Behandlung der Herzrhythmusstörung und deren Ursachen

Was tun bei Herzrhythmusstörungen (Therapien)

Wenn das Herz nicht im gewohnten Takt schlägt, sollten Sie das unbedingt ernst nehmen. Vor allem dann, wenn solche Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) gehäuft auftreten und längere Zeit andauern. Bei Störungen in der Kontraktion der Hauptkammern können schnell über 300 Herzschläge pro Minute zu Kreislaufstillstand und Tod führen. Die Bildung von Blutgerinnseln verursacht Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Daher ist eine Behandlung der Herzrhythmusstörungen dringend notwendig.

Behandlung der Herzrhythmusstörung

Therapieberatung zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen, Copyright: alexraths bigstockphoto

Werbung

 

 

Herzrhythmusstörungen: Was ist harmlos, was ist bedrohlich?

Der normale Herzschlag passt sich in jeder Situation den Bedürftnissen des Körpers an. In Ruhe oder im Schlaf sorgt das vegetative Nervensystem für langsameren Herzschlag. Andererseits lassen die Nebennierenhormone Adrenalin und Noradrenalin das Herz unter Stress binnen kürzester Zeit zur Höchstform auflaufen. So bekommt der Körper ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe, um sich schnellstmöglich aus Gefahrensituationen zu befreien.

Somit sind Veränderungen in der Schlagfrequenz grundsätzlich völlig normal. Von einer echten Herzrhythmusstörung spricht man erst dann, wenn der Herzschlag chronisch über einen längeren Zeitraum verändert ist und sich nicht an der aktuellen Leistungsabfrage orientiert.

 

Behandlung der Herzrhythmusstörungen: Welche gibt es überhaupt?

Regelmäßige Herzrhythmusstörungen sind die Tachykardie und die Bradykardie. Tachykardie bezeichnet einen beschleunigten Herzschlag mit über 100 Schlägen pro Minute (Herzrasen). Bei einer Bradykardie fällt die Pulsfrequenz unter 50 pro Minute. Unregelmäßige Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern) zeichnen sich durch zusätzliche Kontraktionen zwischen zwei normalen Herzschlägen (Extrasystolen) oder das zeitweise Ausbleiben von Systolen (Asystolen) aus.

 

Warum ist eine Behandlung der Herzrhythmusstörungen notwendig?

Eine Behandlung aller genannten Herzrhythmusstörungen ist dringend geboten. Oftmals sind die ersten Symptome relativ harmlos und werden von Person zu Person als unterschiedlich belastend empfunden. Da die Sauerstoffversorgung des Gehirns betroffen ist, äußern sich Herzrhythmusstörungen oftmals in Schwindelgefühl (Vertigo), Ohnmachtsanfällen mit kurzfristigem Bewusstseinsverlust (Synkopen), Benommenheit und geistiger Verwirrung.

Sollten Sie solche Symptome verspüren und merken, dass Ihr Herz nicht so regelmäßig schlägt, wie es eigentlich sollte, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Denn wenn keine Behandlung der Herzrhythmusstörungen stattfindet, kommen wesentlich schlimmere Beschwerden und Komplikationen hinzu.

 

Langfristige Folgen einer fehlenden Behandlung der Herzrhythmusstörungen

Wenn Herzrhythmusstörungen über einen längeren Zeitraum fortbestehen, ziehen diese das Herz arg in Mitleidenschaft. Seine Pumpleistung geht zurück und es kommt zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Selbst bei geringer körperlicher Belastung treten Schwindel und Luftnot auf. Auf Dauer dehnt sich der Herzmuskel so weit, dass er nur noch unzureichend kontrahieren kann. Dadurch staut sich das Blut und es kommt zu Wassereinlagerungen (Ödemen).

In den Vorhöfen auftretende (atriale) Herzrhythmusstörungen in Form von Vorhofflattern (bis 300 Schläge/Minute) sind zunächst eher unangenehm als unmittelbar lebensbedrohlich. Erst Vorhofflimmern (über 300 Schläge/Minute) ohne koordinierte Kontraktion wird gefährlich, da die Vorhöfe die Hauptkammern nicht mehr hinreichend mit Blut versorgen können.

