Was bedeutet es, wenn der Anteil an Eiweiß im Urin zu hoch ist?

Im Normalfall befindet sich im Harn nur eine verschwindend geringe Menge an Proteinen. 24h-Sammelurintests geben Aufschluss darüber, wie hoch das Eiweiß im Urin ist. Schäumt er, ist das ein Anzeichen für eine sogenannte Proteinurie.

Die Nieren filtern Abfallstoffe aus dem Blut. Sie entsorgen diese über den Harn. Die Eiweiße gelangen regulär nicht in den Urin, da die Nieren sie dem Körper wieder zuführen. In geringen Mengen kommen sie auch bei gesunden Menschen vor.

Eine Proteinurie ist ein Indiz für eine Nierenerkrankung oder andere körperliche Schäden.

Die wichtigsten Fakten: Eiweiß im Urin zu hoch

  • Bei einem gesunden Menschen liegen nur geringe Mengen an Eiweiß im Urin vor.
  • Eine Erhöhung über 150 Milligramm im Harn weist auf eine Proteinurie hin.
  • Ist der Wert für das Eiweiß im Urin zu hoch, deutet das auf eine Nierenschädigung hin.
  • Weitere Ursachen für eine Proteinurie sind verschiedene Medikamente, Harnwegsinfekte, eine Schwangerschaftsvergiftung, Bluthochdruck und Diabetes.
  • Eine frühzeitige Behandlung verhindert Organschäden.

Welche Bedeutung hat der erhöhte Eiweißwert im Urin?

Ist der Anteil des Eiweißes im Urin zu hoch, deutet das auf eine Proteinurie hin. Weist der Arzt bei einem Labortest innerhalb eines Tages Werte von über 150 Milligramm im Urin nach, liegt eine Anomalie vor. Von einer Proteinurie sprechen Mediziner ebenfalls, wenn sich die Eiweiße im Urin ungewöhnlich verteilen.

Bei einem gesunden Menschen bestehen diese zu sechzig Prozent aus Plasmaproteinen wie Albumin und zu vierzig Prozent aus Immunproteinen und Glykoproteinen wie dem Immunglobulin G.

Einen kurzzeitigen Anstieg des Eiweißes nennen Ärzte benigne reversible Proteinurie. Sie ist umkehrbar, nicht gefährlich und verursacht keinerlei Beschwerden.

 

Eiweiß Urin Werte
Urin Untersuchung im Labor Copyright: Belish bigstockphoto

Wann gilt der Anteil des Eiweiß im Urin als zu hoch?

Um die Menge an Proteinen im Urin zu messen, bestimmt der Arzt diese in einem Zeitraum von 24 Stunden im Sammelurin.

Die Normwerte liegen bei Männern und Frauen zwischen 60 und 150 Milligramm. Werte über der Maximalgrenze sind zu hoch. Sie deuten auf eine Proteinurie hin.

Die Eiweiß Tabelle verdeutlicht Ihnen die Werte:

Eiweiß (Protein) im Urin (i.U.)

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mg im SU

♀ 60-150

♂ 60-150

 

Geschlecht

Männer

Frauen

minimaler Eiweiß-Wert in Milligramm

60

60

maximaler Eiweiß-Wert in Milligramm

150

150

 

Bei dauerhaft erhöhten Werten schließt Ihr Arzt Folgeuntersuchungen an, da er eine Nierenschädigung vermutet. Gleiches gilt, wenn weitere Symptome auftreten.

Ursachen des erhöhten Proteinwertes

Es gibt verschiedene Gründe für das Auftreten einer Proteinurie. Tritt diese vorübergehend als benigne reversible Eiweißerhöhung auf, liegt das an:

  1. Kälte,
  2. Stress,
  3. Fieber,
  4. Hitze,
  5. vorheriger körperlicher Anstrengung wie Sport,
  6. Wachstum bei Jugendlichen und Kindern.

