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Ein Angiologe ist ein Gefäßspezialisten. Er ist für die Diagnose, Prävention und Therapie von Erkrankungen des Blutgefäß- und Lymphsystems zuständig. Dazu zählen in der Klinik vor allem Durchblutungsstörungen, Embolien, Thrombosen und Krampfadern.

Angiologie
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Was ist ein Angiologe?

Angiologen sind ausgebildete Fachärzte der Inneren Medizin (Internisten), die darüber hinaus eine sechsjährige Weiterbildung in der Angiologie absolvieren müssen. Dazu gehören drei Jahre allgemeine Innere Medizin und drei weitere Jahre in einer angiologischen Einrichtung wie einer Praxis oder Abteilung im Krankenhaus. Die für den Facharzt notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten werden am Ende der Weiterbildungszeit in einem mündlichen Examen überprüft. Danach lautet der offizielle Titel Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Angiologie.


Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Ein Angiologe ist ein Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Angiologie. Für den Erwerb dieses Facharzttitels ist eine sechsjährige Weiterbildungszeit vorgesehen.
  2. Sein Betätigungsfeld ist die Diagnose, Therapie und Prävention von Gefäßkrankheiten. Diese betreffen Venen und Arterien des Blutgefäßsystems oder die Lymphbahnen.
  3. Zu den wichtigsten von einem Angiologen behandelten Erkrankungen gehören Gefäßverkalkungen, Embolien, Krampfadern, Veneninsuffizienz und Lymphabflussstörungen.
  4. Die wichtigsten Diagnoseverfahren, die ein Angiologe anwendet, sind die körperliche Untersuchung sowie bildgebende Verfahren mit Ultraschall und Röntgendiagnostik.
  5. Therapeutisch kommen konservative Behandlungsmethoden wie die Kompressionstherapie, medikamentöse Einstellung der Durchblutung sowie chirurgische Verfahren zur Sicherstellung des Gefäßflusses zum Einsatz.

Welche Aufgaben hat ein Angiologe?

Ein Gefäßspezialist befasst sich mit allen Erkrankungen der Leitungssysteme des menschlichen Körpers. Dazu zählt nicht nur das Blutgefäßsystem mit Arterien und Venen, sondern insbesondere auch das Lymphsystem, das für den Lymphtransport im Körper verantwortlich ist. Wegen seiner dünnen Gefäßwände ist letzteres anatomisch wesentlich unauffälliger, aber in seiner Funktion nicht minder wichtig wie die Blutgefäße.

Betätigungsfeld Blutgefäße

Alle Blutgefäße, die vom Herzen wegführen, gehören zum arteriellen Gefäßsystem, alle zum Herzen zurückleitenden Bahnen zum venösen Gefäßsystem. Ersteres umfasst die muskulösen und elastischen Schlagadern und die Hauptschlagader (Aorten) und die kleineren Arterien und Arteriolen. Zum Herzen führen Venolen, Venen und die großen Hohlvenen (Vena cava). Nährstoff- und Gasaustausch finden vor allem in den Kapillaren statt, die fein verästelt und dünnwandig eine für diesen Zweck optimal große Oberfläche aufweisen.

Lymphbahnen und Lymphknoten

Bei den dünnwandigen Lymphbahnen unterscheidet man ähnliche Strukturen, die man hier als Sammelstämme (Trunci), Kollektoren, Präkollektoren und Lymphkapillaren bezeichnet.

Die Lymphbahnen sind von Lymphknoten durchsetzt, in denen weiße Blutkörperchen (Leukozyten) eingedrungene Bakterien und Viren endgültig unschädlich machen und für die Immunantwort auf allergene Substanzen sorgen.

In diesen Filtersystem werden bei Krebspatienten auch vereinzelte Tumorzellen zurückgehalten, die so in den Lymphknoten weiterwachsen und bei der Bildung von Metastasen ebenso wie diese und der Primärtumor operativ entfernt werden müssen.

Wie komme ich als Patient zu einem Angiologen?

Hat Ihr Hausarzt erste Hinweise auf eine Erkrankung der Gefäßsysteme bei Ihnen festgestellt, wird er Ihnen eine Überweisung in die Angiologie schreiben. Ein Angiologe verfügt über spezielle Fachkenntnis, Geräte und Untersuchungsmethoden, mit denen eine Untersuchung besser möglich ist als beim Hausarzt.

Weitere Spezialisierungen in der Angiologie: Gefäßchirurgie und Phlebologie

Auch für die Behandlung ist ein Angiologe besser ausgerüstet. Das trifft insbesondere für operative Maßnahmen zu, die bisweilen bei Störungen von Gefäßen notwendig werden. Viele Angiologen, vor allem in Kliniken, sind zugleich Gefäßchirurgen – ein weiteres Spezialgebiet der Inneren Medizin.

Eine weitere Spezialisierung, über die einige Angiologen verfügen, ist die Phlebologie. Sie befassen sich speziell mit Krankheiten des Venensystems wie Krampfadern, Venenentzündungen oder Hämorrhoiden.

