Welcher Blutwert zeigt eine Autoimmunerkrankung

Autoimmunerkrankungen sind oft heimtückisch, denn sie beginnen meistens mit harmlosen und unspezifischen Symptomen.

Dabei ist in den meisten Fällen eine rechtzeitige Erkennung wichtig für eine möglichst frühe Behandlung, mit der sich die schlimmsten Symptome abwenden oder die Krankheit zum Stillstand bringen lässt.

Unerlässlich für die Diagnose von Autoimmunerkrankungen ist die Bestimmung von Blutwerten.Blutwerte bei AllergieBlutwerte verändern sich bei Autoimmunerkrankungen ähnlich wie bei Allergien.

Bei der Diagnose und Verlaufskontrolle von Autoimmunerkrankungen spielen vor allem die Entzündungswerte CRP, Leukozyten und BSG sowie ein Suchtest auf spezifische Autoantikörper eine Rolle.

Wie verändern Autoimmunerkrankungen die Blutwerte?

Bei einer normalen Immunreaktion greift das Immunsystem mit seinen Zellen und Antikörpern Fremdsubstanzen an, die im menschlichen Körper nichts zu suchen haben.

Dazu gehören vor allem Bakterien, Viren und Einzeller, die sich unbefugten Zutritt verschafft haben und Unheil anrichten könnten. Die Prägung der Immunabwehr auf fremd und körpereigen erfolgt in den beiden ersten Tagen nach der Geburt und bleibt ein Leben lang erhalten.

Bei Autoimmunerkrankungen läuft etwas mit dieser eingeprägten Erkennung schief. Leukozyten und Antikörper greifen körpereigene Strukturen an und führen so zu einer Entzündung, in deren Folge das betroffene Gewebe geschädigt wird.

Im Gegensatz zu den nahe verwandten Allergien ist dafür kein Kontakt mit Allergenen aus der Außenwelt notwendig. Muss man bei Heuschnupfen erst mit Pollen in Berührung kommen, sind die Auswirkungen einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Lupus erythematodes nicht so ohne weiteres zu vermeiden.

Die Antikörper, die an körpereigene Antigene binden, bezeichnet man als Autoantikörper. Sie erscheinen naturgemäß im Blutserum und sind als typisches Anzeichen einer Autoimmunerkrankung wichtig für die Diagnostik.

Folge des Großangriffes des Immunsystems: Einerseits finden sich in den Blutwerten ähnliche Veränderungen wie bei einer Infektion, andererseits versucht der Körper, die selbst verursachten Schäden wieder zu reparieren – ein Wechselspiel, das in den meisten Fällen ein Leben lang erhalten bleibt.

Welche Blutwerte zeigt eine Autoimmunerkrankung? Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Bei Autoimmunerkrankungen greifen Immunzellen und Antikörper körpereigene Strukturen an.
  2. Im Gegensatz zu den ähnlichen Allergien ist für Veränderungen der Blutwerte und sonstigen Symptome kein Kontakt mit einem von außen kommenden Antigen notwendig.
  3. Durch die Entzündungen sind die Entzündungswerte CRP, Leukozyten und BSG ähnlich wie bei einer Infektion erhöht.
  4. Je nach Autoimmunerkrankung kann man gezielt nach den irrtümlich gegen körpereigene Antigene gebildeten Antikörpern, sogenannten Autoantikörpern suchen.
  5. Die Blutwerte sind neben der körperlichen Untersuchung Basis jeder Diagnose von Autoimmunerkrankungen und hilfreich bei der Verlaufskontrolle unter Therapie.

Blutwerte bei Autoimmunerkrankung: Für die Diagnose unabdingbar

Die charakteristischen Beschwerden einer Autoimmunerkrankung erfasst der Arzt bei der körperlichen Untersuchung. Ein weiterer wichtiger Baustein der Diagnostik sind die Blutwerte, allen voran die Entzündungswerte und gegebenenfalls die bei der jeweiligen Autoimmunerkrankung gebildeten Autoantikörper.

Blutwerte bei Autoimmunerkrankung: Entzündungswerte

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In der Labordiagnostik bezeichnet man die Blutwerte, die im Laufe einer Entzündung hochgehen, als Entzündungswerte. Diese steigern sich auch im Verlauf einer Autoimmunerkrankung.

Der wichtigste Entzündungswert ist das C-reaktive Protein CRP. Das in der Leber produzierte Eiweiß gehört zu den Akute-Phase-Proteinen, die die angegriffenen Zellen und Immunkomplexe aus toten Zellen und Antikörpern markieren. Dadurch erkennen die Fresszellen wie Makrophagen, dass sie die Reste wegräumen sollen.

Referenzbereich CRP: ≤ 0,5 mg/dl

Ein weiterer wichtiger Entzündungswert ist die Zahl der Leukozyten, weißer Blutkörperchen, die als Lymphozyten, Granulozyten oder Makrophagen an der Immunabwehr beteiligt sind. T-Lymphozyten koordinieren als Helferzellen oder Gedächtniszellen die Immunabwehr, B-Lymphozyten produzieren als Plasmazellen die spezifischen Antikörper.

Referenzbereich Leukozyten (WBC, LEUK): 3.800 – 10.500/µl

Wenig spezifisch, aber leicht zu bestimmen ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) als weiterer Entzündungswert. Sie ist ein Maß für die Geschwindigkeit, mit der sich die Blutzellen sedimentieren und vom Blutserum absetzen.

Referenzbereich BSG: < 20 mm (in der ersten Stunde)

Blutwerte bei Autoimmunerkrankung: Autoantikörper

Man kann nur das finden, was man sucht. Das gilt auch für die bei einer Autoimmunerkrankung gebildeten Autoantikörper.

Hegt der Arzt nach der körperlichen Untersuchung einen bestimmten Verdacht, kann er die entsprechenden Autoantikörper im Labor bestimmen lassen. Der Nachweis erfolgt dann über die Bindung der Autoantikörper in der Blutprobe an das entsprechende Substrat und nachfolgende Anfärbung mittels Farbstoffen oder Fluoreszenz.

Da diese Autoantikörper normalerweise nicht gebildet werden, sollte ihr Blutwert bei gesunden Menschen bei Null liegen.

Klinisch wichtige Autoantikörper sind beispielsweise

  • Rheumafaktoren bei rheumatoider Arthritis,
  • antinukleäre Antikörper bei Lupus erythematodes,
  • ARA, EMA und anti-Tissue Transglutaminase bei Zöliakie oder
  • anti-SCl-70 bei Sklerodermie.

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Karsten Conrad, Werner Schößler, Falk Hiepe: Autoantikörper bei systemischen Autoimmunerkrankungen. Ein diagnostischer Leitfaden. 3. Auflage. Lengerich/Berlin 2006: Pabst Science Publishers. ISBN 3-89967-350-6
  • Axel Trautmann, Jörg-Kleine-Tebbe: Allergologie in Klinik und Praxis: Allergene – Diagnostik – Therapie. 3. Auflage. Stuttgart 2017: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131421835.
  • Joachim Saloga, Ludger Klimek, Roland Buhl, Wolf Man, Jürgen Knop: Allergologie-Handbuch: Grundlagen und klinische Praxis. Stuttgart 2005: Schattauer-Verlag. ISBN-10: 3794519728.
  • Tilo Biedermann, Werner Heppt, Harald Renz, Martin Röcken: Allergologie. 2. Auflage. Stuttgart 2016: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642372023.
  • Axel Müller: BASICS Allergologie. München 2006: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421166.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
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