Wann entstehen niedrige oder erhöhte Fructosamin-Blutwerte?

Die Fructosamine existieren als chemische Verbindungen, die aus Reaktionen von Fruchtzucker mit Amingruppen entstehen.

Die in zahlreichen Lebensmitteln enthaltene Fructose beeinflusst den Blutzuckerspiegel. Erhöhte Fructosamin-Blutwerte können auf die Zuckerkrankheit – Diabetes mellitus – hindeuten. Dagegen kommt einer geringen Konzentration an Fructosamin im Blut keine medizinische Relevanz zu.

Worüber geben Fructosamin-Blutwerte Auskunft?

Reagieren Carbonylgruppen der Glukose im Blut mit Aminogruppen, von Proteinen stammend, bildet sich Fructosamin. Abhängig von Ihrem Blutzuckerspiegel wandeln sich zudem Plasmaproteine, beispielsweise Albumin, in glykiertes Serumprotein.

Mithilfe einer Blutuntersuchung weist Ihr Hausarzt bei Ihnen erhöhte oder niedrige Fructosamin-Blutwerte nach. Die quantitative Kontrolle dieser Werte gibt über die Blutzuckerkonzentration im Serum Auskunft.

Durch den Blutwert messen die Mediziner den Blutzuckerspiegel der letzten drei Wochen. Dadurch bekommen Fructosamine als Parameter bei einer Insulintherapie Relevanz. Mit ihrer Hilfe gelingt es, die Wirksamkeit einer eingeleiteten Diabetes-Behandlung zu überprüfen [Quelle: Ji-Eun Lee: Alternative biomarkers for assessing glycemic control in diabetes (Juni 2018); URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4504993/ (letzter Zugriff: 09.02.2018)].

Die Normgrenze der Fructosamine liegt zwischen 204 und 285 Mikromol in einem Liter Blut. Weisen Sie einen erhöhten Fructosamin-Blutwert auf, diagnostiziert Ihr Arzt die Zuckerkrankheit.

Wann messen Ärzte den Fructosaminspiegel?

In Deutschland entscheiden sich Mediziner selten für einen spezifischen Fructosamin-Bluttest. Dem Blutwert kommt eine geringe Aussagekraft zu. Um beispielsweise den Verlauf einer Diabetes zu kontrollieren, nutzen die Mediziner den Wert HbA1C. Besteht keine Möglichkeit, diesen zu messen, kommt die Untersuchung der Fructosamin-Konzentration zum Einsatz.

Weisen Sie niedrige Fructosamin-Blutwerte auf, gehen diese ohne diagnostische Bedeutung einher. Um den Wert zu bestimmen, entnimmt Ihnen Ihr Arzt eine Blutprobe aus der Armvene oder der Fingerbeere.

Das Hauptaugenmerk liegt auf dem glykierten Protein. Sofern über einen längeren Zeitraum ein hoher Glukosespiegel besteht, binden sich Glukosemoleküle an den roten Blutfarbstoff. Neben dem Hämoglobin in den roten Blutkörperchen gehen auch Serumproteine eine Verbindung mit den Molekülen ein. In der Medizin nennt sich dieser Prozess Glykierung.

Erhöhte Fructosamin-Blutwerte weisen Ärzte über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen nach. Der Grund besteht in deren Lebensdauer, die sich an die Lebenserwartung roter Blutzellen anpasst. Sie bleiben für 14 bis 21 Tage im Serum, bevor der Abbau stattfindet.

Erhöhte oder niedrige Fructosamin-Blutwerte: Wann entstehen sie?

Ein hoher Fructosaminwert weist auf einen gestiegenen Glukosespiegel des Patienten hin. Dessen Tendenz messen die Ärzte im Normalfall eine höhere Bedeutung zu als dem absoluten Wert.

Steigt der Fructosaminwert langsam über die Normgrenze, leiden Sie unter einer fehlerhaften Blutzuckereinstellung. Beispielsweise reicht die Menge an Insulin, die Sie dem Körper zuführen, nicht aus, um die Glukose zu verwerten. Als Folge des Phänomens drohen:

• Gefäß- und Gewebeschäden,
Bluthochdruck,
• ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten.

Ein Fructosamin-Blutwert, der im Normbereich liegt, lässt zwei verschiedene Schlüsse zu. Der Patient leidet nicht an Diabetes oder er profitiert im Fall der Zuckerkrankheit von einer optimalen Einstellung. Des Weiteren existieren Faktoren, die Einfluss auf den Fructosaminspiegel nehmen. Durch eine geringe Proteinkonzentration treten falsch niedrige Fructosamin-Blutwerte auf.

Das geschieht durch einen vermehrten Proteinverlust oder eine verminderte Bildung von Eiweiß. Beim Menschen kommt vorrangig das D-Fructosamin als nichtenzymatische Modifikation des Bluteiweißes vor. Es glykiert im menschlichen Organismus mit Albumin, bei Katzen beispielsweise mit Globulinen. Durch die im Vergleich zum Glukosewert längere Halbwertzeit, sprechen Ärzte bei Fructosaminen auch vom „Blutzuckergedächtnis“.

Auf den Referenzbereich des Blutwerts nimmt ebenfalls die körperliche Gesundheit Einfluss. Patienten, die sich einer Dialyse unterziehen, weisen einen höheren Fructosaminwert als gesunde Menschen auf. Er reicht bis zu 395 Mikromol in einem Liter Blut.

Einfache Tipps, um den Fructosaminspiegel zu senken

Leiden Sie unter einem dauerhaft erhöhten Fructosamin-Blutwert, resultiert dieser beispielsweise aus der Zuckerkrankheit. Neben der medizinischen Behandlung gibt es Maßnahmen, um den Blutzuckerspiegel und den Fructosaminspiegel zu senken. Sie sollten körperlichen und emotionalen Stress meiden.

Zudem spielt eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung eine wichtige Rolle. Konsumieren Sie hauptsächlich Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index. Personen mit Übergewicht senken ihr Gewicht. Eine weitere Maßnahme besteht im Verzicht auf fetthaltige Nahrungsmittel.

 

Nachlesen im Internet:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4504993/

⏲ Letzte Aktualisierung am von Dr. rer. medic. Harald Stephan

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