Entgiftung und Entzug von Kokain

Beim Kokain handelt es sich um eine Droge, die schon nach einem relativ kurzen Konsumzeitraum in eine schwere psychische Abhängigkeit führen kann, welche dann einen Entzug notwendig macht.

Dabei ist die Rückfallquote nach einem Kokain Entzug überaus hoch, da das sogenannte „Craving“ – also das nahezu unstillbare Verlangen nach einem weiterem Konsum des entsprechenden Stoffes – erst nach einem sehr langen Zeitraum nachlässt.

Kokain Entzug
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Auf Grund der schweren psychischen Abhängigkeit treten – unabhängig vom „Craving“ – beim Kokain-Entzug Symptome wie Erschöpfung, ein Mangel an Energie und ein Libidoverlust auf.

Besonders schwerwiegend kann die durch das Weglassen von Kokain verursachte depressive Verstimmung sein, die bis zum versuchten oder vollzogenen Selbstmord führen kann. Je nach Konsumverhalten des Patienten ist beim Kokain-Entzug auch die Entstehung von Psychosen beschrieben worden, die die Suizid-Gefahr teilweise noch vergrößern.

Der Kokain-Entzug sollte sinnvollerweise im Rahmen einer ärztlichen Betreuung erfolgen, die je nach schwere der Abhängigkeit und Konsumverhalten in verschiedenen Settings vollzogen werden kann.

Hier stehen stationäre, teilstationäre oder ambulante Möglichkeiten zur Verfügung. Oftmals ist es schwierig, die Konsumenten zu einer Krankheitseinsicht zu führen und ihnen die Notwendigkeit eines Entzuges deutlich zu machen, so dass es in vielen Fällen erst die Begegnung mit der Justiz ist, die die Patienten gewissermaßen zur Kooperation und damit zum Kokain-Entzug zwingt.

Wirklich erfolgreich kann die Behandlung aber auf Dauer nur sein, wenn der Betroffene den Wunsch hat, von dem Suchtmittel loszukommen.

Denn wie schon erwähnt verursacht der Kokain-Entzug Symptome, die die Lebensqualität über einen langen Zeitraum erheblich einschränken und wer sich erst einmal in der Drogenszene bewegt hat, wird schnell dazu neigen, sich mit Hilfe der aufputschenden Droge wieder in einen euphorischen Zustand zu versetzen.

Kokain Entzug – Die Grundpfeiler der Therapie

Ein Kokain-Entzug erfordert zwingend ein multimodales Therapiemodell, das neben der Eindämmung der Entzugssymptome einen besonderen Wert auf eine zukünftig dauerhafte Abstinenz legt.

Eine psychotherapeutische Begleitung mit Gesprächen kann in der Akutphase des Entzugs sinnvoll sein, wenn das gut geschulte Personal mit Hilfe eines sogenannten „talking down“ den Patienten beruhigen kann.

Im weiteren Verlauf der Therapie geht es um Ursachenforschung und dabei vor allem um die Frage, weshalb der Patient in die Anhängigkeit gerutscht ist, wie dessen soziales Umfeld aussieht und wie sich zukünftig ein Rückfall vermeiden lässt.

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Mögliche juristische oder finanzielle Gesichtspunkte müssen dringend vor einem Wiedereinstieg in den Alltag zumindest ansatzweise gelöst werden, da ein Rückfall in das Suchtverhalten sonst vorprogrammiert ist.

Hinzukommt die Tatsache, dass in vielen Fällen auch multiple Abhängigkeiten vorliegen, die ein gut auf den jeweiligen Konsum abgestimmtes therapeutisches Vorgehen erfordern.

In der Akutphase der Therapie ist insbesondere bei ausgeprägten Angst- und Panikzuständen oder psychomotorischer Erregung, eine medikamentöse Unterstützung indiziert, die meist unter Zuhilfenahme von Benzodiazepinen erfolgt.

Kokain-Entzug Dauer und verschiedene Stadien

In der medizinischen Fachliteratur wird der Kokain-Entzug grob in drei verschiedene Phasen eingeteilt, die alle eine starke depressive Verstimmung und Suizidgedanken mit sich bringen.

