Quecksilberwerte im Blut – Normalwerte und Vergiftungen

Wichtige Informationen zur Ermittlung der Quecksilberwerte

Laboranten bestimmen die Quecksilberwerte im Blut bei einem Verdacht auf eine Vergiftung mit dem Stoff oder im Zuge beruflicher Vorsorgeuntersuchungen. Dazu gehört die Überwachung von Arbeitern, die mit dem giftigen Stoff hantieren oder in Berührung kommen. Ebenso besteht ein Bedarf bei Personen, die wissentlich Quecksilber aufnahmen. Zur exakten Bestimmung verwendet der Laborant eine venöse Blutprobe und zieht in manchen Fällen eine zusätzliche Messung des Wertes im Urin in Betracht.

Labor Untersuchung

Blut Labor Untersuchung Urheber: dolgachov / 123RF.com

 

 

 

Erhöhte Quecksilberwerte führen zu einer Intoxikation

Quecksilber befindet sich in kleinen Mengen überall in unserer Umwelt. Der Mensch nimmt es über die Haut, die Luft und die Nahrung auf. In den seltensten Fällen führt das zu einer Erhöhung der Quecksilberwerte im Blut. Betroffen sind hauptsächlich Arbeiter von fossilen Brennanlagen und Kohlekraftwerken. Zur Bestimmung der Werte ziehen Mediziner venöses Blut heran. Um die chemische Zusammensetzung zu eruieren, entnimmt der Arzt Plasma und Vollblut. Damit unterscheidet er, ob eine organische oder anorganische Vergiftung vorliegt. Zur Mengenbestimmung empfiehlt sich eine zusätzliche Urinprobe.

 

Die biologische Arbeitsstofftoleranz liegt bei unter 50 Mikrogramm/l. Bis zu diesem Wert tritt keine Schädigung ein. Der Normalwert beläuft sich auf unter 20 Mikrogramm/l. Bei einer Vergiftung nimmt der Körper den Stoff in Leber, Milz, Gehirn und Nieren auf. Betroffene leiden unter Erbrechen, Glieder- und Kopfschmerzen, abdominalen Schmerzen, vermehrtem Speichelfluss, Zahnfleischentzündungen und Durchfällen.

 

Im Folgenden erfahren Interessierte alles Wissenswerte zum Thema. Eine Rolle spielen der Ablauf der Untersuchung, das Probenmaterial, Ursachen für Quecksilbervergiftungen, Auswirkungen im Körper sowie die gängigen Referenzwerte zur Bestimmung einer erhöhten Quecksilberbelastung.

 

Was untersucht der Mediziner?

Um die Quecksilberwerte im Blut zu bestimmen, entnimmt der Arzt venöses Blut vom Patienten. Dieses antikoaguliert er mit Lithiumheparin oder EDTA. Zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung des Giftes nimmt er eine vergleichende Probe von Vollblut und Plasma. Organisches Hydrargyrum (Hg), wie das Quecksilber in der internationalen chemischen Nomenklatur heißt, lagert sich an den Erythrozyten an. Anorganisches findet der Laborant im Plasma. Um die Menge an aufgenommenem Quecksilber zu bestimmen, benötigt der Arzt eine zusätzliche Urinprobe.

 

Labor Untersuchung

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Das Probenmaterial zur Bestimmung der Quecksilberwerte im Blut

Zur Ermittlung der Werte zieht der Arzt venöses Blut aus der Armvene heran. Damit misst er die Quecksilberkonzentration im Blut. Der Test eignet sich, um herauszufinden, ob der Patient eine überdurchschnittliche Konzentration an Quecksilber aufnahm und ob diese Menge chronisch oder akut war.

 

Ursachen für erhöhte Quecksilberwerte im Blut

Grundsätzlich liegt Quecksilber in drei verschiedenen Zuständen vor. Zu unterscheiden sind das elementare Metall im flüssigen oder gasförmigen Zustand, die anorganische Verbindung als Quecksilbersalz und verschiedene organische Verbindungen. Letztere liegen häufig in Form von Methyl-Quecksilber vor. Die Freisetzung des Metalls geschieht durch die Erosion von Boden und Gestein oder durch die Verbrennung von Müll und fossilen Brennstoffen. Durch diese befindet sich der Stoff in geringen Mengen in der gesamten Umwelt. Jeder Mensch nimmt das Quecksilber durch die Haut, die Nahrung oder die Luft auf.

Ökopol befasste sich näher mit den Auswirkungen des Quecksilberausstoßes von Kohlekraftwerken. In einem Gutachten bemängelt die Organisation die steigende Belastung von Mensch und Tier und die daraus resultierenden Konsequenzen, nachzulesen in: Dipl.-Ing. Christian Tebert, Büro Freiburg im Breisgau (2015): Gutachten. Quecksilber-Emissionen aus Kohlekraftwerken. Auswertung der EU Schadstoffregistermeldungen nach einer Idee der BZL GmbH.

 

Der überwiegende Teil der Bevölkerung trägt durch die geringen Mengen keine Schäden davon. Manche Berufsgruppen unterliegen einer erhöhten Belastung durch das Schwermetall. Die akute Gefährdung erfolgt auf Giftmüllhalden, die chronische beim berufsbedingten Gebrauch von Schwermetallgemischen. Die aufgenommene Menge bestimmt sich aus der genauen Verbindung, der Zeitdauer der Aussetzung und der Konzentration des Quecksilbers. Oral aufgenommenes Quecksilber nimmt der menschliche Körper nur zu 0,1 Prozent auf, Dampf zu 80 Prozent.

