Szintigraphie Ablauf, Dauer und Erklärung der Untersuchung

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Was ist eine Szintigraphie: Worauf muss man achten?

Bei einer Szintigraphie untersucht man die Verteilung eines radioaktiven Stoffes im Körper, der sich in bestimmten Strukturen ansammelt und Auskunft über mögliche Erkrankungen dieses Organs gibt.

Mit Radioaktivität sollte man grundsätzlich vorsichtig umgehen, auch wenn es sich bei der Szintigraphie im Ablauf nur verschwindend geringe Mengen verabreicht werden.

Wir erklären Ihnen, wie bei der Szintigraphie der Ablauf aussieht und was Sie alles beachten sollten.

Szintigraphie Gamma Kamera,
Szintigraphie Gamma Kamera, Quelle: wikimedia, Author Bionerd

Welcher Arzt fürt die Szintigraphie durch?

Die Sicherheitsmaßnahmen für Lagerung, Verwendung und Entsorgung radioaktiver Stoffe sind sehr umfangreich, sodass die Szintigraphie speziellen Praxen vorbehalten bleibt.

Dabei handelt es sich um Nuklearmediziner, der außerdem Untersuchungen wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) durchführt. Ein solcher Facharzt für Nuklearmedizin benötigt nach dem Studium eine fünfjährige Weiterbildung und spezielle Kurse in Strahlenschutz.

Szintigraphie Ablauf – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Für eine Szintigraphie überweist Sie Ihr Hausarzt an einen speziellen Facharzt der Nuklearmedizin.
  2. Vor der Untersuchung führt dieser Facharzt ein ausgiebiges Aufklärungsgespräch mit Ihnen durch.
  3. Vor der Untersuchung erhalten Sie eine Injektion mit einer geringen Menge Radioaktivität, die sich im zu untersuchenden Gewebe anreichert. Je nach Untersuchung dauert diese Anreicherung eine Weile.
  4. Die davon abgestrahlte Gammastrahlung werden von einer speziellen Gammakamera erfasst.
  5. Die geringe Strahlungsmenge führt dazu, dass das Erfassen eines solchen Szintigramms längere Zeit dauern kann.

 

Szintigraphie Ablauf: Der Tracer

Grundlage der Szintigraphie ist die Verteilung geeigneter Substanzen in bestimmten Geweben des Körpers. Dazu verwendet man Stoffe, die sich in den zu untersuchenden Organen ansammeln und/oder verstoffwechselt werden.

Um solche Anreicherungen dokumentieren zu können, markiert man diese Stoffe mit einer kleinen Menge einer radioaktiven Substanz. Oftmals handelt es sich dabei um Technetium-99m-Pertechneat. Das metastabile 99mTc hat nur eine kurze Halbwertszeit von etwa sechs Stunden und ist ein energiereicher Gammastrahler. Das erlaubt eine niedrige Dosierung für den Einsatz in der Nuklearmedizin.

  • Für die Schilddrüsen-Szintigraphie verwendet man Jod oder ihm ähnelnde Isotope, das die Schilddrüse aus dem Blut aufnimmt und in die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Tetrajodthyronin einbaut.
  • In den Knochen nehmen sehr spezifisch die die Knochensubstanz abbauenden Osteoklasten Phosphonate auf. Das macht man sich bei einer Knochen-Szintigraphie (Skelett-Szintigraphie) zunutze.
  • Neuroendokrine Tumoren (vor allem Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse) entstehen aus hormonproduzierenden Zellen und haben oft selbst Hormonrezeptoren an der Oberfläche. Das macht man sich mit dem markierten Hormon Somatostatin zunutze (Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie, Octreoid-Szintigraphie).
  • Bei einer Szintigraphie des Herzmuskels (Myokard-Szintigraphie) verwendet man Tc-99m-MIBI (Methoxyisobutylisonitril) oder Thallium-201 (201Th), das die Herzmuskelzellen anstelle von Kalium aufnehmen.
  • Nieren-Szintigraphien beurteilen das Hohlraumsystem in der Niere und verwenden dafür Substanzen, die schnell und effektiv mit dem Urin ausgeschieden werden. Der Goldstandard o-Jod-Hippursäure (OHJ) strahlt neben Gammastrahlung auch Betastrahlen ab und wird daher zusehends durch 99mTc-MAG3 (Mercaptoacetyltriglycin) ersetzt.
  • Bei einer Lungen-Szintigraphie, verschiedenen Tumor-Szintigraphien (früher Goldstandard bei Lymphomen) und Szintigraphien zum Nachweis von Entzündungen und chronischen Infektionen (gerade auch der Lunge) verwendet der Nuklearmediziner Gallium-67-Citrat. Gallium(III)-Kationen verwechselt der Körper mit Eisen(III)-Ionen und baut es in Transferrin, bakterielle Eisenspeicher (Lactoferrin) und Entzündungsproteine ein.

