Harnsäurewerte – erhöhte und niedrige Werte

Harnsäurewerte: Ober- und Untergrenzen sowie Folgen einer Hyperurikämie

Am Ende des Purin-Stoffwechsels entsteht das Abbauprodukt Harnsäure. Der chemische Begriff dafür lautet Trihydroxypurin. Die als gesund eingestuften (norm) Harnsäurewerte bewegen sich bei der Frau im Bereich von 2,3 bis 6,1 Milligramm pro Deziliter Blut. Bei Männern erhöht sich das Spektrum auf 3,6 bis 8,2 Milligramm pro Deziliter. Den Großteil der Harnsäure scheidet der Körper über die Nieren aus.

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Urin-Tests | © Björn Wylezich – Fotolia.com

 

Liegt die über die Blutprobe gemessene Harnsäure-Konzentration außerhalb der genannten Grenzen, drohen gesundheitliche Probleme. Zu niedrige Werte deuten auf einen gestörten Purin-Stoffwechsel oder auf Erkrankungen der Leber hin. Als relevanter aus medizinischer Sicht gelten erhöhte Messwerte der Harnsäure. In diesem Fall kristallisiert das Trihydroxypurin aus und lagert sich in den Gelenken ab, woraufhin die Gefahr von Gichtanfällen und Nierensteinen besteht.

 

Überhöhte Harnsäurewerte aufgrund einer primären oder sekundären Hyperurikämie

Normalerweise halten sich die Produktion von Harnsäure und die Ausscheidung der Substanz im Gleichgewicht. Die Harnsäurewerte bewegen sich in diesem Fall innerhalb der vom Bundesverband Deutscher Internisten e. V. vorgegebenen Referenz-Bereichen. Überschreitet die im Labor ermittelte Harnsäure-Konzentration die Obergrenze, liegt eine Hyperurikämie vor.

Entsteht der Überschuss aufgrund erblicher Veranlagungen, sprechen Ärzte von einer primären Hyperurikämie. Dagegen stellt die sekundäre Hyperurikämie die Folge einer anderen Erkrankung dar. Bei einem zu hohen Anteil im Blut übersteigt Harnsäure seine Löslichkeits-Grenze. Es entstehen Urat-Kristalle, die sich in den Gelenken und der Niere ablagern. In dessen Folge leidet der Patient unter Nierensteinen oder Gicht-Anfällen.

 

Harnsäure als Abbau-Produkt des Purin-Stoffwechsels

Die Erb-Informationen in jeder Zelle des Körpers sowie die Nahrung enthalten Purine. Im Rahmen des Purin-Stoffwechsels findet ein Abbau der besagten Substanz statt. In Folge einer Xanthinoxidase katalysierten Reaktion aus Hypoxanthin produziert der Körper die Harnsäure (Urat) als Abbau-Produkt und scheidet diese anschließend aus.

Hierbei spielen die Nieren eine entscheidende Rolle. Rund 75 Prozent der Trioxypurin-Ausscheidung läuft über die Nieren ab. Die verbleibenden 25 Prozent entfallen auf den Darm, den Speichel und den Schweiß. Der Transport der Harnsäure zu den Nieren sowie zum Darm erfolgt über die Blutbahnen. Daher existiert die Möglichkeit, über eine Blutprobe die Harnsäure-Konzentration zu ermitteln. Bei optimalen Werten halten sich die abgebauten Purine und die ausgeschiedenen Substanzen im Gleichgewicht.

 

Referenzbereiche der Harnsäurewerte

Der Bundesverband Deutscher Internisten e. V. gibt Referenzbereiche für die Harnsäurewerte an. Die normalen, als gesund eingestuften, Werte liegen jeweils zwischen einer Unter- und Obergrenze. Sie unterscheiden sich bei Frauen und Männern. Diesbezüglich gelten die folgenden Angaben:

  • Beim männlichen Geschlecht liegt die Untergrenze bei 3,6 mg/dl, die Obergrenze bei 8,2 mg/dl.
  • Bei Frauen gibt der Bundesverband Deutscher Internisten e. V. einen Bereich zwischen 2,3 und 6,1 mg/dl an.

Die für die Werte verwendeten Kürzel mg/dl stehen für die Einheit Milligramm pro Deziliter.

 

Ursachen Niedriger Harnsäurewerte

Mitunter diagnostizieren Ärzte im Zuge der Blut-Untersuchung von den Referenz-Angaben abweichende Werte. Bei zu geringen oder zu erhöhten Ergebnissen kommen unterschiedliche Ursachen in Frage. Erniedrigte Werte deuten auf eine Erkrankung der Leber hin. Alternativ besteht die Option eines gestörten Purin-Stoffwechsels. Der zugehörige Fachbegriff lautet Xanthinurie.

 

Ursachen Erhöhter Harnsäurewerte

Erhöhte Urat-Werte führen zu einer Hyperurikämie

Zu hohe Harnsäurewerte stellen keine Seltenheit dar. In den westlichen Industrieländern weisen rund 20 Prozent der Männer einen oberhalb der Grenzen liegenden Blutwert auf. Frauen neigen in der Regel erst nach den Wechseljahren zu überdurchschnittlich hohen Werten. Der medizinische Fachbegriff für eine Akkumulation von Urat im Blut lautet Hyperurikämie.

