Was bedeuten Bakterien im Urin

Beim Wasserlassen brennt und schmerzt es? Das sind erste Anzeichen von Bakterien im Urin und möglicherweise handelt es sich um einen Harnwegsinfekt.

Bei Entzündungen in Harnröhre und Blase spricht man auch von einem unteren Harnwegsinfekt, bei Infektionen von Harnleitern und Nieren/Nierenbecken von einem oberen Harnwegsinfekt. Allen diesen Infekten ist die Bakteriurie (Ausscheidung von Bakterien mit dem Urin) gemeinsam.

Bakterien Nachweis im UrinBakterien Nachweis im Urin
Bakterien Nachweis im Urin bei Harnwegsinfektion Copyright: Esben Klinker bigstockphoto

Bakterien im Urin nachweisen:

Mit den Teststreifen moderner Schnelltests lassen sich Bakterien im Urin, eine Bakteriurie in Sekundenschnelle nachweisen. Wir erklären Ihnen, wie die Keime in die Harnwege gelangen und welche Krankheiten und Symptome mit Bakterien im Urin verbunden sein können.

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Bakterien im Urin – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Bakterien im Urin kommen von außen und dringen über die Harnröhre in die Harnwege vor. Von der Blase können sie bis in die Nieren hochsteigen und dort für Entzündungen sorgen. Medizinisch spricht man von einer Bakteriurie.
  2. Vor allem Frauen mit ihrer kurzen Harnröhre sind häufig von Harnwegsinfekten betroffen. Solche einfachen Infektionen heilen in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst ab.
  3. Behinderungen des Harnabflusses durch Steine, Tumoren, Prostataentzündungen oder Restharnbildung fördern die Vermehrung von Bakterien in den Harnwegen.
  4. Bei der Therapie von Harnwegsinfekten steht eine Behandlung mit Antibiotika, gegebenenfalls Schmerzmitteln und krampflösenden Medikamenten im Vordergrund.
  5. In jedem Falle ist es hilfreich, zur Vorbeugung und zum Ausheilen eines Infektes der Harnwege möglichst viel zu trinken, damit die Keime aus dem Harntrakt ausgespült werden.

Was ist eine Bakteriurie?

Bakterien im Urin: Woher kommen die Keime? Verlauf der Erkrankung

Fast alle Bakterien, die im Harntrakt auftauchen, kommen von außen. Sie wandern über die Harnröhre (Urethra) in die Harnblase (Cystis, Vesica urinaria) ein und können über die Harnleiter (Urether) bis ins Nierenbecken (Pyelon, Pelvis renalis) und die Niere (Ren, Nephros) aufsteigen. Je nachdem wie weit die Bakterien gelangt sind und welche Harnorgane von der Infektion betroffen sind, spricht man von einer

  • Harnröhrenentzündung (Urethritis)
  • Harnblasenentzündung (Cystitis)
  • Harnleiterentzündung (Ureteritis)
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Nur in seltenen Fällen gelangen Bakterien über die Butbahn in die Harnwege, wie bei einer Blutvergiftung (Sepsis, hämatogene Streuung).

 

Formen eines Harnwegsinfektes

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Grundsätzlich kann man zwischen einem einfachen und einem komplizierten Harnwegsinfekt unterscheiden.

  • Bei einem einfachen Harnwegsinfekt liegen keine zusätzlichen Risikofaktoren vor. Die Bakterien gelangen in die Harnblase und verschwinden oftmals ohne eine Behandlung mit Antibiotika von selbst.
  • Bei einem komplizierten Harnwegsinfekt kommen weitere Risikofaktoren hinzu, die eine Ansiedlung und Ausbreitung der Erreger begünstigen. Dadurch kann der Harnwegsinfekt chronisch werden und sich trotz eingehender Therapie lange hinziehen. Solche Risikofaktoren sind
    • Diabetes
    • Schwangerschaft (durch die hormonellen Umstellungen)
    • Schwächungen des Immunsystems
    • reduzierte Trinkmenge und damit verringerte Harnausscheidung (vor allem bei älteren und dementen Patienten)
    • Veränderungen in der Harnabführung durch
      • eine bei Männern fortgeschrittenen Alters häufige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie)
      • angeborene Fehlbildungen
      • Nierensteine, Harnleitersteine oder Blasensteine
      • Tumoren der oberen und unteren Harnwege
      • Blasenkatheter.

Erreger von Infektionen der Harnwege

Meistens handelt es sich besonders bei einem einfachen Harnwegsinfekt um normale Darmbakterien, die sozusagen an die falsche Stelle gelangt sind. Dazu gehört der bekannte Darmbewohner Escherischia coli (E. coli).

Weniger harmlos sind Bakterien, die sexuell übertragbare Erkrankungen (sexually transmitted infections STI, sexually transmitted diseases STD) hervorrufen wie Neisseria gonorrhoeoe (Gonokokken, Tripper) oder Chlamydia spec. (Chlamydien, Chlamydiose).

Warum sind Frauen häufiger von Hanrwegsinfekten betroffen als Männer?

