Synkope: Was ist das? Welche Symptome treten auf?

Wenn jemand kurzfristig ohne erkennbaren Anlass vorübergehend ohnmächtig wird und von selbst wieder zu Bewusstsein kommt, bezeichnet man das in der Medizin als Synkope (Ohnmacht).

Ursache ist eine Minderdurchblutung des Gehirns. Wie es zu so einem erschreckenden Ereignis kommt, möchten wir Ihnen im Folgenden erläutern.

Differenzialdiagnostisch ist eine solche Synkope von der Ohnmacht infolge einer Unterzuckerung bei Diabetikern (Hypoglykämie), Sauerstoffmangel (Hypoxie) Austrocknung (Dehydrierung) oder Anfallsleiden wie der Epilepsie abzugrenzen.

Symptome der Ohnmacht
Synkope Symptome erkennen – Copyright: pixelaway bigstockphoto

Synkope Symptome: Definition

Den Begriff Synkope kennen die meisten eher aus der Musik, wo man damit das Ausfallen und zeitliche Verschieben eines Tones auf einen unbetonten Taktteil meint. Einen ähnlichen Ausfall meint auch die medizinische Synkope. Das Wort kommt aus dem Griechischen συνκοπή (synkopé) und bedeutet sinngemäß Ausstoßen. Andere Bezeichnungen sind Ohnmacht oder Kreislaufkollaps, neudeutsch auch gerne als Blackout bezeichnet.

Verschiedene Ursachen führen dazu, dass das gesamte Gehirn kurzfristig zu wenig durchblutet wird (globale zerebrale Minderperfusion). Sauerstoffmangel sorgt dafür, dass es vorübergehend seinen Dienst aufgibt und kurz darauf wieder aufnimmt, als sei nichts geschehen. Die durchschnittliche Dauer einer Synkope beläuft sich auf gerade mal zwölf Sekunden, spätestens nach einigen Minuten ist der Anfall vorüber.

Länger anhaltende, lokal begrenzte Durchblutungsstörungen (Ischämien) führen zum irreparablen Niedergang von Zellen, wie man es vom Schlaganfall (Apoplex) her kennt.

Bei solchen Schädigungen fehlt für mehrere Minuten der Sauerstoff – im Falle der Synkope dauert die Minderdurchblutung nicht so lange an, dass dadurch Hirnzellen nachhaltig geschädigt würden. Kennzeichnend für die Synkope ist zudem, dass Wiederbelebungsmaßnahmen wie Herzmassage oder Defibrillation für die Wiedererlangung des Bewusstseins nicht vonnöten sind.

Synkope Symptome: Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Als Synkope bezeichnet man medizinisch einen Bewusstseinsverlust, der plötzlich und unerwartet eintritt und innerhalb von Minuten ohne Wiederbelebungsmaßnahmen von selbst verschwindet.
  2. Grund hierfür ist eine vorübergehende Minderdurchblutung und damit Sauerstoffversorgung des gesamten Gehirns.
  3. Bisweilen treten im Vorfeld erste Warnzeichen wie Schwindel und beeinträchtige Sinne auf, die allerdings oft ignoriert werden.
  4. Die größte Gefahr bei einer Synkope sind Sturzverletzungen infolge der Ohnmacht, insbesondere bei älteren Patienten.
  5. In jedem Falle sollte man nach einem solchen Kreislaufkollaps die dahinter steckende Ursache ergründen, um eine Therapie der Grunderkrankung einzuleiten und schlimmere Folgen derselben zu verhindern.

 

Synkope Symptome vor und während der Ohnmacht

Das Vorstadium einer Synkope (Prodromalstadium) bezeichnet man als Präsynkope (einer Synkope vorausgehend). Viele Patienten beklagen sich im Vorfeld einer Synkope über Symptome wie Schwindel und Übelkeit. Vor allem der Gleichgewichtssinn ist beeinträchtigt. Das vegetative Nervensystem sorgt dafür, dass Schweißausbrüche und beschleunigte Atmung (Hyperventilation) hinzukommen.

Tritt der eigentliche Bewusstseinsverlust auf, führt die Minderdurchblutung des Mittelhirns zu rhythmischen Krämpfen und Muskelzuckungen in einzelnen Muskelpartien (konvulsive Synkope). Ist die Ursache noch nicht geklärt, spricht man medizinisch von einem vorübergehenden Bewusstseinsverlust (transient loss of consciousness, TLOC).

