Fakten zum Blutdruck zu verschiedenen Tageszeiten

Wer tagsüber mehrfach seinen Blutdruck kontrolliert, wundert sich bisweilen über stark schwankende Werte. Solche Schwankungen sind normal, denn der Blutdruck ändert sich mit den körperlichen Anforderungen und unter Stress und im Tagesverlauf.

Warum der Blutdruck abends höher ist und warum es gefährlich sein kann, wenn der Blutdruck abends und nachts nicht mehr heruntergeht, erklärt Ihnen Dr. Stephan im folgenden Artikel.
Bluthochdruck im Schlafen
Bluthochdruck im Schlaf Urheber: andreypopov / 123RF

Warum ist der Blutdruck abends höher? Das Wichtigste:

  1. Blutdruckschwankungen sind ganz normal, da sich die Herztätigkeit an den aktuellen körperlichen Anforderungen orientiert.
  2. Daneben schwankt der Blutdruck im Laufe des Tages auf natürliche Weise. Medizinisch spricht man von einem zirkadianen Rhythmus des Blutdruckes.
  3. Die höchsten Blutdruckwerte misst man morgens zwischen acht und neun und am späten Nachmittag und frühen Abend zwischen vier und sechs.
  4. Nachts ist der Blutdruck bei gesunden Menschen bis zu 20 Prozent niedriger als im Tagesdurchschnitt.
  5. Bei Bluthochdruck sinkt der Blutdruck abends und nachts nicht so stark ab oder steigt im Extremfall sogar über den Tagesmittelwert an.
  6. weiterlesen: Bluthochdruck im Schlaf – Schlechter Schlaf erhöhter Blutdruck!

Auf und ab: Blutdruck ist kein festgeschriebener Wert

Vielleicht haben Sie unsere Blutwertetabelle durchgesehen und sind dort auch auf den Referenzbereich des Blutdrucks gestoßen.

Angegeben wird der Normbereich in der Regel mit < 120/80 mmHg. Der „obere“ oder systolische Wert entspricht dem Blutdruck bei der Kontraktion (Systole) des Herzens. Erweitert sich das Herz bei der Diastole, ist er naturgemäß niedriger und liefert den „unteren“ diastolischen Wert.

Als klassische Maßangabe verwendet man noch immer den Druck einer Quecksilbersäule in Millimetern, wie er früher bei den ersten Manometern üblich war.

Dass der Blutdruck schnellen Schwankungen unterworfen sein kann, sieht man bereits an den Rahmenbedingungen einer Messung:

Der Patient muss mindestens fünf Minuten in Ruhe sein, bei der Blutdruckmessung aufrecht sitzen und die Messung muss auf Herzhöhe erfolgen. Eben erst über die Treppe im vierten Stock angekommen schnell mal im Stehen Blutdruck messen ergibt erschreckende Werte, die jedoch wenig Aussagekraft haben.

Ruhe ist ein wichtiger Punkt bei der Messung. Das vegetative Nervensystem fordert unter körperlicher Belastung mehr Herzleistung an, um den Sauerstoffbedarf decken zu können. Damit steigt der Blutdruck an.

Umgekehrt schaltet es die Pumpleistung des Herzens herunter, wenn Ruhe herrscht. Sorgte bei unseren Vorfahren der Säbelzahntiger für kurzfristigen Stress, sind heutzutage Chef und Kollegen oder die liebe Familie Faktoren für Dauerstress und dauerhaft hohen Blutdruck.

Zirkadianer Rhythmus: Blutdruckschwankungen im Laufe des Tages

Abgesehen von solchen kurzfristigen Anpassungen des Blutdruckes unterliegt dieser einer zirkadianen Rhythmik, schwankt also auf natürliche Weise im Laufe des Tages. Die Regulation erfolgt über das autonome Nervensystem ohne unseren willentlichen Einfluss.

Nachts ist der Blutdruck am niedrigsten, da wir in Ruhe schlafen und das Herz sozusagen im Standby-Modus arbeitet. Kurz vor dem Aufwachen steigt der Blutdruck bereits langsam an und erreicht ungefähr zwischen acht und neun Uhr morgens seinen ersten Höchstwert.

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Es sei denn, der Wecker klingelt bereits morgens um sechs – das ist ein künstlicher Stressfaktor, was die Fehde der meisten Mitmenschen mit dem morgendlichen Aufstehen erklärt.

Jedenfalls sorgt dieser plötzliche Stress für ein schnelles Ansteigen des Blutdruckes. Die berühmte Tasse Kaffee hilft, Weckerklingel-Stress-Blutdruck und natürlichen morgendlichen Blutdruckanstieg zu überbrücken.

Mittags fällt der Blutdruck wieder ab und ist zwischen zwölf und zwei Uhr nachmittags am niedrigsten. Nicht umsonst ist das andernorts die richtige Zeit für eine Siesta. Danach steigt der Blutdruck wieder, um zwischen 16 und 18 Uhr ein zweites Maximum zu erreichen.

Dass der Blutdruck am späten Nachmittag und frühen Abend relativ hoch ist, ist also vollkommen normal. Später sinkt er wieder ab und wir werden müde – Zeit für die Ruhephase in der Nacht. Durchschnittlich ist der Blutdruck hier etwa zehn bis zwanzig Prozent niedriger als in der Aktivitätsphase am Tag.

Diagnose von schwankendem Blutdruck mittels Langzeit-Blutdruckmessung

Genauere Aussagen über Blutdruckschwankungen und Bluthochdruck liefert die Langzeit-Blutdruckmessung. Hierzu misst man mit Blutdruckmanschette und Steuergerät den Blutdruckverlauf innerhalb von 24 Stunden halbstündlich am Tag und stündlich in der Nacht.

Damit kann man die auftretenden Schwankungen im Blutdruck wesentlich besser beurteilen als mit Einzelmessungen. Wichtig ist eine Langzeit-Blutdruckmessung vor allem bei Menschen, bei denen Verdacht auf fehlende Nachtabsenkung des Blutdruckes besteht.

Blutdruckwerte am Abend höher – und nachts keine Absenkung?

Bei gesunden Menschen ist der Blutdruck am frühen Abend höher als sonst und sinkt nachts um bis zu 20 Prozent ab. Diesen physiologischen Vorgang bezeichnet man medizinisch als Dipping.

Bei Non-Dippern ist der Wert geringer und der Blutdruck gleicht eher den Tageswerten. Auf Dauer schädigt ein solcher dauerhaft hoher Blutdruck die Gefäße und wird zum Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Noch extremer ist der Blutdruck bei Reverse-Dippern: Bei diesen ist der Blutdruck abends und in der Nacht höher als im Tagesverlauf. Hier liegt bereits eine weit fortgeschrittene Hypertonie vor, die man medikamentös nur noch schwer behandeln kann.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Shimbo D, Abdalla M, Falzon L, Townsend RR, Muntner P: Role of Ambulatory and Home Blood Pressure Monitoring in Clinical Practice: A Narrative Review. Ann Intern Med. 2015 Nov 3;163(9):691-700.
  • Piper MA, Evans CV, Burda BU, Margolis KL, O’Connor E, Smith N, Webber E, Perdue LA, Bigler KD, Whitlock EP: Rockville (MD): Screening for High Blood Pressure in Adults: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force [Internet]. Agency for Healthcare Research and Quality (US); 2014 Dec.
  • Piper MA, Evans CV, Burda BU, Margolis KL, O’Connor E, Whitlock EP: Diagnostic and predictive accuracy of blood pressure screening methods with consideration of rescreening intervals: a systematic review for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med. 2015 Feb 3;162(3):192-204.

weiterführend:

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