Retikulozyten » erhöhte Werte, niedrige Werte » Symptome und Ursachen

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Was sind Retikulozyten

Bei den Retikulozyten handelt es sich um noch nicht vollständig entwickelte rote Blutkörperchen. Diese frühe Form der Erythrozyten entsteht im Knochenmark und reift im Blut heran.


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Die Retikulozyten existieren als Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen. Ihre Entstehung erfolgt zwei Tage nach dem Entkernen einer Zelle in dem Knochenmark. Hier entwickeln sich diese Zelltypen aus den Normoblasten.

Die Retikulozyten verfügen über RNA und die Reste von Zellorganellen. Im Allgemeinen übersteigt ihre Größe das Ausmaß typischer Erythrozyten. 

Entstehung der Blutzellen: _differentiation_chart.jpg: パタゴニア derivative work: Furfur (Blood_cells_differentiation_chart.jpg) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Der Name der Retikulozyten leitet sich von ihrer durch Ribonucleo-Proteine angereicherte Farbe ab. Diese von den Ribosomen stammende Verfärbung zeigt sich als netzförmige Struktur im Zellplasma dieser Erythrozyten-Vorform. Sie wandert aus dem Knochenmark in das Blut. Ihre endgültige Reifung dauert hier 24 Stunden.

 

Wann verändern sich die Retikulozyten Normwerte?

Bei einem Retikulozyt handelt es sich um einen vom orthochromatischen Normoblasten, auch Erythroblasten genannt, stammenden Erythrozyt. Als unreife rote Blutzelle existiert sie als Vorläufer des im Blut befindlichen Blutkörperchens. Treten niedrige oder erhöhte Retikulozyten auf, kommen Erkrankungen oder natürliche Körperreaktionen infolge einer Blutung infrage.

Bemerken Mediziner in Ihrem Blutbild außerhalb der Normgrenze liegende Retikulozytenwerte, leiten sie beispielsweise eine weitergehende Blutuntersuchung ein. Dadurch erkennen sie frühzeitig gesundheitliche Komplikationen, beispielsweise eine Leukämie, und beginnen mit der Behandlung.

 

Was sagen die Retikulozyten-Normwerte aus?

Retikulozyten existieren als Vorläufer der roten Blutzellen. Sie übertreffen diese geringfügig in der Größe. Aufgrund der Romanowsky-Färbung besitzen sie eine rot-bläuliche Farbe. Im peripheren Blut beträgt der Normwert der Retikulozyten 0,5 bis 1,5 Prozent. Das entspricht 30.000 bis 80.000 Zellen in einem Mikroliter Blut. Ebenso wie Erythrozyten verfügen sie über keinen Zellkern. Jedoch weisen sie Reste von RNS und Zellorganellen auf.

In der Medizin nennen sich die Rückstände „Substantia reticulogranulofilamentosa“. Durch den Einfluss von Wärme stoßen die Retikulozyten Granula ab und entwickeln sich zu den ausgereiften roten Blutkörperchen [Quelle: Wallgren, Ivar: Beobachtungen über den feineren Bau und die Entwicklung der Retikulozyten (Januar 1943); URL: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.0954-6820.1943.tb11244.x/abstract (letzter Zugriff: 06.02.2018)].

Kommt es zu erhöhten Retikulozyten im Blut, sprechen die Ärzte von einer Retikulozytose. Sie deutet auf eine gesteigerte Neusynthese der roten Blutzellen hin. Das geschieht beispielsweise nach starken Blutverlusten oder der Hämolyse.

 

Wann erfolgt die Bestimmung der Retikulozyten-Werte?

Um die Konzentration der Retikulozyten in Ihrem Blut zu ermitteln, führen die Mediziner eine Blutuntersuchung durch. Das geschieht beispielsweise, wenn Sie an der Anämie genannten Blutarmut leiden. Führen Sie eine Therapie mit Eisen, Folsäure oder Vitamin B12 durch, kontrolliert der Arzt ebenfalls den Retikulozyten-Normwert. Anhand dessen behält er den Erfolg der Behandlung im Auge.

