Nitrit im Urin

Nitrit im Urin als Anzeichen einer Infektion

Bei Nitrit im Urin sind Bakterien im Körper vorhanden. Der Stoff entsteht im Harn, wenn sie Nitrat (NO3) in Nitrit (NO2) umwandeln. Sein Vorhandensein ist automatisch die Indikation für die Präsenz von Krankheits-Erregern. Die umgekehrte Schlussfolgerung ist nicht zulässig: Findet der Arzt im Urin kein Nitrit, ist eine Harnwegs-Infektion dennoch möglich.

Urin testen

Urin-Tests | © Björn Wylezich – Fotolia.com

 

Bakterien verwandeln Nitrat in Nitrit

Nitrit im Urin zeigt eine Infektion der Harnwege an. Bakterien sind in großer Anzahl vorhanden und wandeln Nitrat chemisch in Nitrit um. Mithilfe eines Streifens testet der Patient den Morgenurin, der ein genaueres Resultat verspricht. Färbt sich dieser rosa, ist der Stoff präsent. Nicht alle Bakterien bilden Nitrit. Deshalb ist bei einem negativen Ergebnis die Möglichkeit einer Infektion dennoch gegeben. Um sie zu vermeiden, ist es notwendig, die Signale der Blase zu beachten. Damit vermindern vor allem Frauen das Krankheits-Risiko.

 

Was sind Nitrite und wie entstehen sie?

Nitrite sind Salze der Salpeter-Säure (HNO2). H steht für Wasserstoff und N für Nitrogenium, was zu Deutsch Stickstoff bedeutet. O ist das chemische Zeichen für Sauerstoff. Die Salze entstehen aus Nitrat, das durch Nahrungsmittel-Konsum im Harn vorhanden ist. Bakterien reduzieren die Moleküle um ein Oxid. Danach bleibt Nitrit übrig. Ohne Krankheits-Erreger ist der Urin nitritfrei. Zeigt eine Harnprobe Nitrit im Urin an, ist dies ein Zeichen, dass Krankheits-Erreger vorhanden sind. Der Arzt veranlasst eine Urin-Untersuchung aufgrund des Verdachtes auf Zystitis oder Pyelonephritis. Fimbrien sind die Tentakel der Bakterien. Mit diesen verankern sie sich im Gewebe. Die Adhärenz der Lektine an ihrer Oberfläche ist der Auslöser der Infektion.

Bei einer Untersuchung des Harns testet die Fachperson oder der Arzt das Vorhandensein von Nitriten ohne speziellen Verdacht. Der Test erfolgt immer mit der Hilfe von Teststreifen. Eine chemische Reaktion von Nitrit mit dem Streifen verändert dessen Farbe von Weiß zu Rosa. Nach einer Minute ist das Resultat deutlich ablesbar. Der Test ist unmittelbar nach der Harngewinnung durchzuführen, da sich Bakterien bei Raumtemperatur vermehren. Steht die Probe eine Zeit lang, ist ein falsches positives Resultat möglich.

 

Nitrit positiv oder Nitrit negativ

Bleibt der Streifen weiß, ist das Ergebnis „Nitrit negativ“ und nicht aussagekräftig. Laut Statistik ist bei der Hälfte aller Harnwegs-Infekte kein Nitrit im Urin vorhanden. Deshalb schließt der Arzt die Möglichkeit eines Infektes erst nach weiteren Untersuchungen mit negativem Ergebnis aus. Bei positiv getestetem Nitrit verfärbt sich der Teststreifen rosa. Dies ist ein deutliches Zeichen für eine starke Vermehrung der Bakterien.

Um ein korrektes Resultat zu erzielen, verwendet der Arzt zur Untersuchung den Morgenurin des Patienten. Der erste Harn nach der Nacht enthält größere Mengen an Bakterien als zu jeder anderen Tageszeit. Der Urin verweilte einige Stunden in der Blase, wo er in dieser Zeit vermehrt Nitrit bildete. Die eine Zystitis verursachenden Erreger nehmen während des Tages rasant ab. Die Erreger der Pyelonephritis bleiben in fast gleicher Anzahl vorhanden.

Gründe, warum trotz Bakterien kein Nitrit im Urin entsteht

Nicht alle Bakterien bilden Nitrite. Bei einer solchen Art liest der Arzt den Infekt nicht am Test ab. Folgende Typen bilden wenig bis gar kein Nitrit:

  • Pseudomonas,
  • Mykobakterien,
  • Gonokokken,
  • Staphylokokken,

Oftmals ist der Test negativ, weil im Harn zu wenige Bakterien präsent sind.

