Wo und Wie wird bei einem Baby Blut abgenommen

Der Kinderarzt sieht Dich freundlich an und erklärt, dass er Deinem Baby jetzt Blut abnimmt. Dir wird flau im Magen und Du musst Dich erst mal setzen. Tut Blut abnehmen beim Baby nicht weh? Ist das überhaupt notwendig?

Was, wenn Dein Baby durch eine Blutabnahme für immer Angst vor Ärzten hat? Zum Glück ist die Punktion einer Vene für Dein Kind nicht so schlimm, wie Du es Dir vorstellst. Eltern können außerdem viel dazu beitragen, dass eine Blutentnahme zügig und komplikationslos durchgeführt werden kann.

Warum wird einem Baby Blut abgenommen wird

Das Leben ist kein Ponyhof und fängt gleich nach der Geburt oder in den ersten Tagen mit einer Blutentnahme an. Gab es bei der Entbindung Komplikationen, checkt der Kinderarzt im Blut, ob das Neugeborene Probleme mit der Sauerstoffversorgung hat oder hatte.

Verfärbt sich die Haut Deines Babys in den ersten Lebenstagen gelblich, hat es wahrscheinlich eine Neugeborenengelbsucht und das Blutbild sowie der Bilirubinwert werden kontrolliert.

Selbst wenn alles in schönster Ordnung ist, finden die Kinderärzte noch einen Grund zum Blut abnehmen beim Baby: das Stoffwechselscreening für alle Neugeborenen.

Wichtige behandelbare Erkrankungen sollen hier frühzeitig erkannt werden.

zum Thema Blut abnehmen beim Baby

  • Säuglinge haben im ersten Lebensjahr zwischen 400 und 800 ml Blut in ihrem Körper.
  • Bei einer Blutentnahme beschränkt sich der Kinderarzt auf wenige Milliliter Blut.
  • Festgehalten zu werden ist für die meisten Babys schlimmer als der Pieks.
  • Ruhige und entspannte Eltern wirken beruhigend auf ihr Kind.
  • Ablenkung, sowie der Einsatz von Betäubungspflastern, kann die Blutentnahme angenehmer gestalten.

Auch Babys werden krank

Im Laufe des ersten Lebensjahres beginnt Dein Baby, sein Immunsystem zu trainieren. Wird es dabei von Viren oder Bakterien übermannt, kann eine Blutentnahme notwendig sein, um die genaue Ursache für Fieber oder ähnliche Symptome herauszufinden.

Vielleicht hat Dein Säugling auch Durchfall und der Kinderarzt muss kontrollieren, wie es mit dem Wasser- und Elektrolythaushalt aussieht. Denke immer daran, dass kein Kinderarzt einem Baby ohne guten Grund in die Hand, den Arm oder den Kopf pieksen wird. Frage direkt nach, wenn Dir nicht klar ist, warum das Blut Deiner Tochter oder Deines Sohnes untersucht werden soll.

Wie der Kinderarzt einem Baby Blut abnimmt

Sicherlich interessiert Dich der technische Aspekt der Situation. Wie geht das Blut abnehmen beim Baby eigentlich vor sich? Bist Du gut informiert, fällt es Dir wesentlich leichter, im Untersuchungsraum stark für Dein Baby zu bleiben.

Den meisten Eltern fällt es schwer dabei zuzusehen, wie ein Fremder Ihrem Kind „weh tut“. Eine positive Einstellung überträgt sich aber auf das Baby und nach wenigen Minuten darfst Du es ja auch schon wieder trösten. Ein gut abgelenktes Kind braucht vielleicht gar nicht so viel Trost und findet die Blutentnahme lange nicht so schlimm wie Papa oder Mama.

Und es geht los!

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Ein wichtiger Punkt beim Blutabnehmen ist das Festhalten des Babys. Meist kümmert sich eine Krankenschwester oder ein Pfleger darum, dass der winzige Patient nicht wackelt und der Arzt schnell und präzise arbeiten kann.

Du entscheidest, ob Du dabei bleibst und Deinem Baby vielleicht während der Prozedur den Fuß streichelst oder ob Du lieber kurz vor die Tür gehst. Einem Säugling kannst Du ja noch nicht erklären, was los ist. Er ist einfach froh, wenn er hinterher wieder bei Papa oder Mama auf dem Arm ist.