Der Entzug beginnt mit der sogenannten

(1) „Crash-Phase„, in der Schlafstörungen und extreme Müdigkeit sich abwechseln, die depressive Verstimmung extrem ausgeprägt sein kann, der Patient zu Panikattacken neigt und von akuten Selbstzweifeln geplagt wird. Diese Phase wird nach wenigen Tagen von der eigentlichen

(2) „Entzugsphase“ abgelöst, die sich über eine bis mehrere Wochen hinziehen kann und in der wiederum Depressivität und Antriebslosigkeit vorherrschen. Stärker als in der Crash-Phase verspürt der (ehemalige) Konsument hier das „Craving“ und damit das kaum zu stillende Verlangen, erneut Kokain zu konsumieren.

Das „Craving“ bringt die größte Rückfallgefahr mit sich und besteht lange über die eigentliche Entzugsphase hinaus.

Auf die Entzugsphase folgt in einem dritten Schritt die

(3) Löschungsphase in der das starke Konsumverlangen schubweise immer wieder aufritt. Typisch für diese Stufe des Kokain-Entzugs sind auch Albträume, in denen frühere Rauscherlebnisse wieder neu evoziert werden. Allgemein kann für den Kokain-Entzug die Dauer nicht angegeben werden, da diese sich nach dem spezifischen Konsumverhalten des jeweiligen Patienten, sowie nach bestimmten neurologischen Faktoren richtet. Grundsätzlich gilt, dass ein Kokain-Entzug immer ein langwieriger Prozess ist, der es erforderlich macht, dass der ehemalige Konsument über Monate oder Jahre hinweg therapeutische Begleitung erhält.

Begleiterkrankungen beim Kokain Entzug

Alleine mit dem Kokain-Entzug ist es nicht getan, da der Konsum der Droge und das Absetzen in vielen Fällen Begleiterkrankungen hervorrufen, die das Wohlbefinden erheblich einschränken können.

Ehemalige Kokain-Konsumenten neigen häufig zu Symptomen wie Apathie und Störungen der Konzentration, die einen Wiedereintritt ins Arbeitsleben vielfach unmöglich machen.

Auch ein sozialer Rückzug ist ein typisches Folgesymptom einer langwierigen Kokain-Anhängigkeit und erschwert die Abstinenz vom Kokain ungemein.

Vielfältige weitere affektive Störungen können im Rahmen des Kokain-Konsums oder -Entzuges auftreten und sich in einem gestörten Verhältnis zur Realität äußern, die Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis ähneln.

Hierfür wurde auch der spezifische Begriff der „Kokain-Psychose“ entwickelt, die sich als Folge einer durch Kokain verursachten dauerhaften Übererregbarkeit des dopaminergen Systems entwickeln.

 

Der Kokain-Entzug ist ein langwieriger Prozess, der neben Eigeninitiative eine langwierige medizinische und therapeutische Begleitung erforderlich macht.

Die Rückfallquote ist überaus hoch und ergibt sich insbesondere aus dem „Craving“, das das nahezu unstillbare Verlangen nach Einnahme des Stoffes beschreibt.

Auch nach einem Abklingen der eigentlichen Entzugssymptome kann dieses „Craving“ noch über Jahre hinweg in Schüben auftreten, so dass eine dauerhafte therapeutische Begleitung für jeden ehemaligen Kokain-Konsumenten wohl die einzige Möglichkeit darstellt, dauerhaft clean zu bleiben.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Patienten nicht nur Kokain, sondern einen ganzen Mix an Drogen konsumiert haben, die jeweils andere biochemische Vorgänge im Gehirn auslösen.

Aus diesem Grund ist auch jeder Entzug ein absoluter Einzelfall, der eine individuelle Evaluation erforderlich macht. Nicht zuletzt kann ein Entzug nur dann erfolgreich sein, wenn soziale, juristische und finanzielle Aspekte mit in den Blick genommen werden, da die Rückfallgefährdung auch stark vom jeweiligen sozialen Umfeld abhängt.

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