Bauchaortenaneurysma – Gefahr im Verzug!

Aneurysma an der Bauchschlagader bedeutet, dass die Hauptschlagader eine Erweiterung aufweist. Da zudem die Gefäßwand an dieser Stelle dünner wird, besteht die Gefahr, dass sie einreißt und der Patient innerlich verblutet. Bei zwei Prozent aller Obduktionen wird ein Bauchaortenaneurysma festgestellt, das nie Beschwerden verursacht hat.

An einem Bauchaortenaneurysma leiden nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin fast zehn Prozent aller Menschen über 65 Jahren. Eigentlich kein Wunder – die Hauptschlagader steht unter hohem Gefäßdruck und transportiert im Laufe des Lebens rund 200 Millionen Liter Blut.

Aneurysma an der Bauchschlagader
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Aneurysma an der Bauchschlagader: Definition

Aneurysmen sind chronische degenerative Gefäßerkrankungen, die in allen Blutgefäßen auftreten können. Handelt es sich dabei um Arterien, bezeichnet man sie als dilatative Arteriopathie. Arteriopathie bedeutet Erkrankung einer Arterie und dilatativ beschreibt die Ausdehnung des Gefäßes. Prinzipiell handelt es sich dabei meist um eine Sonderform der Arteriosklerose, bei der die Gefäßwand mit allen Wandschichten an einer bestimmten Stelle (Aneurysma fusiforme – spindelförmig) oder langstreckig (serpentinum – geschlängelt, sacciforme – sackförmig, naviculare – kahnförmig) ausgedehnt ist.

Aneurysma an der Bauchschlagader – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Ein Aneurysma an der Bauchschlagader bedeutet, dass die Wand des größten arteriellen Gefäßes des Menschen eine Ausbuchtung aufweist.
  2. Anfänglich ist ein Bauchaortenaneurysma praktisch beschwerdefrei und wird meist, wenn überhaupt, nur zufällig diagnostiziert.
  3. Ab einem Durchmesser von fünf Zentimeter ist das Risiko eines Risses im Gefäß höher als das Risiko einer operativen Behandlung.
  4. Gefährlich wird eine solche Ausbuchtung vor allem, wenn sie platzt. Das hat binnen kürzester Zeit den Tod durch inneres Verbluten zur Folge.
  5. Auch ohne Platzen kann ein Aneurysma an der Bauchschlagader gefährlich werden, da sich hier bevorzugt Blutgerinnsel bilden, die zu Gefäßverschlüssen in den Beinen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen können.

 

 

Das Aneurysma an der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma BAA, Aneurysma aortae abdominalis AAA) ist mit über 90 % die häufigste Form der Aneurysmen.

Es betrifft die Bauchschlagader (Aorta abdominalis) zwischen Zwerchfell und der Aufteilung in die beiden Beinarterien (Aa. iliacae communes). Meistens sind sie vom spindelförmigen oder vom sackförmigen Typ.

Eine normale, gesunde Bauchaorta hat einen Durchmesser von 1,7 bis 2,0 Zentimetern, abhängig von Körpergröße, Geschlecht, Alter und Blutdruck. Im Schnitt nimmt dieser Durchmesser pro Lebensdekade rund 0,7 Millimeter (Frauen) bis 0,9 Millimeter (Männer) zu. Zudem sind Männer bis zu neunmal häufiger betroffen als Frauen. Bisweilen treten solche Aneurysmen familiär gehäuft auf.

Von einem Aneurysma spricht man, wenn die Aorta um mehr als 50 % des altersentsprechenden Durchmessers erweitert ist. Das heißt in der Regel, dass sie mehr als drei Zentimeter Durchmesser erreicht hat. Vorstufen davon (2,5 – 3 Zentimeter) bezeichnet man als Aortenektasie (Schlagaderausdehnung).

