Warum ist der Fibrinogen-Wert erhöht

Mögliche Ursachen für eine FibrinogenErhöhung

Die Leber produziert das Eiweiß Fibrinogen. Als Vorstufe des Fibrins leistet es einen wesentlichen Beitrag zur Blutgerinnung. Ist im Blut das Fibrinogen erhöht, gibt dies Aufschluss über mögliche Erkrankungen wie akute Entzündungen, Tumore oder Urämie. Das Wort ist zusammengesetzt aus den lateinischen Begriffen fibra und gen. Fibra ist die Faser und gen bedeutet hervorbringen. Fibrin bildet bei der Blutgerinnung Fasern und verschließt die Wunde. Es schützt Verletzungen vor Infektionen und großem Blutverlust.

Labor Untersuchung Blut Kreatin

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Das Eiweiß Fibrinogen spielt im Gerinnungs-Prozess des Blutes eine große Rolle. Thrombin und Kalzium wandeln es in Fibrin um, welches Fäden bildet und die Wunde abdichtet. Ist im Blut das Fibrinogen erhöht, deutet die Situation auf eine Erkrankung hin. Der Arzt bestimmt den Wert bei Verdacht auf Entzündungen oder Störungen bei der Gerinnung des Blutes. Die Framingham-Studie belegt den Zusammenhang zwischen erhöhten Werten und einem großen Risiko für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen. Bei einer Schwangerschaft ist ein erhöhter Wert normal.

 

 

Blutgerinnung verwandelt Fibrinogen in Fibrin

Die Leber bildet das Glykoprotein Fibrinogen. Das Eiweiß spielt im Gerinnungs-Prozess des Blutes eine wesentliche Rolle. Sobald sie im Gange ist, entsteht aus dem Eiweiß Thrombin und Kalzium in Verbindung mit Fibrinogen lösliches Fibrin. Durch die Quervernetzung mit dem Gerinnungs-Faktor XIII nimmt es eine unlösliche und stabile Struktur an. Seine kettenartigen Kompositionen sind ein wichtiger Teil des Blutgerinnsels.

Bei einer Verletzung tritt das Blut mit abnormen Oberflächen in Kontakt. Beschädigte Zellen sondern Gewebe-Thromboplastine ab. Diese Geschehnisse führen zur automatischen Aktivierung der Blutgerinnungs-Faktoren.

Fibrinogen ist der Faktor I, einer der wichtigsten im Prozess. Seiner Umwandlung geht die Transformation von Prothrombin in aktives Thrombin voraus. Dieses ist für die Verwandlung von Fibrinogen in Fibrin verantwortlich. Die einzelnen Moleküle des neuen Stoffes verbinden sich zusammen mit den Blutplättchen zu einem unlöslichen, langkettigen Aggregat. Dieses verschließt die Wunden so dicht, dass keine Krankheits-Erreger durchdringen.

 

Bestimmung des Fibrinogen-Spiegels im Blut

Bei Verdacht auf Probleme mit der Blutgerinnung oder Entzündung bestimmt der Laborant den Wert des Fibrinogens. Während einer Fibrinolyse-Therapie ist seine regelmäßige Kontrolle wichtig. Es ist nur messbar, wenn es einwandfrei gerinnt. Störungen im Gerinnungs-Prozess führen zu falschen Werten.

Eine hohe Konzentration im Blut gilt als Risikofaktor für Schlaganfall, Herzinfarkt und Thrombosen. Deshalb ist seine Bestimmung zur Abschätzung des Gefäßrisikos wichtig. Bei Entzündungen ist das Fibrinogen erhöht. Eine Messung bringt Klarheit darüber. Tumore, Schwangerschaft und Nierenschwäche erhöhen die Konzentration des Fibrinogens. Rauchen beeinflusst den Wert ebenfalls nach oben. Der Referenzwert bei Frauen und Männern liegt bei 160 bis 400 Milligramm pro Deziliter.

Der Normbereich ist nur orientierend zu verstehen. Erhöhtes Fibrinogen unterliegt so vielen Faktoren, dass die Interpretation des Wertes mit größter Vorsicht und unter Berücksichtigung erfolgt. Folgende Faktoren verfälschen den Wert:

  • Therapien mit gerinnungshemmenden Substanzen,
  • Leberzell-Schädigung,
  • Dysfibrinogenämie.

Funktionell geschädigtes Fibrinogen führt zu einer Dysfibrinogenämie. In diesem Falle ist eine Messung nicht durchführbar. Das Alter des Patienten hat einen Einfluss auf die Konzentration des Eiweißes. Die Einnahme von Kontrazeptiva und Stress verändern den Fibrinogen-Spiegel im Blut und verfälschen Mess-Ergebnisse.

 

Fibrinogen erhöht: Welches sind die Ursachen?

Akute-Phasen-Reaktionen (APR) erhöhen den Wert. Dies geschieht bei Verbrennungen, nach Operationen, akuten Entzündungen, Verletzungen oder bei Tumoren. Chronische Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen sind ebenfalls für ein erhöhtes Fibrinogen verantwortlich. Beim nephrotischen Syndrom gleicht der Mensch den Eiweißverlust in der Niere durch eine erhöhte Konzentration von Fibrinogen aus. Durch die Veränderungen im Körper bei der Schwangerschaft ist ein höherer Wert normal. Die Höhe des Fibrinogens im Blut ist erblich definiert. Urämie kommt ebenfalls als Ursache infrage.

 

Hohes Fibrinogen erhöht die Gefahr einer kardiovaskulären Erkrankung

Die Framingham-Studie untersucht den Zusammenhang zwischen erhöhtem Fibrinogen und dem Risiko für Gefäß-Erkrankungen. Über 300 Milligramm pro Deziliter erhöhen die Gefahr einer arteriosklerotischen Krankheit. In der zehnten Versuchsreihe der Studie nahmen 1315 Personen teil. In den zwölf Jahren nach Beginn der Messungen erkrankten 165 Männer und 147 Frauen an einem kardiovaskulären Leiden. Bei beiden Geschlechtern steht die Erkrankung in Zusammenhang von vorgängig hohen Fibrinogen-Werten zwischen 130 und 700 Milligramm pro Deziliter.

Das Risiko nimmt bei den älteren Frauen ab. Bei den Männern fehlt diese Tendenz. Beim Risiko für eine koronare Herz-Erkrankung ist das Fibrinogen erhöht. Auch hier ist das abnehmende Risiko mit dem Alter nur bei Frauen zu beobachten. Von einem erhöhten Schlaganfall-Risiko sind nur die Männer betroffen.

Der Einfluss von Fibrinogen-Werten als eigenständige Variable auf Herz- und Kreislauf-Erkrankungen ist vergleichbar mit den anderen Risiko-Faktoren. Dazu gehören hoher Blutdruck, Rauchen und Übergewicht. Diabetes ist ebenfalls eine Krankheit, die sich negativ auf das Risiko für kardiovaskuläre Leiden niederschlägt. Sie stehen selbst im Zusammenhang mit einem erhöhten Fibrinogen-Wert. Die Konklusion ist ein größeres Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten bei erhöhtem Wert des Eiweißes.

 

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weiterführend:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3626001

http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/institute/klinische-chemie/home/praeanalytik/untersuchungen-leistungsverzeichnis/efg/fibrinogen-nach-clauss.html

 

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Autorenprofil

Anna Nilsson, Medizinautorin

Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin "Großes Blutbild"


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