Hepatitis-B Untersuchung in der Schwangerschaft

Gegen Ende einer Schwangerschaft wird zur Vorsorge eine Kontrolle auf das HBs-Antigen durchgeführt. Dabei sucht man nach Oberflächenproteinen des Hepatitis B-Virus, den Erreger einer infektiösen Leberentzündung. Verläuft dieser Test positiv, hat sich die Schwangere im Laufe ihres Lebens mit diesem Virus angesteckt. Dann impft man das Neugeborene nach der Geburt zur Verhinderung einer Infektion gegen Hepatitis B.

HBs-Antigen in der Schwangerschaft
HBs-Antigen in der Schwangerschaft – Destruction of hepatitis B virus, 3D illustration. Copyright: Kateryna Kon

  

 

Nachweis von HBs-Antigen aus dem Serum

Kontrolle auf das HBs-Antigen in der Schwangerschaft: Hepatitis B-Virus

Bei der Kontrolle auf das HBs-Antigen wird in der Schwangerschaft nach einem bestimmten Oberflächenprotein des Hepatitis B-Virus gesucht. HBs-Antigen ist die Abkürzung für Hepatitis BSurface-Antigen. Das Hepatitis B-Virus gehört zu den Hepadna-Viren (von griechisch ἧπαρ, hḗpar für Leber und DNA für die Erbsubstanz). Sein Name rührt daher, dass sie aus DNA bestehen und sich vorwiegend in der Leber vermehren. Ihre natürlichen Wirte sind Säuger und Vögel. Die Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten. Das sind Sperma bei Sexualkontakten und Blut bei verunreinigten Gegenständen wie Spritzen, Zahnbürsten oder Tätowiernadeln.

Beim Menschen verursacht das humane Hepatitis B-Virus eine Entzündung der Leber (Hepatitis), die in etwa fünf Prozent der Fälle chronisch verlaufen kann. In einem solchen Falle bleibt das Blut des Patienten ein Leben lang infektiös. Die übrigen 95 % heilen problemfrei aus, wobei gegen das Virus gebildete Antikörper im Blut des Patienten nachweisbar bleiben.

Daher ist die Hepatitis B relativ häufig und gilt als die häufigste chronische Viruserkrankung des Menschen.

Bei einem Drittel der Bevölkerung deuten entsprechende Antikörper auf eine vorangegangene Infektion hin. Eine chronisch verlaufende Hepatitis verursacht Leberzirrhose und Leberkrebs und ist schwierig zu behandeln.

HBs-Antigen in der Schwangerschaft
HBs-Antigen in der Schwangerschaft – Destruction of hepatitis B virus, 3D illustration. Copyright: Kateryna Kon

 

Warum ist die Untersuchung auf das HBs-Antigen in der Schwangerschaft wichtig?

Die Kontrolle auf das HBs-Antigen soll in der Schwangerschaft eine mögliche Hepatitis B-Infektion der Mutter aufdecken. In einem solchen Fall muss unmittelbar nach der Geburt eine Immunprophylaxe des Neugeborenen stattfinden, da ansonsten eine Infektion des Kindes erfolgen kann. Das geschieht zwar nur in 5–12 % der Fälle während der Schwangerschaft, wesentlich häufiger jedoch während der Geburt. Eine Ausnahme machen Geburten per Kaiserschnitt, da hier die Blutübertragung der vaginalen Geburt nicht stattfindet. Darüber hinaus ist nach der Geburt in 5 % der Fälle immer noch eine Infektion über die Muttermilch stattfinden, die bei hohem Virustiter ebenfalls mit Hepatitis B-Viren belastet ist.

Findet eine solche Infektion statt, verläuft sie in über 90 % der Fälle chronisch und ist für das Kind lebensbedrohlich. Eine solche chronische Hepatitis kann ähnlich wie bei Erwachsenen Leberzirrhose oder Leberkrebs verursachen.

 

Kontrolle auf das HBs-Antigen in der Schwangerschaft: Was wird untersucht?

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Nach den Mutterschaftsrichtlinien ist seit 1994 eine Kontrolle auf das HBs-Antigen in der Schwangerschaft nach der 32., spätestens in der 36. Schwangerschaftswoche vorgeschrieben. Das Ergebnis vermerkt Ihr Gynäkologe auf Seite 3 Ihres Mutterpasses, wo auch die Resultate anderer serologischer Untersuchungen (Röteln-HAH-Test-Kontrolle, Antikörper-Suchtest-Kontrolle, Lues-Such-Reaktion) festgehalten werden.

Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind nur akute Infektionen mit Hepatitis B meldepflichtig. Für einen HBs-Antigennachweis oder einen HBV-DNA-Nachweis gilt das nicht.

 

HBs-Antigen in der Schwangerschaft positiv – und dann?

Ht die Kontrolle auf das HBs-Antigen in der Schwangerschaft ein positives Testergebnis erbracht, werden weitere Tests durchgeführt. Dazu gehören die auf HBs-Antikörper (HBsAK) und auf HBc-Antikörper (HBcAK). Ist der Test auf HBs-Antikörper negativ und der auf HBc positiv, besteht die Gefahr einer Infektion des Kindes mit Hepatitis B. Daher impft man das Kind innerhalb von zwölf Stunden nach der Geburt aktiv und passiv.

  • Passive Impfung bedeutet, es erhält fertige Antikörper gegen das Hepatitis B-Virus, die für sofortigen Immunschutz sorgen. Diese Antikörper
  • Aktive Impfung ist notwendig, weil diese Antikörper nur begrenzte Zeit im Organismus aktiv sind und dann abgebaut werden. Daher erfolgt eine Impfung mit einem speziellen Impfstoff, der das Immunsystem zur Produktion eigener Antikörper anregt. Diese Information wird in Gedächtniszellen gespeichert und kann schnell abgerufen werden, falls ein Kontakt mit Heptatis B-Viren stattfindet.

Die aktive Impfung ist in einem Zeitraum bis zu 48 Stunden nach der Geburt zu 90 % erfolgreich. Danach sinkt die Effektivität rapide ab und nach mehreren Tagen ist eine Gabe nicht mehr empfehlenswert. Auffrischungsimpfungen des Babys finden nach einem Monat sowie nach sechs Monaten statt. Nach der Immunisierung nimmt der Kinderarzt eine serologische Kontrolle vor. Geimpfte Kinder kann man ohne Probleme stillen, sofern die HBs-Antigen-positive Mutter nicht viele Viren im Blut hat.

Hat eine Schwangere sehr viele Viren im Blut, empfiehlt die Ständige Impfkommission im letzten Trimenon eine medikamentöse Therapie. Damit will man die Gefahr einer Infektion des Neugeborenen weiter herabsetzen.

 

HBs-Antigen in der Schwangerschaft positiv – warum impfen?

Das Risiko einer Erkrankung mit Hepatitis B ist relativ niedrig, auch wenn die Kontrolle auf das HBs-Antigen in der Schwangerschaft positiv verlaufen ist. Trotzdem empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes eine Impfung aller Säuglinge und Kleinkinder. Das begründet sich im hohen Risiko für einen chronischen Verlauf der Erkrankung: Bei erkrankten Kindern kommt es in 90 % der Fälle zu einer chronischen Hepatitis B, bei Erwachsenen nur noch in 10 %. Daher spricht sich die STIKO für die Impfung der Kinder von Müttern mit chronischer Hepatitis B oder unbekanntem Immunstatus unmittelbar nach der Geburt aus.

 

Literatur

  1. Kirn Parasher, Marius Bartsch, Marion Gstettenbauer, Michael Entezami, Hans Versmold, Burghard Stück: Generelles Hepatitis-B-Screening in der Schwangerschaft. Dt Ärztebl 2001; 98: A 329–331 [Heft 6].
  2. Robert-Koch-Institut: Informationsseite zur Hepatitis B mit weiterführenden Links.
  3. Robert-Koch-Institut: STIKO zur Gabe von Hepatitis-B-Immunglobulin für Neugeborene. Epidemiologisches Bulletin Nr. 8 (2001).
  4. Robert-Koch-Institut: STIKO zur Impfung Neugeborener und zur Auffrischungsimpfung. Epidemiologisches Bulletin Nr. 10 (2000).
  5. Robert-Koch-Institut: Aktuelle Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.
  6. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen: Mutterschaftsrichtlinien – Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung – PDF.
  7. Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 6. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2017). ISBN-10: 3132410381.
  8. Ernst Wiesmann (Hrsg.), Fritz H. Kayser, Kurz A. Bienz, Johannes Eckert: Medizinische Mikrobiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (1997). ISBN-10: 3134448084.
  9. Christian Jassoy, Andreas Schwarzkopf: Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2013). ISBN-10: 3131361328.
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