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Venenentzündung im Handgelenk

Sie verspüren einen Druck in den Adern am Handgelenk? Im Zweifelsfalle sollten Sie Ihren Hausarzt einen Blick darauf werfen lassen, denn dabei handelt es sich meistens um eine oberflächliche Venenthrombose. Was mit Druck und Schweregefühl im Handgelenk beginnt, kann sich zu einer lokalen Entzündung der Vene ausweiten, einer Thrombophlebitis. Wird diese nicht rechtzeitig eingedämmt, droht eine Blutvergiftung oder muss eine operative Versorgung stattfinden.

Untersuchung der Blutgefäße
Untersuchung der Blutgefäße am Arm und an der Hand, Copyright: SuperOhMo, bigstockphoto

Druck in den Adern im Handgelenk: Was ist eine Venenthrombose?

Thrombosen sind Blutgerinnsel, die am Ort ihrer Entstehung ein Gefäß verstopfen. Gerät die Blutgerinnung durcheinander, haken sich Blutplättchen (Thrombozyten) klettenartig untereinander und mit anderen Blutkörperchen zusammen und bilden zusammen mit Eiweißfäden einen Pfropf, der das Gefäß blockiert. Der beeinträchtige Blutfluss ist für das Druckgefühl bei einer Thrombose verantwortlich.

Das venöse Blutgefäßsystem ist in über 90 Prozent der Fälle in den unteren Extremitäten davon betroffen, sodass Oberschenkel oder Waden schmerzen. Am häufigsten tritt hier eine tiefe Bein- und Beckenvenenthrombose auf. Diese sollte man unbedingt sofort behandeln lassen, denn es besteht die Gefahr, dass sich das Blutgerinnsel oder ein Teil davon ablöst und als sogenannter Embolus an anderer Stelle im Körper Kapillaren verstopft. Die Folgen sind Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolie.

An Arm und Handgelenk treten solche Blutgerinnsel wesentlich seltener auf. Die gute Nachricht: Sie sind auch nur selten für Embolien wie Herzinfarkte und Schlaganfälle verantwortlich. Trotzdem sollte man sie behandeln, bevor daraus eine Venenentzündung wird.

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Druck in den Adern am Handgelenk ist meistens auf eine oberflächliche Venenthrombose zurückzuführen, bei der ein Blutgerinnsel eine Vene verstopft.
  2. Versuchen die weißen Blutkörperchen diesen Thrombus abzubauen, rufen sie weitere Zellen herbei. Die dabei ausgeschütteten Botenstoffe führen zu Rötung und Überwärmung, einer Venenentzündung (Thrombophlebitis).
  3. Davon sind auch die umliegenden Areale betroffen. Die Entzündung schmerzt beim geringsten Kontakt, wobei brennende und stechende Schmerzen vorherrschen.
  4. Auslöser sind Stoßverletzungen, Hauterkrankungen, Infusionslösungen oder infizierte Venenkatheder.
  5. Bis zum Aufsuchen eines Arztes hilft es, die Stelle mit Kühlelementen, kalten Wickeln oder Umschlägen zu kühlen.

Wie kommt es zu einer oberflächlichen Venenentzündung?

Eine oberflächliche Venenentzündung oder Thrombophlebilits ist eine natürliche Reaktion des Immunsystem. Weiße Blutkörperchen versuchen das Blutgerinnsel anzuknabbern und letztlich zu beseitigen. Dafür rufen sie mittels spezieller Botenstoffe Kollegen zur Unterstützung herbei. Diese Substanzen stellen die Gefäße weit, sodass das Blut besser fließt und mehr Blutzellen an den Ort des Geschehens gelangen.

Davon ist nicht nur das Blutgefäß, sondern auch die unmittelbare Umgebung betroffen: Es kommt zu einer Schwellung, Rötung und Überwärmung – den typischen Anzeichen einer Entzündung.

Symptome bei einer Venenentzündung im Handgelenk

Je weiter diese fortschreitet, desto schwerer werden die Symptome. Bereits geringfügiges Berühren reicht aus, um einen heftigen Druckschmerz auszulösen. Verfärbt sich die Haut darüber blau, fühlen Sie starken Druck und ein Pochen und wird die Stelle rot und heiß, sollten Sie schleunigst einen Arzt aufsuchen. Vor allem wenn sich der Pulsschlag erhöht ist Eile geboten, denn dann dürften sich die Entzündungswerte im Blutbild gerade in schwindelerregende Höhen begeben.

Ursachen von Druck in den Adern am Handgelenk

Venenthrombosen und nachfolgende Venenentzündungen können bereits durch mechanische Auslöser zustande kommen, etwa durch einen Schlag auf den Arm.

Häufiger sind infektiöse Hauterkrankungen mit eindringenden Bakterien die Ursache oder Probleme mit Venenkathedern. Bekommt man im Krankenhaus einen solchen für Infusionen oder Blutentnahmen gelegt, geraten bei unzureichender Desinfektion Bakterien in die Einstichstelle und rufen eine Entzündung hervor. Ähnliches kann bei Nadeln in der Armbeuge oder auf dem Handrücken auftreten.

Was kann ich gegen den Druck am Handgelenk selbst unternehmen?

Vergessen Sie nicht den Gang zu Ihrem Hausarzt! Werden die Schmerzen – wie das bei Entzündungen oft der Fall ist – ausgerechnet gegen Abend schlimmer, können Sie die Stelle kühlen. Am besten sind dafür Kühlelemente geeignet, die im Gefrierfach heruntergekühlt wurden. Legen Sie diese nicht unmittelbar auf die Haut, sondern benutzen Sie ein Handtuch. Ebenso gut geeignet sind die klassischen Hausmittel: Wickel und Umschläge, beispielsweise ein Quarkwickel.

Gegen die Schmerzen können Sie auch ein handelsübliches Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.

Wie wird eine Venenentzündung vom Arzt behandelt?

An erster Stelle steht die Eindämmung des Entzündungsprozesses. Hierfür reichen oft heparinhaltige Salben aus, die eine lokale blutverdünnende Wirkung haben.

Sind Bakterien die Ursache, müssen diese mit Antibiotika bekämpft werden, bevor sie sich weiter ausbreiten. Geschieht das nicht, gelangen sie gegebenenfalls in das umliegende Gewebe und lösen eine Wundrose (Phlegmone) aus, schlimmstenfalls verteilen sie sich in der Blutbahn und führen zu einer Blutvergiftung (Sepsis).

Operation rechtzeitig verhindern!

Meistens reicht eine konservative Behandlung völlig aus. Wartet man allerdings zu lange ab und dehnt sich die Entzündung immer weiter aus, muss die Stelle gegebenenfalls operiert werden. Bei einem solchen Eingriff beseitigt der Operateur den Thrombus und, falls diese nicht mehr zu retten sind, die betroffene Vene. Eine operative Entfernung des Blutgerinnsels wird auch nötig, wenn sich die Beschwerden nicht innerhalb einer Woche bessern lassen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
    Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. München/Jena 2003: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN 3-437-15072-3.
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.