Nach der Untersuchung wird der größte Teil des Technetiums mit dem Urin schnell wieder ausgeschieden.

Szintigraphie,
Szintigraphie, Quelle: wikimedia, Author Bionerd

Szintigraphie und Ablauf der Untersuchung: Die Gammakamera

Die Verteilung des Tracers wird mit einer speziellen Gammakamera aufgenommen. Herzstück einer solchen Kamera ist ein Szintillator, ein spezieller Kristall, der Lichtblitze aussendet, sobald er von der energiereichen Strahlung des Tracers getroffen wird. Immer wenn ein energiereicher Strahl auftritt, gibt es einen solchen kleinen Lichtblitz. Da das Isotop die Gammastrahlen in alle Richtungen aussendet, wird nur der kleine Teil der Strahlung erfasst, die den Szintillator treffen. Daher dauert es eine ganze Weile, bis genügend Signale zusammenkommen. Die Gammakamera setzt diese Signale zu einem Bild zusammen, das man als Szintigramm bezeichnet.

Einen Sonderfall stellt die Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) dar. Sie arbeitet im Prinzip ähnlich wie ein Computertomogramm mit einem Ringsystem und liefert von der Strahlung ein dreidimensionales Bild, das aus den einzelnen Gammasignalen rekonstruiert wird.

 

 

 

Szintigraphie
Szintigraphie, Quelle: wikimedia, Author Bionerd

 

Ablauf der Szintigraphie

Überweisung. In der Regel werden Sie von Ihrem Hausarzt in die Nuklearmedizin überwiesen, wenn er den Verdacht auf eine Erkrankung hat, der sich mit einer Szintigraphie abklären lässt. Meistens wird er Ihnen eine Praxis empfehlen oder sogar dort schon einen Termin für Sie vereinbaren lassen. Andernfalls dürfen Sie sich einen Nuklearmediziner Ihrer Wahl aussuchen und dort eine Terminvereinbarung treffen.

Vorbereitungen. Eine szintigraphische Untersuchung benötigt von Ihrer Seite in der Regel keine besonderen Maßnahmen betreffs Nahrungsaufnahme oder ähnlichem. Eine Ausnahme macht die Schilddrüsen-Szintigraphie (siehe dort).

Injektion des Tracers. In der durchführenden Praxis erhalten Sie zunächst eine kleine Menge eines Radionuklids (Tracers) in die Armvene injiziert. Diese Substanz verteilt sich in Ihrem Körper und reichert sich in den zu untersuchenden Strukturen an.

Anreicherung des Tracers im Gewebe. Das dauert eine ganze Weile. Bei der Schilddrüse geht das schnell, aber bis so eine Substanz sich in allen Knochen gleichmäßig verteilt hat, sodass man ein Skelett-Szintigramm davon anfertigen kann, nimmt eine geraume Zeit in Anspruch. Spezielle Untersuchungen mit Gallium-67-citrat benötigen einen ganzen Tag für die Verteilung.

Anfertigung des Szintigramms. Hat sich das Radionuklid im Körper verteilt und in den zu untersuchenden Geweben angereichert, wird die Aufnahme mit der Gammakamera gemacht. Das dauert eine ganze Weile, denn die Radioaktivität ist nur schwach, sodass die wenigen Gammastrahlen erst einmal von der Kamera eingesammelt werden müssen, um daraus ein Bild zusammenzusetzen.

Wiederholung des Szintigramms. In einigen Fällen werden mehrere Szintigramme nacheinander angefertigt, um zeitliche Veränderungen in der Verteilung des Tracers im Körper nachvollziehen zu können. Szintigraphien mit Gallium-67-citrat werden beispielsweise einen, zwei und drei Tage nach der Injektion vorgenommen.

Nachbereitungen. Wenn das Szintigramm abgeschlossen ist, sollten Sie viel Flüssigkeit zu sich nehmen, damit das Radionuklid möglichst schnell ausgeschieden werden kann.

Wichtig für die Schilddrüsen-Szintigraphie und ihren Ablauf!

