Was bedeuten erhöhte Leukozyten im Urin in der Schwangerschaft?

Leukozytose in der Schwangerschaft kein Grund zur Sorge

Im Verlauf der Gravidität treten bei werdenden Müttern erhöhte Leukozytenwerte auf. Vorwiegend im Bereich der 38. Schwangerschaftswoche befinden sich die weißen Blutkörperchen weit oberhalb des Normbereichs. In der Folge bemerken die schwangeren Frauen weiße Flöckchen im Harn – speziell im Morgenurin. Die Mediziner sprechen in dem Fall von einem flockigen Urin. In der Regel weisen die veränderten Leukozytenwerte auf eine Entzündung innerhalb des Körpers hin. Weiterhin besteht die Möglichkeit einer Fehlfunktion der Niere.

Treten erhöhte Leukozyten im Urin in der Schwangerschaft auf, besteht für die Betroffenen kein Grund zur Sorge. Stattdessen weist die temporäre Leukozytose auf die fortschreitende Schwangerschaft hin. Um das Ungeborene vor Erregern zu schützen, produziert der Organismus der Mutter vermehrt weiße Blutzellen.

Untersuchungen während der Schwangerschaft

Vorsorge und Blutuntersuchungen während der Schwangerschaft Urheber: alexraths / 123RF.com

 

Erhöhte Leukozyten im Urin in der Schwangerschaft zusammengefasst

Bemerken werdende Mütter erhöhte Leukozyten im Urin in der Schwangerschaft, brauchen sie sich nicht zu sorgen. Im Regelfall deutet die gesteigerte Produktion der Leukozyten auf die fortschreitende Entwicklung des Embryos hin. Vorwiegend tritt die Leukozytose in der 38. Schwangerschaftswoche auf. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen steigt über die Normgrenze. Das bedeutet, im Organismus der Patienten befinden sich über 150.000 Leukozyten in einem Milliliter Blut.

Aufgrund der Überproduktion baut der Körper die weißen Blutkörperchen über die Niere ab. Die betroffenen Frauen erkennen in ihrem Harn weiße Pünktchen, die sich zu kleinen Flocken zusammenschließen. Während der Schwangerschaft erweist sich die Erhöhung der Leukozyten als normale Reaktion, um das ungeborene Kind vor Bakterien und Viren zu schützen.

 

Erhöhte Leukozyten vor der Geburt

Speziell ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft erhöhen sich die Leukozytenwerte der zukünftigen Mütter. Ihren Höhepunkt erreichen sie in der Regel um die 38. Schwangerschaftswoche, die sich in der Mitte des zehnten Schwangerschaftsmonats befindet. Zu dem Zeitpunkt zeigt sich das Baby bereit für die Geburt. Das heißt, es erweist sich als vollständig entwickelt. Um den Organismus des Ungeborenen vor Infektionen zu schützen, verstärkt sich die körpereigene Immunabwehr der Mutter. Das bedeutet, dass die Anzahl der Leukozyten über den normalen Wert steigt. Die Ärzte diagnostizieren bei den betroffenen Frauen eine temporäre Leukozytose.

Sie äußert sich in erhöhten Leukozyten im Urin in der Schwangerschaft. Aufgrund der vermehrten Bildung der weißen Blutzellen kommt es zu einem verstärkten Abbau. Das geschieht in der Niere, welche die Leukozyten über den Harn ausscheidet. Vorrangig im Morgenurin bemerken die Schwangeren weiße Flöckchen. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass sich der Urin verfärbt zeigt. Die Leukozytose in der Schwangerschaft weist nicht auf eine Erkrankung hin, sodass sie in der Regel keine medizinische Relevanz besitzt.

 

Warum erhöht sich die Zahl der weißen Blutzellen in der Gravidität?

Einige Nebenerscheinungen, die mit der Schwangerschaft einhergehen, entstehen im achten und neunten Schwangerschaftsmonat. Dazu gehört der veränderte Leukozytenwert, der als physiologische Erhöhung auf den baldigen Geburtstermin hindeutet. Die Leukozytose beginnt bereits zu Beginn der Schwangerschaft, da der Organismus der Mutter die körpereigene Immunabwehr verstärkt. In den ersten Wochen liegen die Leukozyten knapp oberhalb der Normgrenze. Sichtbare Symptome für die Erhöhung der weißen Blutzellen existieren bislang nicht.

