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Ansteckung mit SARS-CoV-2 über Stuhl und Atemluft

Mittlerweile weiß man, dass das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 wesentlich ansteckender ist als das lange bekannte Influenzavirus, das eine Grippe auslöst. Das könnte daran liegen, dass es noch mehr Übertragungswege gibt als bisher angenommen. Bekannt und gut untersucht ist das Risiko von COVID-19 bei einer Tröpfcheninfektion, bei der die Verbreitung über Sekrettröpfchen aus den Atemwegen stattfindet. Offenbar finden sich die Viren aber auch in der normalen Atemluft und im Stuhl infizierter Patienten.

Übertragung des Coronavirus über Flächen: Copyright: Maridav bigstockphoto

COVID-19 wird vor allem durch Husten und Niesen übertragen

SARS-CoV-2 wird vor allem durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, genau wie die Viren bei einer Grippe oder Erkältung. Die Viruspartikel fliegen nicht frei in der Luft herum, sondern sind in kleine Tröpfchen aus den Atemwegen eingeschlossen. Solche virushaltigen Sekrettröpfchen bilden sich vor allem beim Sprechen, Husten und Niesen. Sie sind in der Regel über 10 µM (Mikrometer – 1 Mikrometer = 1/1000 Millimeter) groß.

Auch die Atemluft enthält Coronaviren

Mediziner gehen inzwischen davon aus, dass die Atemluft ebenfalls Viruspartikel enthält, allerdings nur in kleinen Mengen. Das neuartige Coronavirus ist mit 160 nm (Nanometern – 1 Nanometer = 1 millionstel Millimeter) etwas größer als das Influenzavirus (120 Nanometer), und beim Atmen produziert der Mensch kleine Tröpfchen von etwa einem Mikrometer (µm). Ein Atemzug enthält davon bis zu 50.000.

Atemschutzmasken: Vor allem für Infizierte

Diese Erkenntnis ist wichtig für das Tragen von Atemschutzmasken, wie es vor allem für infizierte Personen sinnvoll ist: Die meisten Masken haben eine Porengröße von zwei Mikrometern, sodass über 90 Prozent des Aerosols darin hängen bleiben.

Bilder aus asiatischen Ländern zeigen häufig Personen mit Mundschutz. Dort schützt das Tragen von Atemschutzmasken auch vor Luftverschmutzung und gilt als Akt der Höflichkeit, durch den man als Erkrankter seine Umgebung weniger gefährdet.

Filterpartikelmasken (FFP3-Masken), wie Chirurgen sie im OP benutzen, schützen Untersuchungen zufolge noch besser, sind aber teuer und im Alltag wenig praktikabel, da man sie nur begrenzte Zeit tragen kann.

covid-19, Copyright: diy13 bigstockphoto

Coronavirus überlebt auch auf Oberflächen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO weist darauf hin, dass die Überlebenszeit von SARS-CoV-2 auf Oberflächen wie Türklinken und Waren nicht ausreichend geklärt ist. Die Infektionsfähigkeit der Viren hängt von vielen Bedingungen ab, darunter die Art der Oberfläche, Temperatur sowie Feuchtigkeit.

Prinzipiell ist also auch eine Ansteckung über Waren aus Fernost, importierte Lebensmittel, Spielzeug oder Kleidung möglich – aber sehr unwahrscheinlich. Für eine Infektion ist immer eine gewisse Anzahl von Viruspartikeln notwendig, wie sie beim unmittelbaren Kontakt mit einer an COVID-19 erkrankten Person viel schneller erreicht wird.

Zudem spielt das Immunsystem bei der Bekämpfung eingedrungener Viren eine wesentliche Rolle. Ein gesunder Mensch mit normaler Immunabwehr ist daher weniger gefährdet als jemand mit einer bestehenden Infektion oder Immunschwäche.

SARS-CoV-2 findet sich auch in Stuhlproben

Vergleichsweise neu ist die Erkenntnis, dass SARS-CoV-2 auch im Verdauungssystem auftritt und in Stuhlproben zu finden ist. Durchfall ist eine eher seltene Begleiterscheinung von COVID-19, hat aber die Wissenschaftler im Stuhl nach dem Virus fahnden lassen.

Somit kann eine über die Tröpfcheninfektion aus den Atemwegen hinausgehende Verbreitung über den Magen-Darm-Trakt nicht ausgeschlossen werden. Eine solche Schmierinfektion könnte insbesondere in der Anfangsphase der Ansteckung für eine weitere Verbreitung sorgen.

Nachweis von Coronavirus-RNA bedeutet nicht automatisch Infektionsgefahr

Des Öfteren wurde berichtet, dass sich das Erbgut von SARS-CoV-2 lange Zeit auf kontaminierten Oberflächen nachweisen lässt. Dazu gehören beispielsweise Türklinken, Toilettenbrillen und Handgriffe.

Allerdings muss man bedenken, dass das Vorhandensein von Coronavirus-ssRNA nicht automatisch bedeutet, dass vermehrungsfähige Viruspartikel vorliegen. Meistens sind die Viren bereits ausgetrocknet und somit inaktiv.

Im Vergleich zu direktem Patientenkontakt dürfte die Ansteckung über Oberflächen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Trotzdem weiß man nie, ob Sekunden zuvor ein infizierter Mitmensch mit vollgehusteten Fingern den Handlauf der Rolltreppe oder den Haltegriff in der Straßenbahn angefasst hat. Daher ist neben Social Distancing häufiges und gründliches Händewaschen eine der wichtigsten Vorsorgemaßnahmen, um eine Ansteckung mit COVID-19 zu verhindern.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien. (Autoren M.Foerster/H.Stephan)