Liegen gesunde Werte der Harnsäure vor, befindet sich das Urat trotz schlechter Wasser-Löslichkeit in einem flüssigen Zustand. Auf diese Weise wirkt Urat antioxidativ und übernimmt dadurch eine schützende Funktion für die Blutgefäße. Steht die Harnsäure-Produktion im Ungleichgewicht mit der Ausscheidung, überschreitet die Substanz die Löslichkeits-Grenze und sie kristallisiert aus. Es entstehen sogenannte Urat-Kristalle. Die kristallisierte Harnsäure bleibt im Körper und lagert sich bevorzugt an den Gelenken und in der Niere ab.

 

Folgen einer zu hohen Harnsäure-Konzentration im Blut

In dessen Folge bilden sich möglicherweise Nierensteine aus und es kommt zu Entzündungen der Nieren. Zudem existiert mit der Gicht eine bekannte Krankheit, die in Zusammenhang mit einer erhöhten Harnsäure-Konzentration im Blut steht. An den Gelenken drohen angesichts der abgelagerten Kristalle Gicht-Anfälle. Letzteres betrifft insbesondere die Gelenke an den Zehen und Fingern. Das Immunsystem identifiziert die kristallisierte Harnsäure als Fremdkörper und greift sie an. Das verursacht beim Patienten starke Schmerzen während den Gicht-Anfällen. Langfristig drohen durch die Ablagerungen der Harnsäure Funktions-Störungen und Verformungen an den Gelenken.

 

Primäre und sekundäre Hyperurikämie

Ärzte differenzieren bei der Erhöhung der Harnsäure-Konzentration zwischen der primären und der sekundären Form. Als primäre Hyperurikämie klassifiziert die Medizin angeborene Beeinträchtigungen beim Abbau von Purin. Die erhöhten Werte von Urat im Blut gehen auf Defekte von Enzymen zurück.

Dagegen tritt die sekundäre Hyperurikämie als Folge einer anderen Krankheit oder aufgrund einer bestimmten Medikamenten-Einnahme auf. Dabei verursacht entweder eine reduzierte renale Ausscheidung der Harnsäure oder eine gesteigerte Urat-Produktion die Hyperurikämie.

 

Mögliche Ursachen der Hyperurikämie

Scheidet der Körper die als Blasensteinsäure bekannte Harnsäure nicht im erforderlichen Ausmaß über die Nieren aus, kommen mehrere Gründe infrage. Dementsprechend gelten tubuläre Erkrankungen an den Nieren oder eine Nierenschwäche als potenzielle Ursache für die auffälligen Werte. Dasselbe gilt für einen intensiven Alkohol-Konsum. Medikamente mit einer entwässernden Wirkung und das Bartter-Syndrom führen ebenfalls zu einem Anstieg der Werte.

Eine gesteigerte Blasensteinsäure-Produktion tritt bei einem vermehrten Zellumsatz ein, da der Körper mehr Purin freisetzt. Eine erhöhte Synthese des Stoffes wirkt sich ebenfalls in einem ansteigenden Wert der Trioxypurin-Konzentration aus. Die Medizin kennt verschiedene potenzielle Ursachen:

  • Behandlung eines Tumors mit Zytostatika,
  • Leukämie (chronisch myeloisch),
  • Glykogen-Speicherkrankheit vom Typ eins,
  • Polyzythämie.

Die sich in akuten Gicht-Anfällen, einer chronischen Gicht oder in Form von Nieren-Erkrankungen zeigende Hyperurikämie erfordert therapeutische Maßnahmen, um den Harnsäure-Spiegel im Blut zu senken. Das erreichen Patienten durch eine purinarme Kost und durch eine Reduktion oder den Verzicht des Konsums alkoholischer Getränke. Diagnostiziert der Mediziner stark erhöhte Werte der Harnsäure, empfiehlt sich eine auf Medikamenten basierende Behandlung. Hierbei kommen Urikostatika oder Urikosurika zum Einsatz.

 

Kontrolle der Harnsäurewerte

Bei Gicht-Patienten besteht Bedarf an einer regelmäßigen Überprüfung des Wertes der Harnsäure. Die erste und zuverlässigste Option stellt die Überwachung der Blutwerte in einem Labor dar. Die benötigte Probe entnimmt der zuständige Hausarzt. Einige Apotheken bieten den Service an, ausgewählte Laborwerte zu bestimmen. Dazu gehört neben dem Blutzucker die Harnsäure-Konzentration.

Darüber hinaus vertreiben die Hersteller medizinischer Geräte Produkte, mit denen Patienten selbst ihren Harnsäurewert messen. Hierbei gibt der Nutzer einen Tropfen seines Blutes auf einen Teststreifen. Daraufhin ermittelt das Gerät den enthaltenen Urat-Anteil.

 

 

weiterführend:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=35638

http://www.medizinfo.de/labormedizin/elektrolyte/harnsaeure.shtml

https://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/hinweise/naehrstoffe/purine.htm

 


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