Schilddrüsenuntersuchung Ablauf, Diagnostik und Formen

Schilddrüsenultraschall, Feinnadelbiopsie, Schilddrüsenszintigraphie – Alle Schilddrüsenuntersuchung

Eine Schilddrüsenuntersuchung wird notwendig, wenn Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt. In Deutschland werden jährlich rund 90.000 Schilddrüsenoperationen und 60.000 Radiojodbehandlungen durchgeführt. Viele davon ließen sich vermeiden, wenn man die Fehlfunktionen gleich zu Beginn der Erkrankung rechtzeitig behandeln würde. Die Diagnose einer Schilddrüsenerkrankung setzt eine regelmäßige Schilddrüsenuntersuchung beim Hausarzt voraus. Wir informieren Sie hier genau zu den Formen der Untersuchungen durch Ultraschall, Feinnadelbiopsie und Schilddrüsenszintigraphie:

 

Schilddrüsenuntersuchung

Ablauf einer Schilddrüsenuntersuchung durch Ultraschall – Copyright: AndreyPopov, bigstockphoto

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Schilddrüsenuntersuchung Ablauf

Der Ablauf sieht in der Regel so aus:

  1. Der Hausarzt führt eine Tastuntersuchung,
  2. eine Ultraschalluntersuchung und
  3. eine Laborwertkontrolle des Blutes durch.
    Gegebenenfalls überweist er Sie an einen Facharzt, der
  4. eine Szintigraphie und gegebenenfalls
  5. eine Feinnadelbiopsie vornimmt.

Das Untersuchungsergebnis ist entscheidend für die einzuleitenden Therapiemaßnahmen. Eine rechtzeitige Behandlung hilft schlimme Folgeschäden zu vermeiden.

 

Schilddrüsenuntersuchung: Was für Schilddrüsenerkrankungen gibt es?

Die Schilddrüsenuntersuchung dient der Erkennung einer Erkrankung des kleinen Organs.

Die Schilddrüse ist ein wichtiger Hormonproduzent. Die von ihr hergestellten Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4) sind zentrale Regulatoren des Energiestoffwechsels. Ihre Produktion in der Schilddrüse steuert das Thyroidea-stimulierende Hormon oder Thyreotropin (TSH) aus dem Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse). Das Zusammenspiel dieser drei Hormone steuert vor allem den Energiestoffwechsel.

Ein Zuviel an Schilddrüsenhormonen im Blut ist die Folge einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Bekannt ist hier vor allem der Morbus Basedow. Die Überfunktion begünstigt das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischer Gesundheitsprobleme wie Depressionen, Gedächtnisverlust und Stimmungsschwankungen. Osteoporose führt zu brüchigen Knochen und Diabetiker brauchen zunehmende Mengen an Insulin zur Einstellung ihres Blutzuckers. Wird die Schilddrüsenüberfunktion nicht behandelt, kommt es schlimmstenfalls zu einer thyreotoxischen Krise, während der ein Viertel der Patienten verstirbt.

Zu wenig Schilddrüsenhormone werden bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hergestellt. Hierzu zählt die Hashimoto-Thyreoditis (Morbus Hashimoto), eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigene Immunabwehr die Schilddrüse angreift. Typisch für eine Schilddrüsenunterfunktion sind ständige Müdigkeit und Gewichtszunahme. Auch hier häufen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Depressionen und Störungen der Konzentrationsfähigkeit. In wenigen Extremfällen führt eine nicht behandelte Schilddrüsenunterfunktion zu einem hypothyreoten Koma. Hier liegt die Sterblichkeitsrate ebenfalls bei einem Viertel der Fälle.

 

Wie häufig sind Schilddrüsenerkrankungen?

Schilddrüsenerkrankungen sind in Deutschland häufig und entwickeln sich langsam zu einer Volkskrankheit. Davon sind vor allem Frauen betroffen. Sowohl Schilddrüsenüberfunktion als auch Schilddrüsenunterfunktion treten bei etwa zwei Prozent aller Frauen und 0,2 Prozent aller Männer auf. Dabei handelt es sich lediglich um die Fälle, die klinisch wirklich in Erscheinung treten. Die Dunkelziffer liegt mit Sicherheit weit darüber, wenn man unerkannte Fehlfunktionen hinzurechnet. Schätzungen gehen von mindestens zehn Prozent aus.

 

Schilddrüsenuntersuchung beim Hausarzt

Schilddrüsenuntersuchung: Krankengeschichte

Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Schilddrüse sucht Ihr behandelnder Arzt zunächst nach entsprechenden Symptomen. Er überprüft, ob Ihr Hals sichtbar vergrößert ist oder Wassereinlagerungen vorhanden sind. Ebenso wird er wissen wollen, ob Sie aus unerfindlichen Gründen viel Gewicht zu- oder abgenommen haben und ob sie ständig kalt oder heiß haben. Herz-Kreislauf- und Verdauungsprobleme, Müdigkeit oder Ruhelosigkeit und depressive Verstimmungen sind häufige Symptome einer Schilddrüsenfehlfunktion, nach denen er fragen wird.