Von vornherein bedenklicher sind Störungen in den Hauptkammern (ventrikuläre Herzrhythmusstörungen). Auch hier spricht man bis 300 Schlägen/Minute von Kammerflattern, wobei die Kontraktion noch koordiniert erfolgt. Erhöht sich die Schlagzahl, geht das Kammerflattern mitunter plötzlich und ohne Vorankündigung in Kammerflimmern über. Bei diesen sehr schnellen und unkontrollierten Zuckungen hat das Herz nicht genug Zeit, sich mit Blut zu füllen. Daher sinkt die Pumpleistung auf ein Minimum und das Herz zittert nur noch unkoordiniert. Die Folgen entsprechen denen eines Herzstillstandes: Kreislaufkollaps und Hirntod mangels Sauerstoff. In solchen Fällen spricht man von einem plötzlichen Herztod.

Langfristig erhöhen Herzrhythmusstörungen das Risiko der Entstehung von Blutgerinnseln, die als Thrombus oder weiter vom Herzen entfernt als Embolus Kapillarnetze des Körpers blockieren. In den Lungenkapillaren führt das zu einer Lungenembolie, im Gehirn zu Schlaganfällen (Apoplex) und im Herzen selber zu Herzinfarkten. Ähnliches passiert bei einem Augeninfarkt der Netzhautgefäße, Niereninfarkt in den Nierenkapillaren oder Mesenterialinfarkt in der Blutversorgung des Darmes.

 

Möglichkeiten zur ursächlichen Behandlung der Herzrhythmusstörungen: Herzerkrankungen

Wenn man die zugrunde liegende organische Ursache herausfinden kann, ist eine ursächliche Behandlung der Herzrhythmusstörungen die beste Therapie. Gelingt es, diese Verursacher in den Griff bekommen, verschwinden auch die Herzrhythmusstörungen oder lassen sich wenigstens in Grenzen halten.

In den meisten Fällen werden Herzrhythmusstörungen durch Herzerkrankungen ausgelöst. Dazu gehören die koronare Herzkrankheit (KHK), Herzmuskelentzündungen (Myokarditiden), ein vorausgegangener Herzinfarkt (Myokardinfarkt) oder eine Herzinsuffizienz. Viele davon lassen sich durch präventive Maßnahmen zur Verhinderung einer Arteriosklerose verhindern.

Selbst wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, hilft eine Umstellung von Lebensweise und Ernährung bei der Vermeidung zusätzlicher und schlimmerer Konsequenzen. Dazu gehören

  • Reduktion von Übergewicht
  • gesunde Ernährung
  • viel Bewegung und leichte sportliche Betätigung
  • Vermeidung von Stress
  • Verzicht auf Nikotin, Alkohol und zu viel Coffein.

Auf diese Weise lässt sich das Risiko von weiteren Schlaganfällen oder Herzinfarkten vermindern, aber auch anderer arteriosklerotisch bedingter Erkrankungen wie vaskulärer Demenz.

Ansonsten muss man die Herzerkrankungen selbst behandeln. In der Regel geschieht das mit einer medikamentösen Therapie. Im Falle von Vorhofflimmern und Kammerflimmern sind zusätzliche Arzneimittel indiziert, die die Blutgerinnung herabsetzen (Antikoagulantien wie Aspirin, Marcumar, Warfarin, Heparin). Damit lässt sich die Bildung von Thrombosen und Embolien vermeiden.

 

Möglichkeiten zur ursächlichen Behandlung der Herzrhythmusstörungen: Schilddrüse und Lunge

In vielen Fällen werden Herzrhythmusstörungen durch Krankheiten anderer Organe hervorgerufen.

