Blutgerinnungstest

Blutgerinnungstests: verschiedene Methoden und zugehörige Ergebnisse der Blutanalyse

Ein funktionierendes System der Blutgerinnung gilt für den menschlichen Körper als lebensnotwendige Voraussetzung. Dagegen gefährdet eine zu hohe sowie eine zu geringe Blutungs-Neigung die Gesundheit. Angesichts der Relevanz existieren Blutgerinnungstests, um medizinische Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gerinnungs-Systems zu erhalten. Ausgehend von den Labor-Ergebnissen der Tests diagnostizieren die Ärzte eine gesunde, zu niedrige oder zu hohe Koagulation des Blutes.

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Wichtige Parameter: INR-Wert und partielle Thromboplastin-Zeit

Zusammengefasst existieren mehrere Blutgerinnungstests, mit denen Ärzte und Labors das Gerinnungs-System der Patienten auf seine Funktions-Fähigkeit überprüfen. Als wichtigste Ergebnisse der Untersuchung gelten der Quick- beziehungsweise INR-Wert und die partielle Thromboplastin-Zeit. Die beiden Parameter liefern Aufschlüsse über die intrinsische und extrinsische Gerinnung.

Daneben findet mitunter eine Bestimmung der D-Dimere oder von Antithrombin statt. Die Kontrolle der Aktivierung der Thrombozyten erfolgt durch eine bei der untersuchten Person hervorgerufenen künstlichen Verletzung und der anschließenden Ermittlung der Blutungszeit.

 

In den für die Analyse der Blutproben zuständigen Labors kommen unterschiedliche Untersuchungs-Verfahren zum Einsatz. Dementsprechend existieren mehrere Kennzahlen, die Aufschluss über die Blutgerinnung geben. Um die extrinsische Koagulation zu kontrollieren, verwenden die Labors bevorzugt den INR-Wert. Dagegen liefert die ebenfalls häufig benötigte partielle Thromboplastin-Zeit Hinweise auf die intrinsische Gerinnung. Im weiteren Verlauf folgen ausführliche Informationen über die verschiedenen Testmethoden.

 

Blutgerinnungstests kontrollieren die Funktions-Fähigkeit des Gerinnungs-Systems

Kommt es zu einer Verletzung an einem Blutgefäß, stoppt das Gerinnungs-System die Blutung durch die Ausbildung eines Netzes aus Fibrin. Hierbei differenziert die Medizin bei der Aktivierung der Blutgerinnung zwischen einer extrinsischen und einer intrinsischen Komponente des Systems.

Die extrinsische Blutgerinnung setzt in vergleichsweise kurzer Zeit ein, wenn eine Verletzung des Gewebes von außen vorliegt. Dagegen aktiviert der Körper das intrinsische (oder endogene) System, sobald Schäden im Inneren der Gefäße ohne eine Blutung in das umliegende Gewebe auftreten.

 

Quick- beziehungsweise INR-Wert testet die extrinsische Gerinnung

Um die extrinsische Blutgerinnung zu testen, gilt der Quick-Wert mit anschließender Umrechnung in eine INR-Skala als etabliertes Verfahren. Die Zufuhr von Citrat und die dadurch ausgelöste Bindung von Calcium verhindert, dass das Blut nach der Entnahme gerinnt. Im Labor zentrifugiert die verantwortliche Person zunächst die Probe. Das entstehende Blutplasma dient als Ausgangs-Material für die weitere Untersuchung.

Als Nächstes folgt die Gabe von Calzium und die Erwärmung auf 37 Grad Celsius. Im Anschluss daran fungiert ein zugesetzter Gewebefaktor als Auslöser der extrinsischen Blutgerinnung. In dessen Folge nimmt das Blut einen festen Zustand ein und bildet dabei Fibrinfäden aus. Das im Labor eingesetzte Analyse-Gerät misst die vergangene Zeit, bis besagte Fäden entstehen (Prothrombin-Zeit).

Lange Zeit fand im Anschluss an die Messung eine Umrechnung der gemessenen Zeit in den sogenannten Quick-Wert statt (Einheit: Prozent). Dessen normale Ergebnisse bewegen sich im Bereich von 70 bis 120 Prozent. Eine Prothrombin-Zeit von 20 Sekunden entspricht einem Quick-Wert von 100 Prozent. Aufgrund der Empfehlung von Experten (zum Beispiel von Stephan Moll und Rainer Dietz im deutschen Ärzteblatt) findet der Quick-Wert immer seltener Verwendung.