 

Schilddrüsenuntersuchung: Tastuntersuchung (Palpation)

Der Hausarzt tastet bei der Palpation die Schilddrüse mit den Fingern ab. Sie ist in etwa so groß wie das Endglied des Daumens und sitzt knapp unterhalb des Kehlkopfes vorne am Hals. Daher kann der Arzt sie leicht erfühlen. Dazu stellt er sich hinter Sie und tastet mit beiden Händen nach Veränderungen des Organs. Eine Vergrößerung lässt sich leicht ertasten und ist in fortgeschrittenen Fällen bereits mit bloßem Auge sichtbar. Eine solche vergrößerte Schilddrüse bezeichnet man als Kropf. Der Arzt wird Sie bitten zu schlucken. Da die Schilddrüse schluckbeweglich ist, rutscht sie während des Schluckaktes unter seinen Fingern hin und her.

Bei dieser Gelegenheit tastet der Arzt auch die Lymphknoten der Halsregion auf Vergrößerungen ab. Diese treten bei Entzündungen der Schilddrüse (beispielsweise Hashimoto-Thyreoiditis) oder Tumoren auf.

 

Schilddrüsenuntersuchung: Sonographie der Schilddrüse

Genauere Auskünfte über die Größe der Schilddrüse gibt eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie). Die Untersuchung ist absolut schmerzlos und kommt ohne gefährliche Strahlung aus. Daher kann man sie beliebig oft vornehmen, ohne dass man sich dabei einem Risiko aussetzt.

Dazu müssen Sie sich auf einer Liege auf den Rücken legen. Der Arzt befeuchtet die Vorderseite Ihres Halses und den Schallkopf des Ultraschallgerätes mit einem speziellen durchsichtigen Gel, das den Ultraschall gut leitet. Dann führt er mit drehenden und kippenden Bewegungen den Ultraschallkopf über Ihren Hals.

Je nach Dichte reflektiert das Gewebe die ausgesendeten Ultraschallwellen. Dieses Echo fangen spezielle Sensoren im Ultraschallkopf auf und setzen sie in digitale Signale um. Auf einem Monitor lassen sich diese Signale in Echtzeit darstellen. Da immer nur ein zweidimensionales Bild aufgezeichnet wird, muss der Arzt den Schallkopf hin- und herbewegen, um einen räumlichen Eindruck des Untersuchungsbereiches zu bekommen.

Die Echtzeitbilder kann man auf dem angeschlossenen Computer abspeichern. Spezielle Programme erlauben die Vermessung des Organs, sodass sich das Volumen der Schilddrüse ermitteln lässt.

Mithilfe der Doppler-Sonographie kann der Untersuchende die Fließrichtung in den Blutgefäßen und vor allem die Dichte der kleinen Blutkapillaren (Vaskularisierung) feststellen. Ein besonders dichtes Kapillarnetz ist beispielsweise ein sicheres Anzeichen für das Vorliegen eines Morbus Basedow, der wichtigsten Form der Schilddrüsenüberfunktion. Eine relativ neue sonographische Untersuchungsmethode ist die Real Time-Elastographie, mit der man die Elastizität von Knoten in der Schilddrüse festgestellen kann. Verhärtete Knoten deuten auf eine tumorige Entartung hin und müssen weiter untersucht werden. Eine Elastographie wird allerdings eher der entsprechende Facharzt vornehmen.

 

Schilddrüsenuntersuchung: Blutwerte, Blutuntersuchung und Laborwerte

Für die endokrinologische Untersuchung nimmt Ihnen eine Arzthelferin oder der Arzt selbst eine kleine Menge Blut ab. Diese schickt er an ein Labor, das den Gehalt an relevanten Hormonen bestimmt. Die wichtigsten Hormone sind die beiden Schilddrüsenhormone Trijodthyronin T3 und Tetrajodthyronin T4 sowie das übergeordnete Steuerhormon Thyreotropin TSH aus dem Vorderlappen der Hypophyse (Adenohypophyse).

weiterlesen: Blutwerte der Schilddrüse – TSH-Blutwert

 

Schilddrüsenuntersuchung: Das Ergebnis der Untersuchungen beim Hausarzt

Tast- und Ultraschalluntersuchung sowie die Bestimmung der Schilddrüsenhormone lassen auf eine mögliche Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion schließen. In einem solchen Falle überweist Ihr Hausarzt Sie an einen Facharzt für Erkrankungen der hormonproduzierenden Drüsen, einen Endokrinologen. Dieser kann weitergehende Untersuchungen durchführen und die notwendige Behandlung einleiten.

 

Schilddrüsenuntersuchung beim Facharzt (Endokrinologen)

Der Endokrinologe sieht sich vor allem an, wie gut Ihre Schilddrüse funktioniert. Ein Maß für die Funktionstüchtigkeit des Organs ist seine Fähigkeit, Jod aus dem Blut aufzunehmen und in die Schilddrüsenhormone einzubauen.

