Retikulozyten

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Die Definition des Retikulozyts

Bei den Retikulozyten handelt es sich um noch nicht vollständig entwickelte rote Blutkörperchen. Diese frühe Form der Erythrozyten entsteht im Knochenmark und reift im Blut heran.

Die Retikulozyten existieren als Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen. Ihre Entstehung erfolgt zwei Tage nach dem Entkernen einer Zelle in dem Knochenmark. Hier entwickeln sich diese Zelltypen aus den Normoblasten. Die Retikulozyten verfügen über RNA und die Reste von Zellorganellen. Im Allgemeinen übersteigt ihre Größe das Ausmaß typischer Erythrozyten.

Retikulozyten

 

Der Name der Retikulozyten leitet sich von ihrer durch Ribonucleo-Proteine angereicherte Farbe ab. Diese von den Ribosomen stammende Verfärbung zeigt sich als netzförmige Struktur im Zellplasma dieser Erythrozyten-Vorform. Sie wandert aus dem Knochenmark in das Blut. Ihre endgültige Reifung dauert hier 24 Stunden.

Die Retikulozyten-Zahl im menschlichen Körper

Die Retikulozyten-Zahl besteht als relevanter Laborparameter in der Medizin. Sie gibt bei den gesamten roten Blutzellen den Anteil der noch nicht ausgereiften Zellen an. Die Konzentration der Retikulozyten im Blut messen Ärzte, um bei dem Betroffenen eine Anämie zu untersuchen. Verändert sich die Retikulozyten-Zahl drastisch oder entstehen Schwankungen, lässt dies auf eine Krankheit schließen. Im Normalfall befinden sich im peripheren Blut eines Menschen drei bis 18 Prozent dieser Erythrozyten-Form. Dies entspricht bei einem Erwachsenen fünf bis 23 Retikulozyten von tausend roten Blutkörperchen.

Der Retikulozyten-Wert dient der Kontrolle der Aktivität des Knochenmarks. Der Grund besteht in seiner Repräsentation der Produktion roter Blutzellen. Dabei sehen sich Mediziner jedoch die Retikulozyten-Zahl nicht separat an, sondern im Zusammenhang mit anderen Laborparametern.

Ein sehr hoher Retikulozyten-Wert weist darauf hin, dass der Organismus einen Mangel an roten Blutzellen behebt. Dies geschieht durch die verstärkte Produktion der Retikulozyten. Ein niedriger Wert gibt Aufschluss über eine Störung bei der Blutbildung. Gleichzeitig dient das Messen des Retikulozyten-Wertes der Kontrolle einer gegen Vitamin- oder Eisenmangel begonnenen Therapie. Die Zahl der Retikulozyten bestimmen die Mediziner aus dem Kapillarblut. Dabei färben sie die unreifen roten Blutkörperchen in diesem Vollblut ein, um sie von den regulären Erythrozyten zu unterscheiden.

Wie bestimmen Mediziner die Retikulozyten-Konzentration im Blut?

Eine exakte Messung des Retikulozyten-Wertes nehmen Experten anhand einer automatisierten Zellzählung vor. Diese arbeitet mit einer Durchfluss-Zytometrie aus dem EDTA-Blut. Ein Fluoreszenz-Farbstoff macht die Fluoreszenz-Intensität der unreifen Erythrozyten sichtbar. Dabei erfolgt eine gleichzeitige Bestimmung des Retikulozyten-Hämoglobins sowie des Retikulozyten-Reife-Index. Die Ärzte fertigen nach diesem Einfärbungsprozess einen Blutausstrich an. Hier zählen sie die Vorform der roten Blutkörperchen unter dem Mikroskop. Die Retikulozyten-Zahl ermitteln sie pro 1.000 Erythrozyten.

 

Wann zeigt sich eine gesteigerte Retikulozyten-Zahl?

Eine Erhöhung der Retikulozyten-Zahl im menschlichen Blut stellen die Ärzte bei einem Sauerstoffmangel fest. Ebenso entstehen diese Erythrozyten-Vorläufer verstärkt, wenn der Patient viel Blut verliert. Auch bei einer Hämolyse – dem Zerfall der roten Blutkörperchen – entwickeln sich zahlreiche Retikulozyten. Während der Therapie von Mangel-Erscheinungen fördert der Körper im gleichen Fall die Produktion dieser Zellen.

 

Wann zeigt sich eine verminderte Retikulozyten-Zahl?

Eine erniedrigte Zahl der Retikulozyten im Blut entsteht durch verschiedene Störungen bei der Blutbildung. Des Weiteren verhindern einige Medikamente die neue Produktion der Vorläuferzellen. Bei einer Chemotherapie kommt es beispielsweise zu Schäden im Knochenmark. Dies mindert die Entstehung der Retikulozyten. Andere Beispiele zeigen sich in Form

  • einer aplastischen Anämie,
  • einer perniziösen Anämie
  • und bei einem Mangel des Blutbildungs-Hormons Erythropoietin.

Ein Retikulozyten-Mangel entsteht bei einer Behandlung von Krebspatienten. Verabreichen die Ärzte diesen Arzneien wie Zytostatika, reduziert sie die Bildung der frühen Erythrozyten-Form. Eine niedrige Konzentration dieser Zellen im Blut gründet sich in selteneren Fällen aus der Krankheit Panmyelopathie. Hierbei kommt es zu einer gestörten Blutbildung im Knochenmark.

Die Retikulozyten bilden eine Vorform der als rote Blutkörperchen bezeichneten Erythrozyten. Ihre Entstehung findet im Knochenmark statt, bevor sie zu einer vollständigen Reifung in den Blutkreislauf wandern. Die Vorläuferzellen nehmen vorwiegend im Krankheitsfall eine wichtige Rolle ein – ihre Konzentration gibt über die Art der Erkrankung Auskunft.

Lizenzen und weiterführende Literatur:

veröffentlicht von Redaktion: Anna Nilsson

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Autorenprofil

Gesundheitsredaktion

Anna Nilsson, Journalistin, und Medizinredakteurin seit 2001, medizinische Angestellte. verfasst medizinjournalistische Artikel unter anderem im Gesundheitsmagazin www.grossesblutbild.de


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