Ferner erfolgt die Blutuntersuchung bei einer Therapie mit Erythropoetin, kurz EPO. Die Anzahl der Retikulozyten gibt über unterschiedliche Erkrankungen Auskunft. Erhöht sich ihre Menge ohne bestimmten Grund, vermuten die Mediziner beispielsweise Blutkrebs. Für eine exakte Diagnose bestimmen sie den exakten Wert. Gleiches geschieht nach einer Stammzelltransplantation.

 

Bei erwachsenen Patienten liegt der Retikulozyten-Anteil zwischen sieben und 15 Promille. Diesen Wert beziehen die Ärzte auf die reifen Erythrozyten. Bei Kindern hängen die Normwerte vom Alter ab:

 

Alter

Retikulozyten-Normgrenze in Promille

1 Tag

15 bis 65

3 Tage

13 bis 60

5 Tage

10 bis 50

1 Woche

5 bis 15

1 Monat

3 bis 13

3 Monate

10 bis 35

4 Monate

5 bis 25

 

Ab einem halben Jahr weisen Kinder zwischen drei und 13 Promille Retikulozyten auf. Bis zum zwölften Lebensjahr verändert sich dieser Wert kaum. Zwischen 13 und 17 Jahren kommt es bei Mädchen zu einer Erhöhung auf ein bis 15 Promille.

 

Wann zeigen sich niedrige Retikulozyten?

Sinken die Vorläufer der roten Blutzellen unterhalb der Normgrenze, kommen verschiedene Ursachen infrage:

  • ein Tumor,
  • Nierenschwäche,
  • virale Infekte,
  • chronischer Mangel an Eisen, Vitaminen oder Eiweiß,
  • eine Unterfunktion der Schilddrüse.

Weitere Gründe für niedrige Retikulozyten bestehen in speziellen Formen von Blutarmut. Geht der Blutuntersuchung ein Doping mit blutbildenden Hormonen oder Blutkonserven voraus, senkt sich die Anzahl der untersuchten Zellen temporär.

 

Zu hohe Retikulozyten

Wann überschreiten die Retikulozyten die Normgrenze?

Eine erhöhte Anzahl der Retikulozyten, verweist nicht zwingend auf eine Erkrankung. Beim normalen Regulationsmechanismus Ihres Körpers produziert das Knochenmark nach einer Blutung vermehrt rote Blutzellen. Kommt es zu einer Schädigung des im Knochen befindlichen Binde- und Stammgewebes, tritt ein ähnlicher Effekt ein.

Zusätzlich steigt die Zahl der Retikulozyten, sofern Sie Eisen oder Folsäure einnehmen. Ferner stellt die verstärkte Produktion der Zellen einen Hinweis auf eine Hypoxie dar. Hierbei handelt es sich um eine chronische Unterversorgung mit Sauerstoff. Ein weiterer Grund des Phänomens besteht in einem gesteigerten Abbau der roten Blutzellen. In der Medizin heißt der Vorgang Hämolyse.

 

Tipp: Wie reagieren Sie bei einem veränderten Retikulozyten-Wert?

In der Regel bilden erhöhte Retikulozyten eine Gegenmaßnahme Ihres Organismus, um Blutverluste auszugleichen. Erst bei einer anhaltenden Steigerung des Werts leitet Ihr Hausarzt eine tiefergehende Untersuchung ein. Leiden Sie unter einer Retikulozyten-Konzentration unterhalb der Normgrenze, schaffen Mineralien und Vitamine Abhilfe. Beispielsweise verspeisen Sie Spinat, um Ihren täglichen Eisenbedarf zu decken und die Blutbildung anzuregen.

 

Die Retikulozyten-Zahl im menschlichen Körper

Die Retikulozyten-Zahl besteht als relevanter Laborparameter in der Medizin. Sie gibt bei den gesamten roten Blutzellen den Anteil der noch nicht ausgereiften Zellen an. Die Konzentration der Retikulozyten im Blut messen Ärzte, um bei dem Betroffenen eine Anämie zu untersuchen. Verändert sich die Retikulozyten-Zahl drastisch oder entstehen Schwankungen, lässt dies auf eine Krankheit schließen. Im Normalfall befinden sich im peripheren Blut eines Menschen drei bis 18 Prozent dieser Erythrozyten-Form. Dies entspricht bei einem Erwachsenen fünf bis 23 Retikulozyten von tausend roten Blutkörperchen.

