Röteln und Schwangerschaft

Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft bezeichnet ein Untersuchungsverfahren, mit dem man sicherstellen will, dass eine angehende Mutter einen ausreichenden Immunschutz gegen Röteln aufweist. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man jeglichen Kontakt mit an Röteln infizierten Personen meiden. Denn wenn die Mutter an Röteln erkrankt, ist das Risiko schwerwiegender gesundheitlicher Schäden beim ungeborenen Kind sehr hoch.

Blutröhrchen
Blutprobe © Shawn Hempel – Fotolia.com

 

 

Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft: Was sind überhaupt Röteln?

Röteln (Rubella) gelten als relativ harmlose, aber hoch ansteckende Kinderkrankheit, die sich vor allem mit dem namensgebenden roten Hautausschlag (Exanthem), Lymphknotenschwellungen und hohem Fieber äußert. Die Ansteckung erfolgt durch eine Tröpfcheninfektion mit einem Einzelstrang-RNA-Virus, dem Rötelnvirus (Rubellavirus). Dieser dringt bevorzugt über die oberen Atemwege in den Körper ein. Danach beträgt die Inkubationszeit zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit vermehren sich die Viren im lymphatischen System und gelangen schließlich in die Blutbahn. So gelangen sie bei Erwachsenen auch in die Plazenta und in das ungeborene Kind.

Serologische Blut Tests und Untersuchungen
Serologische Blutuntersuchungen | © Minerva Studio – Fotolia.com

Im Erwachsenenalter ist zunehmend mit Komplikationen zu rechnen. Dazu gehören Entzündungen der Gelenke (Arthritiden), des Gehirns (Enzephalitis), des Herzmuskels oder Herzbeutels (Myokarditis und Perikarditis). Eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) führt zu verstärkter Blutungsneigung.

Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO des Robert-Koch-Institutes (RKI) eine Impfung im Kindesalter, um vor allem die teils lebensbedrohlichen Komplikationen im Erwachsenenalter zu verhindern. Die Impfung erfolgt meist zusammen mit der gegen Masern und Mumps (Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung, Dreifachimpfung). Eine erste Grundimmunisierung führt der Kinderarzt zwischen dem 11. und 14. Monat, die zweite zwischen dem 15. und 23. Monat. Eine Nachholimpfung ist zwischen dem zweiten und dem siebzehnten Lebensjahr möglich.

Haben Sie die Röteln bereits hinter sich, kann man eigentlich von einem ausreichenden Rötelnschutz ausgehen. Denn der Körper bildet in Reaktion auf eine Infektion Antikörper und Gedächtniszellen, die im Falle einer erneuten Infektion eine schnelle Neuaufnahme der Antikörperproduktion erlauben. Gleiches sollte der Fall sein, wenn Sie als Kind zweimal gegen die Röteln geimpft wurden. Trotzdem führt man den Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft grundsätzlich durch, um das Bestehen eines hinreichenden Impfschutzes zu überprüfen.

 

Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft: Wieso sind Röteln in der Schwangerschaft gefährlich?

Der Röteln-HAH-Test ist in der Schwangerschaft wichtig, weil die Viren zu schweren Missbildungen und geistigen Fehlentwicklungen des ungeborenen Kindes führen (Rötelnfetoembryopathie). Besonders gefährlich ist eine Infektion im ersten Trimenon, da in dieser Zeit die inneren Organe entstehen und die Röteln das beeinträchtigen. Das Rötelnvirus löst bei einigen Zelltypen den Programmierten Zelltod (Apoptose) aus. Dieser führt zu Zellverlust und Schäden an den sich entwickelnden Organen:

  • Vor allem Herz- und Gefäßfehler sind verbreitet:
    • Fallot-Tetralogie (Ventrikelseptumdefekt + reitende Aorta + Pulmonalstenose + Rechtsherzhypertropie; Artikel dazu hier↑)
    • persistierendes Foramen ovale (eine Öffnung in der Herzscheidewand schliesst sich nicht)
    • Aortenisthmusstenose (eine Verengung der Hauptschlagader)
  • Daneben treten auf
    • Taubheit
    • Trübung der Augenlinse (Katarakt) und Erblindung

Im Extremfall kommt es zu Fehlgeburten.