Besonders empfindlich reagiert die Schilddrüsen-Szintigraphie, die in gewisser Weise einen Sonderfall für den Szintigraphie-Ablauf darstellt. Denn hier wird ein Radionuklid injiziert, das sich so ähnlich verhält wie das Jod, das Sie normalerweise mit der Nahrung zu sich nehmen. Daher kann alles, was sich in der Schilddrüse ansammelt und diese Ansammlung verändert zu einer Beeinflussung des Ergebnisses führen. Wenn er mit Ihnen einen Termin ausmacht, wird Ihr Arzt Sie daher bereits im Vorfeld darauf hinweisen, ab wann Sie Ihre Schilddrüsenmedikamente, insbesondere solche mit Jod, absetzen müssen. In der Regel muss das bereits drei Wochen vor der eigentlichen Untersuchung geschehen.

Das Vorbereitungsgespräch zur Szintigraphie

Szintigraphie ist nicht gleich Szintigraphie. Daher können wir hier unmöglich alles erklären, was es an Sonderfällen und speziellen Vorkehrungen gibt. Deswegen führt Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen ein gründliches Aufklärungsgespräch durch, in dem er Ihnen den genauen Ablauf der bei Ihnen geplanten Untersuchung erklärt und Ihnen mitteilt, auf was Sie alles achten müssen. Zuvor müssen Sie sich einen entsprechenden Aufklärungsbogen gründlich durchlesen, den der Arzt anschließend mit Ihnen noch einmal durchgeht und zu dem er Ihre Fragen beantwortet. Dass dieses Aufklärungsgespräch stattgefunden hat und dass Sie mit der Untersuchung einverstanden sind, müssen Sie anschließend mit Ihrer Unterschrift quittieren.

Beachten Sie, dass Sie unbedingt auf eine mögliche Schwangerschaft hinweisen müssen! Der Einsatz radioaktiver Substanzen ist in einem solchen Fall selbst in so geringen Mengen streng kontraindiziert!

Szintigraphie Ablauf – Die Aufnahme

Das medizinische Personal erklärt Ihnen vor und während der Aufnahme, wie Sie sich genau zu verhalten haben. Metallische Gegenstände wie Gürtel, Uhren oder Schmuck müssen Sie zuvor ablegen. Ihre Kleidung dürfen Sie anbehalten.

Für die Aufnahme der Gammakamera legen Sie sich in der Regel rücklings auf eine Liege. Die Kamera wird über Ihnen positioniert und nimmt das Szintigramm auf. Wichtig ist dabei wie bei allen bildgebenden Verfahren, dass Sie sich dabei still verhalten und nicht bewegen. Auch ein Szintigramm kann verwackelte Aufnahmen liefern. Je ruhiger Sie liegen bleiben, desto höher ist die Qualität des aufgenommenen Bildes.

Dauer der Szintigraphie

Wichtig für eine Szintigraphie ist, dass Sie für den Ablauf Zeit mitbringen. Sie erhalten den radioaktiven Tracer erst unmittelbar vor der Untersuchung. Dieser benötigt einige Zeit, um sich im Körper zu verteilen und in dem zu untersuchenden Organ anzureichern. Die Zeiten dazu sind sehr unterschiedlich: Während bei einer Schilddrüsen-Szintigraphie der folgende Ablauf schon nach einer halben Stunde fortgesetzt werden kann, benötigt eine Knochen-Szintigraphie mehrere Stunden und eine Gallium-67-citrat-Szintigraphie sogar einen ganzen Tag Vorlaufzeit.

Auch für die eigentliche Szintigraphie ist der Ablauf zeitintensiv. Bis die Gammakamera genug Informationen gesammelt hat, dauert meist zehn Minuten bis eine halbe Stunde, in einigen Fällen sogar eine ganze Stunde.

Gerade bei einer Knochen-Szintigraphie werden oftmals mehrere Aufnahmen hintereinander gemacht. Die erste erfolgt unmittelbar nach der Injektion (Perfusionsphase), um die Einschwemmung in den Knochen zu dokumentieren. Eine Viertelstunde später erfolgt die nächste, um die Verteilung des Markers im Blut des Knochens zu erfassen. Danach sollten Sie möglichst viel trinken, damit überschüssiger Tracer über die Niere ausgeschieden wird und das Bild nicht verfälscht. Der Teil, der im Knochen verbleibt, wird in dieser Zeit von den Osteoklasten aufgenommen und verstoffwechselt. Erst in dieser Spätphase erfolgt die Aufnahme, die den Knochenstoffwechsel widerspiegelt. Diese nimmt bis zu einer Stunde in Anspruch.

