Blutwerte bei Morbus Hodgkin

Morbus Hodgkin, im Volksmund auch Lymphdrüsenkrebs genannt, ist eine bösartige Krankheit des lymphatischen Systems. Zum ersten Mal wurde die Krankheit 1983 beschrieben. Der britische Arzt und Pathologe Thomas Hodgkin ist somit Namensgeber für die schwere Erkrankung.

Doch woran genau kann man erkennen, dass man an Morbus Hodgkin erkrankt ist? Wie verändern sich die Blutwerte bei Morbus Hodgkin? Und wie wirkt sich die Krankheit aus?

Wir erklären in diesem Artikel wie sich Blutwerte, das Blut und die Blutsenkung bei Lymphdrüsenkrebs verhalten.

Blutzellen, blutgruppen
Blutzellen, Copyright: pitris bigstockphoto

Einleitung Morbus Hodgkin

Morbus Hodgkin ist eine sehr seltene Krebserkrankung. Bei Männern und Frauen sind nur etwa 0,4 Prozent der Neuerkrankungen von Morbus Hodgkin betroffen. In konkreten Zahlen beschrieben: 2014 erkrankten 2.390 Menschen an der bösartigen Krankheit. Morbus Hodgkin hat eine gute Heilungsprognose: Ungefähr 85 Prozent der Betroffenen überleben die Krankheit länger als fünf Jahre.

Blutwerte bei Morbus Hodgkin – Faktenblock:

  • Die Erhöhung von eosinophilen Granulozyten, den sogenannten Fresszellen unter den weißen Blutkörperchen, kann ein Hinweis auf Morbus Hodgkin sein
  • Eine erhöhte Blutsenkung im Blutbild Betroffener kann ebenfalls ein Hinweis auf Morbus Hodgkin sein
  • Auch eine immunhistochemische Untersuchung der Blutzellen dient der Diagnosestellung bei Morbus Hodgkin
  • Für eine gesicherte Diagnosestellung bei Morbus Hodgkin reicht eine Blutuntersuchung nicht aus. Weitere Untersuchungen wie eine Gewebebiopsie sind notwendig.
  • Morbus Hodgkin macht sich meist durch geschwollene, schmerzlose Lymphknoten bemerkbar, die Betroffene ertasten können, sofern sie außen am Körper liegen. Betroffene Regionen sind meist der Hals, die Achselhöhlen oder die Leistengegend.

 

Blutwerte bei Morbus Hodgkin

Das Blutbild eines Betroffenen zählt zu den entscheidenden Diagnoseintrumenten, um eine gesicherte Diagnose zu stellen. Im Blutbild von Erkrankten lassen sich Veränderungen gegenüber den Blutwerten von gesunden Menschen feststellen.

Ein entscheidendes Merkmal sind veränderte Zahlen der Blutzellen. Bei Erkrankten findet sich eine vermehrte Zahl entarteter, bösartiger Lymphomzellen, die gesunde Blutzellen verdrängen.

Demnach finden sich im Blut von Betroffenen weniger gesunde Blutzellen. Eine Blutarmut (Anämie) und ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) sind die Folge.

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Auch funktionierende Abwehrzellen des Blutes, sogenannte Leukozyten, können zu wenig vorhanden sein. Hinweise auf Morbus Hodgkin geben eine Vielzahl von sogenannten eosinophilen Granulozyten (Eosinophilie) im Blutbild des Erkrankten.

Blutwerte bei Morbus Hodgkin – Die Bedeutung von Eosinophilen Granulozyten

Eosinophilen Granulozyten sind spezielle weiße Blutkörperchen, die auch gesunde Menschen in ihrem Blut haben. Sie erfüllen wichtige Aufgaben in unserem Immunsystem.

Zum Beispiel sind sie hilfreich bei der Bekämpfung von Würmern und Parasiten.
Im Rahmen des großen Blutbildes bestimmt der Arzt mit Hilfe eines Labors die sogenannten leukozytären Blutwerte. Bei gesunden Erwachsenen beträgt der Anteil von eosinophilen Granulozyten ungefähr ein bis vier Prozent der gesamten weißen Blutkörperchen.

Der Begriff „eosinophil“ ist abgeleitet von der Untersuchungsmethode: Dank des Farbstoffes Eosin lassen sich die Zellen anfärben und sind als rote oder rosane Zellen unter dem Mikroskop sichtbar. Eosinophilen Granulozyten, sind Fresszellen, der Mediziner spricht von Phagozyten.

Sie verschlucken Krankheitserreger, bevorzugt Parasiten und Würmer. Spezielle Enzyme im Inneren der eosinophilen Granulozyten sorgen für eine Bekämpfung der Körperfeinde und verhindern im Optimalfall eine Erkrankung des menschlichen Körpers.

In der Ausheilungsphase einer harmlosen aber lästigen Infektion ist es ganz normal, dass eosinophile Granulozyte vermehrt im Blutbild des Betroffenen zu finden sind. Mediziner sprechen dann von einer sogenannten Eosinophilie.

Bei Scharlach, Röteln und der Geschlechtskrankheit Tripper (Gonorrhö) sind eosinophile Granulozyte über den gesamten Krankheitsverlauf erhöht. Eine Erhöhung von eosinophilen Granulozyten spricht demnach nicht immer für Morbus Hodgkin.

Auch allergische Erkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen können für eine Erhöhung von eosinophilen Granulozyten in den Blutwerten sprechen.

