Darmkrebs-Erkrankung

Das kolorektale Karzinom (Darmkrebs) ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Insbesondere Patienten über 40 Jahre sind betroffen. Das Tückische an der Erkrankung: Es gibt keine eindeutigen Frühsymptome, die es ermöglichen, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Umso wichtiger ist es, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

„Pro Jahr bekommen etwa 70 von 100.000 Menschen die Diagnose Kolorektales Karzinom gestellt.“ Das Kolorektale Karzinom kann man unterteilen in das Kolonkarzinom, den Dickdarmkrebs, und das Rektumkarzinom, den Enddarmkrebs. Die Grenze bildet eine Distanz von 16 Zentimetern zwischen unterem Tumorrand und der Anokutanlinie.

Krebszellen Darm
Krebszellen im Darm von Lymphozyten angegriffen – Urheber: juangaertner / 123RF.com

Ursachen für ein kolorektales Karzinom

„In der Normalbevölkerung liegt die Erkrankungswahrscheinlichkeit für ein Kolonkarzinom etwa bei 6 Prozent.“ Risikofaktoren sind zum Beispiel eine fett- und fleischreiche Ernährung, Übergewicht, Zigarettenrauchen oder hoher Alkoholkonsum.

Es gibt jedoch auch genetische Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für ein kolorektales Karzinom deutlich erhöhen. Bei der Familiären adenomatösen Polyposis (FAP) liegt eine obligate Präkanzerose vor, die in fast 100 Prozent der Fälle zu einem Kolonkarzinom führt.

Das Lynch-Syndrom – auch hereditäres, nicht-polypöses Kolonkarzinom-Syndrom oder HNPCC genannt – erhöht die Erkrankungswahrscheinlichkeit für ein kolorektales Karzinom auf 60 bis 70 Prozent und führt außerdem häufiger zu anderen malignen Erkrankungen wie dem Endometrium-, Magen-, oder Urothelkarzinom.

Symptome

Es gibt kaum Möglichkeiten, ein Kolonkarzinom anhand typischer Symptome frühzeitig zu bemerken. „Aufmerksam werden sollte man bei veränderten Stuhlgewohnheiten bei Menschen über 40 Jahren, Stuhlverlust bei Windabgang und Blut im Stuhl.“

Auch Leistungsminderung oder Müdigkeit können auftreten, kommen aber auch bei vielen anderen Erkrankungen vor. Als Spätsymptom können Symptome eines Darmverschlusses wie starke Bauchschmerzen und Stuhlverhalt auftreten.

Diagnostik

Eben weil ein kolorektales Karzinom kaum klassische Symptome bietet, ist es wichtig, die Krankheit durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so früh wie möglich zu erkennen und so behandeln zu können. „Der Arzt kann allein durch eine digital-rektale Untersuchung bereits 10 Prozent der Karzinome ertasten.“ Der komplette Dickdarm kann jedoch nur durch eine Darmspiegelung erfasst werden. Dies ist eine Routineuntersuchung , die in der Regel weniger als eine halbe Stunde dauert. Sie wird unter einer sedierenden Medikation durchgeführt, sodass der Patient während der Untersuchung schläft. Der unangenehme Teil wird im Vorfeld durchlaufen und besteht aus Abführmaßnahmen, die dafür sorgen, dass der Darm vollständig von Stuhl befreit wird und so gut eingesehen werden kann.

Während der Darmspiegelung kann visuell beurteilt werden, ob sich in einem Bereich tumorverdächtige Läsionen befinden. Dort können auch Proben entnommen werden, die histologisch untersucht werden und so ein Karzinom identifizieren können.

„Der Hämoccult-Test, der den Stuhl auf nicht sichtbare Blutbeimengungen untersucht, kann erste Hinweise liefern, bietet jedoch keine sichere Aussagekraft.“

Blut im Stuhl ist nicht gleichbedeutend mit Darmkrebs, da auch Polypen, Divertikel oder Hämorrhoiden bluten können. Andererseits darf man sich auch bei einem negativen Hämoccult-Test nicht in falscher Sicherheit wiegen, da nur ein Teil der Karzinome blutet.

