Hypokalzämie – Niedrige Kalziumwerte im Blut

Hypokalzämie

Bei der sogenannten Hypokalzämie, die auch als Kalziummangel im Blut bezeichnet wird, handelt es sich zum ein dringend behandlungsbedürftiges Symptom das ganz unterschiedliche Ursachen haben kann. In einem gesunden Körper halten bestimmte Hormone den Kalziumspiegel im Bereich normaler Level. Im Falle einer Störung der Produktion dieser regulierenden Stoffe, können die Blutspiegel des lebensnotwendigen Minerals Kalzium auf ein zu niedriges Level absinken. Ursächlich für ein solches Absinken kann auch ein ernährungsbedingter Mangelzustand sein, da der menschliche Körper das Mineral nicht selber produzieren kann.

Hypokalzämie

Hypokalzämie – Copyright: bennymarty, bigstockphoto

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Die Unterversorgung mit Kalzium

Entscheidend für den Kalziumspiegel im Blut ist Vitamin D, da dieses dafür zuständig ist, den Stoff aus der Nahrung herauszufiltern und dem Blutkreislauf zuzuführen. Gespeichert wird Kalzium insbesondere in den Knochen des menschlichen Körpers für deren Wachstum und erhalt es auch überaus wichtig ist, jedoch gibt es innerhalb des menschlichen Gewebes auch weitere Speicherorte.

Bekannt ist, dass ein Mangel an Vitamin D im Blut zu einer Hypokalzämie führen kann, die dann im Kindesalter in früheren Zeiten Hauptursache der Entstehung einer rachitischen Knochendeformation war.

Heute kommt diese Erkrankung zumindest in den westlichen Industrienationen zum Glück nur äußert selten vor. Vitamin D wird hauptsächlich in den menschlichen Hautschichten als Reaktion auf die Einwirkung von Sonnenlicht produziert und dann in den Nieren und in der Leber in ein aktives Hormon verwandelt. Da Vitamin D für die Verarbeitung von Kalzium zuständig ist, führt ein Mangel an Sonnenlicht indirekt auch zu einem Mangel des Mineralstoffes.Im Kalziumstoffwechsel erfüllen abgesehen davon die Hormone der sogenannten Nebenschilddrüsen eine zentrale Bedeutung.

Sie geben ein hormonelles Feedback an den Körper mit Hilfe dessen sie ihm Informationen über den Stand der Kalziumkonzentration im Blut liefern. Falls diese unter eine Normgrenze fällt, arbeitet der Körper dagegen, indem die Produktion des parathyroidalen Hormones intensiviert wird. Ein schnelles Abrutschen in einen Zustand der Hypokalzämie wird so dadurch verhindert, dass die Ausscheidung von Kalzium mit dem Urin verringert oder Zugriff auf das im Knochen gespeicherte Material genommen wird.

 

Niedrige Kalziumspiegel als Symptom verschiedener Erkrankungen

Die Hypokalzämie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eigentlich ein Symptom, das eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen haben kann. Die Abhängigkeit des Kalziumstoffwechsels von Vitamin D hat zur Folge, dass Menschen eine Hypokalzämie auf Grund eines Mangels an Sonnenlicht entwickeln können. Falls sich dieser Mangel nicht auf natürliche Art und Weise beheben lässt, ist die Gabe von Vitamin-D-Präparaten (Vigantol als aktivierte Form des entsprechenden Vitamins) anzuraten.

In Einzelfällen ist nicht die mangelnde Sonne die Ursache, sondern eine Form der Malabsorption, bei der die Verarbeitung im Bereich der Magenschleimhaut gestört ist. Eine Hypokalzämie kann wie erwähnt auch auf Grund von Störungen der Nebenschilddrüse auftreten. Üblicherweise passiert das vor allem nach einer beispielsweise tumorbedingten Entfernung der Nebenschilddrüsen oder auf Grund einer erblich bedingten Störung. In sehr seltenen Fällen können Antikörper im Rahmen Autoimmunerkrankungen die Nebenschilddrüsen angreifen und hierdurch eine Hypokalzämie auslösen. Noch seltener tritt das Symptom der Hypokalzämie als Nebenwirkung bestimmter Medikamente, als Folge von schweren Infekten oder bei Erkrankungen der Knochen auf.

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Hypokalzämie – Leichte Formen machen häufig keine Beschwerden

Eine leichte Form der Hypokalzämie ist lediglich am Blutbild zu erkennen, da sie nicht unbedingt zu Beschwerden führt. Teilweise bemerken die Patienten ein leichtes Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Bereich der Extremitäten oder im Gesicht. Erst wenn die Kalziumspiegel im Blut sehr niedrig sind entstehen stärkere Symptome, wie eine Muskelsteifheit, Krämpfe (die auch als Tetanie bezeichnet werden),, Atembeschwerden oder Störungen der Herzfunktion.