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Wichtig zu wissen ist, dass während der Schwangerschaft eine Impfung nicht mehr möglich ist. Daher sollten Sie bei Kinderwunsch unbedingt im Vorfeld Ihren Immunstatus überprüfen lassen.

 

Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft: Wie wird er durchgeführt?

Für den Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft benötigt das Labor eine kleine Blutprobe von Ihnen, wie sie Ihnen Ihr Frauenarzt im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen abnimmt. Dazu entnimmt eine Arzthelferin oder sonstige medizinische Fachangestellte mit einer Kanüle und einem Schlauch Blut aus einer Armvene, das in ein Blutentnahmeröhrchen läuft. Im Labor verwendet man das Blutserum.

HAH-Test bedeutet Hämagglutinationshemmtest. Viele Viren und Bakterien sind in der Lage, eine Verklumpung (Hämagglutination) von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) auszulösen. Beim Test versetzt man eine serielle 1 : 2-Verdünnungsreihe (1 : 8, 1 : 16, 1 : 32 …) Ihres Blutserums mit einer definierten Virenmenge. Enthält Ihr Blutserum Antikörper gegen das Rubella-Virus, kommt es zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion, die diese Hämagglutinine inaktiviert. Fügt man nun Test-Erythrozyten (meistens aus Schweineblut) zu, agglutinieren diese nicht mehr – die Hämagglutination ist gehemmt. Der Hämagglutinationstiter ist diejenige Verdünnungsstufe, bei der die Hämagglutinationshemmung in dieser Verdünnungsreihe eben noch stattfindet.

 

Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft: Was besagt das Ergebnis?

Ist beim Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft das Testergebnis (Hämagglutinationstiter) höher als 1 : 16 (also 1 : 32, 1 : 64, 1 : 128 …), kann man davon ausgehen, dass ein ausreichender Schutz gegen die Röteln vorhanden ist. Liegt das Testergebnis bei 1 : 8 oder ist der Test negativ, liegt auf keinen Fall ein Rötelnschutz vor. Dann sollten Sie den Umgang mit Infizierten tunlichst vermeiden, um sich und Ihr ungeborenes Kind nicht unnötig zu gefährden.

In Deutschland sind die Röteln nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Diese Meldung erfolgt jedoch anonymisiert, sodass die Behörden Ihren Namen nicht erfahren.

 

Röteln-HAH-Test in der Schwangerschaft: Was trägt der Arzt im Mutterpass ein?

Der Arzt kreuzt das auf der zweiten Seite Ihres Mutterpasses (Laboruntersuchungen und Rötelnschutz) bei Immunität anzunehmen ja oder nein entsprechend an, gleich nach der Blutgruppenzugehörigkeit und dem Antikörper-Suchtest auf den Rhesus-Faktor. Ebenso hält er das Datum der Untersuchung, die Protokoll-Nr. des Labors und gegebenenfalls ergänzende serologische Untersuchungen fest. So sind eventuelle Rückfragen bei Unklarheiten leichter möglich.

Eine entsprechende Eintragung erfolgt auf Seite 3 des Mutterpasses bei der späteren Durchführung der Kontrolle des Röteln-Antikörpertests.

 

Literatur und Quellen:

  1. Robert-Koch-Institut: Aktuelle Empfehlungen der Ständigen Impfkommission hier↑
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen: Mutterschaftsrichtlinien – Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung – PDF.
  3. AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.): S2K-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Syphilis. Stand: 07/2014 – PDF.
  4. Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 6. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2017). ISBN-10: 3132410381.
  5. Ernst Wiesmann (Hrsg.), Fritz H. Kayser, Kurz A. Bienz, Johannes Eckert: Medizinische Mikrobiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (1997). ISBN-10: 3134448084.
  6. Christian Jassoy, Andreas Schwarzkopf: Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2013). ISBN-10: 3131361328.