COVID-19 Inkubationszeit und Verlauf – Welche Grunderkrankungen führen zum schweren Verlauf

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Die ersten Daten des COVID-19-Ausbruches in der chinesischen Provinz Wuhan waren mit erheblichen Ungenauigkeiten verbunden. Das lag vor allem an den vielfältigen Beschwerden, oft unauffälligen Röntgenbefunden und der unterschiedlichen Schwere der Krankheit beim positiven Testergebnis je nach bestehender Grunderkrankung. Inzwischen weiß man dank einer aktuellen Studie mehr. Sie ist in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine erschienen und wirft ein völlig neues Licht auf die Infektion mit SARS-CoV-2.

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Warum sind epidemiologische Daten so wichtig?

Kenne deinen Feind – dieser Grundsatz ist für Epidemiologen ungemein wichtig. Nur wenn man so genau wie möglich Bescheid über eine Erkrankung und ihre Ausbreitung weiß, kann man Gesundheitsbehörden und Politik passende Handlungsempfehlungen nahelegen.

Im Falle von COVID-19 entscheidet die Datenlage letzendlich darüber, ob eine Ausgangssperre und rigorose Quarantäne möglicherweise infizierter Kontaktpersonen dringend notwendig ist oder ob weniger dramatische Einschränkungen ausreichen. Solche Entscheidungen hängen davon ab, wie infektiös ein Virus ist, wie schnell er sich in der Bevölkerung ausbreitet und welche Folgen die Erkrankung für den betroffenen Patienten hat.

Die aktuellen Auswertungen des chinesischen Coronavirus-Ausbruchs werden auch in Deutschland sicherlich eine Rolle dabei spielen, was die Experten des Robert-Koch-Institutes (RKI) und anderer Institutionen den Politikern in Berlin in Zukunft raten und wie Ärzte mit Corona-Patienten verfahren werden.

Krankenhaus
Krankenhaus, Copyright: sudok1 bigstockphoto

Coronavirus Daten aus 552 Krankenhäusern

Nachdem sich die Coronavirus-Epidemie in China im Januar 2020 langsam zu stabilisieren begann, schauen sich anerkannte Experten auf Betreiben der chinesischen Regierung den Ausbruch unter Leitung des renommierten Virologen Zhong Nanshan noch etwas genauer an.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von 1099 im Labor sicher bestätigten COVID-19-Fällen aus – aus 552 Krankenhäusern in 30 Provinzen Chinas. Als Stichtag haben sie den 29. Januar 2020 festgelegt. Endpunkte für die Auswertung waren die eines klinisch schweren Verlaufes:

  • Aufnahme auf die Intensivstation eines Krankenhauses,
  • künstliche Beatmung oder
  • Tod des Patienten.

Epidemiologische Daten des chinesischen SARS-CoV-2-Ausbruchs

Die epidemiologischen Daten sind für Gesundheitsorganisationen, Ärzte und Forschung interessant:

  • Das Durchschnittsalter der COVID-19-Patienten lag bei 47 Jahren.
  • Männer waren mit 58,1 % etwas häufiger betroffen als Frauen.
  • 6,1 % der Patienten hatten einen schweren Verlauf; davon
    • kamen 5,0 % auf die Intensivstation,
    • wurden 2,3 % künstlich beatmet und
    • verstarben 1,4 %.

Fieber und andere Symptome

Die häufigsten Beschwerden waren

  • Fieber –

    • 43,8 % bei Durchführung des Tests,
    • 88,7 % während des Klinikaufenthaltes
  • Husten (67,8 %)
  • Übelkeit und Erbrechen (5,0 %)
  • Durchfall (3,8 %)
  • Lymphozytopenie (83,2 %).

Interessanterweise kommt es in Europa offenbar wesentlich häufiger zu Durchfällen (über 30 %). In Deutschland wurde zudem ein Verlust von Geruch und Geschmackssinn festgestellt.

Grunderkrankungen bei COVID-19

Interessant sind auch die zusätzlichen Grunderkrankungen (Komorbiditäten), die bei 23,7 % der Erkrankten vorlagen und die häufig mit einem schweren Verlauf einhergingen. Das war vor allem der Fall bei

  • chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD; 10,4 %)
  • Diabetes (26,9 %)
  • Bluthochdruck (Hypertonie; 35,8 %)
  • koronare Herzkrankheit (KHK; 9,0 %)
  • cerebrovaskuläre Erkrankung (CVK; 6,0%).

Coronavirus – Wie lange dauert es bis zu den ersten Symptomen?

Die mittlere Inkubationszeit bis zum Auftreten der ersten Symptome lag bei vier Tagen und streute von zwei bis sieben Tagen (Interquartilsabstand).

Eine wichtige Erkenntnis: Bis zum Auftreten der ersten Symptome kann es entgegen ersten Schätzungen bis zu 24 Tagen dauern. Dieser Wert ist vor allem für Epidemiologen interessant, denn die Zeitspanne zwischen Infektion und den ersten sich manifestierenden Symptomen ist wichtig für die Dauer einer Quarantäne.

Vierzehn Tage Inkubationszeit – bald Makulatur?

Politiker und Gesundheitsbehörden orientierten sich bislang an den ersten Zahlenwerten der COVID-19-Epidemie in China. Demnach sollte es zwischen dem ersten Kontakt mit dem neuartigen Coronavirus und dem ersten Auftreten von Symptomen wie Fieber und Husten zwei bis vierzehn Tage dauern.

Daher werden aktuell weltweit Menschen, die mit einem nachweislich infizierten Patienten Kontakt hatten, zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. Sollten sich die aktuellen Zahlen bestätigen lassen, könnte eine längere Quarantänedauer gegebenenfalls angebracht sein.

Quellen, Links und weiterführende Literatur