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Durchführung und Fakten zum Langzeit EKG

Mit einem Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet man die Herzaktivität auf, um Veränderungen in der Herzfrequenz und dem Herzrhythmus feststellen zu können. Wenn Ihr Hausarzt Ihnen die Durchführung eines Langzeit-EKG empfiehlt, hat er zuvor bereits ein normales EKG unter Ruhebedingung und eventuell ein Belastungs-EKG auf einem Ergometer oder Laufband durchgeführt.

Diese Formen des EKG geben nur einen zeitlich begrenzten Einblick in die Tätigkeit Ihres Herzens. Ihr Arzt hat anhand Ihrer Beschwerden oder aufgrund kleinerer Auffälligkeiten im Ruhe- und/oder Belastungs-EKG den Verdacht, dass sich noch mehr ungewöhnliche Herzaktivitäten zeigen dürften, wenn man diese einen ganzen Tag lang unter Alltagsbedingungen betrachtet. Zur weiteren Abklärung setzt man ein Langzeit-EKG ein.

 

Langzeit-EKG: Ablauf
Langzeit-EKG Ablauf der Untersuchung: Copyright: iiievgeniy bigstockphoto

 

 

Was ist ein Langzeit-EKG

Das Langzeit-EKG-Gerät tragen Sie einen ganzen Tag mit sich herum, wobei es ihre Herztätigkeit in Ihrem normalen Alltag aufzeichnet. So lässt sich hinterher nachvollziehen, wie sich unter Belastungsbedingungen die Herzspannung verändert, ob unter akuter oder dauerhafter Belastung besondere Symptome hinzukommen und wie schnell sich das Herz von einer Mehrarbeit erholt.

Ein alter Begriff für das Elektrokardiogramm lautet Herzspannungskurve. Damit lassen sich die elektrischen Impulse des autonomen Erregungsleitungssystems erfassen, das das Herz besitzt. Dabei werden nur Herzfrequenz und Herzrhythmus aufgezeichnet, ohne die tatsächliche Herzleistung, das Herzminutenvolumen (Schlagfrequenz x Auswurfleistung) mit zu erfassen. Die aufgezeichneten Impulse der Spannungskurve ergeben ein charakteristisches Zackenmuster. Täler und Gipfel dieser Kurve bezeichnet man mit P, Q, R, S, T und U.

 

Langzeit-EKG Ablauf: Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Ein Langzeit-EKG dient der Abklärung von krankhaften Veränderungen, indem es die Herztätigkeit über einen ganzen Tag hinweg aufzeichnet.
  2. In Ihrer Praxis bekommen Sie morgens mehrere Elektroden auf die Brust geklebt und ein kleines Kästchen an den Gürtel oder um den Hals.
  3. Während der Messung sollten Sie ganz normal Ihren täglichen Verrichtungen folgen.
  4. Sie müssen lediglich darauf achten, dass sich die Elektroden nicht lösen. Duschen und Baden sind nicht möglich.
  5. Am nächsten Tag entfernt man Ihnen Gerät und Elektroden. Über das Ergebnis der Messung informiert Sie Ihre Praxis meist in ein oder zwei Tagen.

 

 Wann wird ein Langzeit-EKG gemacht?

Ein solches Langzeit-EKG ist vor allem im Verlauf verschiedener Herzerkrankungen zur Kontrolle des Verlaufes wichtig. Dazu gehören

