Darmkoliken sind Bauchkrämpfe, die durch schmerzhaftes Zusammenziehen der Darmmuskulatur zustande kommen. Sie sind ein Zeichen für eine Vielzahl von Darmerkrankungen wie Infektionen, Vergiftungen oder chronische Krankheiten. Erfahren Sie bei uns alles Wissenswerte zum Thema Darmkoliken.
Was hilft bei Darmentzündung
Divertikel im Dickdarm Urheber: juangaertner / 123RF

Was sind Koliken und was sind Darmkoliken?

Mit Koliken bezeichnet man krampfartige Leibschmerzen, die durch das schmerzhafte Zusammenziehen der glatten Muskulatur eines Hohlorganes entstehen. Darmkoliken sind klinisch mit am häufigsten und haben auch zu dieser Bezeichnung geführt: κολικός – kolikós bedeutet griechisch den Darm betreffend. Kolon ist auch die medizinische Bezeichnung für den Dickdarm.

Koliken können neben dem Darm die Hohlorgane Magen, Galle, Niere oder Blase betreffen. Etwas ganz ähnliches passiert in der Gebärmutter bei der Geburt: Ähnliche rhythmisch wiederkehrende, schmerzhafte Kontraktionen sind die Wehen, die das Neugeborene ans Licht der Welt bringen. Das wehenähnliche abrupte Auf und Ab der schmerzhaften Kontraktionen ist typisch für alle Koliken.

Typisch für viele Darmkoliken sind hinzukommende Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle.

Was sind Darmkoliken? – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Mit Darmkoliken bezeichnet man krampfartige Leibschmerzen, die durch starke Kontraktionen der Darmmuskulatur zustande kommen.
  2. Kennzeichnend für Koliken sind Schmerzen, die kommen und kurzfristig verschwinden, ähnlich wie Wehen.
  3. Diese Bewegungen üben einen Zug auf die Aufhängebänder des Darmes, das Mesenterium, aus, in dem sensible Nerven verlaufen. Das führt zu den teils beträchtlichen Schmerzen.
  4. Darmkoliken treten bei einer Vielzahl von Darmerkrankungen auf. Hauptzweck ist die Ausleitung von Giftstoffen und Krankheitserregern.
  5. Bei hinzukommenden und sich verstärkenden Beschwerden ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen.

 

Die normale Beweglichkeit des Darmes

Wie alle anderen Hohlorgane der menschlichen Eingeweide verfügt der Darm über eine gut ausgeprägte glatte Muskulatur, die sich unmittelbar an die zuinnerst gelegene Schleimhaut anschließt. Im Gegensatz zur Skelettmuskulatur des Bewegungsapparates besteht glatte Muskulatur nicht aus Muskelfasern, sondern aus einzelnen Muskelzellen, die eine Kontraktion des Organs in Längsrichtung wie auch in Querrichtung erlauben. Dadurch kann sich das Lumen einengen und der Darm sich verkürzen – alles immer nur in bestimmten Abschnitten, die sich in ihrer Aktivität ablösen.

Eine solche Kombination von Verkürzung und Verengung bezeichnet man als Peristaltik. Diese spezielle Bewegungsform ist wichtig für den Transport des Inhaltes in eine bestimmte Richtung.

Woher kommen die Schmerzen?

Dass die gesteigerte Beweglichkeit der Darmmuskulatur zu Schmerzen führt, liegt am Zug des Darmes an den Bändern, mit denen er im Bauchraum aufgehängt ist. Bei diesem Mesenterium handelt es sich um Auffaltungen des Bauchfells (Peritoneum), die den Darm in der Bauchhöhle verankern und ihn mit Blutgefäßen und Nerven versorgt.

Die verstärkten Bewegungen des Darmes ziehen am Mesenterium und damit auch an den darin verlaufenden sensiblen Nerven. Dieser Zug sorgt für die teils erheblichen Schmerzen.

Welche Ursachen haben Darmkoliken?

Als harmloseste Gründe kommen neben schwerwiegenden Erkrankungen Stress und üppige, fettreiche oder scharfe Mahlzeiten infrage. In diesen Fällen sollten Sie sich einfach etwas Ruhe gönnen und den Darmkoliken mit Schmerzmitteln oder einem Magen-Darm-Tee begegnen. Ein altes Hausrezept, das hervorragend hilft, ist ein Tee aus gleichen Teilen Fenchel, Anis und Kümmel – zehn Minuten ziehen lassen und in kleinen Schlucken trinken. Auch Wärme in Form einer Bettflasche ist hier meistens hilfreich.

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Verdauungsprobleme können in ähnlicher Weise Darmkoliken hervorrufen – sowohl Blähungen als auch chronische Verstopfungen. Hier sollten Sie bei anhaltenden Beschwerden die Ursache unbedingt von Ihrem Arzt abklären lassen.