Häufigkeit der Synkope 

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Man rechnet in der Gesamtbevölkerung mit 18,1 – 39,7 Fällen von Synkopen im Jahr pro 1000 Einwohner. Sie treten bei Männern und Frauen etwa gleich häufig auf und häufen sich mit zunehmendem Alter. Häufigste Ursache ist ein nervöser Reflex (Reflexsynkope, neurokardiogene oder vasovagale Synkope) mit einem Drittel der Fälle. In selteneren Fällen ist eine verminderte Herzleistung (kardiale Synkope) oder ein Versacken des Blutes in den unteren Extremitäten beim Aufstehen (orthostatische Synkope) der Grund.

In 35 Prozent der Fälle wiederholt sich das Ereignis und bei 29 Prozent kommt es durch den Bewusstseinsverlust zu einem Sturzereignis mit Verletzungen. Immerhin sind Synkopen für drei bis fünf Prozent der Fälle verantwortlich, in denen Patienten die Notaufnahme aufsuchen müssen.

40 Prozent davon muss man wegen entsprechender Sturzverletzungen stationär aufnehmen. Vor allem ältere Menschen sind von Synkopen betroffen. Hier treten traumatische Verletzungen in 43 Prozent der Fälle auf.

Verlauf der Synkope Symptome:

Wie der weitere zeitliche Verlauf nach einer Synkope und ihrer Symptome aussieht, hängt vor allem von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Bei herzbedingten (kardialen) Gründen erreicht die jährliche Sterberate zwischen 18 und 33 Prozent, bei nicht-kardialen Ursachen maximal zwölf Prozent. Allein schon aus diesem Grund ist es wichtig, die Ursache für eine Synkope zu ergründen und eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Synkope Symptome: Wie geht es weiter?

Unmittelbare gesundheitliche Auswirkungen hat eine Synkope meistens nur dadurch, dass man der Betroffene durch den Bewusstseinsverlust stürzt und sich dadurch verletzt. Gerade ältere Menschen sind hierdurch gefährdet, vor allem wenn die Knochen infolge einer Osteoporose ohnehin zu Brüchen neigen. Entsprechende Wirbelverletzungen wie Sinterungsbrüche sind sehr schmerzhaft und langwierig.

Häufig bei Senioren ist insbesondere der Oberschenkelhalsbruch, der mit einer Teilendoprothese (TEP) operativ versorgt werden muss. Eine solcher chirurgischer Eingriff ist zwar mittlerweile eine Routineoperation, aber gerade bei Patienten mit bereits stark eingeschränktem Allgemeinzustand ist jede Operation mit höheren Risiken verbunden als bei jungen Menschen.

Auch in jüngeren Lebensaltern sollte man eine Synkope und ihre Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern als Warnsignal auffassen. Wenn eine kardiale Ursache wie Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie, Bradykardie, Tachykardie) oder Herzklappenstenosen, Kardiomyopathien und Arteriosklerose dahinter steckt, muss man die Ursache dringend behandeln, sonst drohen Herzinfarkte, Lungenembolien und Schlaganfälle durch Blutgerinnsel bis hin zum plötzlichen Herztod.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Helmut Roskamm, F.-J. Neumann, D. Kalusche, H.-P. Bestehorn: Herzkrankheiten: Pathophysiologie, Diagnostik, Therapie. 5. Auflage. Stuttgart 2004: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540401490.
  2. Ulrich Stierle: Klinikleitfaden Kardiologie. 6. Auflage. München 2017: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437222848.
  3. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  4. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  5. Numeroso F, Mossini G, Lippi G, Cervellin G: Role of emergency department observation units in the management of patients with unexplained syncope: a critical review and meta-analysis. Clin Exp Emerg Med. 2017 Dec 30;4(4):201-207. doi: 10.15441/ceem.17.231. eCollection 2017 Dec. Review
  6. da Silva RM: Syncope: epidemiology, etiology, and prognosis. Front Physiol. 2014 Dec 8;5:471. doi: 10.3389/fphys.2014.00471. eCollection 2014. Review.
  7. lboni P, Brignole M, Menozzi C, Raviele A, Del Rosso A, Dinelli M, Solano A, Bottoni N:Diagnostic value of history in patients with syncope with or without heart disease. J Am Coll Cardiol. 2001 Jun 1;37(7):1921-8
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