  • Bluthochdruck (Hypertonie), der langfristig zu einer Überbelastung des Herzens führt, das gegen den hohen Druck im Blutgefäßsystem anpumpen muss;
  • Koronare Herzkrankheit (KHK), bei der die das Herz selbst versorgenden Blutgefäße durch eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verengt sind, sodass sich die Herztätigkeit vor allem unter Belastungsbedingungen durch Mangel an Sauerstoff verändert;
  • Herzrhythmusstörungen in allen Varianten wie Vorhofflimmern, Vorhofflattern oder Kammerflimmern und Kammerflattern, bei denen etwas mit der Erregungsbildung und Erregungsleitung nicht stimmt und die oft anfangs nur sehr sporadisch auftreten. Dadurch sind sie nur mit einem Langzeit-EKG in ihrem Verlauf zu erfassen.
  • Verlangsamter und beschleunigter Herzschlag (Bradykardie und Tachykardie), die ebenfalls auf Störungen im Reizleitungssystem zurückzuführen sind, nur sporadisch auftreten können und sich daher ebenfalls in einem Langzeit-EKG mit ihrem Verlauf registrieren und beurteilen lassen.
  • Entzündungsprozesse am Herzen beeinträchtigen ebenfalls die Nervenleitung und damit Herztätigkeit, die besonders bei schwereren Formen kontrolliert werden muss. Dazu gehören Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis), Herzbeutels (Perikarditis) und der inneren Herzhaut (Endokarditis) oder des gesamten Herzens (Pankarditis).
  • Verdickungen der Herzwände, vor allem der linken und der rechten Hauptkammer infolge einer fortwährenden Überbelastung oder bestimmter Krankheiten. Eine solche Linksherzhypertrophie oder Rechtsherzhypertrophie beeinträchtigt die Herzaktivität in ihrem Verlauf zusehends.
  • Kontrolle eines implantierten Herzschrittmachers ist wichtig für die Abschätzung, ob das Gerät richtig funktioniert und auf alle Anforderungen des Alltages richtig reagiert.

 

Elektrokardiogramm (EKG)
Elektrokardiogramm Mobil für Langzeit EKG Untersuchung copyright: iiievgeniy, bigstockphoto

 

Wie sieht dieses Langzeit-EKG-Gerät überhaupt aus?

Das Langzeit-EKG-Gerät besteht im Prinzip aus den gleichen Komponenten wie ein normales EKG-Gerät. Nur mit etwas weniger Kabelsalat als Sie es von einem üblichen EKG in der Praxis kennen. Es werden weniger Ableitungen vorgenommen, sodass sich die Anzahl der Elektroden auf meist drei bis sechs reduzieren lässt. Dadurch können Sie das Gerät mit sich herumtragen, ohne zu stark von Ihrem normalen Alltag abgelenkt zu sein.

Die Komponenten des Langzeit-EKG-Gerätes sind

  • Elektroden, die an verschiedenen Stellen am Körper auf der Haut angebracht werden und die über Kabel die Signale an einen
  • Verstärker weiterleiten. Dieser verstärkt die schwachen elektrischen Signale von weniger als einem Millivolt und gibt sie weiter an ein
  • Aufzeichnungsgerät. Dieses zeichnet die verstärkten Impulse in digitaler Form auf. Das erleichtert die Auslesung und Auswertung der aufgezeichneten Werte nach dem Langzeit-EKG.

 

Langzeit-EKG Ablauf beim Arzt?

In der Regel wird Ihnen Ihr Arzt einen Termin geben, an dem das Langzeit-EKG-Gerät frei ist. Meistens sind diese recht gut ausgebucht und täglich unterwegs. Hausarztpraxen verfügen im Gegensatz zu Herzspezialisten (Kardiologen) in der Regel nur über ein einziges Gerät.

Besondere Vorkehrungen im Vorfeld der Messung sind nicht erforderlich. Sie sollen einen völlig normalen Tag mit dem Gerät verbringen.

Wenn Sie morgens bei Ihrem Hausarzt erscheinen, müssen sie zunächst Ihren Oberkörper freimachen. Dann klebt Ihnen der Arzt je nach Gerät drei bis sechs Haftelektroden auf verschiedene Stellen der Brust. Viele Männer sind wenig erfreut, wenn ihre Brustbehaarung unter Umständen etwas ausrasiert werden muss, damit die Elektroden sicher haften.

Diese Elektroden sind mit einem kleinen tragbaren Gerät verbunden, das den Verstärker und die Aufzeichnungseinheit enthält. Früher war es üblich, das kleine Kästchen am Gürtel festzumachen und mit sich herumzutragen. Inzwischen gibt es auch besonders kleine Geräte, die man mit einer Schlaufe um den Hals vor der Brust tragen kann.

Das war’s eigentlich schon. Sie können sich wieder anziehen und Ihrem normalen Alltagsgeschäft nachgehen.