Die häufigsten klinisch relevanten Ursachen von Darmkoliken sind Krankheitskeime. Bakterien und Viren führen zu Magen-Darm-Entzündungen (Gastroenteritis) mit Darmkoliken und Durchfällen. Das gilt für die klassischen bakteriellen Infektionskrankheiten des Verdauungstraktes wie Typhus, Ruhr und Salmonellose oder Viruserkrankungen mit Rotaviren, Adenoviren und Noroviren.

Andere Gründe sind entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Allergien wie Zöliakie bei Glutenunverträglichkeit oder die Laktoseintoleranz.

Ebenso verursachen Giftstoffe Darmkrämpfe – so Lebensmittelvergiftungen, die Toxine von Salmonellen, Schwermetalle wie Blei oder viele Pilzgifte. Auch Antibiotika, die tabula rasa mit der Darmflora veranstalten, führen bei empfindlichen Personen zu Darmkoliken.

Seltene Ursachen sind Verwachsungen, Verengungen (Stenosen), Polypen und Tumoren im Darm oder eine Entzündung der Darmdivertikel (Divertikulitis).

Koliken sind ein Schutzmechanismus

Der ursprüngliche Zweck von Darmkoliken ist es, den Inhalt beschleunigt aus dem Körper herauszubringen. Gerade bei Vergiftungen oder Infektionen ist das sehr vernünftig – zugleich öffnet der Körper die Schleusen und spült große Mengen Flüssigkeit durch den Darm, wie man das vom Durchfall kennt.

Wichtig!

Hat man Darmkoliken aufgrund einer Infektion mit Bakterien oder Viren oder infolge einer Vergiftung mit verdorbenen Lebensmitteln, sind Durchfallmedikamente, die die Darmtätigkeit behindern, absolut kontraproduktiv!

Lässt sich die Einnahme vermeiden, lassen Sie den Darm seine Arbeit tun – was raus muss, muss raus! Mit Kohletablette, die Gifte und Bakterien mit der großen Oberfläche von AKtivkohle binden sowie mit Schmerzmitteln, die das Schmerzgeschehen dämpfen, treffen Sie eine wesentlich bessere Wahl.

Achten Sie unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und genügend Elektrolyte, um den Wasser- und Mineralstoffverlust vorzubeugen.

 

Manchmal kommt der Magen den Darmkoliken zuvor, wenn man verdorbene Lebensmittel oder ähnliches zu sich genommen hat: Kolikähnliche Bewegungen in Magen und Speiseröhre führen zum Erbrechen, das den gleichen Zweck hat: etwas loszuwerden, was dem Körper schadet.

Mögliche Folgen von Darmkoliken

Erhebliche Darmkoliken belasten das vegetative Nervensystem. Das Herz schlägt schneller, was zu einem Anstieg des Blutdruckes, Schweißausbrüchen, Schüttelfrost und gegebenenfalls Übelkeit und Erbrechen führt. Im Extremfall droht ein Kreislaufkollaps oder durch Überreizung des Bauchfells Darmlähmung bis hin zum Darmverschluss. Dann droht ein Darmdurchbruch, bei dem Bakterien in die Bauchhöhle gelangen und eine schwer beherrschbare Sepsis hervorrufen.

Diagnose bei Darmkoliken

Ihr Arzt wird zunächst eine eingehende körperliche Untersuchung vornehmen und Sie zum Schmerzgeschehen, Begleitumständen und Nahrungsaufnahme befragen.

Oft liefert eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Abdomen-Sonographie) schnelle erste Antworten. Gegebenenfalls werden eine Blutuntersuchung zur Feststellung von Anzeichen einer Infektion und/oder Entzündung und weitere Bildgebungen wie Rönten, CT oder MRT notwendig. Klarheit kann auch eine endoskopische Untersuchung durch Gastroskopie, Gastroduodenoskopie oder Koloskopie bringen.

Therapie der Darmkoliken

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

Wichtig: Bei Bauchschmerzen muss es sich nicht zwangsläufig um Darmkoliken handeln! Ebenso können Gallenkoliken, Nierenkoliken, Blinddarmentzündung (Appendizitis), Darminfarkt, Darmverschluss (Ikterus) und andere Erkrankungen dahinterstecken.

Werden die Beschwerden zusehends schlimmer, kommen weitere Symptome hinzu und geht der Kreislauf in den Keller, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen!

Das gilt insbesondere für das akute Abdomen, bei dem der Bauch mit Abwehrspannung auf Berührung reagiert und Kreislaufsymptome zu den Bauchschmerzen hinzukommen. Diese Symptomatik macht eine sofortige notärztliche Versorgung notwendig!

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
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