CDT-Blutwert – Bedeutung, Niedrige und hohe Werte

Was bezeichnet der CDT-Blutwert?

CDT ist eine Abkürzung für Carbohydrat-Deficient-Transferrin. Alternativ verwenden Mediziner verschiedene Synonyme für den CDT-Blutwert wie kohlenhydrat-defizientes Transferrin, Asialotransferrin und Desialotransferrin. CDT ist ein biochemischer Laborparameter zur Identifizierung von chronischem Alkohol-Missbrauch.

Blutwerte in den Wechseljahren

 

CDT als Marker für Alkohol-Missbrauch

Carbohydrat-defizientes Transferrin ist ein biochemischer Laborparameter zur zuverlässigen Diagnose von chronischem Alkoholmissbrauch. Das Glykoprotein Transferrin bindet Eisen und enthält zwei Kohlenhydrat-Seitenketten. Jede beinhaltet endständige Sialinsäure-Reste. Ein erhöhter Alkoholkonsum stört die Synthese des Transferrins. Es entstehen vermehrt Transferrin-Moleküle mit einer oder keiner Kohlenhydrat-Seitenkette. Durch den Alkoholabusus entstandene Transferrin-Isoformen fasst der Arzt als CDT-Blutwert zusammen.

 

Definition des CDT-Blutwertes

Im Blutserum befinden sich kohlenhydrat-defiziente Transferrine. Sie gehören zu einer Gruppe Transferrin-Isoformen. Bei chronischem Alkohol-Missbrauch steigt deren prozentualer Anteil am Gesamt-Transferrin. Zu den Transferrin-Isoformen gehören Monosialo-, Asiolo- und Disialotransferrin sowie Trisialotransferrin.

Die Isoformen des Transferrins

Transferrin ist ein Glykoprotein, das über Kohlenhydrat-Ketten verfügt. Ihre Größe und Verzweigung differiert, jede Seitenkette endet mit zwei Sialinsäure-Resten. Mediziner bestimmen die Anzahl dieser in einem aufwendigen Verfahren. Je nach Testergebnis variiert die Anzahl zwischen keinem und bis zu acht Sialinsäure-Resten. Bei chronischem Alkohol-Missbrauch ist die Synthese der Kohlenhydrat-Ketten durch ethyltoxische Prozesse beeinträchtigt. Das führt zu einer Verschiebung zu Transferrin-Molekülen mit geringer Sialinsäure-Restmenge. Die entstehenden Isoformen des Transferrins fasst der Mediziner zu CDT zusammen.

 

Wie entsteht das CDT im Blut?

Welcher Mechanismus für die Entstehung des CDT bei Alkohol-Missbrauch greift, ist noch ungeklärt. Forscher vermuten eine funktionale Beeinträchtigung der Kohlenhydratketten-Synthese durch Ethanol und dessen Abbauproduktes Acetaldehyd.

 

Wie diagnostiziert der Arzt CDT?

Für den Test auf CDT im Blut benötigt der Patient keine spezielle Vorbereitung. Der Anteil des CDT im Gesamt-Transferrin unterliegt keiner Beeinflussung durch die Nahrungsaufnahme, Tageszeit oder Pharmaka. Erforderlich ist eine Vollblut- oder Serumprobe. Wichtig ist eine zügige Weiter-Verarbeitung oder eine ausreichende Kühlung der Probe, da die CDT-Blutwerte sich ungekühlt innerhalb von drei Tagen signifikant erhöhen. Gefroren überdauern sie mehrere Monate oder Jahre. Dies gilt nicht für Vollblutproben, eine Tiefkühlung beeinträchtigt hier die Messung. Ebenso führt eine Kontamination mit Bakterien zu einem Anstieg der CDT-Konzentration.

In der Analyse trennt der Laborant mittels der isoelektrischen Fokussierung die Fraktion der CDT von der der Nicht-CDT. Anschließend stehen verschiedene Verfahren, um das CDT im Blut nachzuweisen zur Verfügung, wie:

  • Immunfixation,
  • Immun-Turbidimetrie,
  • Enzyme-Immunoassay (EIA),
  • Radioimmunoassay (RIA).

Verschiedene Erkrankungen und eine Schwangerschaft beeinflussen den CDT-Blutwert. Auch alkoholbedingte Leber-Veränderungen, wie eine Leberzirrhose, chronische Hepatitis oder ein Leberzellkarzinom erhöhen den Anteil an CDT im Blut. Hinzu kommen genetische Transferrin-Varianten.

 

Was bedeutet ein erhöhter CDT Wert?

Konsumiert der Patient an sieben bis zehn aufeinander-folgenden Tagen 50 bis 80 Gramm Alkohol, steigt der Anteil des CDT im Blut. Ein kurzfristiger Alkohol-Missbrauch führt nicht zu einem erhöhten Wert. Eine Normalisierung der Werte erfolgt nach einer Alkoholabstinenz von zwei bis vier Wochen.

Der CDT-Blutwert gilt derzeit als verlässlichster Marker zur Diagnostik eines chronischen Alkohol-Abusus. Zwar verwenden Mediziner weitere Marker zur Testung, jedoch ist der Anstieg von CDT hauptsächlich dem Alkoholkonsum zuzuschreiben. Eine CDT-Erhöhung erfolgt nur bei wenigen und seltenen Erkrankungen, die der Arzt leicht ausschließt. Mediziner verwenden den Blutwert ebenfalls zur Kontrolle einer Therapie im Rahmen des Alkoholentzugs.

Die Studie „Carbohydrate-deficient transferrin (CDT) ­– a biomarker for long-term alcohol consumption“ von Golka K. und Wiese A. zu CDT als Biomarker für Alkoholmissbrauch bestätigt die Überlegenheit des Wertes gegenüber anderen Markern bei Patienten, die mehr als 60 Gramm Alkohol täglich zu sich nehmen.

 

weiterführend:

http://www.imd-oderland.de/einsender-fachpublikationen-labinfos-cdt.htm

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15205047

 

Autorenprofil

Anna Nilsson, Medizinredakteurin

Anna Nilsson, Journalistin und Medizinredakteurin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin www.grossesblutbild.de


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