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Blutwerte immer regelmäßig kontrollieren?

Die regelmäßige Kontrolle der Werte macht nur Sinn, wenn man an einer chronischen Krankheit leidet, zu einer Risikogruppe gehört oder unter Therapie steht. Als Gesunder Mensch jeden Monat zum Arzt zu rennen und diesen oder jenen Blutwert überprüfen zu lassen ist absoluter Humbug, auch wenn manche „Gesundheitsseiten“ dafür laut Reklame machen. Gerade bei chronischen Erkrankungen oder zur Verlaufskontrolle sind regelmäßige Blutuntersuchungen dringend notwendig.

BlutwerteAuf was der Arzt da schaut, ist von Fall zu Fall völlig unterschiedlich. Daher wollen wir Ihnen hier mit einigen wichtigen Beispielen nur einen Eindruck über die Bedeutung regelmäßiger Überprüfungen verschaffen.

Welchen Wert haben Blutuntersuchungen?

Die Untersuchung des Blutes ist mit die einfachste, schnellste und kostengünstigste Überprüfung einer Vielzahl von Gesundheitsparametern. Mit einigen Röhrchen Blut aus der Armvene eines Patienten kann ein Labor eine Vielzahl von Butwerten bestimmen, die Auskunft über die Zusammensetzung der Blutkörperchen, Entzündungszeichen, Leberwerte, Nierenwerte, Allergien und vieles andere geben. Großes und kleines Blutbild sowie weitere Untersuchungen dienen oftmals als erster Hinweis auf eine Erkrankung und ermöglichen weitergehende Maßnahmen, mit den sich ein ärztlicher Verdacht abklären lässt.

Wichtig sind solche Blutuntersuchungen

  1. für die Erstdiagnose von Krankheiten,
  2. für die Kontrolle relevanter Parameter bei chronischen Erkrankungen,
  3. zur Gesundheitskontrolle bei Patienten mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko,
  4. zur Verlaufskontrolle einer Behandlung.

Für „regelmäßige“ Blutuntersuchungen kommen naturgemäß die drei letzten Punkte infrage.

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Blutwerte geben schnell und einfach Auskunft über eine Vielzahl von Parametern der Gesundheit und dienen als erster wichtiger Hinweis auf Erkrankungen.
  2. Neben der Erkennung akuter Krankheiten sind sie wertvoll für die Beurteilung des Krankheitsverlaufes bei chronischen Formen.
  3. Ebenso sind regelmäßige Blutuntersuchungen wichtig für die Verlaufskontrolle einer Behandlung.
  4. Welche Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden sollten, hängt von Risikofaktoren, der Art der Erkrankung und maßgeblichen Faktoren wie dem Alter ab.
  5. Alle medizinisch notwendigen Blutuntersuchungen werden von den Krankenkassen übernommen.

1. Blutwerte regelmäßig kontrollieren bei Diabetes

Diabetes bedeutet dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, die zu zahlreichen Organschädigungen führen. Dazu gehören auch die Blutgefäße, die mit Arteriosklerose reagieren und so für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall prädisponieren. Daher ist die Einstellung und die Kontrolle des Blutzuckers wichtig für die Gesundheit.

Insulin-pflichtige Diabetiker wie auch Patienten, die noch mit Tabletten wie Metformin auskommen, sollten daher regelmäßig ihren Blutzuckerwert kontrollieren oder überprüfen lassen. Dank der modernen Teststreifen ist die Messung der Blutglukose vor und nach dem Essen kein Problem.

Auch der Hausarzt oder Diabetologe wird den aktuellen Blutzucker mindestens vierteljährlich überprüfen. Noch wichtiger als der aktuelle Nüchternzucker ist bei diesen Untersuchungen der Langzeit-Blutzucker oder HbA1c. Je mehr Glukose im Umlauf ist, desto mehr davon lagert sich an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen an. Da diese nur eine begrenzte Lebenszeit haben, verrät der HbA1c-Wert, wie der durchschnittliche Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten aussah.

Diese Blutwerte verraten dem Arzt, wie gut die Therapie anschlägt und ob gegebenenfalls eine andere Medikation oder sogar Insulin erforderlich werden.

Ebenso wird sich der Arzt die Blutfettwerte und das Cholesterin näher ansehen, denn diese drohen bei Diabetikern wie auch Bluthochdruckpatienten zu entgleisen.

2. Bei Bluthochdruck müssen die Blutwerte im Blick bleiben

Steigt der Blutdruck im Ruhezustand dauerhaft über 120/80 mmHg, spricht man von Bluthochdruck oder Hypertonie. Meistens ist die Ursache unbekannt, was ihm zudem die Bezeichnung „essenziell“ einbringt.

