MRSA nach Operationen – Symptome und Anzeichen

Keime nach OP & operativen Eingriffen im Krankenhaus

MRSA stellen in der Klinik ein wachsendes Problem dar. Die multiresistenten Keime nutzen besonders nach Operationen die Gelegenheit, über offene Wunden in den menschlichen Körper zu gelangen und dort für folgenschwere Infektionen zu sorgen.

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Ihre Resistenz gegen eine ganze Palette unterschiedlicher Antibiotika stellt die Medizin vor große Herausforderungen.

Wir möchten Ihnen zeigen, welche Symptome MRSA nach OP hervorrufen kann und woran man eine Infektion erkennt.

MRSA nach Op
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Copyright: royaltystockphoto-com Staphylococcus aureus (MRSA) bacteria with beautiful colours

MRE und MRSA – Woher kommen solche Erreger?

MRE bezeichnet multiresistente Erreger. Das bedeutet, dass verschiedene Antibiotika gegen diese Bakterien nicht mehr wirksam sind. Zu den bekanntesten gehört der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus MRSA.

Dabei handelt es sich um kugelförmige, Gram-positive Bakterien, die ihren Namen von ihrer traubenförmigen Zusammenlagerung erhalten haben (von griechisch Στάφυλος, Weinstock).

Staphylokokken sind normale Mitbewohner des Menschen, von denen verschiedenen Arten auf der Haut siedeln und normalerweise keine Probleme verursachen. Die meisten Staphylococcus aureus findet man beim Menschen im Kopfbereich, besonders in Nase, Rachen und am Haaransatz.

Auch die Art Staphylococcus aureus, der „goldene Staphylococcus“, findet sich bei etwa 20 Prozent aller Menschen dauerhaft, bei weiteren 20 Prozent zeitweise. Je nachdem welches Kollektiv man untersucht können bis zu 90 Prozent der Personen Keimträger sein.

Insbesondere gilt das für Mitarbeiter im Krankenhaus. Schon in der Frühzeit der Antibiotikabehandlung fanden sich Stämme von Staphylococcus aureus, die gegen Penicillin resistent geworden waren.

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Es dauerte auch nicht lange, bis das auch für die Nachfolger des originäre Penicillins, die Isoxazolpenicilline wie beispielsweise Methicillin galt. Diese Stämme bezeichnete man als Methicillin-resistente Staphylococcus aureus oder MRSA. Das Problem: Diese Resistenz gilt nicht nur für Penicillin und Methicillin, sondern für eine ganze Reihe weiterer hochwirksamer Antibiotika.

Die Gründe für solche Resistenzen sind sicherlich im großzügigen Umgang mit Antibiotika zu suchen. Vielfach gibt man sie in der Klinik bereits zur Prophylaxe. Aber auch der erhebliche Einsatz in der industriellen Landwirtschaft sorgt dafür, dass Resistenzen entstehen und sich in Windeseile unter Bakterien ausdehnen. Denn sie sind in der Lage, Resistenzgene mit anderen zu teilen, sogar mit völlig verschiedenen Arten.

Symptome von MRSA nach OP – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. MRSA bedeutet Methicillin-resistente Staphylococcus aureus. Das bedeutet, dass die normalen Hautbewohner gegen eine Vielzahl verschiedener Antibiotika unempfindlich sind.
  2. Die Symptome, die durch MRSA nach einer OP auftreten, sind deswegen besonders gefährlich, weil sie sich mit normaler antibiotischer Therapie kaum in den Griff bekommen lassen.
  3. Für die Auslösung von Symptomen reichen bereits kleine Hautoperationen aus.
  4. Am häufigsten treten durch MRSA nach einer OP schlecht heilende Wunden auf.
  5. Die Symptome durch MRSA umfassen kleinere lokale Wundinfekte bis hin zu tiefgehenden systemischen Infektionen mit Blutvergiftung und tödlichem Multiorganversagen.

 

Wieso treten MRSA nach OP so häufig auf?

MRSA werden in der Regel von infizierten auf nicht besiedelte Personen übertragen. Die Gefahr ist in einem Krankenhaus besonders hoch, denn hier treten die multiresistenten Keime besonders häufig auf. Sie sind wahre Überlebenskünstler und können außerhalb des menschlichen Körpers monatelang überleben.

Das macht der Krankenhaushygiene eine effektive Beseitigung besonders schwer. Befallene Patienten zeigen oftmals keinerlei Symptome, sodass es unmöglich ist, eine Besiedlung zu erkennen. Das Krankenhauspersonal gibt die Keime unwissentlich weiter. Besonders unzureichend sterilisiertes OP-Instrumentarium oder schlecht gereinigte Endoskope tragen zu solchen Übertragungen mit bei.

