Seine Blutwerte zu verbessern ist immer eine gute Maßnahme. Oder vielmehr die Verbesserung der gesundheitlichen Umstände, die hinter negativen Veränderungen der Blutwerte stehen. Das geht niemals von jetzt auf gleich, sondern immer nur langfristig. Der Weg dahin ist oftmals mühsam, aber an seiner Gesundheit zu arbeiten ist die lohnenswerteste Investition, die man machen kann.

Daher bringt es überhaupt nichts, die Blutwerte unmittelbar vor einer Blutabnahme verschönern zu wollen. Lassen Sie mich zu diesem Thema mit ein paar ungesunden Vorstellungen aufräumen und Ihnen bei der nachhaltigen Verbesserung Ihrer Gesundheit helfen.

Blutwerte, Laborwerte
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Blutwerte verbessern vor der Blutabnahme – Das Wichtigste:

  1. Die Blutwerte spiegeln den Gesundheitszustand eines Menschen wider. Daher sollte man diese im eigenen Interesse nahe an den Normbereichen halten.
  2. Langfristig führen geeignete gesundheitliche Maßnahmen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Blutwerte und damit der Gesundheit.
  3. Kurzfristige Verbesserungen unmittelbar vor der Blutentnahme sind kaum möglich und bringen gesundheitlich überhaupt nichts.
  4. Korrekte und aussagekräftige Blutwerte dienen der Gesunderhaltung, da man gegebenenfalls mit weiteren Untersuchungen und therapeutischen Maßnahmen eingreifen kann.
  5. Verlangt man von Ihnen außerhalb der medizinischen Betreuung Ihre Blutwerte, ist das in den seltensten Fällen angebracht.

 

Was sollte ich vor einer Blutentnahme beachten?

Blutwerte kann man am einfachsten verbessern, indem man sie nicht unnötig verfälscht. Der wichtigste Punkt ist, morgens nüchtern zur Blutentnahme zu erscheinen. Das ist auch der Grund, warum Arztpraxen nur morgens bis zehn oder elf Uhr Blut abnehmen – so lange können Sie als Patient nüchtern bleiben, ohne hungrig herumlaufen zu müssen. Wasser trinken und Ihre morgendliche Medikation einnehmen dürfen Sie natürlich, ohne damit Ihre Blutwerte zu beeinflussen.

Den größten Einfluss hätte ein ausgiebiges morgendliches Frühstück auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel. Ihr Arzt möchte Ihren Nüchtern-Blutzuckerwert wissen und nicht den, der sich nach drei Marmeladenbrötchen und Milchkaffee mit vier Stück Würfelzucker einstellt. Diabetes verrät sich trotzdem mit dem Langzeit-Zuckerwert HbA1c.

Ähnlich sieht es mit Cholesterinwerten und Triglyceriden aus: Die entsprechenden Blutwerte verändern sich mit der Nahrungsaufnahme. Rührei und Bacon treiben sie für ein paar Stunden in die Höhe. Das ist vollkommen normal.

Allerdings gehen das Labor und Ihr Hausarzt davon aus, dass die gemessenen Blutwerte Ihre Nüchternwerte sind. Ein überhoher Cholesterinwert führt da zu Irritationen. Lipidsenker (Statine) möchten Sie aber sicherlich nur dann einnehmen, wenn es wirklich notwendig ist – schauen Sie mal auf den Beipackzettel.

Blutwerte

Blutwerte verbessern – Was macht wirklich Sinn?

Ihr Arzt schaut sich Ihre Blutwerte an, um Abweichungen vom Normbereich und damit Erkrankungen feststellen zu können. Gegebenenfalls sind für die Abklärung weitere diagnostische Maßnahmen notwendig.

Bei einer Erkrankung führt Therapie zu einer nachhaltigen Verbesserung der Laborwerte. Das umfasst medizinische Behandlungen, oft aber auch Änderungen in der Ernährung und sonstigen persönlichen Lebensweise. Verzicht auf Nikotin und Alkohol, gesunde Ernährung und leichte sportliche Betätigung gehören in vielen Fällen zu den Maßnahmen, die zahlreiche Blutwerte langfristig verbessern – nicht nur kurz vor einer Blutabnahme.

Blutwerte verbessern vor der Blutabnahme: Warum eigentlich?

Man sollte eigentlich immer bestrebt sein, seine Blutwerte zu verbessern, nicht erst kurz vor der Blutabnahme. Daher wundere ich mich regelmäßig, warum so viele Leute diese Frage so häufig in genau dieser Form stellen. Die fünf meistgenannten Gründe will ich erörtern.

1. Ich will einfach gute Blutwerte haben

Ihre Blutwerte sollen gut sein, damit Sie sich besser fühlen? Sich selbst zu betrügen bringt nie etwas. Wollen Sie bis ins hohe Alter gesund und vital bleiben, müssen Sie wissen, wie es mit Ihrer Gesundheit steht. Nur so kann man etwas unternehmen, falls es mal irgendwo klemmt. Ein paar Tage vor einer Blutentnahme auf Zigaretten verzichten und keine fünf Minuten danach wieder fröhlich weiterqualmen bringt gar nichts. Übrigens nicht einmal bei den Blutwerten.

2. Mein Hausarzt muss nicht alles wissen

Wollen Sie bei Ihrem Arzt einen guten Eindruck hinterlassen? Schenken Sie sich die Bemühungen. Es ist seine Aufgabe, sich um Ihre Gesundheit zu kümmern. Das ist nur dann möglich, wenn Sie ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis zu ihm haben und ihm alle Informationen zur Verfügung stehen, die er für Ihre Behandlung benötigt – in Ihrem ureigensten Interesse.

Dazu muss er alles Relevante wissen, sodass Sie ihm auch alles erzählen müssen und auf ein „Schminken“ Ihrer Blutwerte verzichten sollten. Davon abgesehen sieht ein erfahrener Arzt ohnehin, was Sache ist, auch wenn er nicht alles kommentiert: Er weiß ganz genau, wenn es ein paar Zigaretten oder ein paar Gläschen mehr sind als Sie ihm weiszumachen versuchen.

3. Die Blutwerte brauch ich für meinen neuen Job

Sie benötigen Ihre Blutwerte für eine Bewerbung? Im Gegensatz zu anderen Ländern ist es bei uns in Deutschland nur selten üblich, dass ein Arbeitgeber auf ein Gesundheitszeugnis besteht, bevor er einen Arbeitsvertrag abzuschließen bereit ist. Eine Ausnahme machen natürlich hochansteckende Infektionskrankheiten, mit denen man sicherlich nicht im Catering oder im Kindergarten arbeiten sollte – die darf man natürlich keinesfalls verschweigen, denn mit einer nicht mitgeteilten offenen Tbc in einer Küche macht man sich sogar strafbar.

Ähnlich sieht es mit Erkrankungen aus, die bei der Erfüllung eines Arbeitsverhältnisses hinderlich sind. Ein Dachdecker sollte sich nicht mit hochgradigem Asthma, Herzinsuffizienz oder blind wie ein Fisch in luftige Höhen begeben – im eigenen gesundheitlichen Interesse.

Ansonsten gehen einen Arbeitgeber die Blutwerte eines Bewerbers so wenig an wie seine sexuellen Vorlieben oder welche Fernsehsendungen er sich anschaut. Mein persönlicher Rat: Will jemand für einen Bürojob Ihre Leber- und Nierenwerte sehen, sehen Sie sich woanders um – in diesem Arbeitsverhältnis werden Sie bestimmt nicht glücklich.

4. Ich will eine Versicherung abschließen, und die wollen meine Blutwerte

Einige Versicherungen wollen vor Abschluss einer Police erstaunliche Dinge wissen. Gegebenenfalls sollten Sie sich bei einer Verbraucherberatung erkundigen, ob bestimmte Fragen nach der Gesundheit überhaupt erlaubt sind. Verschiedenes müssen Sie wirklich wahrheitsgemäß beantworten, einiges andere geht niemanden etwas an.

Beachten Sie, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich auf wahrheitsgemäße Angaben bestehen. Verlassen Sie sich darauf, dass sich die Versicherung genau erkundigen wird, ob die chronische Erkrankung, die plötzlich zur Arbeitsunfähigkeit führt, nicht schon lange vor Abschluss der Police bekannt war. Das gilt als Betrug, und die Versicherung muss keinen Cent bezahlen.

5. Ohne Blutwerte bekomme ich die Wohnung nicht

Die Blutwerte sind für Ihren Vermieter? Lachen Sie nicht, solche abstrusen Fälle sind mir auch schon untergekommen. In Städten mit heiß umkämpftem Wohnungsmarkt sind Eintrittspreise für die Besichtigung, Fragen nach der Familienplanung oder der körperlichen und geistigen Gesundheit nur einige der zahlreichen Auswüchse.

Ihr gesundheitlicher Status geht Vermieter einen feuchten Kehricht an. Sind Sie sich bei irgendwelchen Punkten unsicher, gehen Sie damit zu einem Rechtsanwalt oder zur Verbraucherberatung. Dort wird man Ihnen sagen, ob Sie die entsprechenden Fragen wirklich wahrheitsgemäß beantworten müssen oder ob Sie etwas vom Elch erzählen dürfen.

Vermutlich wird Ihnen ein solcher Vermieter auch vorschreiben, welche Tapeten Sie aufhängen oder welche Müllsäcke Sie verwenden dürfen. Egal wie toll eine Wohnung ist, überlegen Sie sich genau, ob Sie sich das wirklich jahrelang antun wollen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
  2. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.

⏲ Letzte Aktualisierung am von Dr. rer. medic. Harald Stephan

Hinweis für unsere Leser

Dieser Artikel ist nach hohen medizinischen Standards verfasst und wurde von einem Medizinredakteur oder Mediziner unserer Reaktion vor Veröffentlichung geprüft.
Unsere Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

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