Blutwerte bei Morbus Hodgkin – Erhöhte Blutsenkung

Eine erhöhte Blutsenkung kann ebenfalls die Verdachtsdiagnose Morbus Hodgkin manifestieren. Blutsenkung beschreibt die sogenannte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (kurz: BSG oder BKS).

Die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit beschreibt, die Geschwindigkeit der roten Blutkörperchen einer Blutprobe beim Absinken in einem speziell dafür vorgesehenen Untersuchungsröhrchen innerhalb einer Stunde. Vor allem Entzündungen im Körper werden durch eine erhöhte BSG festgestellt. Aber auch für andere Erkrankungen wie Morbus Hodgkin liefert die BSG wichtige Hinweise.

Generell dient die laborchemische Untersuchung der Blutsenkung als Test für die Diagnosestellung entzündlicher und bösartiger Erkrankungen wie Morbus Hodgkin. Allerdings beschreibt die Blutsenkung nur einen unspezifischen Wert, der allein nicht zur Diagnosestellung ausreicht.

Eine erhöhte Blutsenkung kann nur allgemein darauf hinweisen, dass eine Entzündung oder eine bösartige Erkrankung im Körper des Betroffenen vorliegt. Konkret formuliert bedeutet das, dass eine erhöhte Blutsenkung von der Ausheilung einer harmlosen Grippe bis hin zu einer bösartigen Erkrankung wie Morbus Hodgkin, alles bedeuten kann.

Die Spannbreite möglicher Ursachen bei erhöhter Blutsenkung ist also riesen groß. Das Vorliegen einer harmlosen Ursache ist im ein Vielfaches wahrscheinlicher. Daher ist eine erhöhte Blutsenkung vorerst kein Grund zur Panik!

Blutwerte bei Morbus Hodgkin – weitere Parameter des Blutbildes

Besteht der Verdacht, dass der Betroffene an Morbus Hodgkin erkrankt ist, dienen weitere Parameter der Blutwerte zur Diagnosesicherung. Beispielsweise lassen sich Funktionswerte von Leber und Niere im Blutbild bestimmen.

Diese geben Aufschluss darauf, ob die Erkrankung Morbus Hodgkin bereits andere Organe befallen hat. Auch erhöhte Entzündungswerte im Blutbild sind ein weiterer Hinweis auf Morbus Hodgkin.

Weiterhin wird das Blutbild von Betroffenen immunhistochemisch untersucht. Das bedeutet, dass die Blutzellen im Blut auf ihre Oberflächenstruktur hin untersucht werden. Zur Bestimmung der Zelloberfläche der Blutzellen kommen bestimmte Antikörper und chemische Substanzen zum Einsatz.

Durch den Einsatz der Antikörper für diese Untersuchung erhielt sie den Namen „immun“histochemisch. Die immunhistochemische Untersuchung dient bei Blutkrebs dazu festzustellen, welche Zellen des Blutes bösartig entartet sind. Diese Information ist wichtig für die weitere Therapie und Behandlung der Krebskrankheit.

Morbus Hodgkin – weitere Untersuchungen zur Diagnosestellung

Liefern die Blutwerte ausreichend Parameter, die für Morbus Hodgkin oder vielmehr für Lymphdrüsenkrebs stehen, sind weitere Untersuchungen erforderlich. Zum Beispiel die sogenannte Biopsie, die Aufschluss darüber gibt, um welche Form des Lymphdrüsenkrebs es sich bei dem Betroffenen handelt.

Bei der Biopsie handel es sich um eine Gewebeprobe. Meist wird hierzu chirurgisch ein gesamter Lymphknoten entnommen. Der medizinische Fachbegriff für diese Untersuchung lautet Lymphknotenexstirpation. Der entnommene Lymphknoten wird unter dem Mikroskop untersucht. Hier bestätigt sich dann der Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs, weitere Untersuchungen werden erforderlich.

Die Entnahme der Gewebeprobe ist für die Diagnosestellung bei Morbus Hodgkin unentbehrlich. Nur mit Hilfe der genauen Betrachtung und Bestimmung der Zellen unter einem Mikroskop lässt sich eine gesicherte Diagnose stellen. Die Blutwerte bei Morbus Hodgkin liefern dahingehend Hinweise, sind aber nicht ausreichend für eine gesicherte Diagnosestellung.

Neben der Untersuchung von Lymphknoten können auch anderen Stellen des Körpers Gewebeproben entnommen und entsprechend mikroskopisch untersucht werden. Proben aus Haut und Magenschleimhaut können ebenfalls Aufschluss darüber geben, ob ein Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) vorliegt.

Bestätigt sich der Verdacht des Lymphdrüsenkrebs werden weitere Untersuchungen, sogenannte bildgebende Verfahren notwendig. Hierzu zählen neben Ultraschalluntersuchungen auch Röntgen und Computertomographie (kurz: CT). Der Fortschritt der Erkrankung, die Einteilung in sogenannte Erkrankungsstadien, werden mit Hilfe von bildgebenden Untersuchungen vorgenommen.

Bei einigen Betroffenen kann es zusätzlich notwendig sein, das Knochenmark zu untersuchen. Unter leichter Sedierung wird hierzu der Beckenkamm punktiert um einen geringen Teil Knochenmark für Untersuchungszwecke zu gewinnen. Die Untersuchung des Knochenmarks wird ebenfalls unter dem Mikroskop durchgeführt.

 

Quellen und Literatur:

„Blutwerte: Für Krebspatienten verständlich erklärt“, Börm Bruckmeier Verlag, 2011
Quelle: M. Dreyling (Herausgeber): „Maligne Lymphome: Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge (Manuale Tumorzentrum München)“, W. Zuckschwerdt Verlag, 2015

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