Noch zeitaufwendiger sind Szintigraphien mit Gallium-67-citrat für die Diagnose von Tumoren, Lungenerkrankungen und verschiedenen Drüsen. Dieses muss sich erst einmal einen Tag lang im Körper verteilen, bevor man das erste Szintigramm anfertigen kann. Es folgen weitere 48 Stunden und 72 Stunden nach der Injektion. Eine einzelne Aufnahme dauert etwa eine halbe Stunde.

Wenn Sie Fragen zur Szintigraphie, ihrem Ablauf und der Dauer des gesamten Procedere haben, nutzen Sie das Aufklärungsgespräch. Eigentlich sollte Ihr Arzt Ihnen von sich heraus alle notwendigen Informationen hierzu liefern, aber spezielle Fragen wird er Ihnen gerne beantworten.

Szintigraphie Ablauf nach der Aufnahme

Nach einer Szintigraphie sollten Sie grundsätzlich viel trinken, um das Radionuklid aus dem Körper auszuschwemmen. Je nach dem verwendeten Biomolekül an dem Radionuklid dauert das unterschiedlich lange, aber eine hohe Flüssigkeitszufuhr kann niemals schaden.

Wenn das Szintigramm fertig ist, bekommen Sie meistens eine CD mit Ihren Aufnahmen. Bis der Befund dazu verfasst ist, dauert in der Regel einige Tage. Die entsprechenden Daten erhält Ihr Hausarzt, der Sie in die Nuklearmedizin überwiesen hat.

Szintigraphie – Wie hoch ist die Strahlenbelastung?

Seien Sie nicht indigniert, dass das alles so lange dauert, sondern sehen Sie das positiv. Die Untersuchung könnte man wesentlich schneller ablaufen lassen, wenn man Ihnen größere Mengen an Radioaktivität injizieren würde. Kleine Mengen sind auf Dauer sicherlich gesünder, benötigen aber längere Zeit, um erfolgreich detektiert zu werden.

Bei einer normalen Schilddrüsen-Szintigraphie handelt es sich mit 0,9 Milli-Sievert (mSv) um eine ähnliche Strahlenbelastung wie bei einer Röntgenuntersuchung. Die bei Kindern häufig durchgeführte Nieren-Szintigraphie schlägt mit 0,7 mSv zu Buche. Andere Szintigraphien benötigen mehr Strahlung, wie etwa die Herz-Szintigraphie mit bis zu 8 mSv pro Untersuchung. Damit liegt sie aber immer noch deutlich unter der Strahlenbelastung einer Computertomographie (CT), die bis zu 20 mSv beträgt. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt einen über alle szintigraphischen Untersuchungen gemittelten Durchschnittswert von 2,4 mSv an.

Welche Risiken gibt es bei einer Szintigraphie?

Die injizierten Radiopharmaka werden in der Regel gut vertragen. In seltenen Fällen berichten Patienten von einem vorübergehenden Hitzegefühl nach der Injektion. Leichte Übelkeit und ein metallischer Geschmack sowie Hautreaktionen können ebenfalls auftreten.

Wie jede Strahlenuntersuchung besteht auch bei einer Szintigraphie die Möglichkeit, dass die Gammastrahlen zu Erbgutveränderungen führen. Diese können prinzipiell auch Tumoren auslösen. Allerdings ist die bei einer Szintigraphie verabreichte Strahlenmenge sehr gering und das Radionuklid wird schnell mit dem Urin wieder ausgeschieden. Daher entspricht die Strahlenbelastung der einer Röntgenuntersuchung und liegt immer noch weit unter der einer Computertomographie.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Wilhelm Firbas, Peter Fleckenstein, Jorgen Tranum-Jensen: Röntgenanatomie: Normalbefunde in Röntgen, CT, MRT, Ultraschall und Szintigraphie. 7. Auflage. Stuttgart/München/Amsterdam (2004): Urban & Fischer-Verlag/Elsevier. ISBN-10: 3437428640.
  2. Hubert Elser: Leitfaden Nuklearmedizin: Praktische Anleitung und Prüfungswissen für Medizinisch-Technische Assistenten in der Radiologie. Frankfurt 2003: Steinkopff-Verlag. ISBN-10: 3798513910
  3. Markus Dietlein, Klaus Kopka, Matthias Schmidt: Nuklearmedizin: Basiswissen und klinische Anwendung. 8. Auflage. Stuttgart 2019: Schattauer-Verlag. ISBN-10: 3794531094.