er zunächst die Muscularis propria und dann die Subserosa. Wenn der Tumor die umgebende Bindegewebsschicht, die Serosa durchbricht, liegt bereits ein fortgeschrittenes Stadium vor, das man in der TNM-Klassifikation als einen Tumor der Größe T4a einordnen würde.

Das Stadium T4b liegt vor, wenn der Tumor auch noch umgebende Strukturen und Organe befällt. Dazu gehören Milz, Leber, Pankreas, Nieren, Nebennieren, Dünndarm, Dickdarm, Zwerchfell oder die Bauchwand und das Retroperitoneum.

Metastasierung des Magenkarzinoms

Magenkrebs metastasiert relativ früh. Bei etwa 70 Prozent der betroffenen Patienten sind schon zum Zeitpunkt der Diagnosestellung Metastasen in den Lymphknoten vorhanden. Die Ausbreitung der Krebszellen in die Lymphknoten erfolgt in drei Bereiche.

Alle Lymphknoten, die direkt am Magen, in der großen und kleinen Kurvatur liegen, können befallen werden. Weiterhin werden Lymphknoten im Bereich des Truncus coeliacus und in der Nähe der Aorta sowie im Mesenterium infiltriert.

Zusätzlich können sich die Krebszellen auch recht schnell „per continuitatem“ in naheliegende Organe ausbreiten. Dazu gehören Speiseröhre, Zwölffingerdarm, Dickdarm und Pankreas. Wenn das Bauchfell von Krebszellen befallen ist, spricht man von einer Peritonealkarzinose. Dann kann sich auch Wasser im Bauch, sogenannter Aszites, bilden.

Nicht nur über die Lymphwege, sondern auch über das Blut können die Zellen des Magenkrebses weiter im Körper verteilt werden. Das nennt man eine hämatogene Metastasierung. Die Fernmetastasen beim Magenkrebs liegen meistens in der Leber, der Lunge, den Knochen oder dem Gehirn.

Gelegentlich kommen auch sogenannte „Abtropfmetastasen“ vor, bei denen Krebszellen der Schwerkraft folgend nach unten in die Bauchhöhle „fallen“. Dann können sich Metastasen an den Eierstöcken finden, die man als Krukenberg-Tumor bezeichnet, oder Metastasen im Douglas-Raum.

Die Therapie hängt unter anderem davon ab, um welche Art von Tumor es sich handelt. Man kann unterscheiden zwischen dem recht gut begrenzten intestinalen Typ und dem infiltrativ wachsenden und schlecht begrenztem diffusen Typ. Zusätzlich gibt es auch Mischtypen.

Verlauf von Magenkrebs nach der Diagnose

Der Verlauf von Magenkrebs hängt davon ab, in welchem Stadium er entdeckt wird. Ist der Tumor operabel, wird er in ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt. Das schließt in der Regel eine Entfernung von Teilen des Magens, oft auch des ganzen Magens mit ein. Manchmal müssen auch noch Teile der Speiseröhre mit herausoperiert werden.

Wenn ein lokal fortgeschrittener Tumor vorliegt, wird oft eine Chemotherapie mit Cisplatin und 5-FU angeschlossen.

Ist der Tumor nicht mehr operabel, weil er bereits umgebende Organe infiltriert und/ oder mehrere Fernmetastasen vorliegen, kann eine palliative Chemotherapie erwogen werden, um die Überlebenszeit zu verlängern.

Zusätzlich kommen weitere palliative, symptomatische Maßnahmen in Betracht. Dazu gehört zum Beispiel die Anlage von Stents bei stenosierenden Tumoren, um die Nahrungspassage weiterhin aufrecht zu erhalten. Manchmal muss auch eine Ernährungssonde in den Anfang des Dünndarms gelegt werden.

Prognose bei Magenkrebs

Wenn der Tumor noch sehr klein ist (Carcinoma in situ oder T1), liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 90 bis 100 Prozent. Bei einem T1-Tumor mit Lymphknotenbefall überleben 70 Prozent der Patienten die ersten fünf Jahre.

Bei noch weiter fortgeschrittenem Magenkrebs hängt die Prognose vor allem davon ab, ob der Tumor durch eine Operation komplett entfernt werden kann. Wird der Tumor vollständig herausgenommen, leben ungefähr 45 Prozent der Patienten mindestens weitere fünf Jahre. Bei Tumoren, die nicht komplett entfernt werden können, ist die Prognose extrem schlecht.

Leben nach der Diagnose Magenkrebs

Jede Krebserkrankung ist für den Betroffenen und seine Angehörigen eine belastende Situation. Die besonderen Schwierigkeiten bei Magenkrebs nach der Operation liegen darin, dass so etwas Alltägliches wie die Nahrungsaufnahme bei einem verkleinerten oder fehlenden Magen mehr Schwierigkeiten machen kann, als man es gewohnt ist.

Zum Beispiel müssen häufig sehr kleine Mengen gegessen werden, zusätzlich müssen bestimmte Vitamine substituiert werden, damit es nicht zu einer Mangelernährung kommt. In Krankenhäusern oder bei speziell geschulten Diätberatern können sich Betroffene mit Tipps und Hilfestellungen versorgen.

Quellen und Literatur:

Gerd Herold, Innere Medizin 2017
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/magenkrebs/index.php

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Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin "Großes Blutbild"