Ein größeres Kind kannst Du auf den Schoß nehmen. Beim Baby geht das Blutabnehmen meistens besser auf der Untersuchungsliege oder auf dem Wickeltisch. Ärzte und Helfer sind geübt und machen das jeden Tag. Etwas Vertrauen hilft Dir und Deinem Baby in dieser Situation am besten weiter.

Wo der Kinderarzt das Blut abnimmt

Auch ein geübter Arzt wird in Ruhe die passende Vene für die Punktion suchen. Bei Babys sind Blutgefäße in folgenden Körperregionen üblich:

  1. auf dem Handrücken
  2. auf dem Fußrücken oder am Knöchel
  3. an der Stirn oder den Schläfen
  4. selten in der Armbeuge

Babyspeck kann die Blutentnahme manchmal sehr schwierig gestalten. Am Kopf herrscht häufig die beste Sicht auf die Blutgefäße und das Baby kann, zum Beispiel in ein Handtuch gewickelt, gut festgehalten werden. Blut abnehmen beim Baby tut an der Stirn nicht mehr weh als an der Hand. Keine Angst, der Kinderarzt kann Deinem Kind auch nicht „ins Gehirn stechen“.

Die feinen Blutgefäße liegen unter der Haut, oberhalb des stabilen Schädelknochens. Nach einer kurzen Desinfektion der Haut schiebt der Arzt eine dünne Kanüle vorsichtig in die Vene. Das Blut beginnt aus der Kanüle in ein Laborröhrchen zu tropfen oder es läuft durch einen dünnen Schlauch in ein Röhrchen.

Es wird kein Milliliter verschwendet. Bei Neugeborenen bricht der Mediziner manchmal sogar den Plastikkonus der Nadel ab, damit das Blut beim Abnehmen nicht gerinnt. Auch Kinderärzte möchten gerne beim ersten Versuch genügend Blut für alle notwendigen Untersuchungen gewinnen.

Kapillaren und Stauschläuche

Bei Neugeborenen wird das Blut häufig kapillär abgenommen. Das bedeutet, der Stich erfolgt nicht in eine Vene sondern seitlich in die Haut des angewärmten Fußes. Dort treten Blutstropfen hervor, die der Kinderarzt mit einer dünnen Glaskapillare aufsaugt. Der Stauschlauch, den Du aus der Erwachsenenmedizin kennst, kommt bei Babys nicht zum Einsatz.

Arzt oder Schwester stauen den kleinen Arm oder das Bein mit der Hand. Am Kopf füllen sich die Venen von selbst, wenn das Baby liegt.

Was ist, wenn es nicht klappt?

Einem Baby Blut abzunehmen ist nicht immer einfach. Ruhe ist das oberste Gebot und das gilt besonders für Dich. Klappt die Blutentnahme nicht wie geplant, muss der Kinderarzt vielleicht mehrmals stechen. Das ist nicht schön, aber es geht vorbei und Dein Baby wird kein Trauma davontragen, wenn es dieses Erlebnis nicht häufiger hat. Die meisten Säuglinge mögen es nicht, wenn sie festgehalten werden. Das ist schon ein Grund für lautes Protestgeschrei.

Dass dann noch ein kurzer Pieks dazukommt, tut Dir wahrscheinlich mehr weh als Deinem ohnehin schon aufgeregten Kind. Selbstverständlich kann der Kinderarzt ein Pause machen, wenn der eine oder andere Versuch daneben gegangen ist. Manchmal hilft es auch, wenn ein anderer Kollege übernimmt und sich die Situation erstmal entspannen kann.

Was es mit dem Zauberpflaster auf sich hat

Vielleicht hast Du schon einmal etwas vom EMLA-Pflaster gehört. Es enthält eine Creme, die die Haut oberflächlich betäuben kann. Älteren Kindern, die nach schlechten Erfahrungen Angst vor dem Pieks haben, kann mit diesem „Zauberpflaster“ etwas die Angst genommen werden. Bei Babys verzichten die meisten Kinderärzte lieber auf das Medikament. Säuglinge können alternativ etwas Zuckerlösung zur Schmerzreduktion erhalten.

Quellen:

  1. Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart
    2015
  2. stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009
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