Nimmt ein Bluthochdruckpatient Tabletten gegen seine Hypertonie, muss nicht nur der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden. Neben Langzeit-Blutdruckmessung spielen auch verschiedene Blutuntersuchungen eine wichtige Rolle, um einen möglichen Fortschritt der Erkrankung rechtzeitig feststellen zu können.

Dazu gehören – wieder einmal – der Blutzucker und der Langzeit-Blutzucker. Denn ein Übel kommt selten allein: Bluthochdruck und Zuckerkrankheit treten häufig gemeinsam auf und sind erste Anzeichen auf einen entgleisenden Stoffwechsel. Bedingt wird dieser besonders häufig durch Übergewicht.

3. Übergewicht und Fettleibigkeit

Hinzu kommen entgleisende Blutfette, bei denen die Triglyceride, Gesamt-Cholesterin sowie Lipoproteine wie HDL und LDL verändert sind. Ebenfalls häufig erhöhte Harnsäurespiegel sind nur vorübergehend und lassen sich oftmals eher mit der typischen Symptomatik eines Gichtanfalles denn mit Hyperurikämie im Blut feststellen.

Das „tödliche Quartett“ aus Adipositas, Diabetes, Hypertonie und Hypercholesterinämie/Hyperlipidämie bezeichnet man als metabolisches Syndrom. Es führt zu einem hohen Risiko für Arteriosklerose, die in Form von Schlaganfällen und Herzinfarkten als Killer Nummer Eins in der westlichen Welt gilt. Daher muss man bei jeder dieser Erkankungen die entsprechenden Blutwerte regelmäßig kontrollieren, um rechtzeitig erkennen zu können, ob eine weitere Ungemach des tödlichen Quartetts mit ins Boot gekommen ist.

4. Osteoporose zwingt zur regelmäßigen Kontrolle des Blutes

Besonders Frauen nach der Menopause leiden an Knochenschwund (Osteoporose). Zunehmender Calciumverlust in der Knochensubstanz macht diese brüchig und steigert das Risiko von Brüchen. In vielen Fällen ist daran ein Vitamin D-Mangel schuld, der mangels Sonneneinstrahlung besonders bei älteren, pflegebedürftigen und bettlägerigen Patienten oder bei Schichtarbeitern auftritt.

Hier kann neben der Knochendichtemessung eine Supplementierung mit Vitamin D-Präparaten sinnvoll sein. Zuvor sollte jedoch der Calcium-Spiegel und gegebenenfalls der Vitamin D-Spiegel im Blut gemessen werden. Der Calciumspiegel ist wichtig, da Vitamin D bei zu geringen Calciumwerten den Knochen sogar noch weiter angreift. Bei gesunden Menschen, die sich normal ernähren und viel in die Sonne kommen, sind Messung und Supplementierung von Vitamin D unnötig.

5. Krebserkrankungen & Vorsorge werden durch Blutwerte Kontrollen übewacht

Als Todesursache streiten Krebserkrankungen zusehends mit dem metabolischen Syndrom um den Spitzenplatz. Besonders bei Personen mit bekannter genetischer Prädisposition in der Familie helfen regelmäßige Untersuchungen das Auftreten eines Tumors rechtzeitig zu erkennen. Im Idealfall stehen Tumormarker zur Verfügung, deren Ansteigen im Blut auf den möglichen Beginn der Erkrankung hinweist. Leider ist deren Spezifität und Sensitivität oftmals beschränkt, sodass den klassischen Untersuchungsverfahren wie Bildgebung mehr Bedeutung zukommt.

Umso wichtiger sind solche Tumormarker in der Verlaufskontrolle nach Bestrahlung oder Chemotherapie. Beispiel Prostata-spezifisches Antigen (PSA): Zur Beurteilung, ob ein Karzinom vorliegt oder nicht ist es nur begrenzt geeignet. Umso wichtiger ist der Blutwert in der Kontrolle nach radikaler Prostatektomie. Ist die Vorsteherdrüse vollständig entfernt, sollte man kein PSA mehr nachweisen können. Steigt der Wert plötzlich doch wieder an, sind irgendwo wieder Zellen nachgewachsen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Alle Blutwerte Übersicht
  • Rainer Klinge, Stefan Silbernagl: Lehrbuch der Physiologie. Stuttgart 2005: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3137960045.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Marlies Michl: BASICS Hämatologie. 4. Auflage. München 2016: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  • Rolf Mahlberg, Annette Gilles, Anita Läsch:Hämatologie: Theorie und Praxis für medizinische Assistenzberufe. 3. Auflage. Hoboeken 2014: Wiley-Blackwell Verlag. ISBN-10: 3527334688.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.