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Warum befällt Krebs fast niemals das Herz?

Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystem bilden bei Personen über 50 Jahren in den Industrienationen die Todesursache Nummer 1 und beeinträchtigen darüber hinaus das Leben sehr vieler Menschen in erheblicher Weise. Selten ist die Rede dabei allerdings von Krebserkrankungen des Herzens, das wie fast jedes Organsystem eigentlich von gutartigen und bösartigen Tumoren befallen werden kann.

3D illustration Herz – Copyright: dream_master, Bigstockphoto

 

 

Auf Grund der Seltenheit einer solchen Erkrankung wird diese häufig nicht rechtzeitig entdeckt, so dass es hier notwendig ist, noch Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Seltenheit der Tumorerkrankungen des Herzens lässt sich auch deutlich beziffern und wird mit einer Inzidenz von etwa 1/2000 beschrieben. Es gilt weiterhin zu unterscheiden, ob ein Tumor im Bereich des Herzens ein sogenannter Primärtumor ist, oder ob es sich um eine Neubildung handelt, die als Metastase und damit als Sekundärtumor in den Bereich des Herzens eingewandert ist.

Der häufigste gutartige und damit nicht-karzinogene Primärumor des Herzens ist ein sogenanntes Myxom, das sich in den meisten Fällen im oberen Bereich der Herzkammer bildet und bei Frauen etwas häufiger vorzukommen scheint, als bei Männern. Bei den meisten Tumorerkrankungen des Herzens handelt es sich auch um benigne, also gutartige Formen. Krebserkrankungen des Herzens treten jedoch auch auf: Bei einem bösartigen kardialen Primärtumor handelt es sich in einem Großteil der Fälle um ein sogenanntes Sarkome, also eine Krebserkrankung, die ihren Ursprung im Weichteilgewebe des Menschen hat und grundsätzlich überall im Körper vorkommen kann.

 

Primär- und Sekundärtumore des Herzens

Sekundärtumore des Herzens kommen etwas häufiger vor, es handelt sich aber auch hierbei um eine eher seltene Erkrankung. Grundsätzlich kann eine Krebserkrankung, die sich in relativer Nähe des Herzens bildet (etwa ein Lungenkrebs) sich so stark vergrößern, dass sie in das Herz oder in den sogenannten Perikard (also das umliegende Gewebe hineinwächst). Metastasen entstehen durch eine Verbreitung der Tumorzellen über den Blutkreislauf.

Auf diese Weise kann ein Sekundärtumor des Herzens auch auf Grund der Streuung eines Tumors entstehen, der eigentlich an einem ganz anderen Ort des Körpers verortet ist. Zu den Krebsarten, die auf das Herz übergreifen können gehören unter anderem Brustkrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs, bestimmte Formen der Leukämie, Lymphknotenkrebs oder Melanome (also Hautkrebserkrankungen). Es kann aber auch weitere – eher indirekte – Gründe dafür geben, dass Krebserkrankungen oder Tumore das menschliche Herz schädigen. Wenn ein Tumor beispielsweise Hormone produziert, können das Herz, bzw. die herzversorgenden Arterien, in Mitleidenschaft gezogen werden.

Darüber hinaus können die Standardtherapien, die im Rahmen von bösartigen Tumorerkrankungen eingesetzt werden müssen, ebenfalls das Herz schwächen. Bestrahlungen oder Chemotherapie können noch Jahre nach einer Behandlung eine Erkrankung des Herzens und entsprechende Symptome auslösen, in den meisten Fällen ist ein solches Syndrom jedoch reversibel und gut zu behandeln.

 

Symptomatik einer kardialen Tumorerkrankung

Eine Tumorerkrankung des Herzens kann zunächst fast symptomfrei ablaufen, es gibt jedoch auch Fälle, in denen sie sich schnell durch schwerwiegende Einschränkungen bemerkbar macht. Dabei sind die ersten Symptome relativ häufig von einer bestimmten Lagerung des Körpers abhängig.

Es ist beispielsweise der Fall, dass die Atembeschwerden, die häufig als eines der ersten Symptome im Rahmen eines Tumors am Herzen auftreten zunächst nur beim Liegen oder während des Schlafens wahrgenommen werden. Neben den genannten Beschwerden beim Atmen können im Rahmen von Primärtumoren des Herzens weitere Symptome auftreten, die allerdings allesamt natürlich auch andere Ursachen haben können. Eine Diagnostik ist immer erst in Verbindung mit einer ausführlichen Anamnese und weiteren Untersuchungen möglich.

Die weiteren herzspezifischen Symptome sind beispielsweise sogenannte Palpitationen – also ein Herzrasen oder Herzstolpern -, Schmerzen oder Druckgefühle im Brustbereich oder Ohnmachtsanfälle (Synkopen) und Schwindel. Darüber hinaus äußert sich eine Krebserkrankung des Herzens in Sekundärsymptomen, die in ähnlicher Weise auch im Rahmen einer Endokarditis, also einer Entzündung des Herzmuskels vorkommen können. Zu diesen Sekundärsymptomen können unter anderem Entzündungszeichen, eine erhöhte Temperatur, Gelenkschmerzen oder ein ungewollter Gewichtsverlust gehören.

Ebenfalls können Beschwerden auftreten, die für eine Herzschwäche, beziehungsweise für eine mangelnde Versorgung des Körpers mit Sauerstoff sprechen kann. Hierzu gehört die Entwicklung sogenannter Uhrglasnägel durch Schwellung des Unterhautfettgewebes im Bereich der Fingerkuppen oder die Blaufärbung der Finger als Reaktion auf Druck (sogenanntes Reynaud-Syndrom). Ödeme oder Schwellungen weiterer Körperbereiche können hinzukommen. Betroffen sind hier üblicherweise Beine, Knöchel oder der Abdominalbereich.

 

Ursachen,Diagnostik und Therapien

Es ist schwer, die Ursachen einer Krebserkrankung auf einen Nenner zu bringen, da es sich zu einem Teil um genetische Faktoren handelt, der Lebenswandel jedoch bei bestimmten Krebsarten auch eine Rolle spielen kann. Einen einzelnen Auslöser für eine bösartige Tumorerkrankung des Herzens kann man jedenfalls nicht definieren. Allerdings ist nachgewiesen worden, dass etwa 10% der Myxome (also der gutartigen Primärtumore des Herzens) innerhalb der Familie vererbt werden.

Auf Grund der bereits erwähnten Tatsache, dass Tumorerkrankungen des Herzens sowohl in ihrer gutartigen, wie auch in ihrer bösartigen Variante extrem selten sind, ist die Diagnostik hier häufig eine Herausforderung. Bei Vorliegen von Myxomerkrankungen innerhalb der Familiengeschichte wird ein vorsorgliches und regelmäßiges Screening empfohlen. Ansonsten gilt ganz grundsätzlich, dass bei Personen, die an Herzgeräuschen oder Herzstolpern, sowie an einer anderweitig nicht erklärbaren Herzschwäche leiden auch die Möglichkeit einer Tumorerkrankung in Erwägung gezogen werden muss. Falls die genannten Symptome im Rahmen einer anderweitig bestehenden Krebserkrankung des Körpers auftreten, muss das Herz auf eine Metastase, bzw. auf das Vorhandensein eines Sekundärtumors hin untersucht werden.

Je nach Art des kardialen Tumors wird der Arzt eine passende Therapie auswählen. Insbesondere bei gutartigen Neubildung ist eine operative Entfernung meist die Therapie der Wahl, wobei es sich dabei je nach bereits vollzogenem Wachstum des Tumors um einen überaus komplexen Eingriff handeln kann. Bei Metastasen und Sekundärtumoren richten sich die Behandlungsoptionen nach der bereits erfolgten Verbreitung der Krebszellen im Körper und nach dem möglichen Vorhandensein anderer Krebsherde.

 

 

Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.