Der Retikulozyten-Wert dient der Kontrolle der Aktivität des Knochenmarks. Der Grund besteht in seiner Repräsentation der Produktion roter Blutzellen. Dabei sehen sich Mediziner jedoch die Retikulozyten-Zahl nicht separat an, sondern im Zusammenhang mit anderen Laborparametern.

Ein sehr hoher Retikulozyten-Wert weist darauf hin, dass der Organismus einen Mangel an roten Blutzellen behebt. Dies geschieht durch die verstärkte Produktion der Retikulozyten. Ein niedriger Wert gibt Aufschluss über eine Störung bei der Blutbildung. Gleichzeitig dient das Messen des Retikulozyten-Wertes der Kontrolle einer gegen Vitamin- oder Eisenmangel begonnenen Therapie. Die Zahl der Retikulozyten bestimmen die Mediziner aus dem Kapillarblut. Dabei färben sie die unreifen roten Blutkörperchen in diesem Vollblut ein, um sie von den regulären Erythrozyten zu unterscheiden.

 

Wie bestimmen Mediziner die Retikulozyten-Konzentration im Blut?

Eine exakte Messung des Retikulozyten-Wertes nehmen Experten anhand einer automatisierten Zellzählung vor. Diese arbeitet mit einer Durchfluss-Zytometrie aus dem EDTA-Blut. Ein Fluoreszenz-Farbstoff macht die Fluoreszenz-Intensität der unreifen Erythrozyten sichtbar. Dabei erfolgt eine gleichzeitige Bestimmung des Retikulozyten-Hämoglobins sowie des Retikulozyten-Reife-Index. Die Ärzte fertigen nach diesem Einfärbungsprozess einen Blutausstrich an. Hier zählen sie die Vorform der roten Blutkörperchen unter dem Mikroskop. Die Retikulozyten-Zahl ermitteln sie pro 1.000 Erythrozyten.

 

Wann zeigt sich eine gesteigerte Retikulozyten-Zahl?

Eine Erhöhung der Retikulozyten-Zahl im menschlichen Blut stellen die Ärzte bei einem Sauerstoffmangel fest. Ebenso entstehen diese Erythrozyten-Vorläufer verstärkt, wenn der Patient viel Blut verliert. Auch bei einer Hämolyse – dem Zerfall der roten Blutkörperchen – entwickeln sich zahlreiche Retikulozyten. Während der Therapie von Mangel-Erscheinungen fördert der Körper im gleichen Fall die Produktion dieser Zellen.

 

Wann zeigt sich eine verminderte Retikulozyten-Zahl?

Eine erniedrigte Zahl der Retikulozyten im Blut entsteht durch verschiedene Störungen bei der Blutbildung. Des Weiteren verhindern einige Medikamente die neue Produktion der Vorläuferzellen. Bei einer Chemotherapie kommt es beispielsweise zu Schäden im Knochenmark. Dies mindert die Entstehung der Retikulozyten. Andere Beispiele zeigen sich in Form

  • einer aplastischen Anämie,
  • einer perniziösen Anämie
  • und bei einem Mangel des Blutbildungs-Hormons Erythropoietin.

Ein Retikulozyten-Mangel entsteht bei einer Behandlung von Krebspatienten. Verabreichen die Ärzte diesen Arzneien wie Zytostatika, reduziert sie die Bildung der frühen Erythrozyten-Form. Eine niedrige Konzentration dieser Zellen im Blut gründet sich in selteneren Fällen aus der Krankheit Panmyelopathie. Hierbei kommt es zu einer gestörten Blutbildung im Knochenmark.

Die Retikulozyten bilden eine Vorform der als rote Blutkörperchen bezeichneten Erythrozyten. Ihre Entstehung findet im Knochenmark statt, bevor sie zu einer vollständigen Reifung in den Blutkreislauf wandern. Die Vorläuferzellen nehmen vorwiegend im Krankheitsfall eine wichtige Rolle ein – ihre Konzentration gibt über die Art der Erkrankung Auskunft.

 

Lizenzen und weiterführende Literatur:

veröffentlicht von Redaktion: Anna Nilsson

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