Aneurysma an der Bauchschlagader Formen

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Ein Aneurysma ist an der Bauchschlagader wesentlich häufiger als im vorangehenden oberen Teil der Aorta. Es macht rund 75 % aller Aortenaneurysmen aus. Die meisten dieser Aneurysmen sind wiederum unterhalb der Abzweigung der Nierenarterien gelegen (96 % infrarenal = unterhalb der Nieren, nur 4 % suprarenal = oberhalb der Nieren). Die hier auftretenden Aneurysmen sind fast immer die Folge einer Arteriosklerose.

Seltene Sonderformen sind Aneurysmen, die über das Zwerchfell hinaus in den oberen Teil der absteigenden Aorta hineinreichen oder die Nierenarterien (Aa. renales) mit erfassen (juxtarenales Aortenaneurysma).

Bei einem Aneurysma an der Bauchschlagader handelt es sich meistens um ein ‚echtes‘ Aneurysma (Aneurysma verum). Das bedeutet, dass alle drei Wandschichten der Aorta (Intima – innere, Media – mittlere und Adventitia – äußere) von der Ausbuchtung betroffen sind. Hier kommt es meistens zu einer Ruptur, einem vollständigen Riss des Gefäßes, der alle drei Wandschichten erfasst.

Seltener ist ein solches Aneurysma an der Bauchschlagader ein ‚falsches‘ Aneurysma (Aneurysma spurium). Hier ist das Gefäß verletzt, sodass es zu einer Einblutung in die Umgebung kommt. Dieses Hämatom verkapselt sich mit der Zeit in einer bindegewebigen Hülle und bildet im Inneren wie ein normales Blutgefäß eine Schicht aus Endothelzellen (Intima).

Seltener ist ein ‚gespaltenes‘ Aneurysma (Aneurysma dissecans). Hier spricht man von einer Aortendissektion. Bei dieser reisst nur die innerste Gefäßwand und das einströmende Blut trennt (dissoziiert) die mittlere Gefäßwand auf. Die Einblutung erfolgt hier nur zwischen der innersten und äußeren Gefäßwand und ist damit lokal begrenzt (Wühlblutung). Eine solche Aortendissektion tritt jedoch wesentlich häufiger im oberen Teil der Hauptschlagader im Brustbereich (Aorta ascendens, Aortenbogen oder Aorta descendens) auf als im Bauchraum.

Aneurysma an der Bauchschlagader Symptome

Das Gefährliche an einem Aneurysma an der Bauchschlagader ist, dass diese Erweiterung zunächst mit praktisch keinerlei Beschwerden verbunden ist. 80 % der Aneurysma-Patienten zeigen keine Symptome. Meistens ist die Diagnose ein reiner Zufallsbefund bei routinemäßig durchgeführten Untersuchungen. Vor allem bei bildgebenden Verfahren wie der Ultraschall-Untersuchung des Bauchraumes (Abdomen-Sonografie), Computertomografie (CT), Röntgen oder Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) werden solche pathologischen Gefäßerweiterungen festgestellt.

Danach bedarf es regelmäßiger Kontrollen durch weitere Ultraschalluntersuchungen, um den Größenzuwachs nachzuverfolgen. In der Regel ist ein Aneurysma ab fünf Zentimetern Durchmesser vom Platzen bedroht und daher dringend behandlungsbedürftig. Ab diesem Wert ist die Gefahr einer spontanen Ruptur größer als die Risiken eines operativen Eingriffes.

Auch ohne Ruptur kann ein Aneurysma an der Bauchschlagader gefährlich werden, da in seinem Inneren das Blut nicht normal fließt. Dadurch erhöht sich das Risiko von Blutgerinnseln, die an anderer Stelle Gefäße verstopfen (Thromboembolie). Das führt zu Beinschwellungen bis hin zu Verschlüssen der Beinarterien (Claudicatio). Ebenso erhöht sich das Risiko von Herzinfarkten und Durchblutungsstörungen im Gehirn von der transitorischen ischämischen Attacke (TIA) bis zum Schlaganfall (Apoplex).

