Was ist ein Androloge – was macht die Andrologie

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Die Andrologie ist der Zweig der Medizin, der sich mit Störungen der Fortpflanzungsfunktionen des Mannes beschäftigt, ein Androloge ein Facharzt dieser Fachrichtung. Häufig umschreibt man das Gebiet auch als „Männergesundheit„, ähnlich wie die „Frauengesundheit“ beim Gynäkologen untersucht und behandelt wird.Was macht ein Urologe? » Was behandelt die Urologie?

Woher kommen die Begriffe Andrologie und Androloge?

Andrologie und Androloge leiten sich vom Genitiv des griechischen Wortes für Mann, ἀνδρός andros und λόγος logos, die Lehre von… ab. Sie befassen sich mit den Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane und damit der Fortpflanzung des Mannes. Damit hat das Arbeitsgebiet sein Pendant in Gynäkologie und Gynäkologe bei der Frau.

Der Androloge – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Andrologen sind Fortpflanzungsmediziner, die sich auf Erkrankungen der Sexualfunktion des Mannes spezialisiert haben.
  2. Häufig handelt es sich dabei um weitergebildete Urologen, seltener Dermatologen oder Endokrinologen.
  3. Je nach Krankheitsbild ist eine enge Kooperation mit anderen Fachrichtungen notwendig, etwa der Urologie, Dermatologie, Psychologie oder Onkologie.
  4. Wichtige Erkrankungen sind erektile Dysfunktion, Unfruchtbarkeit sowie Fehlbildungen und Verletzungen der Geschlechtsorgane.
  5. Wichtige Untersuchungsverfahren der Andrologie sind Samenuntersuchungen, Hormonbestimmungen sowie operative Maßnahmen zur Kontrazeption oder Wiederherstellung der Fruchtbarkeit.

Was ist ein Androloge?

In Deutschland ist Andrologie eine Zusatzbezeichnung, die Fachärzte für Urologie, Dermatologie und Endokrinologie mit entsprechendem Ausbildungsnachweis erlangen können.

Welche Erkrankungen behandelt die Andrologie?

Die Andrologie kümmert sich um alle Erkrankungen, die die männliche Sexualität und Fortpflanzung beeinträchtigen.

Für die meisten Männer ist ihre sexuelle Gesundheit ein Tabuthema, sodass Untersuchung, Diagnose und Behandlung entsprechender Krankheiten eine Enttabuisierung und ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in besonderem Maße erforderlich machen.

Fehlbildungen der Geschlechtsorgane

kommen häufiger vor als viele denken. Sie sind teilweise genetisch bedingt, wie beim Klinefelter-Syndrom, Hermaphroditismus oder beim adrenogenitalen Syndrom. Ebenso treten zufällige Missbildungen auf wie nach unten offene Harnröhre mit verlagerter Mündung (Hypospadie), vergrößerte oder überzählige Harnröhren, Verengungen oder vollständig fehlende (Harnröhrenatresie). Verbreitet aber harmlos und leicht zu beseitigen sind Vorhautverengungen (Phimosen).

Verletzungen der Geschlechtsorgane.

Penisverletzungen, Penisfrakturen, Verletzungen der Harnröhre wie auch Verletzungen von Hodensack (Scrotum) oder Hoden und Nebenhoden müssen umgehend versorgt werden, wenn die Zeugungsfähigkeit erhalten bleiben soll. Verdrehungen des Hodens (Hodentorsionen) stellen die Blutzufuhr ab und lassen die Keimdrüsen absterben.

Andrologie und Urologie

Hormonstörungen.

Wechseljahre“ des Mannes sind ähnlich wie das Klimakterium der Frau auf eine veränderte hormonelle Situation zurückzuführen. Vor allem liegt das an einer verminderten Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron in den Hoden. Ein verminderter Testosteronspiegel führt zu sexueller Unlust und macht zudem depressiv, schlapp und müde. Das kann allerdings bereits in frühen Jahren auftreten. Testosteronmangel erhöht das Risiko von Adipositas, Diabetes, erhöhten Blutfettwerten und Cholesterinspiegeln sowie Osteoporose.

Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)

ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung. Es gibt eine lebenslang fortbestehende primäre und eine erworbene sekundäre Form. Letztere hat meist psychische Ursachen und ist leichter zu behandeln.

Zeugungsunfähigkeit (Infertilität)

und unerfüllter Kinderwunsch haben ihre Ursachen in einer erektilen Dysfunktion, die keinen Beischlaf erlaubt, oder in einer Beeinträchtigung der Samenbildung. Dazu gehört eine gestörte Spermienproduktion, Veränderungen in den ableitenden Samenwegen, Medikamente, Nikotin und Alkohol.

Erektile Dysfunktion (Impotentia coeundi)

bezeichnet eine Erektionsschwäche über mindestens sechs Monate. Neben psychogenen Ursachen spielen vor allem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rauchen und Alkohol eine Rolle bei der Krankheitsentstehung.

Dauererektion (Priapismus)

besteht über mindestens zwei Stunden und ohne sexuelle Erregung. Die Ursachen sind häufig unbekannt, auf Medikamente, Drogen, traumatische Verletzungen oder neurologische Erkrankungen zurückzuführen. Gegebenenfalls müssen die Schwellkörper punktiert und entleert werden, damit keine dauerhaften Schäden auftreten.

Welche Behandlungen führt ein Androloge durch?

Für die männliche Fortpflanzungsfähigkeit ist eine Reihe von Faktoren maßgeblich, die ein Androloge abklären kann.

Spermiogramme

Spermiogramme sind Untersuchungen des Ejakulates, um Zahl und Schwimmfähigkeit der Spermien zu untersuchen. Sowohl eine verminderte Spermienzahl wie auch eine verringerte Beweglichkeit, vor allem infolge von Missbildungen mindern die Fertilität und sorgen für unerfüllten Kinderwunsch.

Hodenbiopsien

Hodenbiopsien dienen der Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Hoden. Sie wird veranlasst, wenn in einem Spermiogramm nur wenige Spermien gefunden wurden und soll abklären, ob überhaupt eine ausreichende Zahl der Fortpflanzungszellen gebildet wird oder das Problem außerhalb der Hoden zu suchen ist.

Tumeszenzmessungen

Tumeszenzmessungen dienen der Abklärung erektiler Dysfunktionen. Bei einer nächtlichen penilen Tumeszenzmessung (NPT) messen Ringe oder Elektroden am Penis die nächtlichen Erektionen. Damit lassen sich Ursachen mangelnden Stehvermögens abklären.

Hormonbestimmungen

Hormonbestimmungen werden vor allem im Alter notwendig, da die Produktion der Geschlechtshormone in den Hoden abnimmt. Der Testosteronspiegel sinkt mit den Jahren und beeinträchtigt nicht nur Libido und Sexualität, sondern auch die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit eines Mannes. Ebenso nehmen Knochendichte und rote Blutkörperchen ab und steigt der Fettanteil des Körpers.

Vasektomie

Vasektomie nennt man die Sterilisation des Mannes, die als Verhütungsmethode infrage kommt (männliche Kontrazeption). Hierzu werden die Samenleiter durchtrennt, sodass keine Spermien mehr für die Vermehrung zur Verfügung stehen. Sollte sich hinterher doch noch ein Kinderwunsch ergeben, besteht in den meisten Fällen die Möglichkeit zu einer Neuverbindung der Samenleitung (Refertilisierung durch Vasovasostomie).

Wiederherstellung der Erektionsfähigkeit.

Kann ein Patient keine Erektion erreichen oder halten, besteht die Möglichkeit, diese mithilfe von Injektionen, Penispumpen oder spezieller Einbauten in den Schwellkörper zu beheben. Viele dieser invasiven Verfahren haben sich mit der Einführung erektionsfördernder Medikamente wie Viagra heutzutage größtenteils erübrigt.

Operationen zur Wiederherstellung der Zeugungsfähigkeit.