Schilddrüsenfehlfunktionen verlangsamen den Herzschlag (Schilddrüsenunterfunktion, Hyperthyreose; Beispiel: Hashimoto-Thyreoiditis) oder beschleunigen ihn (Schilddrüsenüberfunktion, Hypothyreose; Beispiel: Morbus Basedow). Daher führt die operative oder medikamentöse Therapie der jeweiligen Schilddrüsenfehlfunktion zu einer Korrektur des veränderten Herzschlages.

Ist die Lungenfunktion durch Asthma bronchiale, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder chronisch-obstruktive Bronchitis (COB) gestört, bewirkt das durch Lungenblähung (Emphysem) Lungenhochdruck (Cor pulmonale). Die damit verbundene zusätzliche Belastung des Herzens äußert sich letztlich in Herzrhythmusstörungen. COPD und COB werden auch als chronische Raucherbronchitis bezeichnet. Dementsprechend verbessern Raucherentwöhnung oder medikamentöse Therapie der Lungenerkrankung nicht nur die Lungenfunktion, sondern auch die Herztätigkeit.

 

Möglichkeiten zur ursächlichen Behandlung der Herzrhythmusstörungen: Zucker und Mineralstoffhaushalt

Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) verändert ebenfalls den Herzrhythmus und initiiert Herzrhythmusstörungen. Das ist auf die Schädigung von Nerven des autonomen (vegetativen) Nervensystems zurückzuführen, die die Herztätigkeit beeinflussen (autonome diabetische Neuropathie).

Störungen im Mineralstoffhaushalt sind ein weiterer Grund für Herzrhythmusstörungen. Vor allem der Kalium- und Magnesiumhaushalt spielen hier eine wichtige Rolle. In einigen Fällen kommt dieser durch eine Minderversorgung zustande (Kaliummangel, Magnesiummangel). Mineralstoffmangel ist anhand der Blutwerte leicht feststellbar und lässt sich durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel oder mineralstoffreiche Ernährung (Bananen und anderes Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Fruchtsäfte) beseitigen.

 

Medikamentöse Behandlung der Herzrhythmusstörungen

Sogenannte Antiarrhythmika setzt man zur medikamentösen Behandlung der Herzrhythmusstörungen ein. Die meisten davon verändern die Weiterleitung von Reizen, die das Herz zum Schlagen bringen. Diese Reize kommen durch den Einstrom von Ionen zustande. Einen anderen Ansatz haben die Klasse II-Antiarrhythmika.

Kommt ein Reiz an der Herzmuskelzelle an, führt das zunächst zu einem schnellen Einstrom von Natriumionen. Das führt zu einer Depolarisation der Zellmembran und damit einem Aktionspotential, das die Kontraktion auslöst. Danach beginnt die Repolarisation mit dem Einstrom von Calciumionen, gefolgt vom Ausstrom von Kaliumionen. Während dieser Refraktärzeit kann die Herzmuskelzelle nicht erneut erregt werden.

  • Klasse I-Antiarrhythmika: Natrium-Antagonisten (Natriumkanal-Blocker). Natriumantagonisten blockieren die Natriumkanäle und damit den schnellen Einstrom der Natriumionen, sodass die Erregung verlangsamt weitergeleitet wird. Man unterscheidet je nach zusätzlichen Effekten drei Untergruppen:
    • Klasse Ia-Antiarrhythmika (Ajmalin, Prajmalin, Chinidin) blockieren außerdem Kaliumkanäle. Dadurch strömen Kaliumionen langsamer aus den Herzmuskelzellen aus und die Refraktärzeit verlängert sich.
    • Klasse Ib-Antiarrhythmika (Lidocain, Aprindin, Mexiletin) verkürzen diese Refraktärzeit. Somit verkürzen sich die Aktionspotentiale.
    • Klasse Ic-Antiarrhythmika (Propafenon, Flecainid) wirken wie Klasse Ia, aber beeinträchtigen nicht die Kaliumkanäle. Aktionspotentiale bleiben dadurch in ihrer Länge unverändert.
  • Klasse II-Antiarrhythmika: Betablocker (Metiprolol, Propanolol, Atenolol). Diese blockieren die sogenannten Betarezeptoren auf der Oberfläche von Herzmuskelzellen, an denen normalerweise die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin andocken. So werden stimulierende Reize des vegetativen Nervensystems nicht an das Herz weitergeleitet.
  • Klasse III-Antiarrhythmika: Kalium-Antagonisten (Kaliumkanal-Blocker; Amiodaron, Dronedaron, Sotalol). Sie hemmen den Ausstrom von Kaliumionen, sodass sich das Aktionspotential verlängert. Dadurch verlängert sich gleichzeitig die Refraktärzeit, nach der das Herz erneut schlagen kann.
  • Klasse IV-Antiarrhythmika: Calcium-Antagonisten (Calciumkanal-Blocker; Verapamil, Gallopamil, Diltiazem). Die Wirkstoffe dieser Klasse hemmen den Einstrom von Calciumionen in die Herzmuskelzellen des Sinusknotens und AV-Knotens. Daher dauert es etwas länger, bis sich ein Aktionspotential bildet.

