Artikel nach aktuellem wissenschaftlichen Stand, ärztlicher Fachliteratur und medizinischen Leitlinien verfasst, von Medizinern geprüft. → Quellen anschauen

Cabotsche Ringkörper der Erythrozyten

Cabot-RingCabotringe sind fadenförmige Einschlüsse in Erythrozyten. Sie sind schleifen- acht- oder ringförmig und fallen bei der Färbung von Blutausstrichen unter dem Mikroskop ins Auge. Dabei handelt es sich um Reste des Spindelapparates (Mikrotubuli ) der Zellteilung. Sie treten nach Entfernung der Milz, akuter Bleivergiftung oder bei schweren Störungen der Blutbildung auf.

Cabot-Ringe Aufbau

Was sind Cabot-Ringe?

Cabotringe wurden nach ihrem Entdecker Richard C. Cabot benannt, der die ringförmigen Strukturen 1903 erstmals im Blut von anämischen Patienten beschrieb.

Es handelt sich dabei um Reste von Spindelapparat und Zellkern, der den menschlichen Erythrozyten fehlt. Bereits die Vorstufen der roten Blutkörperchen, die Retikulozyten, haben nur noch Reste eines Zellkerns, wenn sie vom roten Knochenmark an die Blutbahn abgegeben werden. Innerhalb weniger Tage verschwinden diese letzten Überbleibsel, und aus den Retikulozyten werden fertig ausgereifte Erythrozyten.

Rote Blutzellen mit Cabotringen sind unnormal – sie werden üblicherweise von der Milz ausgesondert, sodass sie nur selten in einem Blutausstrich zu finden sind. Das ändert sich, wenn etwas mit dem blutbildenden Knochenmark nicht stimmt oder die Milz operativ entfernt wurde. Dann erscheinen sie gehäuft im Blut und zeigen, dass etwas mit der Blutbildung nicht in Ordnung ist.

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Cabotringe sind ringförmige oder schleifenartige Gebilde im Inneren von roten Blutkörperchen. Sie werden in Blutausstrichen durch Anfärbung sichtbar.
  2. Im normalen Blut sind sie nur extrem selten anzutreffen, da die Milz Erythrozyten mit diesen Strukturen aussondert.
  3. Sie bestehen aus Eisen und Kernmaterial. Ihre genaue Entstehungsweise ist bis heute nicht vollständig geklärt.
  4. Man findet diese Strukturen im Blut von Patienten, denen die Milz entfernt wurde oder bei denen die Blutbildung gestört ist.
  5. Ebenso können sie Hinweise auf eine Bleivergiftung liefern.

Wie entstehen Cabotringe?

Woher die Cabotringe kommen weiß man nicht genau. Sie bestehen aus nicht an Hämoglobin gebundenem Eisen und Arginin-reichem Verpackungsmaterial der Erbsubstanz DNA, den Histonen. Über das Zustandekommen dieser Strukturen ist wenig bekannt. Jedenfalls handelt es sich dabei um die Reste von Kernstrukturen – Resten der Kernmembran, Reste von Mikrotubuli des Spindelapparates einer nicht korrekt verlaufenen Zellteilung (Mitose) oder ähnliches.

Für die Mikrotubuli spricht die Beobachtung, dass Cabotringe gehäuft bei Patienten auftreten, die im Rahmen bestimmter Chemotherapien behandelt werden. „Spindelgifte„, Zytostatika wie Taxane (Paclitaxel, Docetaxel) hemmen die Zellteilung, indem sie den für die Aufteilung der Chromosomen notwendigen Spindelapparat lahmlegen.

Splenektomie

Auffällig ist ihr gehäuftes Auftreten nach operativer Entfernung der Milz. Eine Splenektomie nimmt man in der Klinik meist nach traumatischen Verletzungen des Organs vor. Die Milz ist ein riesiger Schwamm, in dem Blutzellen auf Abruf bereit gehalten werden. Daher sind Blutungen kaum in den Griff zu bekommen und eine Milzextirpation oft die einzige Möglichkeit, einen weitreichenden Blutverlust zu verhindern.

Man geht daher davon aus, dass Erythrozyten mit Cabotringen normalerweise von der Milz ausgesondert und beseitigt werden. Das lymphatische Organ ist ohnehin für die Kontrolle der roten Blutkörperchen zuständig – alles was zu alt und zu starr ist, um problemlos durch das engmaschige Netzwerk der Milztrabekel zu schlüpfen, wird festgehalten und abgebaut. Das gilt auch für Erythrozyten mit Cabotringen, welche die Zellen weniger flexibel werden lassen als normale rote Hämozyten.

Störungen der Hämatopoese

Außer durch ein mangelhaftes Aussortieren lässt sich ein gehäuftes Auftreten von Cabotringen durch eine gesteigerte und dadurch fehleranfälligere Synthese von Erythrozyten erklären. Erkrankungen und Störungen des Knochenmarks sorgen dafür, dass viele rote Blutkörperchen geliefert werden – verstärkt auch solche mit Defekten. Bereits Cabot beschrieb die nach ihm benannten Strukturen im Blut von Patienten mit Blutarmut (Anämie).

Vermehrt lassen sich Cabotringe nachweisen bei verschiedenen schweren Anämien wie

  • megaloblastischer Anämie
  • perniziöser Anämie
  • homozygoter Thalassämie
  • Myelofibrose
  • chronisch-myeloischer Leukämie (CML).

Cabotringe und Bleivergiftung

Akute Bleivergiftung ist mit verstärktem Auftreten von Cabotringen verbunden, weil das Schwermetall zu einer progressiven hämolytischen Anämie führt, ebenso wie zu einer Leukozytose und dem Erscheinen von Howell-Jolly-Körperchen in den roten Blutzellen. Fehlen rote Blutkörperchen, versucht das Knochenmark schnellstmöglich Ersatz zu liefern – wie an vermehrten Retikulozyten und Cabotringen zu erkennen mitunter zu hastig.

Bei chronischer Bleiintoxikation ist die hämolytische Blutarmut weniger ausgeprägt.

Erythrozyten:

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Vortrag der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie, Cabotsche Ringkörper, Autor: Bruno Lindemann, link.springer.com/article/10..
  • Cabot RC: Ring Bodies (nuclear Remnants?) in Anemic Blood. J Med Res. 1903 Feb;9(1):15-18.11.
  • Erdem N, Berber İ, Aydoğdu İ, Sevinç A: A hundred years after the first article, a recollection: Cabot ring. Korean J Intern Med. 2016 Jan;31(1):199.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Marlies Michl: BASICS Hämatologie. München 2016: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  • Reinhard Andreesen, Hermann Heimpel: Klinische Hämatologie. München 2009: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 343731498X.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. München/Jena 2003: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN 3-437-15072-3.
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.