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Der Begriff Lymphopoese (Englisch: lymphopoiesis) beschreibt das Entstehen und Reifen von Lymphozyten. Sie gehören zu den fünf Arten von Blutkörperchen im Serum. Die Lymphopoese geht von den lymphoiden Stammzellen aus und ist Teil Ihrer Blutbildung (Hämatopoese). Sie ist bekannter unter dem Namen lymphoide Hämatopoese. Eine Überproduktion der Lymphozyten führt zu lymphoproliferativen Störungen wie Leukämien und Lymphomen.

Ablauf der Blutbildung, Hämatopoese
Ablauf der Blutbildung, Hämatopoese Urheber: Mikael Häggström

Hintergrund der Lymphopoese

Mediziner verstehen unter einer Lymphopoese das Erzeugen von Lymphozyten. Die Blutkörperchen sind lymphoider Abstammung. Sie unterscheiden sich von den Blutzellen myeloiden und erythroiden Ursprungs. Synonym zur Lymphopoese verwenden Ärzte den Begriff Lymphozytopoese, die die Herstellung der Lymphozyten bezeichnet. Einige medizinische Quellen geben zusätzlich an, dass im Zuge einer Lymphopoese Lymphgewebe entsteht, während die Lymphozytopoese sich ausschließlich auf die Bildung der Zellen in diesem Gewebe beschränkt.

lymphozyt

Die Myelopoese ist der Teil der Blutbildung, die ausschließlich im Knochenmark stattfindet. Dieses befindet sich:

  • in den Rippen,
  • in der Wirbelsäule,
  • im Brustbein,
  • in den Schultern,
  • im Schädelknochen und
  • in der Hüfte.

Bei der Myelopoese entstehen Erythrozyten, Thrombozyten, Granulozyten und Monozyten. Die Lymphopoese findet im Knochenmark sowie in den primären und sekundären lymphatischen Organen statt. Zu den primären lymphatischen Organen zählen Organe in deren Gewebe T- und B-Lymphozyten reifen. Zu ihnen gehören das Knochenmark und der Thymus, der im Mittelfellraum der Brusthöhle (Mediastinum) verläuft. Im fetalen Zustand bildet der Körper die weißen Blutkörperchen zusätzlich in der Leber.

Die in diesen Organen entstandenen Lymphozyten, wandern in die sekundären lymphatischen Organe über. Dort kolonisieren sie und erhalten Kontakt zu den Antigenen. Im Zuge dessen entstehen Regulator- und Effektorzellen. Zu Ihren sekundären lymphatischen Organen gehören:

  1. Lymphknoten,
  2. Peyer’sche Plaques (Lymphfollikel in den Schleimhäuten),
  3. Mandeln (Tonsillen),
  4. Appendix vermiformis (Wurmfortsatz des Blinddarms) und
  5. Milz.

Durch Zytokine (regulatorische Proteine) entstehen in den sekundären lymphatischen Organen diese lymphoiden Stammzellen:

  1. Pro-NK-Zellen,
  2. Pro-T-Zellen und
  3. Pro-B-Zellen.

Aus den Pro-NK-Zellen werden im Knochenmark NK-Zellen. Sie gelangen ins Blut und zirkulieren. Pro-T-Zellen reifen im Thymus zu den T-Lymphozyten heran. Dort erhalten sie die immunologische Prägung. Anschließend wandern sie erneut in die nachgelagerten lymphatischen Organe. Im Knochenmark reifen Pro-B-Zellen zu B-Lymphozyten heran. Sie gelangen in die lymphatischen Organe oder zirkulieren im Serum auf der Suche nach passenden Antigenen.

Was sind Lymphozyten?

Die Lymphozyten bilden eine Unterform der weißen Blutzellen. Ihre zentrale Aufgabe umfasst die Immunabwehr. Sie erkennen veränderte Zellen und Krankheitserreger und beseitigen diese. Die weißen Blutkörperchen entstehen im Knochenmark‎. Deren Vorläuferzellen sind Lymphoblasten‎. Diese durchlaufen unterschiedliche Entwicklungsstufen im Knochenmark oder innerhalb der lymphatischen Gewebe. Dabei ändern sie neben ihrem Aussehen ihre Merkmale. Nach der vollständigen Entwicklung sind sie reife Lymphozyten. In dieser Form verlassen sie die lymphatischen Organe und das Knochenmark und erfüllen ihre Aufgabe in den Geweben und im Serum.

Abhängig vom Ort der Reifung unterscheiden sich die weißen Blutkörperchen in T-Lymphozyten und B-Lymphozyten. T-Lymphozyten reifen im Thymus heran, die B-Lymphozyten‎ im Knochenmark. Die funktionsfähigen Abwehrzellen gelangen im Anschluss an die Reifung in die sekundären lymphatischen Organe. Zu diesen gehören die Milz, die Mandeln und die Lymphknoten. Die beiden Lymphozytenarten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Aufgaben und bilden die Immunabwehr. Die T-Lymphozyten markieren bis zu 85 Prozent der Gesamtleukozytenzahl. Der Anteil der B-Lymphozyten liegt bei weniger als 23 Prozent.

Welche Aufgaben übernehmen die Lymphozyten?

Ausgereifte B-Lymphozyten entwickeln sich durch den Kontakt mit Fremdkörpern zu Plasmazellen. Sie produzieren Antikörper‎ gegen diese Stoffe. Die Eiweißmoleküle detektieren Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien und hängen sich diesen an. Auf diese Weise markieren sie diese für die Makrophagen (Fresszellen) in Ihrem Körper. Die Killerzellen der T-Lymphozyten spüren diese auf. Sie vernichten Krebszellen und von Viren befallene Körperzellen.

Eine andere Form von T-Lymphozyten in Knochenmark, Milz, Appendix, Lymphknoten und Thymus „erinnert“ sich an bereits bekannte Krankheitserreger. Sie lernen, gute von bösen Stoffen zu unterscheiden. Bei einem Befall rufen die T-Lymphozyten die Abwehrzellen. Sie aktivieren dadurch das Immunsystem. Die unterschiedlichen Lymphozyten agieren gemeinsam in der Immunabwehr. Sie kommunizieren über Zellhormone (sogenannte Lymphokine). Die Lebensdauer der weißen Blutkörperchen schwankt zwischen wenigen Sekunden bis hin zu vielen Jahren.

Erkrankungen im Zusammenhang mit den Lymphozyten
Neben angeborenen Krankheiten unterscheiden Mediziner erworbene Immundefekte. Hinzu kommen:

  1. die akute sowie
  2. die chronische lymphatische Leukämie (Non-Hodgkin-Lymphome),
  3. Plasmozytome und
  4. Morbus Hodgkin.

Die akute lymphatische Leukämie entsteht durch Mutationen an lymphoiden Stammzellen. Vermehren sich diese, gelangen übermäßig viele bösartige Zellen ins Serum. Sie stören das Bilden gesunden Blutes. Im Zuge einer HIV-Erkrankung vermindert sich die Anzahl der Lymphozyten erheblich.

Quellen und Literatur:

Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.