Diese Form der Proteinurie ist nicht behandlungsbedürftig. Bei krankhaften Veränderungen des Eiweißwertes im Urin liegen verschiedene Nierenerkrankungen nahe, wie:

  • nephrotisches Syndrom,
  • Nierenentzündung (Glomerulonephritis),
  • Diabetes mellitus mit Befall der Nieren (diabetische Nephropathie) und
  • Nierenschäden (chronische Nierenschwäche).

Neben Erkrankungen der Nieren besteht ein Verdacht auf:

  • Herzbeutelentzündung (Perikarditis),
  • Amyloidose (zu viel Protein im Zellzwischenraum),
  • Präeklampsie in der Schwangerschaft,
  • Herzversagen,
  • Malaria,
  • Tuberkulose,
  • Vergiftungen,
  • Sarkoidose,
  • Sichelzellenanämie,
  • Bluthochdruck (Hypertonie),
  • rheumatoider Arthritis,
  • Hodgkin-Lymphom,
  • Goodpasture-Syndrom (Autoimmunerkrankung von Lunge und Leber)
  • chronisch-entzündliche Erkrankung des Bindegewebes (Lupus erythematodes) und
  • Knochenmarkkrebs (Plasmozytom).

Manche Medikamente sorgen ebenso dafür, dass der Wert des Eiweißes im Urin zu hoch ist:

  1. Antibiotika,
  2. Schmerzmittel (Antirheumatika) und
  3. Zytostatika im Rahmen der Krebsbehandlung.

Symptome bei Schädigungen, die mit einem erhöhten Eiweiß-Spiegel einhergehen
Bei einer Nierenentzündung klagen Patienten über:

  • dunkel verfärbten und trüben Urin,
  • Bluthochdruck,
  • Kopfschmerzen,
  • Thrombosen,
  • Ödeme und
  • häufige Infekte.

Bei chronischer Nierenschwäche treten bis ins vierte Stadium keine Symptome auf. Später zeigen sich Durst, vermehrter Harndrang, Bluthochdruck, Ödeme und Symptome, die mit den entstehenden Organschäden einhergehen.

Schmerzen, Brennen und Kribbeln in Beinen und Füßen sowie Missempfindungen deuten auf eine diabetische Neuropathie hin.

Folgen eines zu hohen Eiweißwertes

Liegt ein erhöhter Wert vor, schließt der Arzt weitere diagnostische Verfahren an, um die genaue Ursache festzustellen.

Dazu legt er eine Urinkultur an und veranlasst eine Protein-Elektrophorese. Zusätzlich untersucht er Blase, Nieren und Harnwege und entnimmt bei Bedarf eine Gewebeprobe mittels Biopsie aus den Nieren. Unbehandelte Nierenschäden führen zu schwerwiegenden Symptomen vom Bluthochdruck, über Anämie bis hin zum vollständigen Organversagen.

Laut einer Studie eignen sich ACE-Hemmer und Sartane zur Behandlung der Proteinurie [Kunz R., Friedrich C., Wolbers M., Mann J.F.E.: Meta-analysis: Effect of Monotherapy and Combination Therapy with Inhibitors of the Renin-Angiotensin System on Proteinuria in Renal Disease. Ann Int Med 2008; 148(1): 30-48].

Tipps zum Senken der Werte

Ist der Wert des Eiweißes im Urin zu hoch, suchen Ärzte nach der Ursache, um den Schaden zu beheben. Im Anschluss einer erfolgreichen Behandlung pegelt sich der Eiweißgehalt auf ein Minimum ein.

Sind Medikamente ursächlich, empfiehlt sich ein Verzicht oder die Umstellung auf ein anderes Produkt. Vermeiden Sie den Konsum von Alkohol und Zigaretten. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung sowie ein normales Gewicht.

Quellen:

Kunz R., Friedrich C., Wolbers M., Mann J.F.E.: Meta-analysis: Effect of Monotherapy and Combination Therapy with Inhibitors of the Renin-Angiotensin System on Proteinuria in Renal Disease. Ann Int Med 2008; 148(1): 30-48

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