Krebszellen Darm
Krebszellen im Darm von Lymphozyten angegriffen – Urheber: juangaertner / 123RF.com

Wichtig ist auch zu beachten, dass Blut im Stuhl bei bekannten Hämorrhoiden im Zweifel trotzdem weiter abgeklärt werden sollte. Etwa die Hälfte aller Patienten mit einem Kolonkarzinom hat gleichzeitig Hämorrhoiden!

 

Einteilung der kolorektalen Karzinome und häufigste Metastasierungsorte

Ein kolorektales Karzinom kann in ein sogenanntes TNM-Stadium eingeordnet werden.

T gibt die Ausbreitung des Haupttumors an, N steht für den Lymphknotenbefall und M für das Ausmaß der Fernmetastasen.

Übersicht: TNM-Klassifikation des kolorektalen Karzinoms

Tis: Carcinoma in situ
T1: Bis in Submukosa reichend
T2: Infiltration Muscularis propria
T3: Ausbreitung bis Subserosa
T4a: Bis ins viszerale Peritoneum reichend
T4b: andere Organe und Strukturen infiltrierend

N0: keine Lymphknotenmetastasen

N1a: 1 Lymphknoten (von mindestens 12 untersuchten) befallen
N1b: 2-3 Lymphknoten befallen
N1c: Tumorknötchen im Fettgewebe
N2a: 4-6 Lymphknoten befallen
N2b: mindestens 7 Lymphknoten befallen

M0: keine Fernmetastasen

M1a: Fernmetastasen in einem Organ
M1b: Fernmetastasen in mehreren Organen oder im Peritoneum

Die häufigsten Fernmetastasen beim Kolonkarzinom befinden sich in der Leber und in der Lunge. Zusätzlich werden oft regionale Lymphknoten befallen.

 

Behandlung: Kurativ vs. palliativ, Chemotherapie, Operation

Ob ein kolorektales Karzinom kurativ oder palliativ behandelt werden kann, hängt davon ab, wo sich der Tumor befindet, wie groß er ist und ob bereits Fermmetastasen vorhanden sind. Ein kleines, nicht metastasiertes Karzinom kann in der Regel kurativ behandelt werden, ein stark metastasiertes Karzinom meist palliativ. Im Einzelfall wird die Entscheidung jedoch durch das Ärzteteam in einer interdisziplinären Tumorkonferenz getroffen.

Rektumkarzinome, die sich im oberen oder mittleren Drittel befinden, können in der Regel kontinenzerhaltend operiert werden. Bei Tumoren im unteren Drittel wird ein Anus praeter angelegt.

Manchmal wird bei fortgeschrittenen Rektumkarzinomen eine sogenannte neoadjuvante Therapie, eine Chemotherapie vor der Operation, durchgeführt. Dadurch kann der Tumor besser operiert werden und die Wahrscheinlichkeit von Lokalrezidiven wird gesenkt. Auch nach der Operation wird ein kolorektales Karzinom im fortgeschrittenen Stadium häufig mit einer Chemotherapie aus 5-FU und Oxaliplatin behandelt.

Prognose: Abhängig vom Krankheitsstadium

Die Prognose von Kolonkarzinom und Rektumkarzinom ist sehr ähnlich und hängt jeweils vom Stadium der Erkrankung ab. Ein kleiner Tumor ohne Lymphknoten- und Fernmetastasen hat nach operativer Entfernung eine 5-Jahres-Überlebensrate von etwa 95 Prozent und auch bei größeren Tumoren ohne Metastasen werden noch 85 Prozent erreicht. Tumore mit Lymphknotenmetastasen führen zu 5-Jahres-Überlebensraten von etwa 55 bis 65 Prozent und bei Tumoren mit Fernmetastasen überleben nur etwa fünf Prozent der Patienten die ersten fünf Jahre.

Tipps für Patienten: regelmäßig vorsorgen

Ein kolorektales Karzinom wird in aller Regel nur dann sehr früh erkannt, wenn regelmäßige Koloskopien zur Vorsorge wahrgenommen werden. Die Untersuchung verläuft meist schnell und ohne größere Komplikationen.

Literatur:

Gerd Herold, Innere Medizin 2018

 

Hinweis für unsere Leser

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Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.
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