Aufbau, Vorkommen und Ursachen

Anulozyten sind Ringzellen und monokonkave hypochrome Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Das rötliche Zytoplasma ist vorwiegend nur als Randsaum zu erkennen. Sie sind kleiner als normale Erythrozyten und tauchen bei gesunden Menschen nicht im Blut auf. Anulozyten verursachen einen hochgradig niedrigen MCH-Wert und treten im Zusammenhang mit schweren Anämien auf, ursächlich durch eine Störung der Hämoglobinsynthese bei Eisenmangel.

Anulozyt

Was sind Anulozyten?

Anulozyten bedeutet sinngemäß Ringzellen – von lateinisch anulus, Ring. (Anulozyt, englisch: anulocyte, ring-shaped erythrocyte)

Dabei handelt es sich um eine spezielle Form roter Blutkörperchen. Erythrozyten sind normalerweise bikonkav geformt, das heißt scheibenförmig mit beiderseits einer Delle in der Mittel. Diese spezielle Form sorgt dafür, dass sie extrem elastisch und verbiegbar sind – wichtig für das Durchkommen in feinen Kapillargefäßen.

Schaut man sich die roten Blutkörperchen im Mikroskop an, erscheinen sie bei der üblichen Pappenheim-Färbung als zartrosa Scheibchen von ziemlich genau 7,5 Mikrometern Durchmesser. Die Delle in der Mitte sorgt dafür, dass sie am Rand dunkler sind als in der Mitte, wo weniger Zytoplasma vorhanden ist als seitlich.

Anulozyt Aufbau, Farbe und Größe

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Anulozyten sind Ringzellen, eine Sonderform roter Blutkörperchen. Sie sind kleiner als normale Erythrozyten und zeichnen sich durch ein ausgeprägt randständiges Zytoplasma aus.
  2. Zudem weisen sie weniger roten Blutfarbstoff auf. Man bezeichnet das als mikrozytär und hypochrom.
  3. Feststellen lassen sich diese Zellen nur unter dem Mikroskop. Hämatologiegeräte liefert aber alle notwendigen Parameter in Form von MCH, MCV, MCHC und Hb, die im Zusammenhang mit solchen Sonderformen stehen.
  4. Bei gesunden Menschen treten Anulozyten niemals auf. Selbst beim Auftreten geringer Mengen sind sie Anzeichen einer Erkrankung.
  5. Sie erscheinen nur bei gestörter Hämoglobinsynthese im Blut, allen voran infolge eines Eisenmangels. Dieser führt zu einer speziellen Form der Blutarmut, einer Eisenmangelanämie. Seltener sind genetisch bedingte Thalassämien.

Anulozyten sind mikrozytär und hypochrom

Anulozyten sind eine Sonderform – der farbliche Unterschied zwischen Rand und Mitte ist so ausgeprägt, dass es im Mikroskop nach einem Ring aussieht. Das hämoglobinhaltige Zytoplasma konzentriert sich auf die Seiten, wohingegen die Mittte so hell ist, dass sie im mikroskopischen Bild nicht sichtbar wird.

Hinzu kommt, dass die Zellen kleiner sind als normale rote Blutkörperchen. Medizinisch bezeichnet man verkleinerte Erythrozyten als mikrozytär (kleinzellig) – im Gegensatz zu normal großen (normozytären) und vergrößerten (makrozytären) rote Blutkörperchen.

Außerdem ist ihr Hämoglobingehalt verringert – sie sind hypochrom im Vergleich zu normal gefärbten (normochromen) oder intensiv gefärbten (hyperchromen) Erythrozyten.

Wie stellt man fest, dass Anulozyten im Blut vorhanden sind?

Üblicherweise schaut sich heutzutage kein Labor mehr einen gefärbten Blutausstrich an – läuft ein kleines Blutbild oder großes Blutbild, übernimmt das ein Hämatologiegerät, das in Sekundenschnelle die vorhandenen Zellen zählt, Erythrozytenparameter wie MCH, MCV und MCHC bestimmt oder die weißen Blutzellen näher unterscheidet.

Solche Hämatologie-Analyzer erkennen auch problemlos mikrozytäre Erythrozyten und messen die Erythrozytenverteilungsbreite (EVB, im Englischen RBW für Red Blood cell Distribution Width) als Parameter für unterschiedlich große Zellen. Ebenso erfassen sie den Hämoglobin-Gehalt (Hb) des Blutes oder den Eisengehalt, die mit dem Auftreten von Anulozyten assoziiert sind.

In der Regel reicht das für eine ärztliche Diagnose aus – für die Feststellung Anulozyten: Ja oder Nein? sind diese hochmodernen Geräte nicht ausgelegt. Diese Frage kann nur ein Mitarbeiter des Labors klären, der sich ganz klassisch einen Blutausstrich unter dem Mikroskop anschaut. Ein großer Aufwand ist das heute nicht mehr – selbst für das Herstellen von Blutausstrichen und ihre Färbung gibt es heutzutage Automaten.

Anulozyt en im Blutbild

Woher kommen Anulozyten?

Das Vorkommen von Anulozyten im Blut ist unnormal und weist auf eine Krankheit hin. Sie werden in dieser Form produziert, wenn dem Körper zu wenig Eisen zur Verfügung steht (absoluter Eisenmangel). Das Spurenelement ist essenzieller Bestandteil des roten Blutfarbstoffes und muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Eisen wird recycelt – beim Abbau alter Erythrozyten wird es aus dem Hämoglobin entfernt und für die Bildung neuer Häm-Moleküle verwendet.

Reichen die Eisenreserven des Körpers in Form des Eisenspeichers Ferritin nicht aus, steht nicht genug Material für die Synthese von Häm zur Verfügung. Dann mangelt es auch an Hämoglobin, und die Erythrozyten bekommen weniger Blutfarbstoff eingebaut als normal – sie werden hypochrom. Ebenso wird bei der Größe gespart – sie sind mikrozytär.

Eisenmangelanämie führt zu weiteren Sonderformen der Erythrozyten: Poikilozyten, die stark verformt erscheinen, und Mikrozyten, die extrem verkleinert ausfallen. Man spricht daher von Poikilozytose und Mikrozytose.

Eine weitere genetische, aber seltene Ursache von Anulozyten sind Thalassämien mit reduzierter Hämoglobinsynthese.

Wie werden Anulozyten behandelt?

Das Auftreten von Anulozyten ist ein Symptom, keine Krankheit. Daher verschwinden sie von selbst, sobald die Ursache in Form der Eisenmangelanämie behandelt wird. Das geschieht durch Substitution des fehlenden Eisen über die Nahrung oder mithilfe von Eisenpräparaten als Nahrungsergänzung. Bei ausgeprägten Thalassämien sind regelmäßige Bluttransfusionen notwendig.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Anulozyt – DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Anulozyt
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. München/Jena 2003: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN 3-437-15072-3.

Erythrozyten:

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Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.
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