Hintergrund der Empfehlung stellen die nicht vergleichbaren Ergebnisse des Quick-Wertes dar. Die ermittelte Thromboplastin-Zeit hängt wesentlich vom eingesetzten Gerinnungs-Auslöser ab. Je nach Hersteller variieren die Quick-Parameter. Das ermöglicht keine einheitliche Interpretation der Kennzahl der Blutgerinnung. Letzteres erweist sich beispielsweise bei der Dosierungs-Empfehlung von Medikamenten auf Basis des Quick-Wertes als problematisch.

 

INR-Wert als standardisierter Parameter empfohlen

Anstelle des Quick-Parameter greifen die Ärzte angesichts des erläuterten Nachteils auf die INR-Standardisierung zurück. Das Kürzel „INR“ steht für „International normalized ratio“. Hierbei existiert für jeden am Markt verfügbaren Gewebefaktor eine Sensitivitäts-Zahl. Dieser berücksichtigt die Empfindlichkeit der Reagenzien. Das ermöglicht die Umrechnung der Thromboplastin-Zeit in unabhängige Ergebnisse. Die INR-Werte eines gesunden Menschen liegen zwischen 0,85 und 1,27.

 

Kontrolle der intrinsischen Gerinnung

Zur Überprüfung der intrinsischen Blutgerinnung bietet sich die partielle Thromboplastin-Zeit an. Vom Vorgehen ähnelt die Methode der Bestimmung des Quick- beziehungsweise INR-Wertes. Hierbei löst die Gabe von partiellem Thromboplastin sowie von Calcium-Ionen und einem Kontakt-Aktivator die Gerinnung aus. Erneut misst eine dafür konzipierte Maschine die Zeit bis zur Koagulation. Der Referenzbereich liegt zwischen 20 und 38 Sekunden. Erhöhte Werte bei der partiellen Thromboplastin-Zeit deuten auf Störungen im Gerinnungs-System hin.

Die beiden vorgestellten Werte stellen die Basis von Blutgerinnungstests dar. Sie liefern Aufschluss über die intrinsischen und extrinsischen Komponenten des Gerinnungs-Systems. Ausgehend von den Resultaten diagnostizieren die Ärzte Krankheiten. Dazu unterstützen die Labor-Ergebnisse die Kontrolle von Therapien mit Antikoagulanzien.

Neben den beiden wichtigsten Blutwerten existieren einige weitere Parameter mit Relevanz im Hinblick auf die Blutgerinnung. Hierzu gehört die Bestimmung der D-Dimere oder von Antithrombin. Zu hohe D-Dimer-Werte oder zu niedrige Konzentrationen von Antithrombin III resultieren in einer verstärkten Gerinnung. Zudem liefert eine Analyse der Thrombozyten-Anzahl Hinweise auf die Funktions-Fähigkeit des Koagulations-Systems.

 

Blutungszeit – Test am Patienten

Sämtliche angeführten Tests der Blutgerinnung finden nach der Blutabnahme im Labor statt. Zusätzlich existiert die Option, die Zeitspanne vom Einsetzen einer Blutung bis zur Koagulation durch eine künstlich hervorgerufene Verletzung am Patienten zu überprüfen. Diesbezüglich bieten sich mehrere Vorgehensweisen an. So kommen beispielsweise bei der Methode nach Ivy eine Blutdruck-Manschette und ein mechanisches Messer zum Einsatz.

Die Manschette dient dazu, den Druck im Gewebe auf einem standardisierten Niveau zu halten. Mit dem Messer nimmt der Arzt an einer ausgewählten Stelle des Unterarms einen in Tiefe und Länge definierten Einschnitt vor. Das austretende Blut entfernt der Mediziner im Abstand von 30 Sekunden mit einem Tupfer, ohne die Wunde zu berühren. Die Blutungszeit gilt als beendet, wenn er keine rötlichen Stellen mehr aufweist. Der Referenzwert liegt bei bis zu vier Minuten. Der Test dient zur Überprüfung der Thrombozyten-Aktivierung.

Autorenprofil

Gesundheitsredaktion

Anna Nilsson, Journalistin, und Medizinredakteurin seit 2001, medizinische Angestellte. verfasst medizinjournalistische Artikel unter anderem im Gesundheitsmagazin www.grossesblutbild.de


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