Frauen sind häufiger von Harnwegsinfekten betroffen als Männer, bei denen die Harnröhre aus anatomischen Gründen ein gutes Stück länger ist. Zudem gelangen schneller Bakterien aus der Scheide oder dem naheliegenden After in die Harnröhre. Dementsprechend ist die Rate der Harnwegsinfekte bei sexuell aktiven Frauen höher.

Allerdings tritt die Bakteriurie bei Frauen häufig symptomlos auf. Das kann problematisch werden, wenn die Bakterien die Eileiter heimsuchen und dort Unfruchtbarkeit verursachen.

Bakterien im Urin: Komplikationen bei Männern

Männer sind durch die längere Harnröhre des Penis besser vor Harnwegsinfekten geschützt als Frauen. Allerdings kann bei ihnen die Infektion schwerwiegender verlaufen, da sich die bei Frauen fehlende Vorsteherdrüse (Prostata) entzünden kann. Eine solche Prostatitis kann zu Ejakulationsstörungen und Blut im Sperma führen. In ähnlicher Weise verursachen die Bakterien Entzündungen von Nebenhoden (Epididymitis) und Hoden (Orchitis), die ausgesprochen schmerzhaft verlaufen und unfruchtbar machen können.

Bakterien im Urin: Symptome bei einem Harnwegsinfekt

Typischerweise beginnt ein unterer Harnwegsinfekt in Harnröhre und Harnblase. Dort äußert sich eine solche Infektion zunächst mit

  • brennenden Schmerzen beim Wasserlassen
  • häufigem Harndrang
  • schwachem Harnstrahl bis hin zum Harnverhalt
  • Bauchschmerzen
  • Blut im Urin (Mikrohämaturie und Makrohämaturie).

Steigen die Erreger von dort aus weiter in Richtung Nieren auf und lösen eine Infektion der oberen Harnwege aus, die die Niere erreichen, kommen weitere Symptome hinzu wie

  • starke Flankenschmerzen im Bereich der Nieren
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Fieber
  • verstärkt Blut im Urin (meist Makrohämaturie).

Bakterien im Urin: Diagnose

Die Diagnose kann ein Arzt recht schnell und unkompliziert anhand einer Urinprobe des Mittelstrahlurins mit einem Teststreifen vornehmen. Damit lassen sich neben Bakterien im Urin auch gleichzeitig Entzündungszeichen wie Leukozyten im Urin oder rote Blutkörperchen infolge Einblutungen nachweisen.

Gegebenenfalls ordnet der Arzt eine Urinkultur an, mit der die Keime im Labor vermehrt und identifiziert werden.

Hinzu kommt eine Blutuntersuchung, mit deren Hilfe ebenfalls die Blutwerte für Entzündungswerte wie Blutsenkung (BSG) und Leukozyten nachweisbar sind. Im Blut treten diese Entzündungszeichen meist erst bei fortgeschrittenen Entzündungen der oberen Harnwege wie einer Nierenbeckenentzündung auf.

Besteht der Verdacht auf Harnsteine, Tumoren oder eine vergrößerte Prostata, sind bildgebende Verfahren sinnvoll. Für ein erstes Screening reicht oftmans eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Unterleibes aus. Gegebenenfalls kann dieses durch eine Röntgenuntersuchung, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) ergänzt werden.

Bakterien im Urin: Behandlung

Viele einfache Harnwegsentzündungen verschwinden nach einigen Tagen von selbst, wenn man auf eine ausreichende Trinkmenge achtet und gegebenenfalls mit alten Hausmitteln wie Tee aus Bärentraubenblättern nachhilft. Eine besondere Therapie ist daher in den meisten Fällen nicht notwendig.

Bei hartnäckigeren einfachen Harnwegsinfekten mit Blasenentzündungen steht eine Antibiotikatherapie im Vordergrund, vor allem bei Infektionen mit Gonokokken und Chlamydien. Auch vor urologischen Eingriffen und in der Schwangerschaft sollte eine Bakteriurie behandelt werden.

Liegt eine chronische komplizierte Harnwegsinfektion vor, sind zumeist neben der Behandlung mit Antibiotika weitere Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört die Beseitigung von Ursachen wie Verlegungen der Harnwege durch Steine oder Tumoren, Behandlung eines Diabetes mellitus oder operative Behandlung einer Prostatahyperplasie.

Ist ein Harnwegsinfekt mit Fieber und Schmerzen verbunden, kommen krampflösende und schmerzlindernde Medikamente hinzu.

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Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI): Bakterien im Urin – keine Symptome, kein Antibiotikum. PDF>>.
  • Thomas Gasser: Basiswissen Urologie. 6. Auflage. Stuttgart 2015: Springer-Verlag. ISBN-10: 3662451301.
  • Richard Hautmann, Jürgen E. Gschwend: Urologie (Springer-Lehrbuch). 5. Auflage. Stuttgart 2014: Springer-Verlag. ISBN-10: 364234318X.
  • Jürgen Sökeland, Herbert Rübben, Iris Rübben, Marcus Schenk, Herbert Sperling: Taschenlehrbuch Urologie. 14. Auflage. Stuttgart 2007: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3133006142.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
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