Erst bei einer übermäßigen Produktion der Leukozyten kommt es zu einem verstärkten Ausscheiden dergleichen. Durch die Bildung der weißen Blutkörperchen gewährleistet die Mutter den Immunschutz für das ungeborene Kind. Mit seiner vollständigen Entwicklung gelingt es dem Embryo, eigenständig weiße Blutzellen zu bilden. Aus dem Grund zeigt sich ein Teil der mütterlichen Leukozyten unbrauchbar. Über den Harn scheidet der Organismus diese problemlos aus.

 

Die Fähigkeit, selbstständig weiße Blutkörperchen zu produzieren, erhält das Kind im siebten Monat der Schwangerschaft. Daher erkennen die zukünftigen Mütter in diesem Zeitraum einen deutlichen Anstieg des Leukozytenwerts. Ab diesem Monat bis zur Entbindung zeigen sich die weißen Blutzellen im Urin.

 

Die Leukozytose – Erhöhte Leukozyten ab der 38. Schwangerschaftswoche

Ab der 38. Schwangerschaftswoche gilt das ungeborene Kind als vollständig entwickelt und geburtsfähig. In seinem Körper befinden sich im Normalfall 9.000 bis 30.000 Leukozyten pro Milliliter Blut. Das bedeutet: Das Ungeborene benötigt die zusätzlichen weißen Blutzellen der Mutter nicht. Um für eine Regulierung der Überproduktion zu sorgen, scheidet deren Organismus die überschüssigen Leukozyten aus. In der Regel erweist sich der flockige Urin als einzig sichtbares Anzeichen für den Prozess.

Auch nach der Entbindung besteht die Option, dass der Organismus der Mutter überzählige Leukozyten bildet. Das bedeutet, dass weiterhin weiße Flöckchen im Harn existieren. Nach dem körperlichen und geistigen Stress der Geburt benötigt der Organismus der Patienten eine verstärkte Immunabwehr. Dies erhält Relevanz, damit keine Keime in den Körper eindringen. Im Wochenbett erhöht sich die Konzentration der Leukozyten in einem Milliliter Blut auf bis zu 20.000 Stück.

 

Warum treten weiße Stückchen im Urin auf?

Zusätzlich zum flockigen Urin bemerken die zukünftigen Mütter im letzten Drittel der Schwangerschaft weiße Partikel im Harn. Die festen Stückchen stellen einen getrockneten Zusammenschluss der Leukozyten dar. Vorwiegend geschieht dies, wenn die Überproduktion über das in der Schwangerschaft normale Maß hinausgeht. Ursachen dafür sind beispielsweise:

  • eine Krebserkrankung,
  • eine virale Infektion,
  • eine im Körper befindliche Entzündung
  • oder eine Autoimmunkrankheit der werdenden Mutter.

 

Um gesundheitliche Komplikationen für das ungeborene Kind zu verhindern, setzen die Betroffenen ihren Hausarzt über die Partikel in Kenntnis. Dieser führt Untersuchungen durch, um eine frühzeitige Diagnose zu erstellen. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die Erkrankung zeitnah zu therapieren.

 

Fehlende Leukozyten in der Schwangerschaft

Bei einigen Frauen bilden sich während der Gravidität keine zusätzlichen weißen Blutzellen. In der Folge besitzt das ungeborene Baby keine Immunabwehr. Im schlimmsten Fall entstehen aufgrund des Eindringens von Erregern schwerwiegende Erkrankungen, welche die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Dazu gehören geistige oder körperliche Defekte. Ebenso erhöht sich durch die mangelnden weißen Blutkörperchen das Risiko einer Fehlgeburt. Durch die mengenmäßig niedrige Produktion der Leukozyten steigt der Einfluss geringer Alkoholmengen auf den Embryo. Bereits kleine Alkoholkonzentrationen reichen aus, um eine negative Wirkung auf die psychischen Fähigkeiten des Babys auszuüben. Das belegt die Studie „Fetal Alcohol Exposure and IQ at Age 8: Evidence from a Population-Based Birth-Cohort Study“ von Sarah J. Lewis et al. Die Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 2012.

 

weiterführend:

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0049407

http://www.leukozyten-info.de/leukozytose

 

 

 

Autorenprofil

Anna Nilsson, Medizinredakteurin

Anna Nilsson, Journalistin und Medizinredakteurin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin www.grossesblutbild.de


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