Schilddrüsenuntersuchung: Die Schilddrüsenszintigraphie

Diese Jodaufnahmefähigkeit misst der Endokrinologe mittels einer Schilddrüsenszintigraphie. Dazu injiziert er Ihnen eine winzige Menge des Radionuklids Technetium-99m (99mTc) in Form eines Salzes (Technetium-Pertechnetat) in eine Armvene. Die Menge der radioaktiven Substanz ist so gering, dass sie gesundheitlich unbedenklich ist. Die Strahlungsmenge entspricht mit einem knappem Millisievert nur einem Bruchteil der kosmischen Strahlung, der man innerhalb eines Jahres ausgesetzt ist.

Binnen kurzer Zeit zerfällt das Technetium-99m in Technetium-99 (99Tc), das nur noch weiche Betastrahlung absondert. Trotzdem sollte man aus Sicherheitsgründen in Schwangerschaft und Stillzeit grundsätzlich keine szintigraphischen Untersuchungen vornehmen.

Im Vorfeld dieser Untersuchung führt der Endokrinologe ein Aufklärungsgespräch mit Ihnen, um Sie über die Vorgehensweise und möglichen Risiken zu informieren.

Das Technetium-99m ähnelt dem normalen Jod so sehr, dass die Schilddrüse es mit diesem verwechselt und aufnimmt. Nach fünf Minuten hat sich das meiste davon im Gewebe des Organs angereichert. Mithilfe einer speziellen Gammakamera kann der Endokrinologe die vom Technetium-99 ausgehende Gammastrahlung in einem Bild festhalten (Szintigramm). Diese Aufnahme wird im Sitzen, seltener im Liegen angefertigt und dauert ungefähr fünf Minuten. Wichtig ist dabei nur, dass Sie stillhalten und möglichst wenig schlucken, da das die Bildqualität vermindert. Ansonsten ist die Untersuchung schmerzfrei. Die Aufnahme muss der Arzt innerhalb einer halben Stunde nach der Injektion angefertigen, da das Technetium-99m sonst zu stark zerfällt.

Die digitale Auswertung der aufgefangenen Signale erlaubt eine Fehlfarbendarstellung, anhand derer der Arzt die Verteilung innerhalb der Schilddrüse nachvollziehen kann. Rot bedeutet besonders viel Gammastrahlung und entsprechend hohe Technetium-Anreicherung, blau wenig Strahlung und geringe Anreicherung.

Anhand der Verteilung roter und blauer Bereiche innerhalb der Schilddrüse kann der Arzt knotige Veränderungen erkennen:

  • Heiße Knoten reichern das Technetium überdurchschnittlich stark an. Sie sind in der Regel gutartig, können aber eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen. Die erhöhte Speicherung zeigt, dass das Gewebe sich aus dem hormonellen Regelkreis zwischen Körper, Schilddrüse und Hypophyse ausgeklinkt hat und unabhängig vom tatsächlichen Bedarf Schilddrüsenhormone produziert (Schilddrüsenautonomie).
  • Warme Knoten speichern etwas mehr Technetium als die Umgebung. Sie sind meistens gutartig und nur in seltenen Fällen bösartig.
  • Kalte Knoten lagern nur sehr wenig bis gar kein Radionuklid ein. Drei bis fünf Prozent davon können sich zu Tumoren entwickeln. Daher muss man kalte Knoten engmaschig beobachten, um einen aufkommenden Schilddrüsentumor rechtzeitig behandeln zu können. Vor allem bei Knoten über einem Zentimeter Durchmesser muss man eine Verlaufskontrolle und eine Feinnadelbiopsie vornehmen.

Spezielle Formen der Schilddrüsenszintigraphie sind die MIBI-Szintigraphie und die mIBG-Szintigraphie. Dabei wird mit Technetium markiertes MIBI (Methoxy-isobutyl-isonitril) oder mIBG (meta-Iodobenzylguanidin) injiziert. Auch mit diesen beiden Verfahren kann man weiter klären, ob sich kalte Knoten zu Tumoren entwickeln.

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Schilddrüsenuntersuchung: Die Feinnadelbiopsie

Um bei Vorliegen eines kalten Knotens einen Schilddrüsentumor sicher ausschließen zu können wird der Endokrinologe eine Feinnadelbiopsie (Punktion, Zytopunktion) vornehmen. Mit Feinnadelbiopsie bezeichnet man die Entnahme von Gewebematerial mithilfe einer Hohlnadel. Diese ist nicht schmerzhafter als eine normale Spritze und erfordert keine Betäubung.

Das entnommene Gewebe verteilt der Arzt auf einem Objektträger. Diesen schickt er an ein zytologisches Speziallabor, das entsprechende Untersuchungen zur Klärung einer eventuellen tumorigen Entartung durchführt.

Literatur

  1. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
  2. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.
  3. Frank Grünwald, Karl-Michael Derwahl: Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen: Ein Leitfaden für Klinik und Praxis. 2. Auflage. Köln: Lehmanns Verlag (2016). ISBN-10: 3865417655

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Autorenprofil

Anna Nilsson, Medizinautorin

Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin „Großes Blutbild“


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