 

Langzeit-EKG Ablauf während der Messung

Sie sollten während des Langzeit-EKG den Ablauf Ihres Tagesgeschehens wie sonst auch gestalten. Sie müssen lediglich darauf achten, dass Sie sich keine Elektroden abrupfen, denn dann wäre die Messung beendet. Ein zweites Mal halten die Kleber nicht mehr so gut wie beim ersten Mal.

Notfalltipp: Wenn Sie es doch geschafft haben, dass sich eine Elektrode löst, kleben Sie sie mit Pflaster wieder an die gleiche Stelle und dokumentieren Sie den Zeitpunkt, damit Ihr Arzt sich nicht wundert. Die heute meist üblichen Pflasterstrips sind dazu wenig geeignet. Verwenden Sie lieber die altmodischen Pflaster, wie man sie früher verwendet hat und von denen man nach Bedarf einen Streifen abschneidet.

Auf ein paar Dinge müssen Sie beim Langzeit-EKG während des Ablauf verzichten. Duschen oder Baden wären den Elektroden hinderlich, ebenso wie ein Besuch im Schwimmbad oder in der Sauna. Auch beim Sport sollten Sie sich auf Aktivitäten beschränken, die die Elektroden nicht in Gefahr bringen. Denken Sie daran: Duschen ist nicht. Mit einem Waschlappen waschen ist problemlos möglich, wenn Sie dabei die Haftstellen aussparen und vorsichtig hantieren.

Oft wird die Frage gestellt, ob ein Mobiltelefon die Messung stört. Da brauchen Sie keine Angst zu haben, die Messwerte werden per Kabel übertragen, sodass die Mobilfunkwellen nicht stören können.

Nachts dürfen Sie auf dem Bauch schlafen, das stört die Elektroden überhaupt nicht. Sicherheitshalber sollten Sie ein Oberteil tragen, damit Sie sich nicht versehentlich in den Kabeln verheddern. Auch Haustiere, allen voran Katzen, sollten das potentielle Spielzeug besser nicht zu Gesicht bekommen.

Für den Arzt ist es wichtig, dass Ihre Aktivitäten zeitlich nachvollziehbar sind. Nur so kann er Auffälligkeiten auf einen Auslöser zurückführen. Wenn Ihr Tagesablauf nicht allzu ungewöhnlich ist, reicht es meistens aus, wenn Sie ihm im Nachhinein erzählen können, was Sie wann gemacht haben. Wollen Sie ganz auf Nummer sicher gehen, schreiben Sie sich Ihre Aktivitäten auf einem Notizblock auf. Auf jeden Fall sollten Sie beim Langzeit-EKG im Ablauf auftretende Beschwerden dokumentieren, wie Schwindel, Schmerzen in der Brust oder Kurzatmigkeit.

 

Langzeit-EKG und Was passiert danach?

Am nächsten Morgen gehen Sie in Ihre Praxis und lassen sich das Gerät mit seinen Elektroden entfernen. Ihre Werte werden am Computer ausgelesen und grob ausgewertet. Dazu gehört die Ausgabe der höchsten und der niedrigsten gemessenen Herzfrequenz wie auch des Durchschnittswertes. Darüber hinaus sieht sich der Arzt die Veränderungen im Tagesablauf an und wird Sie darüber in Kenntnis setzen, wenn er Auffälligkeiten findet.

Meistens dauert das ein oder zwei Tage. Ihre Praxis wird Ihnen mitteilen, wann Sie das Ergebnis Ihres Langzeit-EKG telefonisch oder persönlich erfragen können. Gegebenenfalls wird Ihr Arzt entsprechende therapeutische Maßnahmen einleiten oder weitere Untersuchungen bei einem Herzspezialisten (Kardiologen) erbitten. Eine mögliche weitere Untersuchung ist die Langzeit-Blutdruckmessung.

 

 

Literatur und Quellen:

  1. Albrecht Ohly, Marion Kiening: Kurzlehrbuch EKG endlich verständlich. 2. Auflage. München: Urban & Fischer/Elsevier Verlag 2018. ISBN-10: 3437414143.
  2. Hans-Joachim Trappe, Hans-Peter Schuster: EKG-Kurs für Isabel. 7. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2018. ISBN-10: 3132407992
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.