Mit Ausnahme der Klasse II- und Klasse IV-Antiarrhythmika haben die Präparate mitunter teils schwere Nebenwirkungen und Wechselwirkungen untereinander oder mit anderen Medikamenten. Daher muss der Arzt vor ihrem Einsatz Nutzen und Risiken genau abschätzen und den Erfolg der medikamentösen Behandlung der Herzrhythmusstörungen engmaschig überwachen.

 

Schnelle Hilfe bei der Behandlung der Herzrhythmusstörungen

Schnelle Hilfe zur Behandlung der Herzrhythmusstörungen ist geboten, wenn Kammerflimmern bereits zur Bewusstlosigkeit geführt hat. Dieser Zustand ist unmittelbar lebensbedrohend. Daher müssen Sie sich an die Regeln für das Verhalten bei einem Notruf halten und schnellstmöglich einen Notarzt verständigen.

Dieser nimmt sofort nach seinem Eintreffen eine Defibrillation vor, um das Herz wieder zu koordiniertem Schlagen zu veranlassen. Eine Injektion des Stresshormons Adrenalin oder Atropin oder eine Herzdruckmassage können das Herz wieder zum Schlagen bringen. Hinzu kommen Antiarrhythmika, die die Herztätigkeit normalisieren. Alle diese Maßnahmen dienen der Stabilisierung des Patienten, der sofort ins Krankenhaus gebracht und dort intensivmedizinisch betreut werden muss.

Werbung

 

Letzter Ausweg: Operative Maßnahmen zur Behandlung der Herzrhythmusstörungen

Wenn die medikamentöse Therapie für die Behandlung der Herzrhythmusstörungen nicht mehr ausreicht, ist die Implantation eines Herzschrittmachers bei einer Bradykardie oder eines Kardioverter-Defibrillators (ICD) bei Tachykardie indiziert. Heutzutage ist eine solche Operation Routine. In Deutschland werden jährlich über 200.000 Herzschrittmacher implantiert. Die nur noch streichholzschachtelgroßen Geräte sind unterhalb des Schlüsselbeins kaum hinderlich und müssen nur alle paar Jahre ersetzt werden.

 

Literatur und Quellen:

  1. Lewalther, Th. (Hrsg.): Herzrhythmusstörungen: Diagnostik und Therapie. 6. Auflage. Berlin 2010: Springer Verlag. ISBN-10: 3540767541
  2. Erland Erdmann (Hrsg.) Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Stuttgart 2011: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642164803.
  3. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063
  4. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.

Werbung

Autorenprofil

Dr. Harald Stephan, wissenschaftl. Fachautor

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Gesundheitswissenschaften, verantwortlicher Autor medizinischer Themen im Blutbild & Diagnostik-Gesundheitsmagazin GrossesBlutbild.de


Bewerten Sie jetzt den Artikel:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (10 Punkte, in 2 Bewertungen)

Redaktions Tipp: