Früherkennung von Alzheimer im Blut

Alzheimerwerte im Blutbild erhöht – davon träumen Neurologen. Was mit Nierenwerten, Leberwerten, Entzündungswerten im Blut funktioniert, gibt es bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen bisher leider noch nicht.

Noch immer ist es schwierig, gerade zu Anfang eine Demenz sicher zu diagnostizieren, geschweige denn die Krankheit genau zu benennen oder gar Jahre vorher zu erkennen.

Zahlreiche Forschergruppen sind auf der Suche nach diesem Stein der Weisen, mit nur langsamen Fortschritten.

Krebswerte im Blut
Laboruntersuchung auf Copyright: sergiophoto bigstockphoto

Blutwerte bei Alzheimer – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Erhöhte Blutwerte bei Alzheimer sind zurzeit immer noch Wunschdenken vieler Neurologen. Eine einfache Diagnose der Erkrankung über eine Blutprobe ist bisher nicht möglich.
  2. Eine relativ frühzeitige Erkennung von Alzheimer wäre vor allem wünschenswert, weil man von einem engen Zeitfenster ausgeht, innerhalb dessen eine Therapie noch möglich wäre, bevor die Erkrankung therapieresistent wird.
  3. Methode der Wahl ist immer noch die Analyse von Biomarkern im Nervenwasser, dessen Entnahme für den Patienten jedoch eine hohe Belastung darstellt.
  4. Vielversprechend entwickeln sich bildgebende Verfahren (Neuroimaging), bei denen sich Hirnstrukturen mit speziellen Molekülen markieren lassen.
  5. Erste Ansätze für die Bestimmung von Blutwerten bei Alzheimer gibt es mittlerweile ebenfalls.

Blutwerte bei Alzheimer: Warum ein Bluttest wünschenswert wäre

Alzheimer stellt für die Medizin immer noch ein großes Problem dar. Trotz immenser Anstrengungen ist es bis heute nicht möglich, die Symptome zu behandeln oder den Krankheitsverlauf therapeutisch zu beeinflussen.

Blutwerte bei Alzheimer

Leider gibt es bisher keine zuverlässige Methode, mit der sich Alzheimer frühzeitig anhand einer Blutprobe sicher diagnostizieren lässt, sodass man immer noch auf andere, wesentlich aufwändigere Laboruntersuchungen wie die Untersuchung von Nervenwasser oder Neuroimaging angewiesen ist.

Mittlerweile glauben viele Wissenschaftler, dass Alzheimer ab einem gewissen, relativ frühen Stadium „therapieresistent“ wird.

Daher liegt die Hoffnung darin, schon weit im Vorfeld einer manifesten Erkrankung ein therapeutisches Fenster ausmachen zu können, in dem eine Intervention noch möglich ist.

Einen solchen Zeitraum zu definieren setzt das Vorhandensein brauchbarer Biomarker voraus, mit denen sich erste Anzeichen von Alzheimer feststellen lassen. Idealerweise wäre das ein Bluttest, der wie bei allen anderen Blutwerten einfach durchführbar und für Patienten mit minimaler Belastung verbunden wäre.

Laborwerte und Biomarker im Nervenwasser

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Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es nur eine einzige Methode, Alzheimer sicher diagnostizieren zu können: Post mortem durch eine Obduktion. Erst bei der Leichenschau konnte man feststellen, dass das Gehirn geschrumpft war und unter dem Mikroskop im Hirngewebe die für Alzheimer typischen Ablagerungen von β-Amyloid auftraten.

Glücklicherweise sind wir mittlerweile etwas weiter gekommen. Viele Mediziner sehen Untersuchungen des Nervenwassers, der Cerebrospinalflüssigkeit als Methode der Wahl an, um erste Anzeichen von Alzheimer zu erkennen.

Dabei handelt es sich um jene Flüssigkeit, in dem Gehirn und Rückenmark schwimmend gelagert sind. Da diese Flüssigkeit in unmittelbarem Kontakt mit den Hohlräumen (Ventrikeln) des Gehirns stehen, erscheinen in ihr einige Eiweiße, die für Alzheimer typisch sind. Zum einen handelt es sich dabei um ein Fragment eines Vorläufers des β-Amyloid, das sogenannte β-Amyloid1-42, zum anderen die ebenfalls typischen tau-Proteine t-tau und p-tau.

Der Haken an der Sache: Die Entnahme von Cerebrospinalflüssigkeit ist ausgesprochen unangenehm.

Sie erfolgt mit einer dicken Kanüle aus dem Rückenmarkskanal am unteren Rücken. Die früher teilweise praktizierte Subokzipitalpunktion tat das gleiche direkt am Schädel mit einer Nadel durch das Hinterhauptsloch – eine extrem unangenehme Probenahme, von der man mittlerweile abgekommen ist.

Zelluntersuchung
Zelluntersuchung unter dem Mikroskop im Labor Copyright: trans961, Bigstockphoto

Alzheimer-Früherkennung durch bildgebende Verfahren

Weniger drastisch lassen sich Veränderungen am Gehirn mit fortgeschrittenen bildgebenden Verfahren erkennen.

Speziell am Gehirn spricht man von Neuroimaging. Dazu gehören die Magnetresonanztomographie (MRT), Positronen-Emissionstomographie (PET) und die Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT). Mit speziellen Biomarkern lassen sich hierbei interessierende Hirnregionen darstellen.

Früherkennung von Alzheimer im Blut

Erste erfolgreiche Ansätze arbeiten mit speziellen Biomarkern im peripheren Blut. Hierzu kann man ganz normale Blutproben wie für ein kleines oder großes Blutbild verwenden.

Man verwendet Antikörper, die bestimmte, nur in Spuren auftretende Eiweiße aus dem Blutserum herausfischen, Massenspektrometrie oder spezielle kleine RNAs, die in der Forschung zusehends für Furore sorgen, die micro-RNAs (miRNAs). Sehr aufwändig und teuer ist die Analyse des gesamtenTranskriptoms anhand einer Blutprobe, also die qualitative und quantitative Untersuchung aller gebildeten RNAs.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

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  • Fiandaca MS, Mapstone ME, Cheema AK, Federoff HJ: The critical need for defining preclinical biomarkers in Alzheimer’s disease. Alzheimers Dement. 2014 Jun;10(3 Suppl):S196-212. doi: 10.1016/j.jalz.2014.04.015. Review.
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