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Schluss mit Alkohol! Kalter Alkoholentzug und Entgiftung

Alkoholsucht bedeutet körperliche aber auch seelische Abhängigkeit. Daher ist kalter Alkoholentzug und die Durchführung einer Entgiftung als entsprechende stationäre Maßnahmen der erste Schritt zur Entwöhnung und damit Gesundung.

In Abhängigkeit von der Schwere der Abhängigkeit zeigt der kalte Alkoholentzug unterschiedliche Symptome, die durch die Entgiftung vom Alkohol zustande kommen.

Wenn Sie den Entschluss gefasst haben einen Selbstenzug von Alkohol durchzuführen zeigen wir Ihnen hier was kalter Alkoholentzug bedeutet und wie der Ablauf des kalten Entzug ist, wir gehen dabei besonders auf die Symptome ein. 

Alkoholentgiftung, Kalter Alkoholentzug zuhause
Alkoholentgiftung, Kalter Alkoholentzug zuhause, Symptome und Ablauf kennen: Copyright: Ocus Focus, bigstockphoto

 

Kalten Alkoholentzug, Entgiftung und Selbstentzug von Alkohol

Um den Entzug zu verstehen muss man wissen: Wie macht Alkohol abhängig:

Alkoholabhängige sind nicht mehr zur Kontrolle ihres Trinkverhaltens fähig. Dabei muss man zwischen einer psychischen und einer körperlichen Abhängigkeit unterscheiden. Bei einer rein psychischen Abhängigkeit ist der Erkrankte nicht mehr in der Lage, seinen Alltag ohne Alkohol zu überstehen. Kommt eine körperliche Abhängigkeit hinzu, kommen bei fehlender Alkoholzufuhr körperliche Beschwerden hinzu (Entzugssyndrom).

Die Internationale Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, besser bekannt als ICD-10 (International Classification of Diseases and Related Health Problems) definiert unter F10.2: Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom) sechs Kriterien, von denen mindestens drei erfüllt sein müssen, um von einer Alkoholabhängigkeit zu sprechen:

  1. Starker Wunsch oder Zwang zum Konsum. Selbst ohne körperliche Abhängigkeit herrscht ein starkes, unüberwindbares Verlangen zum Konsum von Alkohol.
  2. Kontrollverlust. Ein Alkoholiker ist nicht mehr in der Lage, sein Trinkverhalten zu kontrollieren. Das gilt für Beginn, Menge und Beendigung des Konsums.
  3. Entzugssyndrom. Man kann nicht mehr auf Alkohol verzichten und es treten körperliche Entzugserscheinungen auf, sobald man den Alkoholkonsum reduziert oder beendet.
  4. Toleranzbildung. Ein Alkoholiker gewöhnt sich an sein tägliches Pensum und braucht ständig mehr von seiner Droge, um den gewünschten Effekt zu erzielen.
  5. Uneinsichtigkeit. Trotz offensichtlicher Schäden an Geist und Körper konsumiert der Erkrankte weiter.
  6. Rückzug aus dem Sozialleben. Beschaffung und Konsum von Alkohol werden zum Lebensmittelpunkt. Alles andere wie Familie, Sozialleben, Beruf, Hobbys spielen keine Rolle mehr.

Psychischer und körperlicher Verfall stehen am Ende der Entwicklung.

Alkoholabhängigkeit und Kalter Akoholentzug –  Das Wichtigste:

  1. Alkoholismus führt zu körperlicher und seelischer Abhängigkeit.
  2. Ein warmer oder kalter Alkoholentzug ist mit seiner Durchführung der erste Schritt zurück in ein normales Leben und verhindert körperlichen und seelischen Verfall.
  3. Kalter Entzug bedeutet, dass die Entwöhnung ohne medikamentöse Unterstützung rein durch Entziehung des Alkoholkonsums vollzogen wird.
  4. Kalter Alkoholentzug erzeugt Beschwerden, die eine medizinische und psychologische Behandlung erfordern können. Daher sollte er stationär und unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
  5. Der körperliche Entzug dauert etwa eine Woche, die Gesamtdauer ist mit drei bis vier Wochen zu veranschlagen.

 

Was ist ein Kalter Alkoholentzug

Was bedeuten kalter Entzug und warmer Entzug?

Kalter Alkoholentzug bedeutet, dass die Durchführung ohne Medikamente erfolgt. Auch wenn heute bereits Medikamente für den warmen Entzug zur Verfügung stehen, werden diese vergleichsweise selten angewendet, da sie selbst ebenfalls zur Sucht führen können (wie zum Beispiel Benzodiazepine). Zudem besteht die Gefahr, dass der Entziehungspatient viel zu früh der Meinung ist, dass er seine Sucht nun im Griff hat.