Die genannte leicht ausgeprägte Form der Hypokalzämie ist ein überaus häufig vorkommendes Phänomen, das aber nur sehr selten symptomatisch wird. In den meisten Fällen leiden Personen, die bestimmte Diäten einhalten müssen, eine Hypokalzämie. Oder eben die Personengruppen, denen ein Zugang zu ausreichendem Sonnenlicht beispielsweise auf Grund von einer Bettlägerigkeit verwehrt bleibt. Die genannten schweren und potentiell lebensbedrohlichen Formen der Hypokalzämie kommen überaus selten vor und werden üblicherweise von schweren Allgemeinerkrankungen, wie dem DiGeorge-Syndrom (komplexe genetische Erkrankung, die unterschiedliche Organsysteme befällt) und dem Pseudohypoparathyreoidismus (nicht ausreichende Wirkung der ausgeschütteten Hormone der Nebenschilddrüsen) ausgelöst.

 

Erbliche Ursachen für die Erkrankung

In den meisten Fällen ist die Hypokalzämie nicht auf eine erbliche Erkrankung zurückzuführen. In Fällen, in denen die Ursache jedoch autoimmuner Natur ist und damit auf eine Fehlregulation des Immunsystems zurückgeführt werden kann, ist es oft die Anlage für und Neigung zu Autoimmunkrankheiten, die von den Eltern an das Kind weitergegeben wird, insbesondere in Fällen, in denen eine sogenannte Multiples-Endokrines- Neoplasie-Syndrom vorliegt. Der genannte Pseudohypoparathyreoidismus ist ebenfalls eine vererbte Störung, die sich in einer Unfähigkeit der Nieren und/oder der Knochen äußert, die Hormone der Nebenschilddrüse zu erkennen und auf diese zu reagieren. Die Folge davon ist eine Hypokalzämie.

 

Diagnostisches Vorgehen und Hypokalzämie Behandlung

Eine Hypokalzämie kann sehr leicht durch einen simplen Bluttest nachgewiesen werden, bei dem sinnvollerweise auch die Spiegel des Vitamin-D und der Nebenschilddrüsenhormone geprüft werden. Je nach Ergebnis muss weiter nachgeforscht werden, denn erst nach Klärung der möglichen Ursache kann die Hypokalzämie wirklich in sinnvoller Weise behandelt werden.

Falls die Hypokalzämie durch einen Vitamin-D-Mangel bedingt ist, können die Spiegel mit Hilfe von Vitamin-D-Zufuhr in Tablettenform wieder aufgefrischt werden. Im Falle einer durch einen Hypoparathyreoidismus ausgelösten Hypokalzämie werden ebenfalls Medikamente verordnet, die die Hormone der Nebenschilddrüsen imitieren oder ersetzen. In extremen und lebensbedrohlichen Fällen kann es nötig sein, dass ein Patient in der Klinik zunächst einmal mit Kalziuminfusionen versorgt wird. Falls die Störung durch eine Mangelernährung bedingt ist, kann dem oft durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten abgeholfen werden, auch um eine Ansammlung von Kalzium und Phosphat in den Knochen oder im Gehirn zu vermeiden, die in extrem seltenen Fällen die Folge einer auf Dauer unbehandelten Hypokalzämie sein kann.

 

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Fazit

Niedrige Kalziumspiegel im Blut kommen überaus häufig vor, machen in einer Vielzahl der Fälle keine/kaum Symptome und lassen sich relativ problemlos behandeln. In den seltenen Fällen, in denen genetische Erkrankungen zugrundeliegen und die Beschwerden hervorrufen, ist eine Gabe von Medikamenten dringend notwendig, da hier eine starke und manchmal lebensbedrohliche Form der Störung die Folge sein kann.

Die häufigste Ursache des Symptoms ist allerdings nicht genetisch bedingt, sondern ergibt sich zumeist aus einem Mangel an Vitamin-D auf Grund fehlender Sonnenexposition oder durch eine restriktive Form der Ernährung, bei der dem Körper Kalzium nicht in ausreichender Menge zugeführt wird.

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Autorenprofil

DocKlavi, Medizinautorin

DocKlavi ist Fach- und Medizinautorin. Sie arbeitet als medizinische Fachangestellte im Gesundheitswesen und ist Mutter von 2 Mädchen. In Ihrer redaktionellen Arbeit für unser Gesundheitsmagazin ist Sie verantwortlich medizinische Sachverhalte allgemeinverständlich darzustellen.


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