Erst mit zunehmender Größe verursacht ein Aneurysma an der Bauchschlagader Beschwerden in Form von Bauch- und Rückenschmerzen, da die erweiterte Hauptschlagader auf die sensiblen Nerven der Umgebung und das sensible Bauchfell (Peritoneum) drückt, Bauchorgane verdrängt und Blutgefäße abklemmt. Die Schmerzen strahlen in Lenden und Brust aus und werden oft mit Hexenschuss oder Nierenkoliken verwechselt. Bisweilen treten Verstopfungen und Kurzatmigkeit auf.

Die Patienten merken, dass da etwas Ungewohntes im Bauchraum pulsiert. In diesem Stadium ist das pochende Aneurysma im Bauchraum tastbar. Das veranlasst zusammen mit den zunehmenden starken Schmerzen in der Lendengegend die meisten Patienten, wegen ihrer Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

Spätestens dann wird das Aneurysma an der Bauchschlagader bei der ärztlichen Untersuchung festgestellt. Die auftretenden Schmerzen sind oftmals eine Warnung davor, dass das Aneurysma kurz vor dem Platzen steht.

Aneurysma an der Bauchschlagader Verlauf

Wenn mit zunehmender Größe des Aneurysmas an der Bauchschlagader die Gefäßwand immer dünner und durch Arteriosklerose brüchiger wird, macht sich das mit zunehmenden starken Schmerzen im Bauchraum und im Rücken bemerkbar. Diese strahlen bis in Gesäß und Genitalorgane aus. Hinzu kommen verstärkte Übelkeit und Brechreiz. Dann kann es bereits bei geringfügiger mechanischer Belastung zu einer Aortendissektion oder zum Platzen des Gefäßes, einer Ruptur kommen.

Eine Ruptur zeichnet sich durch drei Symptome aus:

  • Schmerzen im Bauchraum oder Rücken,
  • niedriger Blutdruck und eine
  • pulsierende Raumforderung im Bauchbereich.

Sitzt diese Ruptur so, dass das Blut hinter das Bauchfell (Peritoneum) in den sogenannten Retroperitonealraum (wo unter anderem Niere und Bauchspeicheldrüse sitzen) fließt, leiden die Patienten an akuten, zunehmenden Schmerzen. Vorübergehend tritt eine fälschliche leichte Besserung auf, wenn der Retroperitonealraum vollständig mit Blut gefüllt ist (Tamponade) und sich der Kreislauf kurze Zeit stabilisiert (gedeckte Ruptur). Das gibt den Patienten bei rechtzeitiger Behandlung zumindest eine Überlebenschance.

Wenn sich das Blut in die Bauchhöhle (Peritonealraum) ergießt, ist das zumeist mit einer massiven Blutung verbunden. Die Folge sind akute, sehr starke Bauchschmerzen, Kreislaufschock mit schnell absackendem Blutdruck, beschleunigtem Herzschlag (Tachykardie) und Ohnmacht. Unbehandelt tritt alsbald der Tod durch inneres Verbluten ein. Selbst bei rechtzeitig eingeleiteter Notfall-OP versterben bis zu 85 % der Patienten mit einem geplatzten Aneurysma der Bauchschlagader.

Was haben Albert Einstein, Charles de Gaulle und Thomas Mann gemeinsam? Alle drei sind verstorben, weil ihr Aneurysma an der Bauchschlagader geplatzt ist.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin: Bauchaortenaneurysma. Webseite>>.
  2. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG): Stumpfe Aortenverletzung und traumatisches Aortenaneurysma. PDF>>.
  3. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK): ESC Pocket Guidelines: Aortenerkrankungen. PDF>>.
  4. Gefäßchirurgie des Uniklinikums Heidelberg: Patienteninformationsbroschüre Bauchaortenaneurysma. PDF>>.
  5. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2017: Verlag G. Herold. ISBN-10: 3981466063.
  6. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  7. Gerhard Münch, Jacques Reitz: Grundlagen der Krankheitslehre. Hamburg 2005: Nikol-Verlag. ISBN-10: 3933203066.
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