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Der IgE-Wert im Blutbild  (Immunglobulin-E)

Die Langform des IgE-Blutwertes lautet Immunglobulin E. Dabei handelt es sich um Protein (Eiweiße), die der menschliche Körper dazu verwendet, fremde Stoffe wie Parasiten abzuwehren. Mediziner nennen diese IgE-Antikörper. Sie gehören zu der Immunglobulin-Familie mit weiteren Vertretern wie IgG, IgM, IgA und IgD. Alle Immunglobuline arbeiten hochspezifisch und binden jeweils unterschiedliche Antigene eines Fremdkörpers. Der IgE-Wert im Blut spielt eine herausragende Rolle bei der Entstehung von Allergien. Nachfolgend erfahren Sie alles zu diesem Immunglobulin und welche Auswirkungen zu hohe oder zu niedrige Werte bei der Untersuchung hervorrufen.

Menschliche Zellen, IgE-Werte
Menschliche Zellen auf grünem Hintergrund. Leben und Biologie, Medizin wissenschaftliches Konzept mit Fokus-Effekt, 3D-Rendering
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Bedeutung des IgE-Wert im Blut

Bei Immunglobulin E handelt es sich um ein hochspezifisches Eiweiß oder einen Antikörper, der die körperliche Abwehr unterstützt. Gemeinsam mit den weißen Blutkörperchen und den Mastzellen bekämpfen diese Fremdstoffe in Ihrem Blut.

Die Bildung des IgE erfolgt in den Zellen des Plasmas. Dabei handelt es ich um weiße Blutkörperchen. Nach deren Entstehung verbinden sich viele Moleküle des Immunglobulins E mit den Mastzellen. Dort haften sie an der Oberfläche. Erkennt der Körper Fremdstoffe in seinem Blut, entsteht eine Verbindung zwischen den Antigenen und dem IgE. Dadurch setzen die Mastzellen den Abwehrstoff Histamin frei. Durch die entstandene Antigen-Antikörper-Verbindung löst der Körper weitere Vorgänge zur Abwehr der Erreger oder Fremdstoffe aus. Ebenso wehren die Stoffe Parasiten ab.

Zelluntersuchung
Zelluntersuchung unter dem Mikroskop im Labor Copyright: trans961, Bigstockphoto

 

Wie entstehen Allergien?

Richten sich die Immunglobuline E gegen harmlose Antigene, entstehen in Verbindung mit den Killer- oder Mastzellen allergische Reaktionen. Richten sich die IgE beispielsweise gegen Pollen von Gräsern, Bäumen und Blüten lösen sie als Wechselwirkung Heuschnupfen aus.

Das IgE kommt im Körper nur zu 0,1 Prozent vor. Der Anteil ist wesentlich geringer als der der anderen Immunglobuline M, D, G und A. Trotz der geringen Konzentration bereiten sie große Probleme. Sie verursachen teilweise schwere Allergien. Da die Mastzellen massenweise Histamin ausschütten, um die Erreger zu bekämpfen, reichern sich diese im Übermaß im Blut an. Sie führen schlimmstenfalls zu einem allergischen Schock.

 

Normen für den IgE-Wert im Blut

Als Richtwert für Erwachsene gilt eine Konzentration von unter 100 U/ml im Serum als normal. Kinder und Babys weisen wesentlich geringere Werte auf. Bei Babys liegt der Wert bei unter 10 U/ml, bei Kinder bis drei Jahren bei unter 50 U/ml. Der Mediziner bestimmt die IgE-Klassen für verschiedene Erreger wie Hausstaub oder Blütenpollen mit einem sogenannten Enzymimmunoassay (EIA).

 

Wann spricht man von einem erhöhten IgE-Wert

Bei atopischen Erkrankungen steigt der Wert oftmals an. Dabei handelt es sich um allergische Reaktionen an Schleimhäuten und Haut, die genetischen Veranlagungen unterliegen. Dadurch entstehen Ekzeme und Heuschnupfen. Atopische Erkrankungen bestehen optional ebenso bei normalem IgE-Wert im Blut.

Die Erhöhung des IgE-Wert weist auf einzelne Allergene hin. Ebenso deuten sie auf einen Befall mit Parasiten hin oder seltener auf ein bösartiges IgE-Plasmozytom. Es verursacht die erhöhte Produktion von Plasmazellen, die Immunglobuline E herstellen. Zu viel IgE verursacht Neurodermitis, allergisches Asthma und verschiedene Pollenallergien. Eine Erhöhung besteht ebenso bei T-Zell-Defektsyndromen, Sarkoidose, einem systemischen Lupus erythematodes oder einer HIV-Infektion.

 

Worauf deuten zu niedrige IgE-Werte hin?

Niedrige Blutwerte deuten darauf hin, dass weder eine Allergie noch ein Parasitenbefall besteht. Fehlt das IgE komplett oder tritt nur eine geringe Konzentration auf, besteht in seltenen Fällen die Möglichkeit, dass Sie an einem angeborenen Immundefekt oder an einer Knochenmarkserkrankung leiden. Diese erkennt der Mediziner dadurch, dass die weiteren Immunglobine G, D, M und A ebenfalls in niedriger Konzentration oder gar nicht auftreten. Ebenso deutet ein niedriger Wert auf eine Nierenerkrankung oder eine gestörte Produktion des Immunglobulins hin.

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Fazit zum IgE-Wert im Blut

Der Marker eignet sich, um verschiedene Allergene im Körper zu identifizieren, die eine Allergie oder einen Parasitenbefall auslösen. Ein Enzymimmunoassay beim Hautarzt gibt Aufschluss darüber, welche Stoffe eine Allergie bei Ihnen auslösten. In der Regel verschreibt der Arzt Medikamente, die die Entstehung des Histamins beispielsweise bei einer Pollenallergie unterdrücken, um Sie schnelle von ihren Beschwerden zu befreien. Bei anderen Auslösern bietet es sich an, diese zu meiden, um Allergien langfristig auszuschließen.

Eine Hypersensibilisierung hilft ebenfalls bei spezifischen Ursachen für die Haut- und Schleimhautreaktion. Bei der Therapie von Asthma erzielten Forscher um Henry Milgram bereits 1999 gute Ergebnisse mit Anti-IgE-Antikörpern. Nachzulesen in der Studie „Treatment of Allergic Asthma with Monoclonal Anti-IgE Antibody“. Die Anti-IgE-Antikörper bewährten sich ebenso in der Therapie von Allergien.

Weitere Informationen zur Immunglobulin-Familie mit weiteren Vertretern wie IgG, IgM, IgA und IgD

Quellen:

Henry Milgrom, M.D. et. Al (1999): Treatment of Allergic Asthma with Monoclonal Anti-IgE Antibody. In: N Engl J Med 1999; 341:1966-1973 December 23, 1999 DOI: 10.1056/NEJM199912233412603, URL: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM199912233412603#t=article

www.aerzteblatt.de/archiv/22534/Therapie-mit-Anti-IgE-Antikoerper-Trendwende-bei-Allergie-und-Asthma

 

Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.