Rötlicher Urin – oft doch ganz harmlos

Ist der Urin nicht wie gewohnt hell- bis dunkelgelb sondern weist eine rötliche Färbung auf, gibt dies schnell Grund zur Sorge. Und das durchaus berechtigt. Rötlicher Urin deutet fast immer auf eine Erkrankung hin. Daher sollte das Symptom keineswegs abgetan sondern schnellstmöglich vom Arzt abgeklärt werden, um die zugrunde liegende Erkrankung bestmöglichen therapieren zu können.

Rötlicher Urin
Rötlicher Urin, Ursachen, Urheber: tomfotografeert / 123RF.com

Besonders bei sonstiger Beschwerdefreiheit und allgemeinem Wohlbefinden, ist es nicht nötig sofort in Panik zu verfallen, wenn der Urin eine Verfärbung aufweist. Manchmal ist die Ursache dafür harmlos und wurde über die Ernährung aufgenommen. Bestimmte Farbstoffe aus den Lebensmitteln sowie gewisse Medikamente, können dazu führen, dass sich rötlicher Urin zeigt.

 

Harmlose Ursachen von rötlichem Urin:
– Rote Bete
– Heidelbeeren
– Medikamente gegen Blutgerinnungsstörungen

Diese harmlosen Ursachen sorgen nur kurzfristig und meist kurz nach Aufnahme für eine Veränderung der Urinfarbe. Nach ein bis zwei Toilettengängen zeigt sich wieder die normale gelbe bis dunkelgelbe Färbung des Harns.

 

Wenn rötlicher Urin durch Krankheit ausgelöst wird

Zeigt sich rötlicher Urin bedeutet dies nicht sofort eine große Menge Blut. Bereits 1ml Blut kann einen Liter Urin sichtbar verfärben.
Dabei reicht die Schattierung des Harns von fleischfarben, rosa, hellrot bishin zu kräftigem Rot. Dabei spielt die Tönung jedoch keine Rolle. Wird Blut festgestellt sollte schnellstmöglich eine Absprache mit dem Arzt erfolgen, um mögliche Ursachen abzuklären und eine entsprechende Behandlung zu beginnen.

 

Erkrankungen, bei denen sich rötlicher Urin zeigt

Ursachen für Blut im Urin sind zumeist in den Regionen der Nieren, der Harnwege oder sonstigen umgebeneden Geweben zu finden. Dabei sind folgende Erkrankungen bekannt, die mit Hämaturie einhergehen:

  •  Bilharziose (trop. Infektionskrankheit)
  •  Zystitis (Blasenentzündung)
  •  Blasensteine
  •  Blasenkrebs
  •  Urethiasis (Harnröhrenentzündung)
  •  Nierenbeckenentzündung
  •  Nephitis (Nierenentzündung)
  •  Nephrolithiasis (Nierensteine)
  •  Nierenzellkrebs

Hinzu kommen bestimmte Erkrankungen, die rein geschlechtsspezifisch auftreten:

Rötlicher Urin bei Männern:

– Prostataentzündung
– Prostatakrebs

Rötlicher Urin bei Frauen:

– Endomechiose (Wucherungen von Gebärmuttergewebe in anderen Körperbereichen)

 

Zusätzlich können bestimmte genetische Erkrankungen als Ursachen benannt werden, diese sind:

– Lupus erythermatodes
– Systemerkrankungen (z.B. Wegener Granotomatose)

 

Neben diesen großen Ursachenfeldern tritt rötlicher Urin auch als Folge von schlecht eingestelltem Bluthochdruck oder Diabetes mellitus auf. Verletzungen durch Fremdkörper in den Harnwegen, wie beispielsweise dem Dauerkatheter, können ebenfalls zur Hämaturie führen. Diese verletzungsbasierte Blutbeimischung verschwindet jedoch innerhalb weniger Tage von allein.

 

Rötlicher Urin auch ohne Blut – Sonderfall Hämoglobinurie

Nicht jede Rotfärbung des Urins bedeutet, dass sich Blut im Harn befindet. Bei der Hämoglobinurie sind keine roten Blutkörperchen im Urin, sondern lediglich roter Blutfarbstoff, das Hämoglobin.
Auch bei dieser Form sind bestimmte Erkrankungen die Hautursache. Durch diesen Umstand ausgelöster rötlicher Urin findet sich meist bei:

  •  erblich bedingten Formen der Blutarmut
  •  bei einer Unverträglichkeit durch Bluttransfusion
  •  bestimmte Allergien
  • Autoimmunerkrankungen (sogenannte Wärme-/Kältehämoglobinurie)
  •  Porphyrie (eine angeborene Stoffwechselerkrankung)
  •  Hepatits
  •  „Marsch-Hämaturie“ (harmloses, kurzfristiges Auftreten von verfärbtem Urin durch hohe Anstrengungen, meist bei Soldaten und Extremläufern)

 

Das Signal beachten und einen Arzt hinzuziehen

Auch wenn das Auftreten von rötlichem Urin nicht zwingend eine schwere Erkrankung zur Usache haben muss, sollte das Warnzeichen nie ignoriert werden. Stattdessen ist es angebracht, schnellstmöglich beim Arzt vorstellig zu werden, um dem Grund entsprechend nachzugehen und ggf. Behandlungsschritte einzuleiten. Besonders bei Blasenkrebs ist die Verfärbung des Urins der einzige Hinweis auf die bestehende Erkrankung. Je eher daher ein Check-Up vom Arzt durchgeführt wird, desto besser sind die Heilungschancen bei einem positiven Befund.

Wird beim Arzt rötlicher Urin als Grund des Besuchs genannt, wird zunächst mittels geeigneten Streifen ein Test durchführt. Gibt dieser eine positive Reaktion auf Blut oder Hämoglobin aus, werden weitere Urin- und Bluttests eingeleitet.
Zusätzlich kommen optische Diagnosehilfsmittel zum Einsatz. Diese sind vorranging die Blasenspiegelung und ein MRT. Die Spiegelung der Blase lässt Entzündungen, Verletzungen oder andere Abnormalitäten erkennen. Das MRT gibt zudem Aufschluss über den Zustand der Nieren und Harnleiter. Beim Mann kann auf diesem Wege zusätzlich die Prostata geprüft werden, um diese als Ursache ausschließen oder erfassen zu können.
Wurden Strukturveränderungen bei den Untersuchungsmethoden festgestellt, wird zusäzlich eine Biopsie durchgeführt. Anhand dieser Gewebeprobe lässt sich beispielsweise ermitteln, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist und sich die Behandlung entsprechend anpassen.

 

Ein häufiges Phänomen: rötlicher Urin bei Sportlern

Sport ist gesund. Dies steht auch bei diesem Phänomen außer Frage. Dennoch kommt es besonders bei extremen Belastungen im Sportbereich, gehäuft bei Läufern, zu einer kurzzeitigen Verfärbung des Harns. Dies ist auf kleinste Verletzungen durch Stoß- und Federbewegungen beim Sport zurückzuführen und als harmlos einzustufen. Dennoch sollte man auch hier auf seinen Körper hören und das Signal beachten. Gegebenenfalls sollte der Sport auf ein weniger intensives Level reduziert werden. Rötlicher Urin kann hier also als Symptom für körperliche Überlastung angesehen werden.

 

Prophylaxe und Therapie

Das beste gegen verfärbten Urin ist, mögliche Ursachen schon im Vorfeld zu minimieren. Durch gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und genügend Flüssigkeit, wird der Körper gesund und leistungsfähig gehalten. Dies bezieht sich natürlich auch auf die Nieren. Sollte Bluthochdruck und/oder Diabetes mellitus bestehen ist hier regelmäßige Kontrolle und gute Einstellung der Werte zu beachten. Je besser die Einstellung von Blutzucker und Blutdruck sind, desto besser für Nieren und Harnwege. Besonders dauerhaft hohe Blutzuckerwerte führen zu Schäden, da kleine Zuckerkristalle zu Verletzungen und Dauerreizungen im Harnsystem führen.
Bei Bluthochdruck spielt vor allem der Faktor Stress eine entscheidende Rolle. Daher sollte auf ein gutes Stressmamagement mit genügend Freiraum für Entspannung geachtet werden.

Frauen, die Probleme mit immer wiederkehrenden Blasenentzündungen haben, leiden auch häufig unter sichtbaren Blutbeimengungen im Urin. Um dieser Erkrankung vorzubeugen sollte vor allem das Sitzen auf kalten Flächen vermieden werden. Durch den kürzeren Harnleiter ist zudem ein höheres Risiko für Infekte zu verzeichnen. Rötlicher Urin und Schmerzen kann durch eine optimierte Intimpflege vermieden werden.

 

Quellen:
Herold: Innere Medizin, Köln G. Herold 2018
Blood in urine, http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/blood-in-urine/basics/definition/CON-20032338

⏲ Letzte Aktualisierung am von Dr. rer. medic. Harald Stephan

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