Andererseits ist der warme Entzug für den Patienten wesentlich angenehmer, da keine Krämpfe auftreten und die Entzugserscheinungen milder verlaufen. Ob ein warmer oder ein kalter Alkoholentzug in der Durchführung für einen Patienten besser geeignet ist, hat ein Arzt nach eingehender Untersuchung entscheiden.

Ablauf Kalter Alkoholentzug

Kalter Alkoholentzug wird in seiner Durchführung ohne Medikamente vollzogen und vorzugsweise stationär in einer entsprechenden Einrichtung. Dabei steht der Patient unter psychologischer, ärztlicher und pflegerischer Betreuung, da die Alkohol Entzugssymptome recht heftig ausfallen können.

Bei einer langjährigen starken körperlichen Alkohol Abhängigkeit kann es bei einem Kalten Entzug zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen, die durch die Entgiftung auftreten können.

Dementsprechend ist ein ambulant durchgeführter kalter Entzug nur in seltenen Fällen sinnvoll. Zudem birgt ein kalter Alkoholentzug zu Hause die Gefahr, dass der Patient sich nicht an die ärztlichen Anweisungen hält und die Maßnahme eigenmächtig abbricht. Die Gefahr ist erfahrungsgemäß sehr groß, da der Patient die häusliche Umgebung mit seinem Alkoholmissbrauch assoziiert und keine Überwachung stattfindet. Dementsprechend ist kalter Alkoholentzug zu Hause mit einer hohen Rückfallquote verbunden und birgt auch gesundheitliche Risiken. 

Unsere Empfehlung: Bücher zum Kaltem Alkoholentzug

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Selbst vom Alkohol loskommen:

  1. Machen Sie den Selbstentzug / Kalter Entzug nur wenn Sie wissen das keine schweren Entzugssymptome auftreten
    ( Testen Sie Ihre Entzugssymptome durch Entwöhnungsphasen )
  2. Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Hausarzt oder einer Person ihres Vertrauens, bevor Sie vom Alkohol kalt entgiften
  3. Fragen Sie Ihren Hausarzt nach unterstützenden Medikamenten
  4. Bedenken Sie das bei der Entgiftung im Krankenhaus unterstützende Medikamente und Ärzte bereitstehen

Kalter Alkoholentzug Ablauf und Risiken

Wenn ein kalter Alkoholentzug erfolgt können folgende Beschwerden auftreten:
weiterlesen: Alle Alkoholentzug Symptome

  • Unruhe und Nervosität treten nach wenigen Stunden ohne Alkohol als Erstes auf.
  • Unwohlsein und Bauchschmerzen verstärken sich zu Übelkeit und Erbrechen.
  • Hinzu kommen starkes Schwitzen, trockener Mund und Muskelzittern (Hände, Augenlider).
  • Nachts kann der Entzugspatient kaum schlafen.
  • Tagsüber treten Konzentrations-, Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen auf.
  • Die Patienten leiden an Angstzuständen und Depressionen.
  • Zugleich sind sie leicht reizbar.
  • Bei einigen Patienten kommt es zu sinkenden Blutwerten des Blutzuckers (Unterzuckerung, siehe Blutwerte bei Alkohol).
  • Im Extremfall kommt es beim kalten Entzug nach fortgeschrittenem Alkoholabusus zum gefürchteten Delirium tremens mit
    • Verwirrungszuständen
    • Halluzinationen und Wahnvorstellungen (die sprichwörtlichen „weißen Mäuse“)
    • zeitliche, räumliche und situative Desorientierung
    • starke Krampfanfälle im gesamten Körper
    • Atemnot
    • Kreislaufstörungen mit Herzrasen und in die Höhe schnellendem Blutdruck bis hin zum Kollaps.

Im Delir kann der Patient zur Gefahr für sich selbst und andere werden. Wird das Delirium tremens nicht behandelt, verläuft es in einem Viertel der Fälle tödlich! Allein schon aus diesem Grund ist kalter Alkoholentzug mit stationärer Durchführung empfehlenswert.

Hinweis der Redaktion:

Sprechen Sie einen Kalten Entzug in jedem Fall vorher mit einem Arzt und einer Sie begleitenden Person ab.