Chirurgische Verfahren können die Fortpflanzungsfähigkeit sichern oder wiederherstellen. Dazu gehört die Beseitigung von Vorhautverengungen (Phimosen), Beseitigung von Zysten des Nebenhodens, Krampfaderbrüchen der Samenstränge (Varikozelen) oder Wasserbrüchen des Hodens (Hydrozelen). Operationen an der im Alter häufigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse (benigne Prostatahyperplasie) gehören eher in den Verantwortungsbereich des Urologen.

Zusammenarbeit von Andrologie und anderen Fachrichtungen der Medizin

Die Ursachen von Störungen der männlichen Sexualität sind vielfältig und umfassen körperliche wie psychische Faktoren. Daher ist eine enge Kooperation zwischen verschiedenen Fachrichtungen notwendig, um Erkrankungen feststellen und behandeln zu können.

Urologen sind häufig zugleich Fachärzte für Andrologie, denn sie befassen sich mit den männlichen Geschlechtsorganen wie auch der Harnwege, die untrennbar zusammengehören. Neben Penis und Schwellkörpern sind die Hoden als Hormondrüsen und Spermienproduzenten ebenso wichtig wie die akzessorischen Geschlechtsdrüsen, allen voran die Vorsteherdrüse (Prostata), sowie der Penis mit seinen Schwellkörpern und deren Durchblutung.

Endokrinologen wissen häufig weiter, wenn hormonelle Störungen die Sexualität beeinträchtigen. Sie sind Spezialisten für den Hormonhaushalt und können gegebenenfalls den Blutwert des männlichen Geschlechtshormons Testosteron bestimmen, der im Alter abnimmt und häufig für Probleme sorgt. Ebenso wichtig sind die Hormone übergeordneter Regelkreise, die die Testosteronproduktion steuern.

Dermatologen sind gefragt, sobald die Haut mit im Spiel ist: Nicht umsonst spricht man von einem Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Sexuell übertragbare Krankheiten (sexually transmitted diseases, STD) wie Gonorrhoe, Syphilis und Chlamydien spielen wieder eine zusehends größere Rolle und beeinträchtigen Sexualleben und Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes.

Mikrobiologen diagnostizieren solche Infektionen mit Bakterien und Viren und helfen bei deren Bekämpfung. Sie arbeiten Hand in Hand mit den untersuchenden Fachärzten für Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Psychologen werden wichtig, sobald psychische Ursachen für Erkrankungen wie vorzeitigen Samenerguss oder erektile Dysfunktion sorgen. Eine gute Psychotherapie ist oftmals in der Lage Abhilfe zu schaffen, wo organische Ursachen ausscheiden.

Onkologen möchte kein Mann in Anspruch nehmen. Hodentumoren gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen vorwiegend junger Männer, die Veränderungen an ihren Keimdrüsen häufig übersehen und verschweigen, bis eine effektive Behandlung kaum noch möglich ist. Dabei ist ausgerechnet hier eine frühzeitige Diagnose dringend erforderlich, denn alle Hodentumoren sind bösartig und wachsen schnell. Darüber hinaus gibt es Keimzelltumoren des Hodens, gutartige und bösartige Penistumoren sowie das seltene Harnröhrenkarzinom.

Kinderärzte kümmern sich um angeborene Fehlbildungen an den männlichen Genitalien. Bei rechtzeitiger Behandlung und teils operativen Korrekturen lassen sich später Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit vermeiden.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Andrologie e.V. (DGA): Internetauftritt. Mit Suchfunktion für Andrologen in der Nähe und Leitlinien unter anderem zu Hypogonadismus, Gynäkomastie und Infektionen mit Chlamydien, Gonorrhoe und Syphilis.
  • MSD Gesundheit: Fruchtbarkeitsdiagnostik beim Mann.
  • Walter Krause, Wolfgang Weidner, Herbert Sperling, Thorsten Diemer: Andrologie: Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane. 4. Auflage. Stuttgart 2011: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 9783131532244.
  • Eberhard Nieschlag, Hermann M. Behre, Susan Nieschlag: Andrologie: Grundlagen und Klinik der reproduktiven Gesundheit des Mannes. 3. Auflage. Stuttgart 2009: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540929622.