Bei der Untersuchung während des Tages kommt es vor, dass er durch große Trinkmengen stark verdünnt ist. In diesem Fall ergibt der Test: Nitrit negativ. Falls extrem viele Bakterien vorhanden sind, bauen sie das Nitrit ab. Es ist somit nicht mehr nachweisbar. Bei zu wenig Nitrat im Harn bildet sich kein Nitrit. Dies ist bei einseitiger oder zu künstlicher Ernährung der Fall. Bei Babys, die noch von der Muttermilch leben, ist der Nitrit-Test nicht sinnvoll. Bei Unterernährung zeigt er ebenfalls kaum die richtigen Resultate an. Gemüse ist vorwiegend für das Nitrat im Urin verantwortlich.

Nur bei Harn, der mehr als vier Stunden in der Blase verweilt, ist ein zuverlässiges Resultat zu erwarten. So lange Zeit benötigen die Bakterien, um das Nitrat in Nitrit umzuwandeln. Dies ist noch ein Grund, den Morgenurin für den Test zu verwenden. Er bleibt am längsten im Körper. Beim Konsum von Antibiotika ist die Nitrit-Produktion gestört. Der Test gibt in diesem Fall kein zuverlässiges Ergebnis.

 

Behandlung von Harnwegs-Infekten

Laut Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie und Medizinjournalist, leiden 50 bis 80 Prozent der Frauen irgendwann in ihrem Leben an einem Infekt der Harnwege. Die weibliche Anatomie sowie der vaginale Östrogen-Mangel in der Menopause begünstigen das Ansiedeln von Bakterien. Bei einem Drittel der Frauen tritt einmal im Jahr die unkomplizierte akute Zystitis auf. Bei Männern sind es die älteren Semester, die darunter leiden.

Symptome dafür sind neben Nitrit im Urin Druckschmerz im Unterbauch, der in den Meatus urethrae ausstrahlt. Die Pyelonephritis bringt zusätzlich Schüttelfrost und Fieber mit sich. Bei geriatrischen Personen treten die Anzeichen abgeschwächt oder gar nicht auf. Dennoch leiden sie unter dem Infekt, der unentdeckt bleibt. Das Bakterium Escherichia coli ist für 72 Prozent der mit HWI in der Fachsprache abgekürzten Harnwegs-Infektionen verantwortlich. Der Urinstreifen-Test zeigt in vielen Fällen an, ob Nitrit im Urin vorhanden ist.

 

Tipps zur Prophylaxe einer Infektion der Harnwege

Wer viel trinkt, beugt einer Harnwegs-Infektion vor. Eine übertriebene Sexualhygiene zerstört die eigene Körperflora und öffnet den Erregern die Möglichkeit, sich ungehindert auszubreiten. Harndrang nicht unterdrücken und die Blase komplett entleeren bilden notwendige Vorsichts-Maßnahmen. Nässe und Unterkühlung begünstigen die Vermehrung von Bakterien.

Ein Meiden von spermiziden Gelen hilft, das Risiko einer Infektion gering zu halten. Die Blase direkt nach dem Geschlechtsverkehr zu entleeren, verhindert die Keimwanderung. Wer auf die Signale der Vesica urinaria achtet und ihnen folgt, vermeidet unnötige Gefahren. Dennoch sind Harnwegs-Infekte möglich.

Behandlung auf natürlichem Wege

Eine Studie von Tero Kontiokari unter dem Namen „Randomised trial cranberry-lingonberry juice and Lactobazillus GG drink for the prevention of urinary tract infections in women“ zeigt die Wirksamkeit von Cranberry in der Behandlung. Proanthocyanidine und Anthocyane verleihen dem Saft eine antioxidative und bakterienhemmende Wirkung.

Die Studie teilte 150 Frauen mit Escherichia-coli-Infektionen in drei Gruppen. Die erste erhielt keine Therapie, die zweite ein Saftgemisch aus Cranberrys und Moosbeeren. Die Probanden der dritten Gruppe nahmen jeweils ein Lactobazillus-Getränk zu sich. In der Cranberry-Gruppe beobachteten die Forscher einen Rückgang von 56 Prozent der Harnwegs-Infekte im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das Lactobazillus-Getränk blieb ohne nennenswerte Wirkung.

 

weiterführend:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC33514/

http://www.paracelsus-magazin.de/alle-ausgaben/58-heft-022012/840-harnwegsinfekte-vorbeugen-ist-besser-als-antibiotika.html


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