Eine Besiedlung erkennt man oft erst, wenn die Bakterien Unheil anrichten. Das ist insbesondere der Fall, wenn sie in den Körper eingeschleppt wurden. Offene Operationen bieten ein extrem günstiges Einfallstor, trotz aller Hygienemaßnahmen. Denn schon wenige Zellen etwa auf Staubpartikeln reichen aus, um eine Infektion hervorzurufen.

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Warum sind die Symptome eines Befalls mit MRSA nach OP besonders schlimm?

Viele der Symptome, die infolge einer Infektion mit MRSA nach einer OP auftreten, klingen medizinisch relativ harmlos.

Das Problem ist, dass man die Folgen nicht so leicht mit einer Antibiotikatherapie in den Griff bekommen kann wie sonst und das Immunsystem vieler Patienten geschwächt ist. Daher verbreiten sich die Bakterien oft ungehemmt weiter und führen zu weiteren Symptomen, die zusehens systemisch werden und den ganzen Körper betreffen. Zudem kehren die Infektionen häufig nach kurzer Zeit wieder.

Symptome einer Infektion mit MRSA nach OP

Die Symptome einer Infektion mit MRSA nach einer OP sind unterschiedlich, je nachdem wie tief die Erreger in den Körper eindringen.

Das reicht von oberflächlichen über tiefergehende, aber lokal begrenzten Effekten über systemische (den ganzen Körper betreffende) Infektionen bis hin zu den Wirkungen der Giftstoffe (Toxine) auf den menschlichen Körper.

MRSA nach OP: Symptome lokaler, oberflächlicher Infektionen

Die häufigste Folge von MRSA nach OP sind schlecht heilende Wunden. Sie schwellen stark an, bilden Eiter und wollen sich nicht schließen. Solche Wunden sollten unbedingt von einem Arzt untersucht werden, denn sie können als Ausgangspunkt weiterer Infektionen dienen.

Schon eine kleine oberflächliche Operation, etwa bei Entnahme von Hautstanzen, Beseitigung von Muttermalen oder Warzen oder Abszessspaltungen reichen aus, um MRSA in die Wunde gelangen zu lassen. Dann beginnt die Infektion mit scheinbar harmlosen Hautausschlägen nach einer OP. Ungleich gefährlicher sind große, tiefgehende Operationswunden.

Thorakotomie- Ablauf, Dauer, Durchführung
Minimal-invaste Operation Copyright: Master Video bigstockphoto

MRSA nach OP: Symptome lokaler, tiefergehender Infektionen

Operationen im Hals- und Rachenbereich führen dazu, dass sich die dort bereits ansässigen oder neu angesiedelten MRSA weiter ausbreiten. Dazu gehören die Entfernung von Nasenpolypen oder Operationen im Mundbereich, auch beim Zahnarzt wie eine einfache Zahnextraktion.

Dies führt zu Entzündungen der Nebenhöhlen (Sinusitis) und wegen der direkten Verbindung mit dem Mittelohr zu Mittelohrentzündungen (Otitis media). Ebenso kann die Lunge betroffen sein (Pneumonie). Auch an anderer Stelle führen Operationen zu einer Ausbreitung von MRSA, indem diese in die Blutbahn gelangen.

Mit dem Blut fortgeschwemmt besiedeln sie innere Organe. Dazu gehören die Hirnhäute und das Knochenmark, wo sich die Infektion als Meningitis beziehungsweise Osteomyelitis bemerkbar machen.

MSA nach OP: Symptome systemischer Infektionen

Bei einer solchen lokalen Infektion bleibt es oftmals nicht. Die Bakterien breiten sich weiter ungehemmt aus und führen an verschiedenen Stellen zu Entzündungen. Das gilt für die Gelenke (Arthritis) oder die Herzinnenhaut (Endokarditis).

Schlimmstenfalls kommt es zu einer Blutvergiftung (Sepsis), die aufgrund der beschränkten Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika mitunter tödlich verläuft.

MRSA nach OP: Symptome durch bakterielle Endotoxine

Glücklicherweise eher selten bei einem Befall mit MRSA nach OP ist das toxische Schocksyndrom (TSS). Dieses ist die Folge der von den Bakterien gebildeten Exotoxine. Sie verursachen Magen-Darm-Probleme, Hautausschläge, akut auftretendes hohes Fieber und abfallenden Blutdruck.

Letztlich kann es nach Versagen von Leber und Nieren zu einem Multiorganversagen kommen, das mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht.

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – Arbeitskreis „Krankenhaus- & Praxishygiene“ der AWMF:
    Maßnahmen beim Auftreten multiresistenter Erreger (MRE). PDF>>.
  2. Ernst Wiesmann, Fritz H. Kayser, Kurz A. Bienz, Johannes Eckert: Medizinische Mikrobiologie. 9. Auflage. Stuttgart 1997: Georg Thieme Verlag. ISBN-10: 3134448084.
  3. Christian Jassoy, Andreas Schwarzkopf: Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. 2. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme Verlag. ISBN-10: 3131361328.
  4. Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 6. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2017). ISBN-10: 3132410381.

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