Erhöhte Blutwerte bei Schilddrüsenkrebs: Diagnose und Erfolgskontrolle der Therapie

Erhöhte oder zu niedrige Blutwerte bei Schilddrüsenkrebs besitzen eine wichtige Bedeutung hinsichtlich Therapie und Erfolgskontrolle. Insbesondere beim medullären Karzinom liefert das Blutbild entscheidende Hinweise auf den bösartigen Tumor.

Nach der Entfernung der Schilddrüse kontrolliert der Arzt in regelmäßigen Abständen anhand des Thyreoglobulin-Wertes, ob der Krebs zurückkehrt.

Detaillierte Informationen zu erhöhten oder niedrigen Blutwerten bei Schilddrüsenkrebs
Schilddrüsenkrebs gehört zu den seltenen Krankheiten.

Jährlich erkranken in Deutschland ca. 7.000 Personen an den bösartigen Tumoren, die das Drüsengewebe der Schilddrüse befallen. Die Medizin kennt die exakten Ursachen von Schilddrüsenkrebs noch nicht. Patienten bemerken die Tumore durch Knoten im Bereich der Schilddrüse. Mitunter vergrößert sich auch Ihre Schilddrüse.

Als Spätsymptome bei einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung gelten Schluckstörungen, verwachsene Lymphknoten oder Heiserkeit in Folge einer Lähmung der Stimmbandnerven.

Liegt aufgrund der Symptomatik ein Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung nahe, ordnet der Arzt in der Regel eine Blutuntersuchung an. Mitunter deuten auffällig erhöhte Blutwerte auf Schilddrüsenkrebs hin.

Das Labor ermittelt nach der Blutentnahme die Konzentration folgender Werte:

• Schilddrüsenhormon T3,
• Schilddrüsenhormon T4,
• Thyreoidea-stimulierendes Hormon (kurz TSH),
• Calcitonin.

Schilddrüsenkrebs und seine verschiedenen Typen

Die Medizin unterscheidet zwischen verschiedenen Typen des Schilddrüsenkrebses. Jede Art geht mit einer unterschiedlichen Struktur des Tumorgewebes einher. Außerdem wirkt sich der Typ auf die erhöhten oder zu niedrigen Blutwerte bei Schilddrüsenkrebs aus.

Das papilläre Schilddrüsenkarzinom besitzt die höchste Häufigkeit unter den bösartigen Neubildungen. Beim follikulären Karzinom gehen die Krebszellen von den Thyreozyten aus. Im Unterschied dazu geht der Ursprung des medullären Karzinoms auf die Zellen, die Calcitonin produzieren zurück. Anaplastische Karzinome stellen eine sehr aggressive Form dar, die selten vor dem 60. Lebensjahr auftritt. Papilläre und follikuläre Karzinome fassen Ärzte unter dem Begriff „differenzierte Schilddrüsenkarzinome“ zusammen.

Schilddrüsenkarzinom: Veränderungen im Blutbild

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Weisen die beiden Schilddrüsenhormone ungewöhnliche Werte auf, kommt ein bösartiger Tumor nicht infrage. Hintergrund: Beim Schilddrüsenkarzinom liefern T3 und T4 keine auffälligen Informationen. In Abhängigkeit vom Typ des Schilddrüsenkarzinoms variiert die Diagnose auf Basis erhöhter Blutwerte bei Schilddrüsenkrebs.

Leiden Sie unter einem medullären Karzinom, steigt der Calcitonin-Wert im Blutbild an. Da nicht in allen Fällen die Blutwerte eine eindeutige Diagnose ermöglichen, finden zusätzliche weitere Methoden Verwendung.

Hierzu gehört insbesondere eine Ultraschalluntersuchung. Mit der Sonografie erkennt der Arzt Veränderungen an Ihrer Schilddrüse. Zusätzlich liegt eine Szintigrafie nahe, um die Funktion der Schilddrüse zu testen.

Zur Bestätigung der Diagnose folgt eine Feinnadelpunktion mit anschließender Untersuchung der Zellen unter dem Mikroskop. Die sich an die Diagnose anschließende Behandlung hängt ebenfalls vom Typ des Schilddrüsenkrebses ab. Oft besteht Bedarf an einer operativen Entfernung Ihrer Schilddrüse. Beim follikulären oder papillären Karzinom schließt sich häufig eine Radiojodtherapie an.

Thyreoglobulin dient der Erfolgskontrolle

Nach der Erstbehandlung eines Schilddrüsenkarzinoms durch vollständige Eliminierung dient ein weiterer Blutwert als Indikator für die Erfolgskontrolle. Hierbei handelt es sich um den Tumormarker Thyreoglobulin (kurz TG-Wert).

Die Produktion des Eiweißes findet im Schilddrüsengewebe statt. Dementsprechend fungiert der Wert als Parameter für die Anzahl der Schilddrüsenzellen im Körper.

Nach der Entfernung und der Radiojodtherapie sollte das Blut kein Thyreoglobulin mehr enthalten. In diesem Kontext deuten erhöhte Blutwerte nach Schilddrüsenkrebs darauf hin, dass noch Schilddrüsenreste oder Metastasen existieren. Liefert der Laborbefund zu hohe Ergebnisse, schließt sich eine erneute Radiojodtherapie an.

Die Kontrolle des Tumormarkers setzt sich in regelmäßigen Abständen lebenslang fort. Entdeckt das Labor erst in deutlichem zeitlichen Abstand zur Entfernung des Schilddrüsenkrebses erhöhte Blutwerte, impliziert Thyreoglobulin einen Rückfall (Rezidiv).

Mögliche Folgeerkrankungen eines Schilddrüsenkarzinoms

Bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen stehen die Heilungschancen gut. Nach einer entsprechenden Behandlung liegt die 10-Jahres-Überlebensrate im Durchschnitt bei 80 bis 90 Prozent. Medulläre Karzinome gehen mit einer durchschnittlichen 5-Jahres-Überlebensrate von 60 bis 70 Prozent anaplastische Karzinome mit weniger als zehn Prozent einher.

Zu der gravierendsten Folgeerkrankung bei Schilddrüsenkrebs gehört die Metastasierung. Beim follikulären Karzinom streut der Krebs über den Blutweg. Das papillare Karzinom metastasiert dagegen hauptsächlich über die Lymphwege. Neben den unmittelbaren Auswirkungen der bösartigen Tumore besteht bei Schilddrüsenkrebs die Gefahr weiteren Komplikationen.

Dazu zählt beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Wie eine 2016 veröffentlichte Metaanalyse belegt, steigt die Brustkrebsgefahr nach einem Schilddrüsenkarzinom um 18 Prozent an.

[Quelle: Sarah M. Nielsen et al.: The Breast-Thyroid Cancer Link: A Systematic Review and Meta-analysis, in: Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (Februar 2016), URL: http://cebp.aacrjournals.org/content/25/2/231?sid=0cb56223-9da5-426a-923e-7cabbaaa497e (letzter Zugriff: 08.02.2018)]

Keine Chemotherapie bei Schilddrüsenkrebs

Zusammengefasst besitzen erhöhte oder niedrige Blutwerte bei Schilddrüsenkrebs durchaus eine wichtige Signalfunktion. Neben der Diagnose dient das Blutbild insbesondere dazu, den Erfolg der Therapie zu kontrollieren und einen Rückfall zu identifizieren.

Im Unterschied zu vielen anderen Krebserkrankungen findet bei Schilddrüsenkrebs die Chemotherapie kaum Verwendung. Hintergrund: Die Tumorzellen der Schilddrüse sprechen kaum auf Zytostatika an.