Wichtige Untersuchungsverfahren in der Angiologie

Wie alle Ärzte beginnt auch ein Angiologe mit der körperlichen Untersuchung (Anamnese), bei der er sich über Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und bereits eingeleitete Therapien erkundigt und den Patienten mit Inspektion und Abtasten (Palpation) untersucht.

Für die meisten angiologischen Untersuchungen ist keine schädliche Röntgenstrahlung notwendig. Wie es um Durchfluss, Wandstärke und Struktur von Gefäßen bestellt ist, lässt sich in den meisten Fällen mit einer einfachen und unschädlichen, daher beliebig oft wiederholbaren Ultraschalluntersuchung (Sonographie) feststellen.

Bei einer solchen Gefäßdarstellung mit einem Sonographiegerät bewegt der Angiologe einen speziellen Schallkopf in reichlich schallleitendem Gel auf Ihrer Hautoberfläche und schaut sich die darunter verlaufenden Gefäße an. So lassen sich Gefäßwände und Gefäßdurchmesser auf einem Monitor in Echtzeit verfolgen.

Mithilfe des Doppler-Effektes ist es zudem möglich, Fließgeschwindigkeit und Fließrichtung des Blutes festzustellen (Gefäß-Doppler, Farbduplex).

Muss sich der Angiologe die Sache näher ansehen, ist dafür eine Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel in einer Röntgenaufnahme notwendig. Das strahlenundurchlässige Kontrastmittel gibt die Gefäßdurchmesser wieder. Eine Darstellung der Arterien bezeichnet man als Angiographie, der Venen als Phlebographie.

Weitere Auskünfte kann eine digitale Subtraktionsangiographie (DSA) bringen. Hier macht man die Röntgenaufnahme einmal mit, einmal ohne Kontrastmittel und kann so die beiden Bilder miteinander vergleichen.

Wichtig für die Feststellung von Durchblutungsstörungen ist die Oszillometrie (ABI (Ankle Brachial Index)-Messung). Hierzu vergleicht der Arzt den Blutdruck am Arm mit dem Blutdruck weiter unten am Bein. Bei einer arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) beispielsweise kommt vom Blutstrom unten an den Füßen nur noch wenig an.

Die wichtigsten angiologischen Erkrankungen

Arteriosklerose und Atherosklerose betreffen das arterielle System und führen zu Behinderungen des Blutflusses. Dadurch fehlt es in den nachgeschalteten Kapillarsystemen an Sauerstoff und Nährstoffen, mit Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Klinisch wichtige Verengungen (Stenosen) finden sich an der Halsschlagader (Carotis), Nierenarterien (A. renalis) und Eingeweidearterien (A. mesenterica).

Ein klinisch wichtiger fortschreitender Gefäßverschluss ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch als Raucherbein oder Schaufensterkrankheit bezeichnet. Sie betrifft die Beckenarterien und sorgt für Schmerzen beim Gehen.

Aneurysmen sind Gefäßerweiterungen infolge schwacher Gefäßwände. Reißen diese, sind die Blutungen oft kaum zu stoppen. Sie finden sich an der Hauptschlagader (Aortenaneurysma), im Gefäßring unterhalb des Gehirns (Hirnaneurysma) oder in den Beckenarterien und Kniekehlenarterien.

Ähnliche, aber weniger lebensbedrohliche Gefäßerweiterungen sind Hämorrhoiden und Krampfadern.

Viele chronische Wunden sind die Folge von Gefäßschäden. Dazu gehören insbesondere das Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) und das diabetische Fußsyndrom.

Entzündungsreaktionen können alle Gefäße betreffen. Je nach Lokalisation spricht man von einer Arteriitis, Thrombophlebitis oder Lymphangitis.

Gestörter Lymphabfluss führt zu Lymphstauungen und Lymphödem, die der Angiologe vor allem mit Kompressionstherapie behandelt.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Malte Ludwig: Facharztwissen Angiologie zur Vorbereitung auf die Facharztprüfung. 1. Auflage. Berlin/Heidelberg 2020: Springer-Verlag. ISBN-10: 3662584506.
  • Malte Ludwig, Johannes Rieger, Volker Ruppert: Gefäßmedizin in Klinik und Praxis: Leitlinienorientierte Angiologie, Gefäßchirurgie und interventionelle Radiologie. 2. Auflage. Stuttgart 2010: Thieme-Verlag. ISBN-10: 9783131101921.
  • Thomas Zeller, Thomas Cissarek, William A. Gray, Knut Kröger: Gefäßmedizin: Therapie und Praxis. 2. Auflage. Berlin 2013: ABW Wissenschaftsverlagsgesellschaft. ISBN-10: 3940615366.
  • Ulf Teichgräber, René Aschenbach, Dierk Scheinert, Andrej Schmidt: Periphere arterielle Interventionen: Praxisbuch für Radiologie und Angiologie. 1. Auflage. Berlin/Heidelberg 2018: Springer-Verlag. ISBN-10: 366255934X.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
    Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie/Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA). Internetauftritt.
  • Deutsche Gefäßliga e.V. – Internetauftritt.
  • Bundesverband Deutscher Internisten (BDI): Schwerpunkt Angiologie.
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.