Über den Magendarmtrakt nehmen Menschen einen hohen Anteil (95 Prozent) an Methyl-Quecksilber auf. Diese organische Verbindung findet sich in Meeresfrüchten und Seefisch. Fische aus vergifteten Gewässern sind daher stark gesundheitsschädlich. Forscher wiesen nach, dass eine hohe Konzentration von Quecksilber in Fischen beim Konsumenten Autoimmunkrankheiten begünstigt. Prof. Emily Somers analysierte in ihrer Studie „Mercury Exposure and Antinuclear Antibodies among Females of Reproductive Age in the United States: NHANES“ Daten von 1.352 Frauen im Alter von 16 bis 49 Jahren. Sie erfasste, dass hohe Quecksilberwerte im Blut zur gesteigerten Antikörperbildung führten. Das führt später zum Angriff des Immunsystems und zur Bildung der Autoimmunerkrankung.

 

Quellen der Quecksilberexposition im Überblick

Zu den wichtigsten Quecksilberquellen gehören neben Fischen, Kraftwerke, Erdgasförderstätten, Amalgamfüllungen und Impfstoffe, die einen Zusatz des Stoffes aufweisen. Greenpeace entwarf dazu eine Übersicht der gesundheitsschädigenden Quecksilberquellen in „Quecksilber – eine der schädlichsten Substanzen weltweit“ von Peter Jennrich, Allgemeinmediziner und Direktor des International Board of Clinical Metal Toxicology. Hinzu kommen Holzschutz- und Desinfektionsmittel sowie defekte Batterien, Barometer oder Thermometer.

 

Was passiert im Körper?

Organe, Erythrozyten, Nieren und das Zentralnervensystem speichern den Stoff. Er beeinträchtigt die Aktivität von Proteinen und Enzymen in den Zellen. Grundsätzlich scheidet der Körper das Quecksilber über Urin und Stuhl aus. Nimmt der Patient zu viel davon auf, kommt es zu einer chronischen oder akuten Vergiftung. Besondere Vorsicht gilt bei Schwangeren. Tritt das Quecksilber auf den ungeborenen Fötus über, schädigt das dessen Entwicklung, die Nerven, Nieren und das Gehirn. Ebenso gibt die Mutter das Quecksilber über die Muttermilch ab.

Für den Zusammenhang mit Amalgamfüllungen gibt es bisher keine fundierten wissenschaftlichen Studien. Die Zahnfüllung besteht zur Hälfte aus dem elementaren Quecksilber. Die Theorie besagt, dass Menschen mit diesen Füllungen kleine Mengen davon beim Kauen freisetzen. Viele Zahnärzte ersetzen den Stoff aus Unsicherheit über die Verträglichkeit derzeit mit anderen Materialien.

 

Wann ist ein Test sinnvoll?

Wichtig ist die Ermittlung der Quecksilberwerte im Blut bei Verdacht auf eine Vergiftung. Der Körper nimmt das Schwermetall in Milz, Nieren, Leber und Gehirn auf. Er scheidet diese nur langsam wieder aus. Zu den Symptomen bei einer bestehenden oralen Quecksilbervergiftung zählen: blutiges Erbrechen, Magendarmtraktverätzungen mit starkem Brennen im Rachenraum, Flüssigkeits- und Elektrolytverschiebungen und eine geringe Ausscheidung von Urin aufgrund einer Insuffizienz der Nieren. Bei einer akuten Vergiftung durch Dämpfe zeigen sich Kopfschmerzen, Fieber, respiratorische Insuffizienz und Bronchitis.

 

Bei chronischen Vergiftungen weisen Patienten unspezifische Begleiterscheinungen auf, wie:

  • Erbrechen, Durchfälle, Übelkeit,
  • Müdigkeit,
  • Glieder- und Kopfschmerzen,
  • Zahnlockerung, Zahnfleischentzündungen,
  • Nierenentzündungen,
  • Muskelzuckungen,
  • Stimmungsschwankungen,
  • Probleme beim Hören, Sehen, Sprechen, Fühlen und Gehen,
  • Merkschwäche,
  • Persönlichkeitsveränderungen und
  • Schmerzen im Abdomen.

Des Weiteren tritt ein vermehrter Speichelfluss, eine Veränderung der Nagel- und Haarfarbe sowie ein metallischer Geschmack im Mund auf. Bei starker Inhalation des Giftes weist der Patient eine Polyneuropathie oder eine Übererregbarkeit und Angstzustände auf.

 

Quecksilberwerte im Blut analysieren

Weist der Test einen erhöhten Wert aus, deutet das auf die starke Exposition mit dem Stoff hin. Normale Werte weisen keine Gefahr aus. Gegebenenfalls bietet sich die Wiederholung des Tests an. Der Referenzbereich für die Quecksilberkonzentration im Vollblut liegt bei < 5 µg / l oder 25 nmol / l. Der Quotient für die Unterscheidung der vorliegenden Form liegt bei < 2 für eine anorganische Intoxikation und bei 10 – 20 für eine organische Vergiftung. Die biologische Arbeitsstofftoleranz (BAT) besagt, dass eine Gesundheitsschädigung bei Quecksilberwerten im Blut von unter fünfzig Mikrogramm/l nicht besteht. Der Normwert liegt bei unter zwanzig Mikrogramm/l.

 


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