FAQ zum Kaltem Alkoholentzug

Wie lange dauert ein Kalter Alkoholentzug

Ein kalter Alkoholentzug zeigt immer weniger Symptome, je länger die Maßnahme andauert. Der reine körperliche Entzug ist in der Regel nach einer Woche abgeschlossen. Bis auch die psychische Abhängigkeit überwunden ist, kann wesentlich länger dauern. Zusammen mit der hier sehr wichtigen psychologischen Betreuung ist mit einer Gesamtdauer von drei bis vier Wochen zu rechnen. In vielen Fällen empfiehlt sich auch noch danach eine weitere psychologische Behandlung, damit es nicht zu Rückfällen kommt. Denn auch nach dem Entzug bleiben Angst und Schlafstörungen bis zu einem halben Jahr bestehen. Hier weiterlesen:

Geht ein kalter Alkoholentzug zu Hause

Unter Mitwirkung eines Arztes kann ein klater Alkoholentzug auch zu Hause durchgeführt werden. Hier weiterlesen:

Wie gefährlich ist kalter Entzug?

Einen kalter Entzug allein durchzuführen kann gefährlich sein. Alkoholismus führt zu Entzugserscheinungen im schlimmsten Fall zu einem Delirium tremens. Hier weiterlesen:

Was sind Entzugserscheinungen?

Körperliche Entzugserscheinungen der Alkoholabhängigkeit sind Angstzustände, Verwirrung, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Krampfanfälle - hier weiterlesen:

Wann fängt der körperliche Alkoholentzug an?

Der körperliche Entzug beginnt ab dem Moment an dem der Körper keinen Alkohol mehr zugeführt bekommt. Nach einer Abstinenz von 5 Stunden beginnen Entzugssymptome. Hier weiterlesen:

Wann merkt man den Alkoholentzug?

Nach vier bis fünf Stunden fängt das sogenannte Craving, der Suchtdruck an, danach auch die ersten Entzugerscheinungen. Hier weiterlesen:

Wann ist der kalte Alkoholentzug vorbei?

Entzugserscheinungen halten bei dauerhafter Abstinenz bis zu fünf Tage lang an. Hier weiterlesen:

Kalter Entzug wann hört das Schwitzen auf?

Das häufige Schwitzen kann bis zu fünf Tage lang anhalten.

Kalter Entzug wann hört das Zittern auf?

Das Zittern der Hände, Augenlider und anderer Muskeln kann bis zu einer Woche anhalten.

Kalter Entzug wie zeigt sich das Delirium tremens?

Angst, Orientierungsstörungen, Verwirrtheit, Profuses Schwitzen, Erhöhung von Puls, Blutdruck und Atemfrequenz. Epileptische Anfälle

Wie lange dauert ein kalter Entzug?

Der kalte Entzug, also die Entgiftung vom Stoff Alkohol dauert in der Regel 5 bis 10 Tage.

Wann kommen die ersten Entzugssymptome beim Kalten Entzug?

Etwa vier bis zwölf Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum treten die ersten körperlichen Entzugserscheinungen auf. Hier weiterlesen:

weiter Themen zum Alkohol & Sucht

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):
    • Internetseite Alkohol? Kenn dein Limit. Link>>.
    • Leporello Selbsttest zur Überprüfung des eigenen Alkoholkonsums. PDF>>.
    • Broschüre für Jugendliche: Alkohol – Die Fakten. Was du über Alkohol wissen solltest. PDF>>.
    • Ratgeber für Eltern zum möglichen Alkoholkonsum ihrer heranwachsenden Kinder: Alkohol – reden wir drüber! PDF>>.
  • Batra A.: Abhängigkeit und schädlicher Gebrauch von Alkohol (Alcohol Dependence and Harmful Use of Alcohol). Dtsch Arztebl Int. 2018. Review Article. PMID: 27173413PMCID: PMC4873678
  • Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2018: Kapitel V: Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99) – Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10-F19)
  • Daniel Schreiber: Nüchtern: Über das Trinken und das Glück. 3. Auflage. Frankfurt 2018: Suhrkramp-Verlag. ISBN-10: 3518466712.
  • Simon Borowiak: Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch. 8. Auflage. München 2007: Heyne-Verlag. ISBN-10: 3453600487.
  • Allen Carr: Endlich ohne Alkohol!: Der einfache Weg mit Allen Carrs Erfolgsmethode. München 2018: Goldmann-Verlag. ISBN-10: 3442173914.
  • Allen Carr: Endlich ohne Alkohol! frei und unabhängig: Der einfache Weg, mit dem Trinken Schluss zu machen – Erweiterte Ausgabe. München 2018: Goldmann-Verlag. ISBN-10: 3442176344.
  • Johannes Lindemeyer: Lieber schlau als blau: Entstehung und Behandlung von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. 9. Auflage. Weinheim 2018: Beltz-Verlag. ISBN-10: 3621283889.
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.